Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 21 (1890)
- Issue
- 35 (28.8.1890)
- Date
- 1890-08-28
- Page
- Seite 271 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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«nlfernt »•8 וו«ad»» «nf einem •lten Adel-sttz in Httford, einem Parnvie« auf Erden. In der Lity von 8»n»«n ist «c Mitbesitzer ein:- Niesengeschäfte« v»n Wlltrnf; in Hatfsrd »ohne» n« ihn Hern» viele Arme, die nnr in der Landmirthschnft thltig find. Leine Industrie bringt d,rt irjeni welchen Nebenverdienst während de« langen Winter«. na) f» hat denn die hochgebildete, wihrhaft edel denkende Gritin de« Kr. Phillip» eine finnreiche Emrichkunz für die Armen in Hatford getroffen, Sie hat Penny-Dinner« ei», gerichtet, welche täglich an 72 Arm: verabreicht «erden. In feinem Taktgefühl will man den Armen nicht ein G:- schenk geben, für welche« ste dankbar sein, müß'en, nein, sie sollen in den Genuß ju «echt treten dadnrch, daß sie einen Penny zahlen, nnd welcher Arme brächte wohl nicht einen Penny auf? E« war mir vergönnt, mit Mr«. Phillip«, deren Sohn und Tochter einem dieser Penny-Dinner« beiznwohn m. E.n eigen« dazu bestimmter he Irr, freundlicher Saal diente an-schließlsch jenem Zvecke, bereit« sag eine Anzahl Bedürftig r an den sauberen Tischen, meist alte Männer und hichbrlagte Weiber. Mit freundlichem G.nß; erhoben fie sich bei unserem Eintritt; al« die Zeit heranzekommen war, füllte sich der Saal vollständig, denn Leiner, kein Einziger fehlte. Die dampfenden Riese rschüff:ln wurden nufgetrazen; Mr«. Phillip«, den Ernst der Sache erfassend, band sich eine hohe weiße Schürze um, wir Anderen erhielten gleichfall« unsere Postm. Heute gab c« Zungen-Nagonr mit Gemüse und Kartoffeln; «ähren» die mnothäligr Kran mir schneeweißem Hiar und fenersprühendea schwarzen Augen da» Fleisch auf den Teller legte, hatten wir mit der Zr< theilung von Brod, Lartoffeln und Gemüse zu thun. Wa« war da geboten für einen P.nny! Da braucht keiner zam zweiten Male zu verlangen; «ähren» de- Berthetlen« wurden freundliche Worte mit den armen Empfängern gewechselt, gewiß die beste Würze eine« solchen Mahle«. An«geüdt al« ein An-flnß wahren inneren Bedürfnisse« »erden Wahlthaten bankbar entgegengenommen; denn dann allein verlieren ste dir Härte, welch« fich so leicht an ste knüpft." Ker«ifchte «nd meaeßt P«chrichte«. MagdedmeA. Da« einzige in Deutschland erscheinende hebräische Aachen bla tt ,Hamaglo" hat zu erscheinen aufgehört; ein Gleiche« wird an» vrody dqüattch de« in hebr. Sprache seit 26 Jahren daselbt, erscheinende» Wochenblatt» .Ibrigemeldet. Der zeitige Redacteur de»s«lbrn, Herr ». «erber, der nach dem Tod« seine« Kater« di« Redaetia» seit 10 Jahren in geschiUter Weise sortsührte, mußte kränklichkett nnmen dieselbe vor einigen Wachen niederlegen. Er gedachte aber noch vor 14 Dagen, sie nach Rasch haschana wiederauszunehmen — da erholten wir dleser Tag« die Anzeige von seinem Tod. Er starb im noch jugendliche« Alter von SS Iahten. ,‘,T3V1TI Wertt». Die in vor. Rr. von der »Kreuzzeitungtelegraphisch gemeldete Ausweisung aller nichtrussischen Juden au« Warschau hat sich nicht beftötigt. (E« war der Wunsch der Kater de« Gedanken») «teM«d»rg i. «Elsa«, St. August. (Or.-Eorr.i Die durch ein- M«mio gefaßten Beschluß de« i«raetitischen Eonfistorium» für den Bezirk Unter-Elsaß vorgenommen« Ernennung de» Meder Oberrabbiner», -Herrn Isaak Weil, zum Oberrabbiner in Straßvurg hat die Brstätigung de« kaiserlichen Statthalter» erhalten. Der Herr Oberrabbiner gedenk« sein neue» Amt zu Suckoth «,»utrrtrn. Für da» nun erledigte Oberrabbinat in Med haben sich bereit» drei ltandidaten gemeldet: Die HH. Rabbiner II cl au» Brumat; Bl« m in Psalzburg und Lev y in Weißenburg. Goson. Raw einem im Jahre 1881 versandten Rundschreiben soll«« in Posen rin jüdisch«» Seminar errichtet werden. Im folsenden Jahre spendete der Kaufmann Moritz Rohr zu BrrSlau au« Anlaß de» auf Lang-Guhle bei Bojanowo erfolgten Ableben» seine» «ater» den — spllter noch auf da» doppelte erhöhten — Betrag von 800000 Mt. für da» Seminar, jedoch unter der Bedingung, daß da»- selb« in Bojanowo errichtetet werde. Di« Regierung in Pose» genrhmigte auch die eingeretchten Statuten, dieselben wurden jedoch in oberster Instanz nicht bestätigt. Bor etwa l1/» Jahren wurden di« Statuten abermal» mit verschiedenen Aenderunaen der Regierung «ingereicht, vor einigen Wochen aber wurden die Statuten wiederum höhe-- ren Ort» zurückaewiesen und nun hat «an von de« Plan« der Er- .richtung «ine» Seminar» gänzlich Abstand genommen. ° lÄUstt, 80. August. Pi« Judenhetze in Rußland schein« Wehr und »ehr an Autdehnuug zu gewinnen. Lange Wagenreihen mit theil» au«gewtefenen, Weil» freiwillig au«wandernde» Juden, denen .*k Holle i« Rußland so heiß gemacht wirb, daß sie t» vorztehen, ihre« bisherige» Heimathland den Ruten zu kehren, passieren jetzt häufig durch «nsere Stadt zu« Bahnhof, um von hier au» ihrer neue» Hei- «ath, Amerika, entgegenzudampfen. Di« Leute erzählen unglaubliche GSchichten über die von den russisch:» Behörden beliebte Au»weisungjart. Bielen wird kaum 2t Stunden vorher mitgethellt, daß sie binnen dieser Frist dm Ort und schließlich da» Land zu verlassen haben; e» wird ihnen nicht einmal Zeit gelassen, ihre wenigen Habseligkeiken, bi« sie nicht mllnehmen können, zi: verlaufen. Sollab, 20. August. Bor einigen Monaten stellte der hiesige Magistrat bei der Regierung zu Mirienwerber den Antrag auf Einzieh»na der zweiten Lehrerstelle der hiesigen jüdischeu Stadtschule, da sich di« Kinderzahl derartig verringert hat, daß eine Ledrkrast «»»reicht. Die Regierung besraale hierüber den jüdischen Schul- Vorstand. Dieser sprach sich gegen die Einziehung au», well der Gemeinde da» Recht, eine zweillassig: öffentlich: Bolksjchule zu unterhalten, durch kabinet»ordre au» dem Jahre 18־,» zugestanden worden, und weil eine Zunahme der Kinderzahl nicht unmöglich ist. Der Magistrat evneucrte jedoch seluen Antrag. Diese Angelegenheit liegt jetzt unser« Kaiser zur Entscheidung vor. Vtsewalk. Hier ist der Rrbbinrl»eandi)at Herr Grün! cid au» Berlin znm Rabbiner gewählt worden. Pari». Am 5. 2-ptcmder 18:1י wird der hundertjährig« Geburt»tag de» ,;roßen K1!.roonist:n Jacob Miyer Beer (>»:a:o;n,' Meyerdeer) gefeiert werden. Pari». Ein interessanter Artikel au» der Feder Laut» Gauberax's erschien im .Gauloi»- vom 10 August unter dem Titel: ״L»s Nevear ao Shylock“, gewidmet dem Herrn Paul Allendorf Jude.und Kaufmann in Pari». Der Artikel umfaßt ungefähr 1 Spalten und richtet sich gegen den Antisemiti»mu» in Deutschland und Rußland.־ Ter Berfasscr weist darauf hin, da» Frankreich Juden al» Kectreler zu den in Kiesen Lindern tagenden Longressen eutsauüt hat und bi; merkt dabei, baß die Republik aber nicht beabsichligl, offiziell oder »ffizio» sich aus dem geplanten Antisemiten-Eongreß vertreten zu lassen. -ik»». Herr 8. H. Bl iß fand unter den Urkunden de» Balicau», hauptsächlich au» der Zeit de» Ponlificat» Bonifaciu» IX. (183!» di» 1381) einen Ablaßbrief für alle, ivelch: für die Seelen John'» und Zsabella'S (Juden au» Bath in England) beteten. Wrrschan. Am 4. d. M. wurde da» neue i»raelitisch: Gemcindehau» von dem Präsidenten der Stadt Warschau, Generallieutenant Starynkiewicz, besuch!. Er ließ sich vom Präs«» de» iSr. Lultusgemeind«, Dr. Rathansohn, die Administration»- und sonstigen Einrichtungcn erlärcn, verweilte über eine Stund« daselbst und konnte nicht genng die musterhaften Anlagen loben. — — Unser Synagogen-Präses beklagte sich beim Curator für Schulunterricht darüber, daß die jüdischen Studenten ganz den Synagoaenbesuch unterlassen und erfolgte in Folge dessen die Berorduung. daß die Studenten nunmehr in gewissen Perioden die Synagoge be suchen müssen. Ri«». (Or.-Cor.) E» sind 300 Bittgesuche, wie der »kiewlaninimeldet, an die Kiewei Universität um Aufnahme eingereicht worden, darunter von >64 Ehristen und 136 Juden. Bon letzteren können höchsten», auf Grund derBeschränkung, 20 Personen aufgenommen werden. Wohl» soll der Rest der gebildeten israelitischen Jugeiid sich «enden? R»»n». (Or.-Dor.) Die starke Emigrationitbeweguna im Gouvernemeni kown» nach Brasilien hat wie der »kow. Gub. Wledomostiberichten, den Zenith nnter den Handwerkern und Fabrikarbeitern erreicht. Doch hat unter den Juden die Emigration»sucht nach Brasilien plötzlich ausgrhört, da man da» Gerücht verbreltrte, daß den Jude« auch in Brasilien keine Rechte auf di« Privilegien der andern Emigranten zusteh« und sie keine Arbeit finden können. Odessa. (Or.-Lor.) Infolge der Verordnung de» Stadtgouverneur», Eontreadmlral Selenoi, wegen de» unanständigen Betragen» der Inden beim Einstelgen in den Eisenbahnmaggon» hat der hiesige Kommandlrende- und General -Gouverneur, General Roop, seinen Beamten die besonder« Weisung ertheilt, da« strenge Borgehen gegen die Juden, bei Au«führung der beregten Verordnung zu unter» lassen und Riemanden ungebührlich zu chicanireu. — E» kommen immer mehr Rachrichten, daß bei den gegenwärtigen Feldarbeiten in Rußland unzählige Juden und Jüdinnen die schwersten Arbeiten verrichten. In Podolien sieht «an Hunderte derselben zu Ausgrabungen von Felbproducten, zum Schnitt, Sammeln und Scheuern sich vermieichea, ua» gletche Rachrlchien treffen au« anderen Gouvernement« ein. Und ivie die unparteiischen Berichte lauten, ist man mit Ihren Arbeite« überall sehr zufrieden. Odessa. Die hiesig« Gesellschaft zur Unterstützung der jüdischen Eolonisation in Syrien und Palästina hat eine neuerlich« Waraung erlaffen, »daß di« nach Palästina Au»wand«rnd«n nicht auf ihr« Hilfe rechnen sollten, da sie nur die alten in Palästina und Syrien Ansässigen unterstütz«.- Wallhingt»». Der Präsident, Herr Hitt, hat verschiedene Schritte getban, au» de» Mitgliedern de» Repräsentantenhause« «inen Ausschuß de» Evmiiee» der au»wärtlgen Angelegenheiten zu berufen, um über die gerüchtweise verbreitet« Rachricht der Austreibung der Inden au» Rußland zu verhandeln. Di« offiziellen vertchte der am«- rlkonischen Vertreter in Petersburg wichen Jo sehr von den Zeitung»- Nachrichten ab, daß Herr Hitt «» ««gezeigt hält, dt« genaueste» Erkun-> digungen vom Drpartemenr eiazuhoien. Dt« Abwesenheit de« amerika- Nischen Gesandten, Smith, von St. Petersburg, wird scharf kritifirt.