Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 21 (1890)
- Issue
- 37 (11.9.1890)
- Date
- 1890-09-11
- Page
- Seite 285 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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f» kan« sie Paar zu überraschend»« Resultaten fühlen, ׳.Pie oder »icht lange Vorhalte«, und unter der Land des prüfenden Rachrechner» rasch .wie Seifenblase« platzen, ja 'nicht selten da» Äegentheil von dem beweisen, wa» die Tendcnz in ihrer Hast au» ihr herauslesen wollte. Wa» haben seit den Be rHmdlungen im ׳ Abgeordnetenhaus« und im Reichstage — im Frühjahr — nicht nur die judenftindlichm Blätter Alle» über die Berjudung der höheren Lehranstalten zum Entsetzen der christlichen Bemüther zusammengetragen 1 Leibst der Kultusminister war durch du Stücker'schm Zahlenangaben stutzig geworden und versprach diese» .Problemder Schulverwaltung einem eingehenden Studium zu unterziehen. Hieraus veröffentlichte der ״ReichSanzeiger-, die Lchulstatistik mit Berücksichtigung der Eonsessionen, welch' hoher Prozentsah von jüdischen Schülern ergab sich da. An den 94,089 Schülern, welche die 267 Gymnasien und 30 Progymnasien de» preuß. Staate» im vor. Sommerhalbjahr besuchten, waren im Berhältnih zur gesammten Einwohnerzahl die Evangelischen mit drei Fünftel mehr als di« Katholikrn und die Juden beinahe acht mal so stark al» die Eyrislrn überhaupt beiheiligt; denn während -er Prozentiatz der männliche« Bevölkerung in Preußen: 64*/, an '4kvangelischrn, 34'/, */, Katholiken und sonstigen Christen, und nur I'/, '/, Juden ergebe, belieft sich der jüdische Antheil ^am Gymnosialbesuch aorridil« cliota auf v'/, *LU E» wurde gleich darauf aufmerksam gemocht, daß b« der Be» bäktkiß-Berechnung ein Fehler untergrlauftn sei, man habe La» Berhältuiß von Stabt« und Landbevölkerung nicht berücksichtigt; dft Juden wohnten meist ,n Städten, und Gymnasien gäbe c» auch nur in Städten; folglich müsse die Statistik die Städte für sich in» Auge fassen. Jetzt hat ein Berliner Lorrespondent der ״H. Z. d. I.* sich der Müh« unterzogen, diese» Berhältniß genau festzustellen. Er kommt zu folgende« Resultat: ,Jene Zahlen, «elche et« so auffällige« Berhtltniß der jüdischen -SSymnasiaste» ergebe», verdanken de» U«stand« Ihren Ursprung, daß »an al» ttzrnndlage die Bevölterungtziffern sür den gesammten Staat beziehung»wetse die gesammie Provinz angenommen da«. Die« ilnden sich mtl einem Schlage, wenn «an die Bev»lkerung»statistit derjenige» Ctt«!u »runde legt, auf welche e» allein ankomme» kann, nümlich der 297 Stadt», in welchen »ymnasten und Progymnasien sich befinden. De unter venu»ungde»jüngft vom Retch»kanzleramtveröffentlichten8erpetchniffe» und »er Baffe'fchen .Statistik der Indenangeslellte «erech- »ung erglebt gegenüber der Statistik de» .Resthlanzeiger»- nachstehende« Resultat: Ostpreußen: Inden überhaupt 0,8 Proz.. Jude» ln «ymnafialstüdten 2,92 Proz., (jüdische »vmnafiaste« ifi plkt.) Weftpreutzen: f udeu überhaupt 1,7 plkt., in «ymnasialstadten »,77 pEt. (»qmn. 1,8 PC«.) Pommern: Jaden überhaupt 0,9 pLt., t« »ymnafial« städten »,6 pllt. (»ymn. 78 pLt.) Pose»: Jude» überhaupt 2,9 pllt., in »ymnasialstSdten 18,S pllt. (ldümn. 21,4 pllt.) Branderburg: Juden überhaupt 0,5 pllt. In »vmnasialftabten 1,4» pllt. (»ymn. »,» plkt.) Sür Berlin bleiben di« Zahle» 5,8 (SO S) pE1. befielen. Schlesien: Inden überhaupt 1,8 pllt., in »ymnafialstildten 4,08 pllt. («ymn. •14,8 pllt. Sachsen: Juden überhaupt 0,8 PL»., in »ymnasialstSdten 0,8 PLt. (»ymn. 2,1 pLt.) Tchle»«ia-Holstetn: Juden überhaupt "0,3 pLt.. in «ynmafialsülbien 0,6 pLt. («ymn. 1,9 pLt.) Hannover: Juden überhaupt 0,7 p«t., tn «ymnaslalstadtr» 1,8 pLt. (»ymn. 8,9 pLt.) Hesse»-Raffau: Jude« überhaupt 2,7 pLt., in »ymuafialstLdteii »,» pLt. (»ymn. 7,6 pLt.) Westfalen: Jude» überhaupt 0,8 pLt., tn «ymnafialstabten 2,24 pLt. (»ymn. 4,1 pLt.) Rheinprovinz: Juden überhaupt 1 PLt., tn »ymnasialstadten 2 pL«. (»ymn. 4,6 pllt.) Im ganzen Staat: Juden Überhaupt 1, pLt., tn »ymnasialstadten »,6» pllt. (Ohmn. 9,4 pLt.) — Wenn nun antisemitische Blatter versucht haben, me Zahlen te» .ReichSanzetaer»- al» Material für Hetzarnkel zu verwerten, so mSgen sie nun ersehen, daß sie tm Durchschnitt um 60 pllt. zu stark gehegt haben, und andererselt» ist da» »Problemde» Herrn Kultusminister« seiner LSsung um ebenso viele Prozente »Lher gerückt. — In Berlin wurden die öffentlichen Schulen — nach einem Bericht der städtischen Schuldeputation — im Jahre 1889 von 94,631 evangrlischen. 6844 katholischen und 5068 jüdischen Än04>cn, und von 88,187 evangelischen, 5404 katholischen und 3344 jüdischen Mädchen besucht, di« Plivatschuftn yon l!S3 jüd. Knaben und 2234 jüd. ׳Mädchen; hierzu kommen noch 586 Knaben und 326 Mädchen, welche die jüdischen Schulen besuchen, so daß die Summa der schulbesuchendm jüdischen Kinder sich auf'6256 Knaben amd 5587 Mädchen beläuft. ' (Eksa^S. September. (Or.-Eorr.) Leute fand hier di« Einweihung der oeuerbaute« Synagoge statt, über welche anbei ei» anOfnhrkicherBericht folgt. (Derselbe kann jedoch erst in der nächsten Nr. abaedruckt werden, wir theilen daraus für heute nur mit, daß al» Festredner der Ortsrabbiner Wahl und der zukünftige Straßburger Oberrabbiner Weil! würdevoll fungirten. daß der Feier auch der protestantische Pfarrer Zwilling beimohnte und als Bertrettr der Regierung der Bezirk-Präsident Freiherr v. Freyberg erschienen war. Au» der schwungvollen Rede de» Letzteren, die mit einem Hoch aus Kaiser Wilhelm schloß, seien folgende wahrhaft erhebende Sätze mitgetheilt: »Bon jeher haben Hatz und Eigennutz die Individuen unter shh, die Völker gegen einander in Zwiespalt versetzt. Allein da» ist grub« die flttliche Aufgabe, die dem Menschen gesetzt ist, das, er durch, dt« Kraft de» »tauben» und Willen« sich und der Mitwelt den Frieden erkämpfe. Dari» besteht eine Hauptaufgabe jeder ReUgionSsorm. Und »Ir Lhristen geben unsere» tlraelitischen Mitbürgern gerne da» Zeugnib, daß sie in Bezug auf »a»te»furcht, gesetzlichen Sinn und Barm- Herzigkeit keinem anderen Bekenntnisse nachstehen. Aber der Einzelne, und sei er noch so mächtig und elnflußretch, ist sür sich allein nicht imstande, der «esellschast Duldung und Eintracht zu gebieten. S« muß der Zug der Zeit, e» müssen die öffentliche» Zustände diese« Streben entgegenkommen. Freuen wir un» nun, daß wir einer Ipoch» und einem Staawwesen angehören, tn denen sich de« elntrachtigen Zusammenleben der verschiedenen Bekenntnisse keine starren Schranken «ehr entgegensetzen. Jetzt umfaßt un» alle ein gemeinsame», große« Vaterland: eine starke Staattgewalt, deren Wahlspruch ist: hiebet die Brüder-, schützt Freiheit und Rech«. Ein junger, gottetzsürchttger Fürst, den die Vorsehung mit den seltensten «oben und Herrschertugenbe« au»gestatiet hat, verkörpert in sich und belebt alle gute» Kräfte der Ratton. Freuen wir un», sag« ich, daß es »n» vergönnt ist, in dieser Zeit, in diesem Lande, unter diesem Kaiser zu leben und zu wirken. Lassen Sie un« diesem frohe» Bewußtsein Au«dr1uk ged», indem wir unserem AllergnSbigsten Herrn und Kaiser unsere laute. Huldigung darbringen: Kaiser Wilhelm II. lebe hoch!" 4. September. (Or.4!orr.) Bezüglich der Bereidianng der jüdischen Soldaten (Reservisten und Rekruten) herrscht in den verschiedenen Garuisonstädtm de» Deutschen Reiche» eine verschiedene Praxi». Die besondere Eidesformel für jüdisch« Soldaten ist ja — wenn ich nicht irr« durch eine Petition de» aesch. Redakteur» V. Bl.*)— bereit» vor vielen Jahren in Wegfall gekommen; aber di« Borberrituua »um Eid« wünschen einige lkommaodeure —- entsprechend der Vorbereitung der christliche» Soldatm in der Kirche — für die jüdischen i« der Synagoge. So erhielt vorige Woche der hiesige Rabbiner, H-r. Dr. Ginger, von eine» Compagnie-Führer Le» 2. Rhein. Infanterie-Regiment» Nr. 28 v. Soeben, welche» in «Arrnbrettmstrin garnisouirt ist, Re Anfrage, wann die religiöft Vorbereitung zur Vereidigung der Enatz-Reservistrn jüdischer Eonftffion stattfinden könne und ov er bereit wäre, dieselbe vorznnehmm? Alder Herr Rabbiner dm 1. September zu diesem Aktt bestimmte, wurden au diesem Tage die Reservisten nach der Synagoge commandirt und daselbst ihre Vorbereitung mit entsprechender Feierlichkeit vorgmommen, di« recht eindrucksvoll gewesm sein muß, denu e» wurde von dem 1. Eommaqdanten (Herrn Generalmajor Grafen zu Rantzau) in persönlicher linierredung der Wunsch und von dem Herrn Rabbiner auch.die Bereitwilligkeit ««gesprochen, daß dieser Act auch bei Neueinstellung von Rekruten vorgrnommea werde. *) Wir hatte» unsere Assistenz bei einer Vereidigung, di« in ihre Formel eine Herabsetzung der jüdischen Religion enthielt, wiederholt -abgelehnt: auf ein« hierauf erfolgte Androhung einer (Seldstrase beschwerten wir »n« beim Kriegominister v. Roon.und reichte» zugleich eine Petition an» Abgeordnetenhaus um Abschaffung der besonder» Eide»sormrl für jüd. Rekruten ein. In der PetttianSeommilsion erklärte der Keiegtminisütt, daß er bereit» in Folge unserer Beschwerde eine die«bezügliche Ordre im S»»ne der Petition erlaffe» habe. Hierdurch war — wie un« von der Sommssi-m angezeigt wurde— unsere Petition erledigt und brauchte nicht vor« Plenum de» Hause« gebracht zu werde».