Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 21 (1890)
- Issue
- 37 (11.9.1890)
- Date
- 1890-09-11
- Page
- Seite 286 (sequence 6)
- Language
- German
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Aus fein dieSbqßgkehe« Anschreiben Rabnner umgehend folgende Antwort vom!. 'September aut der Commandantur deS VHI. Anneecorp» von Toblenz und Ehrenbreitenstein: .Eu׳r Hochwohlgtborin «hellt di« Eommandnntnr aus dal fällige schreiben vom I. d. Ml», ergebenst mir, daß dieselbe dam« einverstanden ist, dag künftighin hei Neueinftrllung »an Rekruten sp. die israelirischen Soldaten die religiöse Bor׳ bereitung zur Lereidigung in der hiesigen Synagoge erhalten sollen. Tie Kommandantur wird nicht versehlen, Euer Hochwohlgeboren in jede« einzelnen Inve eine diesbezügliche Mittheilung zugrhen zu laffen. I. B.: Frhr. v. Maerte».- Tie israel. Sotcaten der hiesigen Garnison sind an ihre.« sümmtlichen Feiertagen vom Dienste diSpensirt In diesem Jahre ist der Rabbiner beim Seneralcommando des VIIL ArmeccorpS vorstellig geworden, die im ManSver befindlichen jüdischen Soldaten an den hohen Feiertagen zu berlltsichtigen. (Das Manöver des VIll. Arm! eeorps dehnt sich nämlich über Rosch haschano dus und der Rückmarsch findet gerade am Jom kippur statt.) Eine Entscheidung ist nn noch nicht bis jetzt getroffen. An» de» -rotzßerzogt»»« Lessen, 7. Septemb. Fürchten Sie nicht, g. Hr. Red., eS ist nicht» Antisemitisches, Liebloses, was ich von hier mittheile, sondern das gerade Gegentheil davon. Tie.HessischeLandeszeitnng' (Bolksblätter) bringt folgenden .nittheilenSwerthen Artikel ausR i mbach i. 0,3. Sqrtemder: .Wi: schön und lieblich ist es, wenn Brüder einträchtig beieinander wohnen!' An diese» Bibelwort wurden wir auf die > rfrculichste Weise bei Gelegenheit der Feierlichseiten erinnert, welche die hiesige israelitische Gemeinde am letzten Samstag zum 50jährigen Jubiläum ihrer Synagoge veranstallet. Seit Wochen rüstete sie sich zu diesem Feste und hatte sich hierbei der lebhaften Theiinahme der gestimmten Bevölkerung, besonders der Honoratioren, zu erfreuen. Am verflossenen Samstag, den 30. August, kam endlich der lang erwartete Tag heran, der unserem lieben Rimbach in der That ein sehr festliches Aussehen gab. Von vielen Häusern wehten Flaggen, festlich gekieidetete Menschen belebt» n die Strotzen. Die Synagoge praiigte in dem reichsten Blumen- und Pflanzenschmuck, der ihr zum grvtzten Theil von christlichen Herrschaften zugewcndet wurde. Um 10 Uhr Vormittags fand programmgemätz der Festgottesdienst statt, zu iem sich außer zahlreichen Israeliten ans den Nachbar- «iminden auch die christlichen Honoratioren, unter ihnen Herr Dekan F uchs nebst Familie, cinfanden. Diesem schöne» Mor«ente, der die Bekenner der verschiedenen Confessionen und ihre geistlichen Hirten zu einer gottesdienstlichen Feier vereiitgte, gab Herr Rabbiner Dr. Selver auS Darmstadt eine! wahrhaft erhebenden und, wie von allen Seiten zu höre t war, wohlthuenden Ausdruck. Er legte Zeugnitz ab von der inneren religiösen Einheit, welche Israeliten und Ehri ten verbindet, von dem heiligen Bande, welches die JSraftiten an das Baterland, an den Fürstenthron und das bürg rlicheGemcinwesen knüpft. Ausgehend vomPsalm26,S—8 führte der Redner in ebenso ergreifender wie lehrreicher Weise aus, daß der Besuch des Gotteshauses vor allem dazu beitragt, die Gewissen zu schärfen, und den Antrieb gebe, unsere Fehl׳r und Sünden zu erkennen und adzuthun. Zn dem Stieben nach Gerechtigkeit vor Gott, nach dem rechten Brrh, Itniy zu tsolt, finden wtr erst da« rechte «erhättnis, zu unsere» Uebemnenschen. Tarn« sei nur in dem Strebe» mich Gerechtigkeit jra» neuer Pfiichtersüllung ein Band der Bereinigung und Einigkeit gegeb a, dir einzige Gewähr und Grundlage friedlichen Zusammenleben» und ׳ nsammenwtrkens. Insofern nun da« Goiteshau« »ach auhen hin da«- sichtbare Zeichen ist, da« in der israelitische» Gemeinschaft diese« Strechn lebendig sei und gepstegt «erde, daß sie unverbrüchlich frsthalt« au tei l m,»esdunde vem sinai, sesthalte an den ossenbarten Gedoten der Menscheniied«, Gerechtigkeit, «ittenreinheit und Lebrnsbeilignng. verdarke« die Israeliten ihre« Gotteshäusern neben dem rechten Ber ' Itni'j zu Gott auch das rechte verhältnifi zum Baterlande, da» L' 9k׳ «rtimcpfn «tivurger, Mc «nrrkrnnmi« ihrer «sltur ltn Ebendünigtci«. Wie sehr auch neuerdings wieder Bosheit erUtbemm Synagoge »üfdemftlh Kirche «UUHrUpe», des llhristenthums haben »tederholt feierlich . fit mit Jsrnel au» denselben Quellen de» Heiles «heb« und in dem sie 1»urjU. «erL Mt frsmmtzn uWf estc», tu trevefte» und eifrigste» Lehrer »er Ktrche und »er« re «er mit Israel verbnudrn 1 t t»nd brlnnnt, -ast daß sie sich ssen, gerade well es Israel ist.' Herrn Rabbiner» zu geben, wollen aber bei« von Bielen gelheilten Wun-ch nicht unausgesprochen laffen, diese Predigt auch gedruckt vor un» zu sehen. — Ebenso erhebend und erfreulich gestaltete sich der weftere Thsil det Festprogramms. Nachmittag von 3—0 Uhr war, Eonzert, während deffen die Festtheilnehmer mehr in faraiU« ärer Gemüthlichkeit beim Weine zusammensaßen. EtwirSlebhafter ging e- Abends beim Festball her. Nahezu 70 Paare betbeiligten sich am Tanze. Bei diesem Balle wurde» mehrere Toaste ausgebracht, von welchen namentlich der de« Herrn Westheimer, Hern» Bürgermeister» Trautmanu und Baumeister- Kappai hervorzuheben sind. Letzterer toastete auf daS güte Einvernehmen und die herrschende Einigknt '* ‘" der Rix zwischen den verschiedenen Konfessionen timbacher Ge» bacher meinde und spmch den Wunsch auS, daß dieser erfreuliche Zustand auch fortdaure. Herr Bürgermeister Trautmamr brachte ein Hoch ans die hiesige israelitische Gemeinde aus und hob hervor, daß gerade dieÄSraeliten es sind, die chm sein Amt1 erleichtern und ihre Bürgerpflicht getreulich erfüllen. — DaS Festcomite, an dessen Spitze Herr Westzu dem Verlauf und'Erfolg uf Glück diesen rtiatc ״ uns List. Gottlofigkeit und Lüge um di« Entstellung der Wahrheit drsitsst» ist, sei es doch den Edlen und «buten im Lnnde, sei es var heimer stand, kann, ft wünschen; ebenso kann die gesammte Bürgerschaft aus Tag mit Befistdigung blicken. Möge das Echo diese» schönen Feste», das von dem schönen Einvernehmen der Rimbacher Bürger ein so erfreuliches Zeugnitz gab, west hinausdringen snS geliebte Heffenland und überall die D!» monen de» Unfrieden» und der Zwietracht bannen, die w<«n -ncuerdings wieder herausbeschworen hat. C. $<r» «. Vßetn, 4. September. (Or.-Eorr.) Am^ letzten Tage des August verließ unser» Ort, um uetft Familie seinen Wohnsitz in Aachen zu nehmen, der Kapsmann, Getreidegrotzhändler, Herr Leopold Spier. Nichtnur die jüdisch« Gemeinde. deren Jntereffcn er al« Bo!kstandspräsident während seiner ISjährigen Amtsführung in jeder möglichen Weise zu fütdern bestrebt war, virlien oft: demselben eine ihrer kräftigsten Stützen, sondern auch die bürgerliche Gemeind« ein verdiente- und opferwillige« Mi!» glied, deffen Scheiden von hier allgemein bedauert wirs.. Beliebt bei Reich und Arm, geachtet von Allen, die ttut ' kannten, war er stets einer der ersten am Platze, wo e& galt, für da« Gemeinwohl eiuzntreten. Durch da« fegen«- reich« Emporblühen seine« Geschäfte« hat er mancher Arbeiter- ' familie Beschäftigung und Brod verschafft, und wo es «ine Noth zu lindern, eure Thräne zu trocknen galt, da h»tte o er für Jede» ein offenes Herz, aber auch eine offene Hand. Ein schöne« Deichen außergewöhnlicher Achtung und Beliebtbe t, deren sich Herr Spier auch bet der Elite unserer Bürgerschaft zu erfreuen hatte, gab demselben die Gesellschaft .Bereinigung', deren einzige« jüdische« Mftgiied er war. Dieselbe veranstaltete am Abend de« »3. Aimnst ihm zu Ehren eine Abschiedsfeier in chrem VerrinSlocaü, welche die ם Festgeber nicht minder alden Scheidende« ehrte. I« der von dem V.reinSdireetor, Herr» Bürgermeister dr Witt, gehaltenen Abschiedsred« gab derselbe dem Gefühle de» all»: gemeinen Bedaueru« einen kräftigen .Ausdruck, indem er-die,.W Tugenden de« Scheidenden, seine Leutseligkeit, sein sreupd-. > liche« Wesen, sein« Geselligkeit, sein« uneigmnützige Menschen- D liebe, insbesondere aber seine» echt biedern Charakter , 7 rühmte. Dieser Red« folgten noch verschiedene Ansprachen *ffc und Toaste, theil« heitern, theil« wehmüchigen Charaktvr», «he di« treuen Freund« spät nach Mitternacht, sich die Hand-- zum Abschied drückten. *