Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 21 (1890)
- Issue
- 38 (18.9.1890)
- Date
- 1890-09-18
- Page
- Seite 292 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Berichte rmd COrresy»«de»-e«. De»tfchl«r«d. Magdeturg. (Schluß). lieber den folgenden Theil Lee Berichtes können wir uns kurz fassen. Aus dem Kapitel .Synagoge"' sei mitgetheilt, daß die Gemeinde bis 1851 kein sell-stständigcs Gotteshaus besaß. Am 19. September 1850, öl! > gerade vor 40 Jahren, wurde der Grundstein zum jetz gen Gotteshaus gelegt; im darausfolgenden Jahre fand die Einweihung und 1876 das 25jäbrige Jubiläum statt; bei crsterer hielt Dr. Philippson, bei letzterem Dr. Rahmer die Festrede. — Durch das Wachsthum der Gemeinde erweist sich der Tempel aber schon seit einigen Jahren nicht ausreioxnd, so daß in diesem Jahre die Gemeindevertretung den Beschluß faßte, an den Bau einer neuen Synagoge zu gehen. Die vorbereitenden Schritte werden bereits getban. — Der Go-tcsdicnst findet hier nach^der 1867 vom Rabb. Dr. Rahmer ancgearbcitetcn .Gebetu. Synagogenordnung" und seit 1868 unter Mitwirkung des Männer-Synagogengesang-Bercins statt. Die vierklassige Rcligionsschule mit 160 Schülern — vu1f:t denen, die sich mit dem an den höheren Schulen von den jüd Lehrern ertheilten Religionsunterricht begnügen, u. solchen, die jüd. Privatunterricht genießen, — steht unter Leitung des Rabbiners. Untcrrichtsgegcnstände sind: hebr. Lesen, Ge!«t- und Bibelübersetzen. bibl.-jüd. Geschichte und Religion (auch die Spr. der Väter imllrtext). — Das FriedhofsundBe- «rdigungswesen steht unter Verwaltung eines besonder« Voistandes und befindet sich in bester Ordnung. Auf dem Gebiete dsr .Wohlthätigkeit" wird in der hiesigen Gemeinde auch recht viel gethan. und zwar durch eine größere Anzahl von Vereinen und Stiftungen, die für die aus'.eichcnde Unterstützung von Wittwen. Unterbringung von Wa sen, Krankenpflege, etc. Sorge tragen. Die 5 Vereine- und 24 Stiftungen haben ein Gesammtvermögen von 163,270 Mark. So hat die hiesige Gemeinde in den letzten 50 Jahren eine» rapiden Auffchwung genommen, sie ist nicht nur numerisch gewachsen, sondern alle ihre Institute auf dem Geb.ete des Cultus, der Schule und der Wohlthätigkeit haben «ine 1 schönen Aufschwung genommen, und gehen einer stetigen, den erhöhten Anforderungen der Zeit entsprechenden Ent- Wicklung entgegen. —!ירכה וק ימחץ p I»o 7. September. (Or.-Lor.). Es mehren sich die Stimmen in der 8״. Z. d. 3.", die sich für ein vollständiges Ausscheiden des Hebräischen aus den ReligiouSschulen — und konsequenter Weise auch aus dem Gottesdienst — aussprechen,ja sie dringend fordern. Herr Advokat Emil Lehmann, Vorsteher der jüdische« Gem, ind« in Dresden, findet in einem sonst recht warmherzig geschriebenen Artikel, in welchem er sich gegen die jetzt vielfach ringerissene ״Tauferei" der Sinder, besonder» dt de» sogenannten gebildete» Kreise», wendet, die Antwort auf die von ihm aufgeworfen« Frage: ״WaS uns noch thut" und die Rettung des Judenthums u. A. auch in der Entfernung des Hebräischen; er schreibt: ״Sehnlich wie sich in der Gymnasialfrage jetzt die Reform vollzieht, daß mau es für wül'schenswerther erklärt, TacituS und Sovhokles vollständig in Men deutsche« Uebersetzungen als bruchstückweise Latein und Griechisch zu lesen. Aehnliches crgiebt sich für den jüdischen Religionsunterricht und Gottesdienst." Aber auch ein Rabbiner unseres LündcheuS — Herr Dr. Flaschner in Beruburg — plüdirt dafür, und das ist *, nx>» mir die Feder in die Hand drückt, um dieser verderbliche« Ansicht cntgegenzutrrteu. Hr. Rabbiner Dr. Flaschner kommt in eine« längeren Anstel über ״ReligiouSlehre und Sprachwissenschaft" z« dem Resultat: ״Au» der Religionsschule m»ge man das Hebräische au»scheiden." Wie aber stehr» mit de« Gottesdienste? Soll da da» Hebräische di« Gebttspräche bleiben? Herr Lehman» war darin cousequent, er fordert die Entfernung de» Hebräischen anch au» doü- Gottesdienst. Wie soll Inan denn in einer Sprach« beten,' di« man gar nicht lesen, geschweige denn verstehen gelernt hat. Hr. Rabbiner Dr. Uaschner aber meint, die Gebet» sprach« könne immerhin hebräisch sein, und die Antwort auf die sich von selbst aufdrängende Frage: ״Wie kann man aber andächtig beten, wenn man nicht versteht, was man betet" — findet er in der katholischen Kirche. Diese Ansicht eines Rabbiners ist zu curio», als daß wir sie nicht wörtlich hierherstellen sollten: ״Wir haben — sagt Hr. Rabbiner Dr. Flaschner — nur zu fragen, ob nicht trotz Beibehaltung der hebr. Gebrtsprache ein Auslassen d«S hebräischen Sprachunter» richt» in der Rcligionsschule möglich sei. Di« Antwort auf diese Frage giedt uns ein Blick auf die katholische Kirche. Die Gebetsprache in der katholischen Kirche rst die lateinische, wie in der Synagoge die hebräische. Der kacholische Gottesdienst erfreut sich einer Thellnahme, wie er dem jüdischen nur zu wünschen wäre, gleichwohl denkt dort kein Mensch daran,׳ daß die Kinder, um den Gottesdienst zu verstehen, Latein lernen sollen." — ״Man sieht also, — schließt Herr Flaschner diesen Theil seiner Ausführungen — daß um de» Verständnisse« der Gebete willen unsere RäigionSschulen keinesrveg« mst dem Ballast des hebräischen Spiachunterricht» beschwert zu werden brauchen." Will Hr. Rabbiner Flaschner wirklich den jüdischen Gottesdienst nach dem Muster des katholischen zu einem verständnißlosen machen? Kennt erden Uuteichhied zwischen jüdischem und katholischem Gottesdienst nicht? Will er die jüdische Jugend zur Scheinheiligkeit hiaführrn, soll ihr der Gottesdienst nur ein bloßes .Lippenwerk" sein? Wie gesagt, dies« Ansicht eines Rabbiners ist uns völlig unverständlich. Mit seichteren widerspruchsvolleren Gründen ist wohl noch nicht für die Ausmerzung d«S Hebräischen aus der jüdischen Religionsschule Plädirt worden! Doch wir wollen Herr» Rabbiner Dr. Flaschner nicht mit theoretische« Gegengründen widerlegen, ,sondern ihm nur eine Thatsach« entgegenhalten, die au» der praktischen Erfahrung hervorgegangen ist, wckche die Leiter der jüdische« Religionsschule« in der Hauptstadt Oesterreichs gemacht haben. Dort hatte man vor etwa einem Dezennium beschlossen, den hebräischen Uebersetzungsunterricht auS dem Lehrplan auszuscheiden. Nach den gemachten traurigen Erfahrungen aber hat jedoch nunmehr der Vorstand der Wiener Gemeinde den einstimmigen Beschluß gefaßt, die Urbersetzung der Bibel im Urtqxt wieder in da» Programm des Religion»- unterrichtaufzunehmen. handelt sich dort jetzt nur um die Stundenzahl, die darauf zu verwenden ist. (Der Gegenstand verdient seiner immense« Wichtigkeit wegen eine l ingehende Behandlung, die wir ihm in einem blondem Artikel zuwenden wollen. Red.) L. Pmtc», 11. September. (Dt. •60t.) Hier fand dieser Tag«, die um diese JahreSzett übliche Mission»««- sammlung statt. Wir würden wahrlich nutzt Gelegenheit nehmen, un» an dieser Stelle mit solch interne» Angaegenheitrn chrisllicher BerriuSchStigkeit zu beschäftige», wenn nicht «in ,MissionSsekretär", ein Dr. Müller, sich über die ״Mission unter den Juden" auSgelaffe» Hütte. Er entwarf von derselben» «ach den ״Dresdner Nachrichte»" - ein trübes Bild. ״Die Hiadernisse, welche sich einer Bekehrung der Juden (mau kann wohl auch »mgekchrt sagen: Der Bckhrung eine» Inden. Anm. d. Rrfer.) entgeaeustellten, seien außerordentliche. .Da» Lebe» und Treibe» unter de« Juden(!?) und deren Charakter verstand Redner auf Grund seiner reiche» Ersahrungeu treff- ־“ zeichnen. — Ich maue immer eine unmäßige lieberin den Bekehrung-Versuchen unter Bekenner» de» >n«S zu erblicke«. D«m darüber müsse» sich doch lich die Eiustchttvollen und Gebildete» unter de» Freunde» der christlichen MissionSbestrebunge« klar sein, daß in de» «eiste» Fälle» Uebertritte vom J«d«»- zum Ltzriste»-