Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 21 (1890)
- Issue
- 39/40 (26.9.1890)
- Date
- 1890-09-26
- Page
- Seite 302 (sequence 6)
- Language
- German
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hart. Der Armenunterftützungs-Lerein hatte ein« Einnahme von 10344 M. und vertheilte an jüd. Lrttarme 8750 M. an Durchreisende 12S4 M. — Der BeamtenpensionSfond» hat ein Vermögen von 23,181 M. Aus der großen Anzahl (30) von Wohlthätigkeit»- Vereinen und Stiftungen heben wir besonderzw« au» jüngster Zeit hervor: die Händler-Stiftung mit einem Grundkapital von 100uOO M., deren Hauptzweck e» ist: .Söhne hiesiger unbemittelter Glaubensgenossen zu guten Handwerkern heranzubilden, solche also bei der Erlernung eines Handn>erks oder eines nützlichen technischen Gewerbe» — mit Ausschluß des Betriebes von Handelsgeschäften «nd der rein künstlerischen Fachstudien — in jeder Hinsicht zu unterstützen." Weiter sagt die Stiftungsurkunde: .Hierbei geht meine Absicht dahin, daß eine möglichst große Zahl junger Israeliten, nicht etwa blos einzelne Bevorzugte — zu vorzügliche» Leistungen, ein jeder in dem von ihm ertvählren Fache, herangebildet und daß die Würdigen dann auch noch bei ihrer Selbständigmachung seitens der Verwaltung der Stiftung mit Rath und That unterstützt werden. Mein Wunsch ist, dazu beizutragen, daß das Handwerk, welches zu alten Zeiten unter unfern Glaubensbrüdern in hohem Ansehen gestanden, unter diesen wieder gefördert und zu Ansehen gebracht werde." (Zu diesem Hauptzwecke sollen alljährlich drei Viertheil« der Erträgnisse des Stiftungskapitals verwendet werden, während ein Biertheil dem Verein für Familien- und Volkserziehung in Leipzig sür seine Zwecke überwiesen werden soll, .um gleichzeitig auch sür die Ausbildung der weiblichen Jugend, ohne Rücksichtnahme auf deren Confrssion, zu nützlicher ErwerbSthätigkeit einzutreten.") Ferner: Die .Israelitische Altersversorgungs-Stiftung", im Jahre 1888 von einem auswärtigen Wohlthäter (dessen Name verschwiegen bleiben soll) mit einem Kapitale von M. 42500 errichtet. Tie jährlichen Erträgnisie diese» Bermögens werden zur Unterstützung jüdischer, nicht unter 50 Jahre alter, in Leipzig ortsangehöriger unbescholtener Familienväter oder Wittwen verwendet.— Möge tue gutorganisirte Gemeinde sammt ihren religiösen und Humanitären Anstalten sich gedeihlich fortentwickrln und blühen und reichen Segen verbreiten. Aus »e» chroßßerzoglß»« Kesse». ES ist bekannt, daß in dem kleinen Staate Hessen am 20. Februar d. I. Ski Antisemiten in den Reichstag gewählt wurden. Bei n Landtags-Verhandlungen im Vorsommer wurde auch darauf die Sprache gelenkt und der Herr Stoatsmiuister Finger bezeichnet« den Antisemitismus als eine .bedauerliche Erscheinung", wodurch dem Sozialismus in die Hände gearbeitet werde, bemerkte auch, daß sogar .Diener dä Evangelium» und hochstehende Persönlichkeiten" sich in de« Dienst der Bewegung gestellt hätten. Diese Aeußerung de» Minister» paßt natürlich den antisemitischen Agitatoren nicht in den Kram und es wird mit allen Mitteln, auch den der Lüg« und falscher Citate, dagegen angekämpft und die Berechtigung de» Antisemitismus nac^ewiesen. So schreibt u. A. da» .Volk" vom 17. September: .Die Juden haben unS zum Kampfe Hera«»- gefordert. Es ist hohe Zeit, daß man da» übergreistude, den Wohlstand des Volks.austaugende, zu einer Gefahr sür die Zukunft, gewordene Judenthum in di« nöchigen Schrank» verweist. Es ist die Pflicht eines rechten Patrioten, eine» Jeden, der sein Volk und Vaterland liebt, den Stier an den Hörnern zu fassen. Achtung darum vor den Männern, die bei der letzten ReichstaAswahl in den so zahlreich besuchten antisemitischen Versammlungen die öffentlichen Schilden oulthig aufgedeckt haben. Also wohlgemerkt, der Antisemitismus ist keiucnsalls eine ״bedauerliche Erscheinung", wohl 'aber eine sehr zeitgemäße, nothwendig gewordene undsreudigeErscheiaung. Niemand anders hat sie heraufbeschworen, als da» Jnoenthmn selbst. Und wer letzteres nicht für ein« schwere Gesahr hält, der nehme sich folgendes zu Herzen: In de» Ausrufe der Alliance iaraiKie zum Beitritt heißt, es: ״Die AUu&oe, die wir gründen, ist weder franzüfflch, noch dniHtzf *tty[ •*׳“ englisch sondern universell. Wir haben keine Mitbürger,' wir kennen nur Religion»«« osten. Israeliten! benutzen wir / alle Umstände. Unsere Macht ist groß, lerne« wir sie gebrauchen. Der Tag ist nicht mehr ferne, wo die Reichthümer der Erde den Juden gehören werden." — Da» lie», deutscher Michel, und erwachet" Wir fragen: Siebt es lein gesetzliche» Mtttrl, gegen eine solche Fälscherbande einzuschreiten, da» sie zwingen könnte, öffentlich zu erklären, sie habe die Allianoe uraAlite durch gefälschtes Sitot verleumdet. Man könnte getrost der geldbedürstigeu Redaktion de- .Volk" ein Million biete«, wenn sie nachwesten künnte, in welchem .Aufrufe" die Alliance die oben citirte lächerliche Aeußerung gethan habe. Mit solchen Lügen hetzt das »Bolk" da» Volk! Au» Made». In vergangener Woche wurden durch den bekannten Antisemiten-Häuptling v. Liebermann, der sich seit dem 1. September nm dir Parteiorganisation in Baden bemüht, öffentliche Bersammlungen in Schlicngen, Müllheim, Atzenbach und Maulburg abgehalten. Eine ganze Reihe von Bersammlungen waren im badischen Unterlande vorhergeaaugeu. So wird der Boden antisemitisch unterwühlt und für die nächsten Wahlen vorgearbeitet. In Müllheim kam e» zu folgendem Zwischenfall. Der Aaufmann Jacob Mäher, ein Badenser, war, ««geekelt von dem ganzen Treiben dieser Leute, die — wie da» so ihre Art ist — bem Antisemitismus ein patriotisches Mäntelchen umhänaen, auch ein Hoch auf den Großherzog ausbrachten, bei dem Hoch aus dieser Leute Mund fitzen geblieben. Um allen Mißdeutungen zu entgehen, veröffentlicht« er in den beiden Müllheimer Blättern am folgenden Tage eine Erklärung, er habe sich von dem .Hoch" auf den Großherzog ausgeschlossen, weil er in demselben ״eine boshafte Ironie und einen Hohi^ schlimmster Sorte" erblicke. Herr von Liebermann erblmte in dieser Anschuldigung die Unterstellung einer Majestätsbeleidigung und hat an demselben Tage eine Klage gegen den Juden angestrengt! (Wir haben schon wiederholt gesagt, daß Juden doch, von solchen Versammlungen lieber fortbleiben und den ersten VerS des ersten Kapitels der Psalmcn mehr beherzigen sollteruRrd.) Au» dem Alfiitz. (Der Hopsenmarkt und die jüdischen Festtage.) Unsere Hopfenernte, so wird von Bruma t h dem .Straßburger Tageblatt" geschrieben, stt zu Ende. Täglich . werden hier und da Käufe abgeschlossen zu 140 bi» 200 ML per 50 Kilogramm. Aber d« Pflanzer sind sehr zurückhaltend und wollen da-Ende der jüdischen Festtage abwarten, weil nach denselben erst unsere alljährlichen Käufer ein treffen werden und donnerst rege-Leben in»Geschäft kommen wird. Aus Türkheim schreibt man: Einige Tage vor unserem Neujahrsfeste mußte unsere Synagoge wegen Baufälligkeit durch den Herrn Polizeikommiffar in Münster geschlosst« werden. Da der Zustand ein derart schlechter ist, daß eine Reparatur nur äußert schwer möglich wäre, so dürfte der Zeitpunkt nicht mehr fern sein, wo wir eine neue, geräumige Synagoge erhalten werden. Wie verlautet, hat ein Eolmarer Architekt bereits den Auftrag erhalten, ein Projeft für-eine neue Synagoge zu entwerfen. Atratzdürg (Elsaß). Unser Glaubensgenosse Herr Adler (L Opprnhr,mer) Lderfabrikant hier, welcher auf der ״Mgemcinen Ausstellung für Kriegskunst und Armeebedarf" zu Köln ihre Produkte ausgestellt hatte, ist dort die höchst« Auszeichnung, das Ehrendiplom, verlsthen worden.. ' Die Firma, deren Produkte Weltruf haben, hat bereit» mehrfache ähnliche Aichzeichnungen für ihre vmaügliche Waare empfangen. 1881 in Frankfurt a.M. lue goldene Medaille . für gewerbliche Lesttungen, sowie 1887 in Fr ei bürg die goldene Medaille. Wie». D^e in vor. Nr. (unter London) gebrachte - Mittheiluug über die verstorbene Prinzessin von Coburg- ,, Gotha, die ein« in Pari» geborene Jüdin Constanze Geiger׳.' war, steht, wie wir rn der ״Neuzeit" lesen,.»icht ver«i»zelt