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Israelitische Wochenschrift · 1890-09-18 · 38 (18.9.1890) · p. Seite 293

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
21 (1890)
Issue
38 (18.9.1890)
Date
1890-09-18
Page
Seite 293 (sequence 5)
Language
German
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MuBrMlgliG wqf» äußerlicher Bortheile, Erlangung von staatliche» oder sozialen Lebensstellungen u. dergl. geschehen, in einigen Fällen darf man auch wohl fragen ״oä est la femtne?“, und in andern Fällen ist «S die vermeintliche Aufklärung, will sagen das so bequeme, vollständige Abstttisvn aller, jenen Naturen so lästigen, Feffelu religiöser Vorschriften, und der Wunsch in gesellschaftliche bis dahin ' so ziemlich verschlossene Kreise einzudriagen. Da« Letztere, «ine lächerliche, nicht annähernd solchen ungeheuren Opfers würdige Eitelkeit, das Erster« nur die letzte Consequrn», daS Ziel des leider so überwuchernden JndifferenlismuS, und der Unkenntniß unsrer eignen Geschichte und Lehren. — Und diese letzteren, die Sleichgiltigkrit gegen, wie die Unkeunniiß in unser» eigenen Angelegenheiten, das sind die wahren und am wesentlichsten zu fürchtenden Feinde des Judrnthums. L. Piraten, 12. September. Eine sehr einfache, Harmlose Bekanntmachung des GemeinderatheS im hiesigen äotal» Organ ,Dresdner Anzeiger" betr. die Einrichtung eines NrbengotteSdicnsteS für die drei höchsten Festtage gab einigen Leitungen Anlaß, über die Vermehrung der israelitischen Bevölkerung Dresdens sich auszulassen. Für das famose antisemitische Hetzblättchen ״Deutsch« Wacht" ist das ein Anlaß, über die .Berjudung Dresden«" zu klagen und die ,Väter der Stadt" aus die drohende Gefahr aufmerksam machen. Man möchte über solch« journalistische Impotenz Aachen, wäre die Sach« selbst nicht für unsere Zeit so tiestraurig — Abgesehen davon, daß dieser Nebrngottesdieiist schon Jahre lang von privaten Unternehmern ausging und nun, wie es sich auch gehört, von der Gemeinde- Verwaltung selbst in würdigerer Weise installirt wird, daß also von einer mehr al» normalen Vermehrung der israel. Bevölkerung in Dresden gar keine Rede sein kann, haben die hiesigen Juden ohnehin so ziemlich gar keinen Einfluß ans. das öffentliche, wie gesellschaftlich« Leben, waS zu einem großen Thal seine Ursache darin hat, daß sich die Besterdenkenden, unbeschadet ihres allgemeinen Patriotismus wie ihre« Interesses für lokale Angelegenheiten, durch die offnen und heimlichen Anfeindungen angewidert, selbst auf ihre -engeren Kreise zurückgezogen halten. Aber wenn ein allgemeines Unglück he»embrrcht, da ist der jüdische Mitbürger gern mit auf dem Plan und willkommenl Au« de« Okfaß, 10. September (Or^Corr.). Die israelitischen Consistorien Elsaß-Lothringens, die in unermüdlicher Thätigkeit unaufhörlich dafür Sorge tragen, die -Gleichberechtigung der jüdischen Rabbiner des Reichslandes mit den Geistlichen der zwei anderen Confessionen, wie dieses im Reichslande von jeher der Fall war, auch unter jetziger deutscher Regierung zu fördern und zn befestigen, haben vor kurzem auch den Beschluß gefaßt, eine Unterstützung-kaffe zu Gunsten der - Rabbinerwittwen und Waisen ins Leben zu rufen und behufs besten beifolgendes Tirculär an sämmtliche Rabbiner, Elsaß-Lothringens versandt: .Die 3 vereinigten iSr. Consistorien Elsaß-Lothringen haben beschlossen, erne Unterstützung-kaffe zu Gunsten der Rabbiner-Wittwen und Waisen inS Leben zu rufen. In absehbarer Zukunst, wenn einmal, wie wir hoffen, diese Stiftung in Thätigkeit ist, wird sich dieselbe, unter gewissen Umständen, auch noch zu Gunsten anderrr iSrael. Lehrer und CultuSbeamte auSdehnen können. Die Statuten dieser Kaffe sind nächstens in einer Bersammlung der 3 Consistorien festzusetzen. Die Kaffe wird durch Beisteuer der Regierung, durch -Gaben niid geringe Akyüge von etwa 2*/, aus die Gehälter der Herrn Rabbiner unterhalten werden. . K Eine zur'Gründung besagter Kaffe picht unbeträchtliche Subvention von mindestens 1000 Mk. ist uuS jetzt schon 'von einem hocblöblicheu Ministerium geneigtest zugesagt. » Aus Gaven können wir bestimmt rechnen, eS fft vnS bereits eine solche von 4000 Mk. angeboren. Demgemäß ist unsere Stiftung lebenssthig und wirb dieselbe hoffentlich noch im lauftnden Lahre gegründet werden können. Wir beehren uns, Herr Rabbiner, Sie hiermit ergebenst zu bitten, Ihre Beistimmung, die wir als sicher betrachten, Ihrem Consistorium schriftlich übermitteln zu wollen. Die Mitglieder, der 3 Consistorien Elsaß-Lothringen»." (Die Energie dieser Herren verdient alle Anerkennung; der Verband der deutschen Rabbiner hat trotz der mannigfach gegebenen Anregungen und Besprechungen im Central» ausschuß eS doch nicht zu einer solchen so dringend nüthigen Pension-- und Witttoen- und Waisen-UnterstützungSkaffe gebracht.) Schtettkatk, (Elsaß) 3. September. An Stell: d«S alte« unansehnliche» Gebäudes mit düsteren Fenstern, uascheinbaren und altersgrauem Dach, welche» bisher der hiesigen israelitischen Gemeinde zum Gotteshaus« diente, hat sich jetzt die Gemeind« einen ueuen Tempel Gotte» errichtet, dessen eigenartige, aber doch gefällige Formen angenehm auffallrn. ES ist ein in orientalischem Stil aufgeführter Kuppelbau, hem die der Neuzeit huldigende» Verbesserungen ebenso wie die dem maurischen Stile entnommruen Verzierungen vortheilhast angqmßt erscheinen. Heute nun war die Einweihung de« neuen Tempels, zu welcher zahlreiche Einladungen ergangen waren. So hatten sich als Vertreter der Regierung Bezirk-Präsident Freiherr von Freyberg, namen» de« israelitischen ConsistoriumS daS älteste Mitglied, Kaufmann Nathan au» Straßburg, der zukünftige Oberrabbiner Straßburg-, Weill aus Metz, und andere eingefunden, und wurden »n den alten Barbarasaal geleitet, der im Fahnen- und Wappeaschmuck prcnyfe. und in dem sich dir Vertreter der Schlettstadter Behörden und die iSraelittsche Gemeinde bereiteingefunden hatten. Hier ordnete sich auch der Festzug. welcher durch die geschmückten Straßen der Stadt zur neuen Synagoge »og. Am Bestimmungsorte angekommen, trat Frl. Scriber vor und übergab dem Bezirk-Präsidenten Frhrn. v. Freyberg mit sinniger Anrede den Schlüffe! zur Synagoge, de» der Bezirkspräsident mit folgenden Worten entgegennahm: .Im Namen und Auftrag der kaiserlichen Regierung von Elsaß- Lothringen nehme ich den mir dargereichten Schliff«! »u dem neuen Synagogenbau in Empfang und halt« ihn der versammelten Gemeind« vor Augen, zum Zeichen, daß die Regierung gewillt ist, diese» van al« geweihte Stäke eine« öffentlichen Gottesdienste» anzuerkennen und gegen Angriffe und Störungen jeder Art zu schützen. Ich übergebe «un diesen Schlüffe! den geistlichen BehSrden und der Synagogenoer» waltung mit der Ermächtigung, darin fortan ihre« Amte» zu walten und ich bitte de« Architekten, nunmehr den Tempel zu äff««». Die israelitische Gemeinde und ihre Oberen «erden der Regierung, di« diese» Bau genehmigt und gefördert hat, erkenntlich sein und so »ft sie die Schwell« de» Tempelbetrete», nicht blo» ihrer Pflichte« gegen Gott, sondern auch der Treu« gegen da» Staatsoberhaupt und de» Gehorsam» gegen die weltliche Obrigkeit eingedenk sein." Stadtarchitekt Stamm übernahm bat Schlüssel und öffnete da» Gotteshaus, in welches nun der Zug unter de« Slänaen der Orgel, auf der Organist Statz-Straßburg da- Präludium von Bach sviüte, die Gäste und die Ge» meiude sich begaben, worauf der Gottesdienst begann, der in seine« einzAneu Tyeile» erhebend wirkte. Der zukünftige Straßburger Oberrabbiuer Weill hielt di« Festprrdigt, in welcher der Redner «iue« Vergleich zog zwischen den Synagogen der früheren Zetta» und von heute, »ud daran erinnerte, daß durch die heutige Gesetzgebung auch .die israttische Rttigion Gleichberechtigung habe; er freue sich, feststelleu zu kämm», daß di« Duldsamkett im Elsaß sich immer »ehr und «ehr eutwickrlr. Nachdem auch Rabbiner Wahl- Schlettstadt in einer Predigt die Herzen der Gemeinde bewegt, endttr mtt einem Lobgesong die schöne Feier. Um 2 Uhr begann im Theatersaal ba* Bastelt dem dir genannten Vertreter der Behörden und der Gemeinde- »nwohntrn. Gegen Ende der Tafel erhob sich der Bezirk«- Präsident und brachte in 'finnigen Worte» und schwungvoller

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