Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 21 (1890)
- Issue
- 36 (4.9.1890)
- Date
- 1890-09-04
- Page
- Seite 274 (sequence 2)
- Language
- German
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manch«» jüdisch« Mttch« hat ans ihrS^ewö^ück Bev> zichtet und den Christ«, der um ihr« Hand ward, diese verweigert, well st« ihr persönliche« Wohl den alten Satzungen zum Opfer brachte. Also was Scholl von uns fordert, ist kein Opfer, sonder« unser Behagen würde wachsen, wenn wir dem Rache de« wackern und wohlmeinende» Manne» folgten. Warum chun wir die« nicht? Weil nicht die Judenemancipatiou, sondern da« Judenthu« unS da« Höchste ist. Wir glauben an ein« Mission de« Judenchum» und wollen es erhalten für di« Zukunft. Wir meinen, «» könne jedem Deutschen und auch Herrn Scholl gleichglltig sein, wa» wir essen, wann wir arbeite«, mit^vem wir un« verheirathen, «eun wir nur, sobald der Staat u«S ruft, ihm folgen, nenn wir den Gesetzen de« Laude« gehorsam sind, unsere Steuer an Blut und Gut entrichten, wenn wir da« StaatSwohl eifrig fördern und den Nachweis führen, daß unser ReligiouSgesetz mit dem allgemeine» Sittengesetz übcreinstimmt. Wir schließen keinen von unserer Gemeinschaft au«, der den Sabbath und die Speisegesetze nicht beobachtet, aber die tausendfältige Beobachtung lehrt un«, daß. wer eine Eh« mit einer Christin eiugeht, für uns fast vrrloreu ist, daß vollends eine Jüdin, die einen Ehristeu heirathet, sich auch dem Glauben de« Manne« anschließt. Scholl wendet sich mit warme« Mahuworten an die Rabbiner; wir habe» zu viel Hochachtung vor dem, wa« Millionen unserer Mitbürger da« Heftigste ist. um in einer populären Zeitschrift eine Kritik der chrisüiche» Glauben«» lehre zu üben; aber wir bekmue«, daß wir gegenüber der kirchlichen Ueberlieferuug, die ja euch von der ungeheuren Mehrzahl der moderne« deutschen Geistliche« al« für die Gegenwart bindend׳ betrachtet wird, e« freudig auSrufrn: wie lieblich ist unser Los, wie schön ist unser Erbe. Wir sehne» messiauische Zeiten herbei, aber wenn wir dem Rathe Schüft« folgten, so würde» wir nur erreiche», daß unsere Kinder im Siune Stöcker« religiös erzogeu würde»; denn Stöcker ist, wenn auch nicht in seinem Juden» haß. so doch iu seiner GlaubenSstreug« da» Borblld der meisten evangelischen Prediger; und die Gesetz«, die Scholl rin Anstoß sind, sind eia Zaun um die Lehr«, ja de« orthodoxen Juden, der doch so gut Emancipation heischt und verdient wir jeder andere Deutsche, sind sie ein Thell der Lehre selbst. Hat un» Gott auftrlegt zu dulden, so werde» wir lieber die Leiden ertrage», als unsere Lehr« verleugnen. Herr Scholl wird auch den glaubenStteuen Juden seinen Schutz nicht versagen. R. Lte Zwarr-Sverfteiger«»-«» l««d- «utfe fsrstwirthschaftttcher «rmrdftücke i« prewßische« Sta«te »urd »er Jfttger« Dir Zeitschrift de» König!, preußischen statistischen Bureau'«. Jahrgang 1889, erörtert die Ursache« der Zwangs- Versteigerungen während der drei Rechnungsjahre 1886/7, 1887/8 und 1888/9. Ein kürzlich erschienener Separat- Der Abdruck de» obige» Artikel» — von eiue« juristischen Mitarbeierr uns. Bl. — ist mit Quellenangabe«ich« uur gestatt»», :»uberu «»»kuscht. 6*11) ״.) . «rnntnißweiterrr Kreise gebracht. Für die Leser der .I« . tische» Wochenschrift' dürste dir Erörtrrung, iu wie neit die ZwangSverskigernngm durch W »cher verursacht find, und die Prüfung der Frage ovnichtdievorstellung« über die Verbreitung de« Wucher« übochaupt übertrieben sind, vou. Juterefi« sei». Ja demRechnuagSjahre 1886/87sind 2-7-land» und forst» wirthschastliche Grundstücke in Preußm versteigert. Al« alleinig« Ursache ist sestgchellt bei: 436 Grundstücken: eigene« Berschulde» 305 , freiwillige ungünstige Uebernahme 118 ״ Famllieuverhältniffe und Krankheit 95 ״• Geschäftliche Berhältaijse 85 ״ unzweckmäßige Erbrr-ulirung 36 . schlechte Lage der Landwirthschaft 31 , WirthschastSunfälle und Raturerrignisie 31 . sonssige Ursachen 80 ״ Wucher, Uebervorthellung im Handel. Al» Mitursache ist bei 145 Grundstücke» Wacher und Uebervortheilung im Handel angegeben. In dem Rechnungsjahre 1887/88 sind 2335 laut», und forstwitthschaftliche Grundstück« in Preußen versteigert. Al« alleinige Ursache ist ftstgestrllt bei: 348 Grundstücken: eigene« Berschuldeu 253 ״ freiwillige ungünstige Uebernahme 66 ״ Famllienverhältnisie und Krankheit 58 ״ aeschichlliche Berhättniffe 38 ״ schlechte Lage der Landwirthschaft 23 ״ unzweckmäßige Erbregulirung 17 * . Wisseuschast«unfälle und Naturereignisse 17 , sonstige Ursachen 18 m Wucher u. Uebervorthellung im Handel, Al« Mitursache ist bei 81 Grundstück-Versteigerungen Wucher und Uebervorthellung im Handel angegeben. I» dem Rechnungsjahr« 1888/8-'find 2446 fanb* und sorstwirthschqftliche Grundstücke in Preußen versteigert. Al« alleinige Ursache ist festgestellt bei: - 371 Grundstücken: eigene« Berschulde» freiwillige ungünstige Uebernahme Familicnverhältnisse und Krankheit geschäftliche Berhältuisie unzweckmäßige Erbregulirnug Wirthschafwuvfälle und Naturereignisse schlechte La« der Landwirthschaft sonstige Ursachen W uch«7 und Uebervorthellung im Handel. Al» Mit Ursache ist bei 85 Grund /.»ückSversteiMnngeu Wncher und Uebervorthellung i« Handel au^ftbm. Da« amtliche statistische Bureau fte£* sich aus Grund dieser Ergednisie zu folgender Bemerkung veranlaßt: »Am seltenste«, sowie erfreulicher Welle eia stet» abnehmenden absolute» wie relativen Ziffer» tritt der »Wucher^ in seinen verschiede»« Form« (DarlchnS- und Biehwucher. Uebervorthellung bei HandeVgefchäst«) als Ursache der Zwang«. Versteigerungen auf, nämlich mit nur 3,05 bei»» 2,01 und 1,84 Prozent. Frelluh ist dabei zu berücksichtig«, daß. gerade der Wucher sich der Smntniß auch de» sorgfältigste« Beobachter« viel öfter, al« die ander«, meist leichter erkennbar« und weiüger von den Bethelligtm geheim gehaltenen Ursache, evtzich« wird." Diese letzte r«orv»tio wird ober nicht gut in Uebereinstimmllng zu bringen sein mit der zu ««fang der Dar- 0 stellung gegebenen Hinweisung, daß die Ursache» der Zwang». Versteigerung« auf den persönlichen llrtßeile» der Laudräthe und ihrer Bertrauea-männer beruhte^ und daß dies« Urthelle meist ein so genaue« Einarheu in die Besonderheit« de« einzeln« Falk» zeigen, daß «an wohl hoff« könne, durch ihre Ausammenstäl«, 004 im.... 281 82 51 26 21 19 19 3