Mannheim
Compact Memory

Israelitische Wochenschrift · 1890-08-28 · 35 (28.8.1890) · p. Seite 268

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
21 (1890)
Issue
35 (28.8.1890)
Date
1890-08-28
Page
Seite 268 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
90% known words query
IRI
…/6492344-5935074-5956739--0310-5373912
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

1. daß feiten• eine» Flllschwaarenlieferanten der Gemeinde Adas Jisroel Zungen zum Verkaufe gelangt sind, die von irgend einer Seite als trefa bezeichnet wurden oder überhaupt als solche hätten bezeichnet werden können. Vielmehr handelt es sich um Zungen, die, au» Warschau bezogen, auf Grund der vorgelegten Beglaubigungsbriefe als unbedingt koscher anerkannt wurden, deren Verkauf aber seitens de• RabbinatS der Gemeinde Adas Jisroel inhibirt wurde, well die betreffende Fleisch- Handlung sie ohne Rissen de• Vorstandes resp. ohne Genehmigung des RabbinatS in den Handel gebracht hat; 2. daß der betreffende Lieferant sich geweigert hat, die Firma zu nennen, von der die Zungen bezogen, 3. daß der Fleischhandlung alö Sühne auferlegt worden, die Lumme von Mk. 800 für Palästina oder für irgend welchen Zweck zu zahlen, oder daß sie au• eigener Initiative eine solche Zahlung geleistet hat. Vielmehr wurde aus Grund einer Nabbinatsentscheidung dem betreffenden Fleischer wegen des Vergehens, das er sich hatte zu Schulden kommen lasten, ein Aufjeher gestellt, der dauernd seinen Aufenthalt im Derkausslokal zu nehmen hat; 4. daß der Fleischlieferant den achten Thell der Cultuskosien der Gcme nde Adas Jisroel beisteuert, und die Schlußfolgerung darum unzutreffend, daß dieser Punkt auch nur im Entferntesten auf die Beurtheilung des betr. Falles eingewirlt hat. Es ergeben sich aus Vorstehendem mehrere Fragen: 1. Ist der in der betr. Berliner Originaleorresp. garnicht erwähnte Vorstand der Adas Jisroel .betheiligte Person" und zu einer Berichtigung befugt? Bon einem ״Fleischwaarenlieferanten der Gemeinde Adas Jisroel" war ebenfalls in dem Berliner Bericht gar keine Rede. 2. Die Zungen werden ,nicht als trefa bezeichnet," sondern als .inhibirt", d. h. doch so viel wie geassert — welcher wesentliche Unterschied waltet da für einen wirklichen Orthodoxen ob? 3. Dem Fleischer wurde ein Aufseher gestellt, der dauernd seinen Aufenthalt im BerkaufSlokal zu nehmen hat, und diese einen jüdischen Fleischer tiefbeschämende sckwere Strafe erfolgte, well der Fleischer Zungen verkaufte, die ,als unbedingt koscher anerkannt wurden?" 4. Ist der Fleischhandlung, falls sie keine ,solche Zahlung" und zu solchem Zwecke geleistet, gar keine Geldbuße auferlegt worden? b. Warum wird nicht gesagt, wenn nicht der achte Theil, wie viel denn, von dem Fleischer zu den CultnSkosten geleistet wird, d. h. direkt und indirekt? Kenner der betreffenden Verhältnisse wissen, ohne e• frellich auf einen Bruchtheil seststellen zu können, wie Beträchtliche• der betr. Fleisch» leistet. Tie Beantwortung dieser und anderer Fragen überlassen wir unser» Lesern. Wir haben die ״Berichtigung", obgleich wir sie, als von ,nichtbetheiligter" Seite ans^chend, hätten zurückweisen können, reproducirt, um die Sache zu klären und die Samenfatwnen in Villen Kreisen Berlins zum Schweigen zu bringen, ES ist nicht untere Schuld wenn die obige .Berichtigung" dazu nur wenig beizn« trage« vermag. Merlin, 22. August. Aus einer vorgestern Abend vom ,Antisemitischen BolkSverlln" nach Hensel'S Saal einberufenen Volksversammlung, in welcher der Abgeordnete Pickenbach raten Bortrag über Antisemiten umd Sozialdemokraten hillt, thellen wll charakteristtsch nur das Folgende mit. D« Bortrag bezweckte die Aufreizung der Sozialdemokrat« gegen die Juden und schloß demgemäß mit dem Rufe: -Rieder mit dem internationalen Judenthnm!" Die in Mehrheit anwesenden׳ Antisemiten brüllten Beifall, wogegen die SoMdemokrate» —etwa 100 — ״Pfui" dazwischen riefen. Es kommt zu einer schorstn Diskussion, die einen stürmischen Verlauf nimmt. -Socialdemokrat meint, die Antisemiten verherrlichen Äriefl.' daher die hohen Stenern. Ein Anderer: Wir mache kllnen Unterschied zwischen jüdischen und christlichen Kap cidlisten. Klempner Engel (Sozialdemokrat): ES bat mir vill Vergnügen bereitet, für 20 Pf. Entree hier eine Komikervorstellung zu sehen. (Stürmische Entrüstung.) Man muß sich wundern, hier unter erwachsenen Leuten zu 2 sein. v. Nassau (Antisemit): Bei der Komckervorstellung ist der Vorredner, wie es scheint, der Clown. (Große Heiter- ■% feit.) Pickenbach widerlegt die Vorredner und weist au• ,-j der staatSgefährlicheu Stellung des JudenthumS nach, wie gerade die guten Freunde der Sozialdemokraten schuld sind an unserem hohen Milltäretat. Nach weiterem Hin- »nd HerredEn wird von einem Sozialdemokraten folgende H ,Resolution" eingcbracht: 2-־ ״Die heute bei Hensel tagende Volksversammlung j erklärt, mit allen Kräften dahin fpirken zu wallen, daß di c | Schändlichkeiten des Antisemitismus in imme *־.»§ weiteren Kreisen bekannt werden. Sie erblickt darin eine Schmach de« gesammten Vaterlandes, daß es über- ■ Haupt Deutsche gibt, die dieser aller Lultur spottende»; Agitation Gehör schenken." Nachdem Herr Pickenbach die Zurechnungsfähigkeit de• Antragstellers beztveifllt hatte, wurde dieselbe von de» H Antisemiten zioar abgllehiit, aber sämmtliche Socialdemotraten stimmten unter Hohngclächter dafür. Sie habe» in diesem Punkte die Geblldeten aller Länder für sich. Merkt». Im hieflgin jüdischen Kr ante »Haufe er- H i eignete sich durch ein Versehen ein recht unangenehmer Vorfall, dcr von antisemitischrn Blätter» in zeyässtgster Weise ausgebauscht uud au«grbeu!et wird. Im Juli d. I. verstarb im jüdischen Lraukenhanse der Mod.llti'chier einer hiesigen Maschinenfabrik, Bi eck (Nichtisraelit). Zur Beerdigung hatten sich viele Mitarbeiter ans der Fabrik nebst den Freunden und Angehörigen-de• Verstorbenen mll Fah»e und Musik, im Lraukenhanse llngefunden. Da• Trauer- Befolge hatte sich bereits geordnet und dcr Sarg sollte ä»s dem Lllchentellrr heran• auf de» bcrütsteheudea Letcheuwage». getragen werden. ES waren jcdach die Ehefrau und -der " Sohn des verstorbenen noch nicht erschienen »ad dadurch trat eine Verzögerung der Begräbnißsller ein. Unterdessen wurde _ bei Freunden des Berftorbcuen der Wunsch reg:, diesem st»'' Sarge noch einmal sehen zu können.?Einige Pwson«»s wallte» in der Leichenkammer neben dem Sarg: unter einer Decke eine Ln che bemerkt haben.- Als der Deckll •bgelptoE war, erwies sich der Sarg zum Entsetzen der Anwesende«? als leer. Jetzt erst wurde die L.iche de• verstorben«^ ii de» Sarg gerettet. Rnc der Verspätung der AngetzS ' war es z» verdanken, laß nicht lln leerer Sarg ln die ־ gesenkt wurde. ־r Znr Erklärung dieser Thatsache d Folgende•: Leichen nerftarbeaer Israeliten werde» noo Beerdignugsgesellschaft ans der Leichenkanmer des Kran! Hauses adgetzolt, nach de« Friedhöfe geschafft und dort der Lllchcnhalle) g-wasch«. Lllch« verstorbener N Israeliten verdlllven in der Leichenkanmer. bi« die gehörige» über dir Rrt der Bendignng verfügt» und Leich« werden »lsdn»n in der Leichenkammer gereinigt, diesem Falle hat nw, nach Angabe des Inspektors, vorgängige Mittheilung an die Hausverwaltung sta so »aß der Jnsprktae nicht einmal über di, Ze > t der erdignug nnterrichlll war. Hierdurch kam es, daß die V der eit nn gen znr Beerdignng noch gar nicht gett war« und die Leiche auf de» Leichenttsche «it schwarz« B-Hrtnche bedeckt, laß, al» da« Leiche, erschien. Bei der nt» folgend« Urderftürznng ereignete nnn )0• obige versehe», mit dem leeren Sarg. Es keines weiter« erNä»md« Wortes, daß d» betreffende vo» de« Hanspersanal, wie es sich getztrt, .gpwssche, eingesargt mürbe.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.