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Israelitische Wochenschrift · 1890-09-26 · 39/40 (26.9.1890) · p. Seite 298

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
21 (1890)
Issue
39/40 (26.9.1890)
Date
1890-09-26
Page
Seite 298 (sequence 2)
Language
German
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dulden. veit er die Mevegrodirt hatte zu einem der gerülgfst» der Sterne. DerRtausch wirb kleiner, die Welt wird größer, wenn wir erfahren, daß diese Erde, auf der wir unsere ganz« Laufbahn, solange unsere Seele i« Körper weilt, Volk,eben, nur eine ganz nebensächliche Bedeutung in der Welt bat. Was sind wir, wenn schon die Erde, der große Schauplatz menschlicher Thaten, so gering ist im gewaltigen Haushalt der Gottheit! Das Judenthum sieht in dieser neuen Erkenntniß, soweit sie auf daS religiöse Leben zurückwirkt, nur «ine Verstärkung jener uralten Mahnung zu. Demuth. Niemand wird im Ernst darin eine Schwierigkeit finden, weil Josua einmal gesagt hat: Sonne stehe still. Josua hat damit weder für noch gegen KopernikuS Partei genommen, ebenso wenig wie wir. wenn wir von!Sonnenaufgang und Sonnenuntergang reden, etwa an einen Protest denken gegen die Kopernikanifche Lehre. Die menschliche Rede richtet sich nach dem Augenscheine und die Wiffenschaft bleibt in ihrem Rechte, wenn sie den Augenschein als trügerisch erweist. Also diese erst« Neuigkest stört deu Aufbau de»Judenthum» nicht im mindesten, sondern verstärkt nur den Nachdruck jener Mahnung zur Demuth. Daß aber andere Religionen mit der Neuigkeit de- KopernikuS schwerer fertig werden, liegt außerhalb de- Bereicheder Betrachtungen, die an dieser Stelle statthaft sind. Eine zweite noch wichtiger« Neuigkeit ist, daß es keine Wunder giedt, daß Gott die ewigen Gesetze, von denen die Natur beherrscht wird, nicht gewaltsam durchbricht, nicht tckllkürlich ändert. Aber für «nun Judri^ der nur die jede« Gebetbuche beigedruckten Sprüche der Väter kennt, ist diekeine neue Kunde. Das ist zu lesen: zehn Dinge sind geschaffen worden in der Abenddämmerung tun bevor der erste Äibbath begann nach dem göttlichen Schöpfung-Werke, und nun werden die Wunder hergezäblt, von denen die Schrift berichtet. Damit will natürlich der Talmud nichtanderesagen, als daß alle die sogenannte» Wunder schon im Schöpfung-plan vorbedacht gewesen sind, sich sonach auS.dem natürlichen Lauft der Dinge ergeben haben, und kiae Wunder gewesen sind. Ist z. B. die Oeffnuna der Erde, durch welche die Rotte Korah'S verschlungen wurde, die Wirkung einer vulkanischen Erregung, so enffpricht sie dem natürlichen Berlauf der Dinge und war sonach vorgesehen in dem SchöpfungHüan. Natur und Menschenschicksal stad in jeder einzelnen Erscheinung wunderbar; wer erklärt, wie audem Saattorn die Aebre wird! so tarne« wir im täglichen Tebete ״wegen der Wunder, die Gott an jedem Tage mit uns tljnt', und diese Formeln haben das ehrwürdige Alter von Jahrtausenden; also schon die Alten glaubt«, daß Gott nicht di« Ordnung, die-er ftlbst aufgerichtet hat, unterbreche oder zerstöre, um durch Wunder die Memche«' zu erschrecke« oder zu erfreuen, sondern ihnen war Alle», waauf Erden geschah, ein Gegenstand ehrsürchteuder Bewunderung. Damit ist nun selbstverständlich nicht gesagt, daß wer deu gewöhnlichen Wunderglauben ftfthält, etwa ««jüdisch denkt. Nein, nmh jüdischer Anschauung soll die Religion unfern Verstand nicht in spanische Stiefel einschnüren. Dem an methodische- Denken Gewöhnten ist di« Gottheit erhabener, wenn sie sich selbst gebunden hält an die von ihr gegebenen Gesetz«, einem Ander« erscheiut Gott größer und gewaltiger, wenn er wie ein De-stwt « jede« Moment seinen Willen Zu» Gesetz «acht. Wachut'S? da- Feld ist für da- Rachdenke, frei; nur kauu, »er die Wmcher verwirft, nicht behaupten, daß er un- Inden etwa- Nene« sage. Schm» die heilige Schrift, verwirft die Wnuder als Beweismittel in religiös«» Dingen und Mt die Nor» ans. der Prophet «üffe bestraft werde«, der Falsche- «ud Btte» (dm und durch Wunder bekräftig. Man könnte frage«: Wo hat denn nun der falsche Prophet die Wunder heraenonuae». Aber eine» gewandten Naturforscher wird e» «cht schwer werden, auf dem Wege de» EtzpSrlmeut» eine ~ tzrrvorzurnftn, welche tmt der Menge als angestännt wird. Die dritte Neuigkest soll darin nur die Propheteu sondern auch die Männer WeiShest von «ine« göttlich« Geiste bestell sind. daß jede Wahrheit, nicht nur die religiöse, «ine Offenbarung Gotteist, daß die Dichter «ad Seist« aller Zette». aller Land«; so nur ihr Lebe« und ihre Letzte rein «nd lauter ist ebenbürtig sind den Männer», denn Lehr« in der heilige« Schrift »nüberliefert ist. Nun, wir brauchen nicht dst dicken Folianten aufzuschlagen. welche nur dm Gelchrt«»' zugänglich sind» wir könne» unwidxrum an da- Gebet» buch halten, welche» wir unser» Kindern in die Hand gäbe«, um zu erfahren, ob da- Judenthu« eia« Kluft kennt zwische» rrligwser «nd weltlicher Weisheit. Unsere Kinder lerne» oder sollte» wenigstene< lernen: wer einen nichtjüdische» Weise« sieht der soll de» Segea-spruch sprechen : ״gepcieft» seist Du Ewiger unser Gott, König der Welt, der Du von Deiner Weisheit den Sterblichen spendest*. Solche Ehr» furcht hatten uastre Alten vor tan Männern der Wiffenschaft» auch wenn des« nicht'zu unser« Belenntniß gehörten, «st eine« Voten Gotte-, so wollten sie, sollt« «in ftommer Israelit deu begrüßen, der der Wissenschaft dstnte. Nahe-, ei» Jahrtauftnd hieß ei» griechischer Deuker in nnsemr Litteratur schlechtweg, ״der Weise* und wenn unsere Altvortarn übertreibend die Begabung eine- Mensche» rühme» wollten, sagte» sie nicht: ei« Kopf »ft Mose oder wft Maimouitas, soutarn ein Kopf wie Aristotele». So. eifrig waren sie, ihr Wiffen zu mehre«, so daß sie sogar tau Umgang mit abtrünnigen und jutaafeiadlichen Gelehrt» nicht vvffchmädteu, und sich an dft Regel hielten: man ißt tan Kern und wirft dft Schale fort. Also auch da» ist un- Juden keine neue Weisheit, daß ftdr Wissenschaft eine Ausstrahlung Gottes ist, daß die Prophtten Weise uw dft Weisen Propheten sind. Zum vierten meldet un» der aufgeklärt« Prediger, daß nicht ein einzelner, sondern alle Frommen und Gute« Kinder dehimmlischen Vatersind; diese Lehre ist allerdingeinem Juden zu eng, zu eingeschränkt; denn nicht nur die Guten, sondern auch dft Sch!echten sindKinder delebendigen Gottes. blinder seid ihr dem Ewigen eurem. Gotte,* sprüht Gott zu allen Israeliten; weil all« Menschen» auch dft Sünder, Gotte- Kinder sind, darum gftbt e» kein« ewigen Strafen; wir verkennen nicht, daß die.Androhung ewiger Strafen ein äußerst wirksame- Mittel zur Tugen» ist; wie dft Sünde unendlich ist in ihren Wirkungen, so soll auch dft Sttafe unendlich sein; aber Gott der Vater straft seine Kinder nicht auf ewig; jede Sttafe ist eine Sühne, und kann darum nicht der Endzweck, kann nicht ewig sein.׳ Also auch hftr sagen wir mit Koheleth: das ist ein Wor^ von dem er sagt: daist neu, das Wort ist in Wahrhett so alt als das Jutanthum selbst. Der fünfte Punkt ist besonderer Erwägung werth; Es gftbt eine weitverbreiftft Ansicht, daß dft heilige. Schrift von Anfang bis Ende da- Werk Gotte» sti, daß all« die Prcwheten nur gleichsam Sekretäre sind, denen der heilige Geist biauseinzelne Wort dft Reden in dft Feder dikttrt habe. Bftft Bibelforscher verwerfen dftse Ansicht; noch mehr, sie untersuchen z. B. oft fünf Bücher Most- »ud glaube» ' n später« Zusatz zu find«; He entdecken, daß jeder, , * elgenartig dft Relmioa ausgefaßt und in manche«' ,n sich mit tan Verfassern anderer in der Bibel «nthalft««« heiligm Schriften in Widerspruch gesetzt Hab«, daß also Widersprüche in der Bibel vorhanden sind. Diese ganze Gekhrsamkeit, welche man Vitalkritik nennt, ist so jung und stürmisch, daß Vorsicht ihr gegenüber sehr wohl am Pkche ist. Atar stellen wir «n» einmal aus tau Standpunkt dieser Bitalkrttiker; verlfttt eine Wahrhett ihre» Wetth oder auch nur au ihrem Werthe, weil sie «in Jahrtausend später au-aesprocheu worden ist, «k- «an bisher angeaomme» tat; sind du fünf Bücher Most» vom Thron , weil irgend ei» mintarwichtige-Kchuftl «in späterer. . rst? «ud dstst guuze vitalkritck ist Hqg Hchmch«» -ar jv^s«; sie Hut ihren A 0

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