Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 21 (1890)
- Issue
- 39/40 (26.9.1890)
- Date
- 1890-09-26
- Page
- Seite 300 (sequence 4)
- Language
- German
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Gestehen wir e» u»S, daß solche« Jade« gegenüber die Intoleranz de» qu. HotelwirthS un» keine Türäue an»- pressen würde, »e»a «8 sich nicht dabei ausschließlich um ein« verwerflich« Tendenz handelte. Wir hören nun de« Neugierigen fragen: treffen die Juden etwa in Restaurationen als Glaubensgenossen zusammen? Da noch weni«r, lieber Leser, die jüdischen Restaurantfristen in vickn Badeorten nur kümmerlich ihr Dasein. Die Hülste der jüdischen Badegäste, welch« sich in christlichen Wirtschaften eine gar eigene Behandlung gefallen lasse«, welch« sie in jüdischen Gasthäusern als .Lhuzpehbezeichnen, würde genüge«, daS Berlaagen nach Vermehrung der jüdischen Restaurant» nahe zu legen und die Leistungen derselben zu verbeffern — während jetzt nur über manche Mängel derselben geklagt und geschimpft wird, wenn der eine oder der andere mal am Sabbath Sehnsucht fühlt nach den Schalettöpfen Juda'S! Dem Schreiber dieses war enoch nicht vergönut, an einer tadle ä'nüta im christlichen Gasthaus« theilzunehmen; ergötz» lich müßt« es aber sem zu hören, wenn ein Gast dem andern etwa zuruft: Herr Lohn, wünschen Sie von diese« saftigen ״Schinken" — oder: Herr Levy, bitte, reichen Sie mir doch mal die Hummern herüber — abgesehe« davon, daß manche berechtigte Eigenthümlichkeiten der Physiognomie und de» DialrctS störend auf diese Idyll« einwlrke« dürfte«. Haben die Betreffenden gar nicht da» Bewußtsein davon, daß sie vor Juden und Christen sich lächerlich machen, ja, daß sie sogar unpraktisch handeln, da sie in oer aufgeführten Gesellschaft für ihr Geld nur ״geduldet" werden? ARnn sie aber, wie eingangs dieser Zeilen erwähnt, brüSquin werden, dann verlangen sie die Theilnahme aller Glauben»- genossen, ohne daß sie etwa» dazu gethan' haben, sich diese zu verdienen. Sie sollten doch wiflen, daß der Jndifferen» tiSmu» in der heutigen Zeit, wo da» ora 6t labora be» sonders stark betont und in der auf religiösen Sinn viel Gewicht gelegt wird, uns den größten Schaden bringt, und daß diese Gleichgiltigkeit schuld ist, daß die früher vereinzelten Fälle der Unduldsamkeit in erschreckender Zahl sich mehren. Manche handeln noch abgeschmackter, indem sie sogar mit der Unfrömmigkeit anderer Glaubensgenossen coquettirrn. WaS ist e» denn ander», wenn der Eine bemerkt, daß e» für einen Beamten im Staatsdienst ״wirklich unmöglichist, religiös zu leben, und der ander« etwa» merkwürdiges zu erzählen glaubt, wenn er erwidert: ״Warum nicht! Bei unS cst ein Amtsrichter, der jeden Jom Kippur auf eine Stund« in die Synagoge kommt-!! ES ist traurig und widerwärtig zugleich, und — da» mögen unser« Glaubensgenossen zu Haus« «no in der Fremd« bchmken und beherzigen — unser Symbol muß der Fest» strauß sein, in welchem die verschiedenartigsten Gattungen zum Dienste Gotte» vereint werden. Ob Emer Amtsrichter oder Handwerker, Gelehrter oder Kaufmann ist. wenn die RÄigion sie nicht zusammenhäl^ wenn sie ihre Zusammengehörigkeit verleugnen, sind sie «in Krebsschaden am Körper des Judenthum»; wenn sie sich nur verbinden, um zu prunken und über ihrrGenoffrnfich zu e r h « b e «,stürm sie die ganz« Einheit, welche allein uns erhält, sowie der Feststrauß unbrauchbar wird, wenn etwa» Fremdartige» hinzokommt, und selbst wenn er mft einer Goldschnur umwunden wird. Hoffen wir, daß nicht die harte Roch der Zett unsere Brüder zwinge» wird, in sich zu gehen, — denn wo wollte» sie dann plötzlich ihre Widerstandskraft herholeu? — sondern daß ihre Überzeugung und Einsicht chuea de» rechten Weg zeigen wird; da» wollen wir von Gott erhoffen, der die H ü t t e des Frieden» über uns breiten möge. vr. dl. 8.-0. Gerichte imfc €*txtfy$wbtn}tn. Ds»ü<chl««d. Mnndeßnrß, 21. Septeacker. (Or^Lorr.) Unser religiöse» Neujahr brachte «n» ein seltene» Jubelfest, de» »««nziaste» Geburtstag «nsere» ältesten GemeindemftgliedeH de» Herrn Ernst (Aron) Friedeber-. Der ehrwürdige Jubel-re»,- der sich einer vortrefflichen körperlichen und geistige» Frische und Rüstigkeit erfreut, ist nach jüdischen, Datum am Erew Ko*oh hasohono 6561 geboren und mit der Geschichte unserer Gemeinde auf» Innigste verwachsen; er gehörte zu den gerade vor 50 Jahren durch die Wahl der Gemeinde zur Leitung derselben berufenen ״Gemeinoeälttstep- und hat seitdem durch Rath Und That da« Wohl derselben gefördert; er ist eine Zierde derselben und e׳n schöneerhebende» Beispiel von Tugend, Humanität und Gottesfurcht. Die Wünsche der Gemeinde sprach der Rabbiner am ersten NeujahrStage in einem besonder» innigen, an die Festlfturgie sich anschließenden Gebete, der Borstand in einer Persönlich überreichten Adresse aus. Um allen Ovationen (am 18. Sept.) zu entgehen, war der bescheidene Jubilar am 17. zu seinen Kindern nach Berlin gereist; aber nach seiner Rückkehr liehen e» sich doch viele ftiner Verehrer nicht nehmen, ihm persönlich ihre Glückwünsche auszusprechen. Der hiesige amtliche Anzeiger" brachte folgende biographische Notizen über den Jubilar: «Wohl einer der älteste» Bürger unserer Stadt, Herr Ernst Friedeberg, begeht Donnerstag, den 18. d. M., körperlich und geistig so kräftig, wie man mit SV Jahren nur immer sei» kann, seinen SO. Geburtstag. Indem wir de« Jubelgrelse zu diesem seltenen Fest« unser« besten Wünsche darbrtnaen, wollen wir einen kurzen Rückblick 'aus seinen langen, ereignistreichen Lebenäweg werfe». .Herr Ernst Friedeberg ist ein Magdeburger Und*), er besucht« da» hiesig« Domgymnafium und »rat 1810 bei den» damaligen Bankgeschäft von I. I. « Sußman» Heinemann in die Lehre, wo er auch später mit Einschluß seine» Mtltrair-Dlenstjahre» ununterbrochen bi« 183V verblieb. Im Jahre 1829 gründete er sodann am hiesigen Play« mir seinem 1880 'verstorbenen Bruder Ferdinand Friedeterg unter der Firma »Gebrüder Friedebergein Waareu» ilommissionb- und Spedition»-Geschäft. Beiden Brüdern ist e« vergdnnt gewesen, im Jahre 1879 da» SVjährig« Jubiläum de« von ihnen be» gründete» Geschäft» zu feiern, bei welcher Gelegenheit dieselbe« ein« namhaften Betrag der Stadt zur Errichtung einer «Uden Stiftung überwies«.,.--) Bon Sr. MaiestSI de« Könige wurden dt« Brüder s. Z. au» Anlaß dieser Feier durch Berleihuua de« Üronrnorden» 4. Klaffe «»»gezeichnet. I». seinem langen, an Thätiakeit so reichen Lebe» hat Ernst Ariedeberg auch «ine Menge »ffentltcher Ehrenämter bekleidet. Er war Mitbegründer der Mageburger Lebe»«verfichernna und ist heute noch Au»schußmitgli«d deffelben; ebenso hat er dm Magdeburg-Wittenbergesche Eisenbahn mit in» Lebe« rufen Helsen und war von 1818—1868 Aulschußmitglied derselben. De« Stadtverordnetenllollegium gehörte er von 1862—1874 an, und bi» zu seine« vor einigen Jahre« erfolgten Audtrltt au» dem Geschäft war er Mitglied der kaufmännischen Vergleich»-Deputation. Sir begnügen un» mit der Aufführung dieser Ehrenämter, wie wohl ein« große Zahl von solchen sich noch aufzählen ließ«. Möge de« Jubelgreis, der fast zwei Menschenalter hindurch di« Geschichte unserer Stadt im Werden gesehen und an ihrer Entwicklung »hatkrästiaen Anthell genommen, die Sonn« seine» Lebensabend» auch fürder freundlich strahlen, umgeben von Kinder und Stnde-kindern, hochverehrt und geschätzt von Allen, dt« Gelegenhett hatten, seine Bekanntschaft zu machen!" — Da» gebe Gott! Aterkl«. Ein Antisemit der schlimmsten Sorte ist bekanntlichderRedakteurder.StaatSbürgerzeitung-.Dr.Bachle r, derselbe, deffen Wahl zum Stadtverordneten jüngst beanstandet worden ist. Sein Blatt treibt die Judenhetze mit besonderem Raffinement.—) Gestern hat den Redakteur endlich dalängstverdiente Schicksal in Form einer 14tägigen Gefängnißsttasr wegen verleumderischer Beleidigung emer jüd. Geschäftssinn« ereilt. Da» Blatt hatte nämnch vor einigen Monaten lang und breit erzählt, daß ein junger Mann, Namen» Fritsche; welcher bei den Herren Levy & Heinemann (@6tlia) bedienstet gewesen, von dem Augenblick an, wo er sich selbständig machte und als Droguist etablirte, der Gegenstand de- Hasseder Kläger geworden sei. Weil der LhristenmensH neben de«' Juden lebrn wollte, hätten die Kläger ״die niedrigsten Mittel - 4M׳ a־ alter **) Die Summ« von 80,000 Mt., deren Zinsen jährlich an 10 würblge Bedürftige (ö jüd. und 5 christliche) verweilt «erden, (Red.) —) Er hat auch jüngst fich erdrriftet, da» Herruch«, in vro»lan ge» spräche« Kaiserwon, da» fich an dt« Bürger aller lkonfeffione» wandte, in öffentlicher Versammlung so zu deuten, daß der Kaiser damit ׳ kcine»weg« dt« Jude» «iti»begriffe» Hab«, .den» der Kaiser kenn« lein» . ' ׳ jüdische «onsrsfion.- Streift eftw solche Unterschiebung nicht an Mw--, jeftäwbeleidigung? An einem KaiftrmoN so» «an nutzt mäkeln!