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Israelitische Wochenschrift · 1890-09-04 · 36 (4.9.1890) · p. Seite 276

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
21 (1890)
Issue
36 (4.9.1890)
Date
1890-09-04
Page
Seite 276 (sequence 4)
Language
German
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thum« in Rußland auSzuarbeitev, zu rücksichtslose» vor» gehen in der mehrfach geiennzeichaetea Richtung hinneigte, und der offiziSse« Petersburger Ableugnung wurde nicht nur vereinzelt mit offen ausgesprochenen Zweifeln an seiner Aufrichtigkeit begegnet. Heute wird gemeldet: London, 26. August. Der Bertreter der »Dolly Sirwä" in Odessa erfährt aus »zuverlässigster amtlicher Quelle", da» Edikt gegen di« Juden werde ungeachtet des Protestes der westliche« Presi« im Laufe des Monats Ce tobet erlasse« werden. I« einem Anhang« zu dem Edikt werde jedoch versucht werden, di« Strenge der Unterdrückung»- «aßregel» zu rechtsertigen. ZNS «er -Lausitz, 31. s«,ust. (Or.-Eorr.) Zur Taktik der AnlisrmittnblLUer gehört t$, fich darüber zu beklagen, daß die Juden vou vielen Behörden bevorzugt würde», dies« Behörden dann der Judeuknechtschaft aozuklage» und fie schließlich zu antisemitischem Verfahren zu dränge». Go hotte» mehrere Magistrate reiu im gewerbliche» Jntevffe, Jahr» und viehmärtt«, die auf die jüdischen hohen Feier» tage fielen, aus andere Tage verlegt; dagegen gttfert nun da» .Volk". .Warum laflen di« Christen fich da« gefallen?" fragt e« in hetzerischer Weise und verweist auf de» günstigen Erfolg den die autisemitische Gegenagitativ« in Sora« erzielte. ,Wir waren — läßt es sich von einem seiner Kumpanen daselbst schreibe« — in ganz ähnlicher Lage: wegen der jüdische» Feierlagr war der Markt hier ebenfalls verlegt worden. Der hiefige christlich-sozial« ,Arbeiter-Verein" nahm fich der Sache an und schickt« ein Gesuch an de« Minister de« Innern. Da die hiesige Bevölkrruogl?) über die Begünstiguug der Juden erbittert war, so kam dii Sache auch in der Stadtverordnetenversammlung zur Sprache, und - zwar waren e« gerade zwei für freisinnig geltende Mtgliedrr derselbe», welche um Rückgängigmachung der betreffenden Verfügung ersuchten, well es unerhört sei, ,daß die gauze Bürgerschaft mit den Juden feiern sollte." Der Magistrats- Dirigent versprach denn auch seine Hülfe, und muß der Magistrat sicher den Lutrag des Arbeftervereiu« befürwortet haben, denn jetzt ist die Antwort von oben eiugettoffe«, daß der Markt auf die früher feststehenden Tage zurück- »erlegt werde» soll. — Zwar hatten auch die Juden petitionirt für Beibehaltung der Begünstigung, aber vergebe»«. Und nun da« schönste: Ein hirfiger jüdischer Geschäftsmann hat erklärt: Da« nütze den Christen doch nichts, denn fie würden nun die Geschäfte an ihre» Feiertage» nicht schließen. Auch soll das in ihrer' Petftiou ausgedrückt sein, daß. wenn sie nicht begünstigt würden, dies nur zur Entheiligung de» Feiertage« dienen würde, iusofera die Geschäfte daun eben nicht geschloffen würden. — Möchten doch alle, die darüber klagen» daß der Jude vou der Behörde begünstigt wird, die Stagen in die Bürgerschaft hiueintragen; ehe die Behörde de» Autisemitismns groß zieht, zieht sie lieber ihre vegüastiguugr« der Juden zurück." — Soweit da« Hetzblatt, ob aber dos von der jüdische» Petttion Gesagte wahr ist» müffen wir doch ftark brzwriselu. J&- Insterburg, Ostpreußen, 25. August. Heute fand hier im Saale des Gesellschaftshauses die 9. ordentliche General- Versammlung des Verbandes der Synagogengemeinden Ost- Preußens statt. Bon den 46 «Gemeinden des Verband«» waren 12, und zwar Menstein, Bartenstein, Darkehmen, Gerdaue», Insterburg. Johanuisburg, Köni^berg, Ätzen, Rordenburg, Oletzko, Aasten bürg und Tilsit durch Bevollmächttgte vertreten; außerdem wohnte eine größere Anzahl persönlicher Mitglieder von hier und auswärts den von 10 Uhr vormittag bis 4 Uhr nachmittags andauernden Verhandlungen bei. Nachdem das Bureau durch Wahl des Herrn A. Elösscr-Jnsterburg zum Borsitzeude», der Herren D. M. Jacody-Bartenstein und Jsaac Simonsou- Menstrin zu Beisitzern und Secretär Klein-Königsberg cheinemann-Johanuisburg.zu Schriftführern gegebildet worden, begrüßte der Gemeindevorsteher Herr Eichelbau« die Versammlung; ebenso war em Begrüßung«- Schreiben des D. I. G. B. in Berlin eiogeganaen. — Die ‘*7\ Tagesordnung wurde in der Weise erledigt, daß der VerbanoSvorsteher Llöffer den Bericht über die Geschäftsjahre 1888—90 und die Kassenberichte für dieselbe Zeit vortrug. — Au» demselben heben wir insbesondere hervor, daß es nur durch die Beihilfe de» Verbandes drei Gemeinden in der Provinz ermöglicht worden ist, die unabweisbarste« Bedürfniffe zu ihrer fernAen Existenz zu befriedigen; ebenso wurde die Ausbildung von zwei Lehramtskandidaten durch die Mittel des BerbandeS ermöglicht. — Der Prüfung der Rechnungen für die Jahre 1888/89 und 1889/90 unterzogen sich die Herren Holtz-Justerburg und Scheinewann- Johannisburg, auf deren Anttag die Entlastung erfolgte. Der Bericht des Vorsitzenden der Schulinspe^ion, Herrn Rabbiner Dr. Bamberger-SSnigSberg, gleichzeitig verbunden mit dem Berichtt über die IV. Lehrercooferenz am 20. Mai dieses Jahres, ein Bortrag des Herrn Prediger Weinberg ,über Änlsorge im Zuchthause" und ei« Bericht über die am 30. Juni d. I. in Danzig stattgefunveue Generalversammlung der HilfSkaffr für israelrtische Gemeinde» beamte in den Provinzen Pommern, Ost- und Westpreußen, ÄHl erstattet von Herrn Sekretär Klein-Königsberg, wurde» ans daS beifälligste ausgenommen. Es fand sodann eine - •iy längere Diskussion über den Anttag des Herrn N. Lublinski- . M Johannisburg auf Gründung einer Präparandenanstalt statt, der jedoch in voller Anerkennung der Motto« d«S AntragstellerS zur Zeit abqelehnt wurde. — Nach Festsetzung •י'; des Etats für 1890/91 fand die Neuwahl des AusschufseSE statt. Derselbe besteht für das nächste BerwaltungSjahr au» M'- nachfolgenden zwölf Herren: A^Elösser-Justerburg, BerbandS- M' Vorsteher, Rechtsanwalt Eohn-Tllsit, Davids ohn-Lötzen, Isaak m Eichelbaum und Otto Eicheldaum-Jnsterbu'g, Julius Fürst»/,M Königsberg, Rechtsanwalt Gutfeld^OttelSburg. Hertz-Ger bauen, «aminski-Rastenburg, LublinSki-JohanniSburg,JojephSimon» -0 son-tiönigsberg und Isaak Simonson-Allenstein. Die Mitglieder des Schiedsgerichts: Rabbiner Dr. Bamberger-Königs- M berg, A. Elöffer-Jnsterburg und RechtSanwaft Gutseld-Ortels- 5^0־ bürg wurden wieder», als Stellvertreter D. M. Jacoby» H? Barlenstein nrugewählt. Mit einem Danke, welchen Herr A- Samuel MagnuS-KönigSberg für die umsichtig« Leitung der Verhandlungen dem Herrn Vorsitzenden namens der Ver- E sammlung aussprach, schloffen die Verhandlungen. — DenMr, ernsten Berhaudlungcn folgte ein von der Gemeind« Inster- SM׳ bürg veranstaltetes Festmahl, daS mit ernsten und lauaigen L? Trinksprüchcn gewürzt war, di« Reihe derselben wurde vom H? OrtSrabbiner Weinberg mit einem solche« auf de« Kaiser s eröffnet, der begeisterte Aufnahme fand. Arier, 27. August. Seit längerer Zeit wird in unserer Stadt die Umwandlung d^r iSraelittschen Elementarschule, ''*■־ die den Eharakter einer Privatschule trägt, in eine öffent- . liche Schule erwogen. Die Sache hat mehr als eine lokale Bedeutung, schon au« dem Grund«, well die gleich« Frage •, v auch in anderen rheinischen Städttn auf der Tagesordnung st steht. Die jüdischen Elementarlehrer der Rheinprovinz Hab« sich gemeinsam an den Kultusminister gewandt und mtt - Rücksicht auf den Umstand, daß sie als Lehrer von Privatschulen keinen Ruhegehalt beziehen, die Umwandlung der privaten, jüdischen Elementarschulen in öffenllich« Schule« angeregt. Der Kultusminister hat zu dieser Anregung freundlich Stellung genommen und die Regierungen angewiesen, . sie möchten dort bei den städttschen Behörde« dahin wirken, i daß die gewünschte Umwandlung stattfiude. Dir hiesig« Stadtverordnelen-Bersammluog ist entschloffe«, die Umwand-' lang vorzunehmen ttotz des hartnäckigen Widerstandes, den 2 die klrrllalcn Mitglieder des Kollegiums der Neuerung ent---^ gegensetzen. Sachlich haben die Herren natürlich nichtvor» - ® zudringen, und nun klammern sie sich krampfhaft an die haarsträubend« Möglichkeit, daß ttnmal «in Jude Mitglied der Schulkommijsiou werden und auf die Verwaltung der Volksschulen Einfluß gewinne« könne. Jadeffyr che sonder- , bare» Treiben hat in der Stadt wie bei der MtMüt der

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