Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 21 (1890)
- Issue
- 39/40 (26.9.1890)
- Date
- 1890-09-26
- Page
- Seite 299 (sequence 3)
- Language
- German
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bei. Sfltdia, eine» «feierte« Gelehrten bei , elalter», der bis tum heutigen Hage sein Lnnicht eingebüßt hat, und der Talmud, der alte Taimud enthüll Betrachtungen, die mit der besonnenen Bibelkritik sehr verwandt sind: er weift -darauf hin, daß der Schluß des fünften Buche-Mosis, da wo der Tod deSMose berichtet wirb^ nnmöglirb non diesem herrühren könne; damit ist aber schon eine Bresche gebrochen in die orthodi^e Ansicht; der Talmud sagt, Jesa;ah habe Gott geschildert wie-ein Städter den König schildert, der ihm wohlbekannt sei; Hesekiel rede von Gott wie etwa ein Dörfler von seinem Könige reden würde, den er zum ersten Male sieht. Llso mcht der göttliche Geist unmittelbar, sondern die vom göttlichen Geiste erfüllen Männer mit ihrer Eigenart und ihrer Leben»- ersahruug kommen in den heilmen Schriften zum Wort; darum sagen schon die Alten, daß nicht zwei Propheten in einer Weise reden. Ausdrücklich heißt es in der Schrift: Mose» war der größte aller Propheten; war hätte die» für .einen Ginn, wenn auS allen Propheten Gott in gleicher Weise geredet hätte, wenn nicht vielmehr in den biblischen Schriften so gut wie in weltlichen der Bersafler seine Eigenart er Geltung brächte; jeder Jude kann über die Berechtigung c Vibelkntik denken, wie er will, »aber als etwa« Neues kann sie sich Keinem vorstellen, der da» jüdische Schriftthum mit einiger Aufmerksamkeft gelesen hat. Sonderbar ist die Ansicht, daß es, weil wir bie Bibel - mit kritischem Auge ansehen, eS unS an Sehern und Führern fehle. Ja seit wann gelten denn die bittischen Persönlich« ketten als unfehlbar? Mose selbst wird in der Schrift ge« tadelt und kann nichts best »weniger unS ein Borbild ft׳n. Eine Persönlichkeit, die völlig ohne Fehl ist, übersteigt unser Begriffsvermögen, und wenn sie exisnerte, so wäre sie durch ihre makellose Tugend so ganz unterschieden von allen Sterblichen, daß sie un» nicht zum Vorbild dienen könnte. Aber diese Männer und Frauen, von denen die Schrift erzählt, unS verwandt durch kleine Schwächen, und von uns . getrennt durch große Tugenden, sie stehen unS nahe genug, baß wir den Ruth haben, ihren Tugenden nachzueifern. Sie können um so eher unsere Lehrer und Führer sein, weil sie unS zeigen, wie einer aus Sünde und Fehl sich anfrafft. Bei dem siebentenPunfteerinnert sich der freisinnige Prediger, daß er nicht» unmittelbar Neue» »ringe, sondern etwas Altes erneue. Er spricht von einem »uralten, Jahr- Hunderte lang vergeffenen, jetzt aber wieder erneuten himmtischen HauSgesetz". Und worin besteht dies Gesetz? darin, daß der Zugang zum himmlischen Bater jedem Menschenlinde zu jeder Zeit frei sei, daß wir keine» Mittler» bedürfen, um vor Gott zu treten, um vor Gott zu beten, daß kein Engel, kein Priester, kein Heiliger uns helfen könne, sondern baß jeder sich selbst helfen müffe, aber getrost vor Gott erscheinen könne, denn wir sind ja seine Kinder und er unser Bater. Nu« diese Lehre sie ist der Grundgedanke der heiligen Zeit, mit der wir da« neue Jahr begmneu; Niemand kann «n» durch seinen Tod von der Sünde erlösen, Niemand kann, aber Niemand braucht auch für uns zu beten. Gott ist im Himmel und der Mensch ist aus Erden, und dennoch ist Gott un» der Nächste, denn er wohnt in unser« Gemüthe, und wenn wir «tie» Stieben und Rohe abstretfen, so ist zwischen ihm und un» eigentlich gar kein Unterschied. Da» ist der höchste Segen unserer Religion, daß sie uu» hart heranrückt zu unserm Gotte, daß wir alle e* fühlen, waS der Sänger kündet: »Wenn Du o Gott bei mir bist, so verlange ich nicht» aus Erden." In unserer Ritte ist diese» uralte himmlische HauSgesetz, von dem der freisinnige Prediger spricht, nie vergessen worden, sondern »er Mittelpunkt unsere» religiösen Leben» gettieben. Diese Bettachttura zeigt un», baß unser Judenthum nicht zu verwechsem ist mft dem, was man sonst Religion jKttnt IBa« ein Manu, der al» besonder» kühn gilt, ander- -Als Neuigkeit und Neuerung seinen Genoffen bringt, Mii ״ 'ba»-fjk!i*»flriSTWMch? bemrbear Judenthn» ist Religi« Thora i. h. Einsicht, Erkenntnis mp» sie aut n»d"wahr sind! längst heimisch den Halle» unfervi Heiligthmns. — Amen! B. B.r. •ine Pleueverei i» der L««ßh»tte. ' Trinnernnge» eul de« Na beleben. Jüngst «achte eine Notiz, welche durch die Zeitungen lief, gerechte» Aufsehen, welche berichtete, daß ei« Hotaie, in eine» Badeortt einer Dame erklärte» er wolle sie nicht beherbergen, weil sie Jüdin fei und dieJuden al» solche in scinenr Gasthause keinen Zutritt haben, — eine Ansicht, die er auch eine» Herrn gegenüber zur Geltung brachte, welcher in demselben Hause AbonnementS-Billets für die takla d’hötn wünschte. Letzterem, dessen erster Schrei an der russische,» Grenze die Welt beglückte, ist e» an seiner Wiege aewtj; nicht vorgesungen worden, er würde einst — al» gebildeter Monn sogar — in einem christlichen Hotel mft einem derartigen Anliegen abgewftsru werden. Fragen wir un» uun, ob die «eisten Inden in de» Badeorten es verdienen, daß man sich ihretwegen so fchr echansfire, so muß «an diese Frage entschieden verneine«; wenige dem Schreiber au» eigener Anschauung bekannt gewordene Beisttele sollen diese Berneinung erläutern. Früher pflegten stamme!Leute, welche thatsächlich ihrer Gesundheit wegen einku Badeauftnthalt auffuchea mußte», bie »drei Wochen" diesem Zwecke zu widmen, tun gewisse Erleichterungen genießen z« könne«; die Behauptung ist nicht übertrieben, daß heute viele, die nach einem Bad» orte lediglich zur Erholung gehen, nicht allein gewöhnlicku rwigiüft Uebnngen Unterlasten, denen sie zu Lause wohl Eeudet man sich an ihre Mildthätigkeit, schützen sie ablehnend vor, daß sie iu ihrer Gemeinde als Borsteher :0. {»trief für die Armen chun, daß sie auf Reift» davon verschont bleiben möchten. ffftrbert man sie auf. Ea.nstag zur Synagoge mttza« kommen, refüstren sie. denn sie müßten einen Epazftrgang machen, könnten es im dumpfen Raum nicht au«holte« — und was noch mehr sttche Ausreden sind. Dadurch erklärt sich auch der Umstand, baß die Synagogen in vielen Bat«- orte«, welche scheinbar nicht be« zwanzigste» Theil der jüdischen Badegäste fasten könnte«, am SamStag bei den Herren nur halb, bei den Damen nur in der ersten Reii-e gefüllt sind. Mft welchem Neid sahen wir dagegen am Sonntag bie christliche» Badegäste, von denen keiner versänufte, auch iu der äußeren Erscheinung durch ihre Bekleidung dem Ruhelage zu huldig« — wobei ihnen in letzterer Beziehung auch die Judea ftkundirte« —; wen« um 10 Uhr der Gatte»- dienst in de» Kirche» begann, waren sämmtliche Promenaden geleert, denn auch die Inden hielte« sich um diese Zeit in ihre» Wohnurmen. um ג— nicht als solche sich ״zu ettenmit zu geben!" Dieser rege Kirchenbesnch erzeugt dann da» Bed«cs«iß nach Erweitern na «sp. Nenbau der chrtsllichm Gotteshäuser; e» re«» sich dann alle Hände, Sammlung» werbe« abgehalten, Loncertr veranstaltet, »ub wen« getsUtehe Laneerte in den Kirche» angeführt «erbe«, stellen bie Jubm da» Hauptronttngent zu aeu Besuchern, so daß dft Kirchen überfüllt sind. E» sind biefttde» Jude«, welche zu brr» selbe» Zeit — wir Hab« bestimmte Loneertt i« Ange, welche am Freitag Abend stattgefunben habe« — bie Synagoge nicht besuchten au« Furcht vor dem Aufenthalt in überfüllt« Räume». Sv pao—nt soll hier bemerkt »erben baß »och kW» Fall bekannt ist, in b«n bei eine« Littht» eanearte jüdische Achler atwgischlofft« worbyl wäre»