Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 21 (1890)
- Issue
- 39/40 (26.9.1890)
- Date
- 1890-09-26
- Page
- Seite 303 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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5.K‘-•IE Priyz £ntajlg von Batetn, ein Bruder der Kaiserin von Oesterreich, ist in morganatischer LH« vermählt mit einer Jüdin, Henriette Mendl, Tochter eines Juweliers in München, die nun den Titel führt: Baronin von Wallersee. Die einzige Tochter der Prinzessin Mathilde Bonaparte heiratete ihren Zeichenlehrer, Herrn Sterling, den Sohn armer jüdischer Eltern in Warschau, der später den Titel eines Grasen WalewSky annahm. Prinz Heinrich XIV. von Reuß-Greiz ehelichte Marianne Meyer aus Berlin, später bekannt als Baronin Eggenberg. Erst vor kurzem vermählte sich der regierende'Fürst von Monaco mit Alice Heine, eine Nichte des berühmten Dichters. Der spürst Michael Cito-Bilomanpo, Prim von Rocra ©,Äftnbe, heirathete rin anderes Mitglied der Heinr'schen Familie, nämlich Maria Embden-Heine. Fürst Radznvill heiratete im Jahre 1876 eine Jüdin Namen» Louise Blanc, üöer verstorbene Prinz von Polignac nabm »u seiner Lebensgefährtin Jeanne MiräS, eine Pariser GlaubenSgenossin, und sein Sohn Prinz Camille vermählte sich in erster Eh: mit Katharina Langenberger, deren Mutter «ine Erlanger wc,r. Der Prinz Emil von Sayn-Wittgenstein- Sayn lebt seit 1868 in glücklicher Ehe mit Pouline Lilienthal, der später der Titel einer Baronin v. Aleydorf verliehen wurde. Ihre Schwester Amalie heirathete im Jahre 1867 der Prinz LouiS v. Sahn-Berlebura. Das sind bloß einige wenige Fälle au» den drei ersten Abtheilungen deS Gothaer-Almanachs. ' Die jüdischen Namen in den Stammbäumen de» niederen Adel» sind viel zrhlreicher. Dazu sind dieselben gar oft nicht erst neuesten Datums. Wo immer eine Verbindung mit einem Mitglied« des Hochadels von Spanien und Portugal geschlossen wurde, dort ist eS nicht schwer den Spuren jüdischer Blutsverwandtschaft bi» in« 14. Jahrhundert nachzugehen. Wie». Da» folgende .Eingesandt" in der ״Neuzeit" dürste für Ihr grsch. Blatt von besonderem Interesse sein?י) Die Antisemiten im Wiener Gemeiuderath machen die Residenz errvthen. In keiner europäischen Großstadt wird der parlamentarische Anstand so verhöhnt, wie in den öffentluhen Sitzungen der Wiener Stadtväter. Diese Woche hat Dr. Lueger, der Wiener Proteu», von dem n.»6. Statthalter in einer höchst verletzendeil Weise gesprochen, worüber er von dem Bice-Bürgerineister Dr. Borschke zur Ordnung gerufen wurde. Da schrie ein antisemitischer Gemeinderath״Der Jude Simon hat den Vorsitzenden aufmerksam gemacht!" Wer ist dieser Jute Simon? Der Gemeinderath Herr Gustav Simon, der nicht als Jude, sondern als Bürger Wien» in die Vertretung de: Commune in der Residenz gewählt wurde. Dieser Jude Siuum kann aber den antisemitischen Gemeinderäthen als Muster vorgehalten werden. Seit Jahrzehnten opfert dieser Jude viel Zeit und Arbeit gemeinnützigen Augelegen heilen und humanitärem Wirken. Er ist ein sehr - fleißiges Mitglied des CultuS> Vorstandes und einer der eisigsten Vorsteher jene» großen Vereines, der mit der kostenfreien Bestattung der Armen J und der Unterstützung der Kranken sich beschäftigt. Er ist für jeden Leidenden zu r jen und sucht ihm soviel als möglich zu helfen. Wenn Herren Antisemiten im Gememderathe solche gut« Christen wären, wie Herr Gemeiuderath Gustav Simon «in guter, humaner, hilfsbereiter Jude ist, so würde es um Wien besser fkhen und der Residenz die Schande erspart bleiben, durch die Antisemiten verrufen zu sein. Mari», 18. September. (Dr. - Cor.) Der .Figaro" braLe kürzlich einen Artikel über die Judenverfolgung . in Rußlano. Dei: Verfasser desselben. Herr Rosenthal, wird «un von der ״France" heftig beschimpft. Das Blatt «eint, die Ruflendürsten in ihrem Lanor tbun, wa» ihnen beliebe; Frankreich habe kein Recht sich in die innern Angelegerchestrn diese!» Laude», eiuzumifcheu. Auch die ״Aittoritä" liest heute Herrn Roftwchal den Text, »eil er sich über die Jrcknnverfolgungen in Rußland ^ausgesprochen: ״Nußland ist unser einziger BundeSgenofft", •«flM Simon (tsamt m* kr Magtebnte« Gegtntz. sagt da» Blatt: ״auf diese Macht allein können wir zählet», um der gefahrorohendsten Eoalition zu widerstehen. 4 ׳llleS waS in Frankreich vorgeht und geschrieben wird, findet aber die größte Aufmerksamkeit in Rußland Die Angriffe der republikanischen Juden gegen Rußland könnten dazu dienen, uns die Sympathie deS russischen BolkeS für immer zu entfremden. Wie sehr auch die russischen Juden der TI seilnähme werth sind, so glaube ich doch, daß das. französische Vaterland noch mehr Jnteresie verdient. Die jüdisches Schriftsteller sollten doch ihre Vaterlandsliebe dadurch deweisen, daß sie aufhvtten, das französisch-russische Bünbnitz durch ungerechte Schmähungen in Frage zu stellen." — So vernichtet die Politik alle Humanität! Wtkna Beim Empfange der Deputation der Wilnaer Municipalität, welche erschien, um dem Wilnaer Generalgourerncur, Herrn Kochanow, zur Beförderung zum General der Infanterie zu gratuliren, wandte der Herr General sich an die Hebräer und sagte ihnen u. A. Folgendes: .In dem öffentlichen Leben aller Städte Europas lvmühen sich di« Hebräer, nicht von den anderen Nationalitäten abzustechen; bei uns ist eS aber umgekehrt: allen Bestrebmcgc» der Regierung zuwider geben die Hebräer - sich alle Muhe, ihre Individualität zu bewahren. Ich will nicht von der Ungebundcnheit der Juden im Allgemeinen sprechen, denn sie ist empörend. Aber Eure Kinder befinden sich ohne jede Aufsicht, sie treiben sich in Schaaren auf den Trottoirs und Sttaßen umher und sind den Fußgängern und Vorüber« fahrenden im Wege^ die mehr Erwachsenen treiben schon förmlich Unfug. Schließlich sieht man nirgends derart Widerliches, wie einen Judenbanfen, der sich sofort bildet, wird nur etwa» berühtt, wadie Juden betrifft. Neugierige aiebt eS allenthalben, allein einen Auflauf zu insceniren, der Polizei störend entgegenzutreten, oder den Händen derselben irgend einen in üngrunti ertappten diebischen Judenbergel entreißen zu wollen, die Umstände zu komplizirrn und die Sache zu verdunkeln — das ist solchem Judenhaufen eigen. Daher merken Sie sich und theilen Sie Ihren Glauben»- genossen mit, daß nicht ein einziger ähnlicher Fall künftig ohne Verfolg vorübergehen soll: für jegliche Störung der öffentlichen Ruhe und Ordnung werden die Schuldigen bestraft werden." <Man verschließt den Juden die Schulen und Universitäten und klagt dann über Mangel an Bildung und Anstand.) #•*#*- Unter den Gerichtsverhandlungen theilt die ״Odeffaer Zeitung" nachstehenden Vorgang mit: Ein gewifser Lange in Odessa hatte von einem dortigen GeschästSmanu mosaischen Glauben», Namens Schorr, Geld geliehen und dafür seine beiden Pferd« und seinen Wagen verpfäntet. Die!Handelsunternehmung Lange's ging jedoch fehl, ׳:in Pferd krepitte, dann erkrankte seine Mutter an einer schweren Krankheit, so daß ihm, um die Mutter zu kuriren und zu pflegen, nichts übrig blieb, als da» letzte Pstrd und t«i» Wagen zu verkaustn. Schorr klagte nun beim Friedens^ richtrr, tästcher Lange wegen Verschleuderung fremden EigenthumS zu ö Monaten Gefängniß vernrtheilte. Auf die ÄprllatimlSkag« Lange'S hin wurde die Sache nochmals im FriedenSttchterplenum verhandelt. Hier erstatte der Kläffer Schorr, daß er über die Lage Lange's Erkundigungen eingezogen hak«, welche ihn zu der Ueverzeugung brachten, daß sein Schuldner Lange vom Unglück heimtzesucht worden ist und daß er das verpfändete Eigenthum nur deshalb Dar« lauft, um leine Mutter zu retten. ״Und weil mein Schuldner dieses Verbrechen nur in der größten Noch und hauptsächlch aus Mutterliebe begangen, die heutzutage so selttn anzu- ׳treffendst, so schenk ich chm die ganze Schuld und rrsmhe da» Gericht, chm die Straft zu mildern", hierbei entnahm er an» ferner Tasche den Wechsel Lange's und zerriß ihn in Fetzen. DaS Gericht erkannte Longe trotzdem für schuld g, fremde» Echenthum leichtsinnigerweise verschleudert zu Hab:» und verurtheilte ihn zu 16 Tagen Arrest.