Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 21 (1890)
- Issue
- 36 (4.9.1890)
- Date
- 1890-09-04
- Page
- Seite 277 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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— m An d«tn fieitttfriiietfotg davongettagen. Die Umwandlung wird nach Erledigung eiuiger Formalitätm norgmomme« werde«. (Fr. Z.) Zur de« chrutzßerzsßtßu« Lesse« bringt da« .Volk"'' folgende« ,Beispiel von der naiven Unverschämtheit der ihrer nationalliberalrn Sonne sich freuenden hessischen Juden". In Wöllstein (Rbrinhessen) starb kürzlich ein Jude. Der Sohn de« Verstorbenen ging zum Bürgermeister und verlangte, das; bei der Beerdigung seine« Vater« die Glocken der christlichen Kirche geläutet werde« sollten! Der Bürgermeister verwies den Petenten an die beiden Geistlichen (die Evangelischen und Katholiken in W. benutzen eine Simultankirche), da er selbst in dieser Sache nicht zuständig sei. Der katholische Pfarrer scheint sich nicht rund heraus erklärt zu haben, der evangelische Pfarrer aber wie« selbstverständlich das Ansinnen des Jude« rundweg ab. Natürlich erschien zu einem der nächsten Tage in einem kleinen Krakehl-Judenblättchen (?) in der Nachbarschaft ■elt:e Stilübung, in welcher die ״Intoleranz" des ״Muckers״ ,gebührend beleuchtet" wird, hoffentlich nur zur Erheiterung de« Betroffenen. — Wir wollen gerne in Aussicht stellen, daß wir mit allen Glocken läuten wyllen, wenn sich der letzte Jude begraben läßt; einstweilen aber dienen die Glocke« der christlichen Kirche zum christlichen Kultus und hoffentlich werden sie sich auch nie dazu mißbrauchen lassen müffen, bei Iudensachrn irgend welcher Art den ״Klimbim" zu liefern, den das Judenvolt so sehr liebt." -(Nachbemcrk. der Red. der ״JSr. Wochenschrift": Wir müssen gestehen, daß wenn sich die Sache wirklich so verhielt — baS ״Volk" selbst ist unkein genügender Gewährsmann — all' der Spott und Hohn des AntisemitenblattcS wohl verdient ist; nur ist weder da« Judenthum noch die Judenheit verantwortlich für de unjüdische und thürichte Handlung eines Einzelnen, die jeder vernünftige Jude verurtheilt. Wann werden denn unsere Juden lernen, sich bescheiden nach den Vorschriften unserer Religion zu führen und de« Anttsemitrn keine willkommene Veranlassung zu Schmähungen zu geben. Wie soll der Antisemitismus aufhören, wenn ibm inimer neuer Stoff gegeben wird. Sehen denn unsere Glaubensgenossen nicht ein, welch' unsäglichen Schaden sie durch dergleichr» Thorheiten unserer Gesammtheit zufügen? Darum hütet Euch vor Lhillul haschem!) Liest erreied-Ilogae«. X. Zu» Ilugur« (Or.-Eor.), 24. August. Dem dreizehnten Jahresbericht der Budaprster LandeS-Rabbiner- Schule entnehmen wir da« WachSthum sowohl der intellektuellen wie materiellen Verhältnisse der Lehranstalt. Das Institut wurde in der obercn Abtheilung von 37 und in der unteren Gymnasial-Abtheilung von 68, zusammen "von 105 Zögliugen besucht. Al« Lehrer fungirten die Professoren M. Bloch, H. Bloch, Bacher, BLnäczi, Blan, Bein, Kaufmann, Schill. Als Gesaaglehrer wirkte Oberkantor Friedmanu. — Der Besuch Gr. Excelleuz des Hrn. Unterrichts- ' Ministers Graft« Czary mit dem Staatssekretär v. Berzeviccy und den Ministerialräthen v. Gvmörh, Klemarik und Apt am V. September 1889 ist das hervorragendste Ereigniß -im letzten Jahre. Den Vorsitz im Lehrkörper hat Prof. M. Bloch Der Lehrkörper betrauert den Verlust des Präparandre»Direktor» Heinrich Den sch, welcher am 18. December v. I. starb und vermehrte sich mit dem vom Ministerium ernannten Prof. Blan. Als Bibliothekar der immermehr onwachsenden Bibliothek der Anstalt fnngirt Prof. Dr. David Kaufmann.—Die staat-gültigenMaturitäts- Prüfungen fanden in der Rabbinerschule unter Vorsitz des Hrn. Oberstudieadirektor« Dr. Frauz Dunay statt. In die Prüfung-Commission für RabbinatS-Eandidaten wurden die Herren Rabb. Dr. S. Kohn (Budapest) und Dr. Alex Rosenberg (Arad) berufen. Mit bcsi Zeugnisse der RabbinatSbefäbigung wurden enllaffen die Herren Dr.Keschk.«meti (Broßwardein), Dr. Kohlbach (TemeSvar) und Dr. Elfa«z (Landsberg a. W.). Herr Dr. Flrsch wurde nach Mohac«, Hr. Dr. Rosen stein nach Kikinda berufen. Für Stipendien hat der Hr. Unterrichts-Minister au» dem isr. Landesschulfond« 1800 fl. bewilligt. Zum Zwecke der Unterstützung der Zöglinge besteht ein Verein ״Ez Chaim", der 3696 fl. 80 kr. verwendet hat. An den Stipendien betheiligten sich die Gemeinden Pest, Baja, Grobwardein, Adam, Csurao, GyvngyvS (Gemeind« und Frauenverein), Lipco Sct. MikloS, Mohaco, Oft«, Raab (Thewra Kadischa), Prrßbnrg, Steinamanaer, Szegzard, Szolnok; ferner trugen zu dwsem Zwecke bei: Frau Rabbiner Abraham Hochmuth durch eine Stiftung zum Gedächtnis ihres sel. Gemahl«, und der iSrael Landesstipeudienvereia. Die Bibliothek vergrößerte sich durch Schenkungen, Ankauf und den Nachlaß de« sel. Rabbiner Hochmuth. Für das Schuljabr 1890/91 ist vom Lehrkörper folgend« PrriSaufgabe gestellt: Entstehung und Entwickelung der synagogalen Liturgie bi« zum Auftreten den Poetani«. Dem Jahresbericht geht eine werthvolle wiffenschaftliche Abhandlung: ״Da« mosaisch-talmudische Erbrecht" von Prof. Mos. Bloch voran, die wir im jüd. Littexaturblatt demnächst eingehend besprechen werden. Zu» Mugnr«, 31. August (Or-Lorr.). Furchtbar hat da« Feuer in jüngster Zeit mehrere Gegraben unsere« Laude« heiagesncht. Die durch den weltberühmten Wein bekanule Stadt Tokay ist ein Raub der Flamme» gewordey. Zar Linderung der ia Folge de« Brande« unter Christen und Juden «ntstaudeneu gleich große« Noth sind die Wohlthättgkcilsanstallen beider Soufesfioucn, besonder« die der Ehebra kadischa vollauf beschäftigt. Auch werden allenthalben Sammlunge« für diesen wohlthättgru Zweck eingeleitrt; mögen sie erfolgreich sein. Rußland. Peterskurg. Der langjährige Leiter de» ״Journal de St. PeterSbourg", Herr Horn, hat am 13. August die Redattion des offiziösen Organes des russischen Ministerium» de» Auswärtigen niedergelegt, resp. niederlegen müffen. Dieses Ereigniß steht im direkten Zusammenhänge mit der sich neuerdings kundchuendcn antisemitischen Bewegung. Herr Anton Horn, fest 1871 Thef-Redastrur des ״Journal de St. PeterSbourg." deffen hervorragender Mitarbeiter er bis dahin im Lauft vieler Jahre gewesen, ist nämlich Jude, und unsere Ulttanationalen konnten e» durchaus nicht ver« bauen, oaß an der Spitze eine» Regierungsblattes, da« al» einzige« inspirirte» Bindeglied zwischen Rußland und der übrrgen Welt funktionirt, offiziöse hochbedeutendr Mit« theilungen bringt, ein Jude stehe. Die ״Nowoft Wremja" und andere ihnen gleichgesinnte Organe unserer Presse machten es dem Minister häufig zum Vorwurf, daß er sein Leiborgan durch einen Juden, der noch dazu ein Ungar (ans Pest) sei, leiten lasse; drr Jude Horn diente stets als Borwand zu den heftigsten Ausfällen sowohl gegen den Fürsten Gortschakow, als al« auch gegen seinen Nachfolge, Herrn v. GierS. Man verstieg sich sogar dazu, Letzterem die jüdisch« Abstammung zu octroyiren» ob» wohl Herr von Gier«, selbst in seinen entferntesten Ahnen, nichts mst dim Judenthum gemein hat und ein guter Thrist schwedischer Herkunft ist. Wenn di« russische Diplomatie Böcke schoß, so wurde Herr Horn dafür verantworllich gemacht und der Rus erscholl first jeden Tag: der I ude Horn müsse fort, dann würde tf׳ um das Ansehen Rußlands im AuSlandc weit besser stehen. Horn ertrug diese Anfälle der ultranationalen Presse mit Geduld und das Ministerium fand sich durchaus nicht veranlaßt dem wüthenden Kläffer der Preßmeute Gehör zu geben und «inen zweifellos taleat» vollen Publizisten zu enüasftn. drr das ihm anvertraute Organ mit Geschick und Talent leitet«. Doch dem Anscheine nach haben die Ultranationalen endlich dm Sieg davon« getragen und e» ist ihnen gelungen, den ihnen verhaßtm Juden zu stürzen. Richtiger jedoch kann «au behaupten, daß Herr Horn de» fortwährenden Kampfe« der ewigen