Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 21 (1890)
- Issue
- 35 (28.8.1890)
- Date
- 1890-08-28
- Page
- Seite 270 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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tarn der Verein hat schwer zu kämpfen, um aSeu Ausprächen «recht werden zu können. Die» Mißverhältnis zwisAn .soll- und ,habenveranlaßt« Herrn Rabbiner Dr. Frank aus Cöln — der augenblicklich! zur fiut hier weilet — ein Eomitee zu organisiren, welches durch uncr« müdliche Luergie eS fertig gebracht hat, durch Veranstaltung eines Eoncrrte» — welches gestern Abend stattfaud — trotz der vorgerückten Saison und stark verminderten Zahl der Badegäste dem Verein eine bedeutende Summezuzusühreu. Der Saal war nicht im Stande, die Menge' der Gäste zu fassen, welche herbeigrströmt waren, um ihr Scherflein für den rdlcn Zweck brizutrogen und den Kunstgenuß auf sich wirken zu lassen. Vieles und Mannigfaltiges wurde ge» boten, treffliche Dilettanten und Künstler, Damru und Herren, hatten sich in den Dienst der Humanität begeben, mit Hingebung und Eifer ein auserlesenes Programm geschossen, und durch Gesangs». Clavier», Biolin und Cellov ortröge dem Auditorium einen unvergeßlichen, genußreichen Abend bereitet. Die Erwartung der Conentbesueher wurde übertroffen durch die einleitende Ausprache des Herrn Lr. Frank-Eöln, welche durch Inhalt und Form, interrsiante Bergleichsmomenlr, geistreiche Wendungen und humoristische Gedankensplitter sich auSzeichnrte. Dieser innerhalb 8 Togen erzielte Erfolg wird gewiß dir Herren Arrangeure ermuthigen, auf dieser betretenen B ahn fortzuschreiten, in Zukunft früher, cvent. auch öfter dem Publikum etwas zu bieten, welches im Badeort« viel mehr nrch, als in der Heimoth geneigt ist, Herz und Haud den leidenden Menschenbrüdern zu öffnen. Zum Cchlufle sei ncch des hiesigen Brunnen» und Badearztes Herrn Dr. Aronsohn gedacht, welcher den ganzen Sommer hindurch die Angelegenheiten des Vereins mit Fle-ß und Begeisterung vertritt und drflen Jntereffen wahrnimmt. M. S.-C. Zierde», 20. August. (Cr.■ Eor.) Ein großer Uebel» sta nd ist zur Zeit hier das Fehlen eine» rationell bewrrthschäfteten, allen Anforderungen der Jetztzeit Rechnung tragenden koscheren Restaurants, und dürste wohl Jh r virlgelesenrS Blatt diesem Rus va Äbhülsr gern Raum geben. Es ist so weit gekommen, daß der Veranstaltung einer koschern HrchzritStafcl (wie auch bei andern festlichen Gel rgenhntkn) sich derartige Schwierigkeiten entgrgenstellen, j daß solche, die der strengen Juneholtung unsrer religions» - gesetzlichen Vorschriften stlbst bei außerordentlichen Auläsien nich t gewillt sind Opfer an Mühewaltungen rc. zu br'ageu, ganz einfach der religiösen Ceremonie ein nicht rituellen Anforderungen entsprechendes Festmahl folgen lassen. Eine ung« mein große Anzahl hier domizilirender junger Leute, Herr rn wie Damen, in Geschäften - und Fabriken, oder St udirn obliegend, die aut Mangel an rin em koscheren Restaurant, in allen möglich«! und unmöglichen Localen speisen, auch ältere, einzclstehende Person«,, würden einen festen Stamm der Mittagsgäste bilden. Jüdische Familien» wie Vereins» fest tafeln, Verkehr von Geschäfts- und BergnügunSreisenden würde dazu treten. So würo« sich für eine in telligenkte, thätige und zugleich wohlbemittelte Persönlichkeit, aber eben nur einer solchen, hier durch die Eröffnung und Führung eines in bester Loge der Stadt befindlichen, äußerst säubern, mit Zeitungen re. auSgrstatteteu Restaurants, mit welchem, bei dem allbekannter! starken Dresdner Fremdenverkehr, wohl auch zu vermiethend« Zimmer verbunden sein könnte«, »ine Quelle sichern, reichlichen Verdienstes »:öffnen. — £filc1fdd)(II044fi11 Mir». Aast in jeder Rr. beschiwpst las Berliner »Bell" H« ksterretchtschen, besonders die Wiener Jude», auf« schmählichste, sie werden als Spiere, Baterlandtvrrröther, Eelrrger, Wrchrnr ja als .die allirjchlimmste S ortehirgestellt. I» der heutige» Rr. (»e« 12. Augnst) j ck'eibt «S gelegentlich der ^,vssisch«, Maßregeln": .Rußland tst al« Staat »hat Wahlrecht I« der Loge, sich trotz "d«S Wechten Zustanw« keiner Mnauzen w-axrrzei» «gen dir Jude» rrlauden zu könne». Da« ist eben da« Schlimmste a« Wahlrecht, daß «» »1-r Waffe in der Hand de» Judenthu«» wird, «uf jüdische Stagen kann nur der unwtssendste blindeste Philister etwa» geben. «« ist etwa« mehr al» ei» Jahr her, al» da» «»verschämteste ruropätsche Judenblatt. di- .Wiener Freie Presse", eine« Slagrgesang wegen der österreichischen Inden anstimmte, di« verurtheUt würden, Hunger» »u sterben! «au denke: di« österreichischen Juden, die Wiener Juden, .welche drauf und dran find, dem ganzen österreichischen Gemeinwesen die Mehle zuzuschnüren! Der Lärm, der fich in der ganzen Welt erhebt gegenüber den in Rußland angeblich geplanten Maßregeln ist für de« ungeheuren gefährliche» ttinfluß der Jude» sehr bezeichnend und sollte am meisten dazu dirfien, den Sampf gegen di« jüdische Herrfchast anzusachen." Billleicht hält e« doch eiumal rioer der Angegriffene«, etwa der Rrdacterr der .N. Fr. Pr.-, uicht auter seiuer Würde, gegeu den ,vlnmlworltiche» Schrfftleiter teS .Volk- Otto B a l l e r i» Lerliu, Wilhewstr. 30, Llogeonstag zu stelle», um drwselbeu gleich stimm Lorgäuger 8e«ß ein »euig die Erofmäuligkrit zu verthu». Der >bg. Rickerl hat Recht: Wir thu» zu wenig, u» solche» Leute» tea Muud z« stopfe». FrwmKreieh. Hfaris. Da» »Echo de Parisberichtet üter ei» Interview. welchkS ei» Mitglied der Redectio» mit Herr» Oterrabtiuer Zadvc tahn hatte. Letzterer!oll geäußert habe», daß er lr» Lzar völlig sreisprrche und daß i« Gegeutheil der Kaiser sie z» beschütze» sich«. Auch erblickt der Herr Obrrrabbiuer i» de» kerfolgungen keiur» Religio»»- sanatiSmu«; sie fiud ausschließlich da» Werk der Polizei׳ beamte» giwiffer Districle, welche j» ihrem vrrla»ge» den R»sf>ficiruug i oatranee, alle Diejenige», welche sich nicht zu der orthodoxen Religion bekenne», al» Fremde deharrdrl». Ter Oberratbiner sprach gegen seiueu Interviewer wieder» holt au», rr sei überzeugt, daß der Kaiser vou diese» Bor» gär gen nicht» wiffe »rd daß er nicht »olle, daß «a» die: Leidt» ter Jude» roch »ermehre, da tiese gute Bürger seien, ihr Vaterland lieken und zur Förderung dr« Wahle« deffeldr» tnrch ihre Ist,ll'genz nud ihre» Fleiß betenteudr» beittagm. könnten, wen» man ihnen gestatte» würde, überall z« wohnen und a» de» allgemeinen Bürgerrechte« theilzunehwe«. Nmßlaad. UeteroHnrg. (Or^-Tor.) Da man doch »icht auf einstchcn Wege die Juden herautt'ribe» kann, so sncht »am Gründe hierfür zu fi»de». Sa berich et tie ,No». Wremja- ,Der Zufluß der jüdische» Handwerker in Petersburg und MrSkau steigt. Sie haben Diplome al» Handwerker ohne die Oualificalion hierfür zu trsitzrn. E» w»rde deshalb ei» Gesetz angeregt, wenach alle jüdische Haudwei ker tu Moskau nnd Petersburg ei« Examen werde» abzulegeu habe» und zwar »or einer »fficiellen Tommisfion, worauf dann eine strenge Sontrolle einzuführe» wäre, nm den Nichthaudwerkero de». Avfenthalt in den Hauptstädte» zu verbiete«.- Wie Willkür» lich eine solche Examen- »nd Lonttol-Eommiffia» vorzugche» versteht, brauche ich »ohl nicht erst hcrvorzuhebeu. — Zur Abwehr der AuSwanderuug au» de» polnischem und russischen GonvrruementS Boltawa, Cherson» JstotertnoSlaw. Odessa u. >. m. tat der Minister de» Jnuer», Dmvowo, eine Spezialcommisflo» entsandt und di« Gouvernement»- angewiesen, dir Agenten, welche zur KuSwandernng »och. Brasilien und Amerika aneisern» streng« zu bestraf«». B. GroObrtkwsswte». L«»dom I» einem Arttstl de« ReichStagSmstgliede» Phlipp bomhammer. iu welchem derselbe die Art «nd Weist schildert,. wie iu der Riestostadt London »icht «ur durch bestorganistrt« ■ B«reine nnd Anstalten ler Armuth »nd Roth gesteuert wird, sintern auch tnrch di« freie PrivatwohlthätigM führt er u. A. folgende» Beispiel au, iu welche« der Geist rchtjüdtscher Dohlihätigleit vollstävdig zum Ausdruck kommt: ,Der höchste Grad privater WohltWiaktit aber »nrte »st bekannt: in d,« Haust dr» Alderma» Gr» Phillip», dem Sohne be» nerstotbeneu Lord-Mayor» Phillip» in London; »stier reich mit Glücksgütern gestWwst Herr wohnt mehrere Weist»»;fit... ‘ - •A ''/äföÄÄ .V lr.