Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 21 (1890)
- Issue
- 35 (28.8.1890)
- Date
- 1890-08-28
- Page
- Seite 267 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 85% known words query
- IRI
…/6492344-5935074-5956739--0309-5373911- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
— 1ענ — I» «Wfta «!»«bisch» fltitfcni ist dt, Bchauptug . -unfgrßM »«>ch», baß dir Jguatjew'sche» Mißriet» »,0 . 1862 überhaupt »ich» au« geführt worben fi»d. Da» ist »nrichttg. Dies« rigoros» 8Rato|c[a fi»d mit aller Strmge durchführt »orb». »«bei »»ch seit««» der nieder» Lokaltehörbe» dir schrei»dst» Ungertchligkrtt» uterlttf», die fnilich mw L»at «nf geführtt Beschwerde» rrdresflrt würbe». L»ch h«1t« in den letzte» Jahren auch die hohe Körperschaft »gefangen, «den» »eit w»ig:r humane« Nosichte» zu hnldig» und jeglich«, «ch u»ch so gerechte Besch »er den von Juden »erd» vom Senat einfach zurückgewiesen. Der Jude ist faktisch recht!»» geworden, vogelfrei «rvärt. In diese« Sinue sprach sich übrigen» ein hoher Staatsdeamlrr gegenüber etvem Juden au», den «au au« Petersburg «»wie», trotzdem, daß er da« Recht 4« dem Anfruthalte in der Refidenz gesetzlich ermord» hatte. Ll« sich der Jude »uf diese» sei» Recht berief, erwiderte Se. ׳ Exzellenz barsch : ,Bon »elchem Recht« sprechen Sie? »^Vifs» Sie denn nicht,, daß bei un» tie Juden kein S^Hkecht haben?- £5 ' Wenn in Folg« der Jgnatjerv'scheu Maßregeln, die jetzt t? «ch uf da« Köuigreich P«le» «»«gedehut werd» und f ttk-ch -;»ine M iüiao׳ >bungmzder Proletarier schaff» soll», m« Lage der Juden ein« schlechte gtiiiorde«,' so wuedofie leit ' der Eismbahnkatasttophe bet v« rki eine »och weit schlimmere. ... Der kaiserliche Zog entgleiste 1888 auf der Kursk-Lharkow- U Asow'scheu Bahn, di« unglücklicher Weise von einem Jude». dem bekannten Poljak«», erbaut »ord» war. Obwohl & : die Uutrrfnchnng dargetha« hat. daß der Erbauer der Eisen- W Aah» «» der Kathastroph« schuld!«» gewesen (hiitte man nur trg»d welche Schuld zetuerseit« darthun kSouen, so wäre der Jude Poljakow sicherlich nicht straflo« au«grgang»)..obj »«hl «au ihn sogar nicht zur verantwortunz zog und ziehen £■' kannte, f« war d»noch die öffentliche Meinung sehr erregt £■; darüber, daß der «tsetzlich« Unfall, der der ganz» kaiser- ' lich» Familie beinah« da« Leb» gekostrt hätte, auf einer L-- M» eine« Jude» erbauten Eis»bahn passirte. Di» antisemttisch« Preßorgane ermangelt» nicht, eine so günstige Qh• rlegeuhrit auszunützrn. So rutstud» die aoahustuntgften Projekte, tzadul» ru» zu mach» mit allen »och zirmllch |T geringfügigen Recht», welche »ährmd der Regierung von »lexander II. de» russisch» Jud» gewährt worden war», f• Der Staat«di»ft ward für sie hermetisch gejchloff»; eine geheim an alle Reffort» «rlaffene Verordnung verfügt, daß £ Jud», selbst mit U»tversttät«dild«ng. trotz bestehender Ge- , setze, nicht «ehr in d» Slaalldieust aufgmommen »erd» ^«sollt»; die »ach Eivfühmng der allgemein» Wehrpflicht zu ^Offiziere» beförderte» Jude» »urd» gezwungen, ihren Ad- . schied zu nehmen, andernfall» au» de« Verbände der Armee t:, gestoßen; die Medtztuffch« Kriegsakademie schloß ihr« Thüre L\ »0t de» Jud», wobei jedoch im Lrieggfalle jüdische Arrzte M׳ requirirt »erde« sollt»; jüdisch» Juristen »urd« die Au»- & . Übung brr Praxi» untersagt, respektive von drr Einwilligung rv־ de» Justizmiuiprr» abhängig gemacht, drr sie stet» «erp׳ weigerte; jüdisch« Jugruteure »urd» au« de« Eismbahn- ^,7 dienst »tserut; die Aufnahme in dir Gymnasi» und Uutvrr» fität» so erschwert, daß selbst ber gerivge, durch» Gesetz geef , ftattele Prezrntsatz nicht eiugrhaltm nurde. Da» war roch Er, . guz logisch, der» wozu klassische Erziehung und höhere Bil- - düng, »eu» man dieselbe zu vrrwerthm nicht gestattet? Die Akademie der Künste wurde für Juden guz gejchloff»; der Eintritt in» Konservatorium nur d»,u gestattet, welche die Erlonbniß -um >uf»thalt in Petrröburg vom Stadttagptmann hatten, ollet» dies» wurde beständig verweigert; ondwerker und Sanflente in ber Außübnng ihrer Gewerbe S »nb Geschäst« di« ans'» Aeußerste bedrückt. Mit einem »ort, e» ward eiu Druck ausgeüdt, wie rhu kein« andere Mali»» ruhig ertrag» hodeu würde. •' Doch alle« die>l« erschien «och nicht genügend. Da» waren Alle» blo» vom Minister oder Lokalbrhörden erlaff»e Betörtnnugrn, dir leicht umgesteßr» »ndrn kannten, sobald etwa eine liberal« Richtung eingeschlage» »erd« ater eia human gesinnter Minister an« Ruder komm» sollte. Mu wollt« dies« Zustand auf gesetzgrberisch« Setse sauktiouireu laffe». Alle«, wa« jetzt in der Praxi« angewudt worbe« war, sollte jetzt seine Sanktion durch den Reichörath und dann durch die Billigung de» Zar» erhalten. Auf diese Affe »or man sicher, daß der Druck, den »au auf dt« Jud» »»«üben wollte» um fl« zu vernicht», um ihn» dea ferner« Aufenthalt in Rußland unerträglich zu mach», nicht mchr von einem Per>on»wrchsel abhängig sei» würde. Trotzdem stch herausstellte, daß bei der angebliche» nihilistisch» Verschwörung in Pari» die Jud» nicht die Haupttolle gespielt hatten (die einzige Jüdin, Bromberg, wurde freigrsproch» nud Mendelssohn gib «an al« ein» Ureukrl de» berühmt» jüdisch» Philosoph» an«. u׳n den verderblich», zersetzenden Einfluß de» deutschen Jndenthu w» «uf seine russische Glauben«genoff» zu konstatieren), nahm die »isische Hetzpreffe doch Veranlassung, den rassischen Juden dir ungeheuerlichsten Anklagen ln« Gesicht zu schl»dern und der ״Grashdaninging sogar so weit, dir Forderung zu stell», daß Rußland dem Beispiele drr mittelalterlich» Spanier folge» und sämwtlichr Jure« verjagen solle. Al« Eksgll>d«für, daß die Jaden aller bürgeelicheu Rechte für!׳Verlustig cxtlUrt watd»,- .sst,p,org«schlagen ward», siedet Militärpflicht zu entbind». Maik^ wollte, damit demvorwürfe begegnen, daß man dea Jude» Rechte nehme unb doch fortfahrr. die Blutpflicht einzusordern. Damit sollte da» System beschönigt werden. Gerichte rmd GOrrefpondenze«. De«eschlw«d. Magdeßurz. Da« Londoner ״Jew. Ehronicleschreibt: Wir fl«»» un«, der »Pall-Mall Gazette' vom 8. August einen Artikel entnehmen zu können, welcher bestätigt, daß der deutsche Kaiser dringend wünscht, etwa« zur verbefferung der Lage unserer Glaubensgenossen in Posen (?) zu thuu und daß Ee. Kaiserliche Majestät einen »»«gesprochenen Widerwillen gegen j:de Judenverfolgung hat, «0 dieselbe auch ustrettu möge. Drr Artikel besagt ferner, daß die deutsche Judeuhetze nie irgendwelche Stütze an dem Kaiser gefunden hat und stoben wird. Sr. Majestät hat Her» Stöcker noch nicht gestattet, vor ihm zu predigen und ist fest entschloss», Ihren Kaiserlichen Einfluß gegen alle versuch«, die jüdischen Untrrthan« zu ttäukeu, geltend zu machen. Di« Intoleranz in jedweder Gestalt ist, nach MittHeilung de« genannten Blatte», Sr. Kaiserlich» Majestät dnrchau« zuwider. Jedermaun weiß, daß die russischen Judenvcrfolgungeu von 1881—82 eine mächtige Anregung au« Deutschland erhielt» und daß die antisemitische Bewegung in diesem Reich« zu jener Zeit ihr» Höhepunkt erreicht hatte. Diese« Factum fand in dem berühmim Protest der Oxford» Universität ein» beredten Ausdruck, da an verschied»» Stellen teffelbeu auf Deutschland angespirlt wurde. Auch viele der bet der groß» Versammlung im Mustonhause grhaltmm Rede« bezeugtt«, bah die Redner d» verderblich» Einfluß, welchen da« Beispiel D»tsch!aud» auf Rußlud übte, durchau» nicht verkannt». Wir begrüßen daher mit Genugthuug jedwete Nachricht, welche nur dnrchblick» läßt, daß user« hochgrbildeten trat schm AlltirtenH ihren Einfluß auf« biete«, den Best der Intoleranz LU bannen. Ohne Zweifel aber hat diefer Einst« S um so höhn» Werth, al« der Kaiserlich« Herrscher selber e« ist,' voll welchem er ausgeht. Magbröurg. Wir werden auf Veranlassung des »Vorstandes der Ada» Jisroelzu Berlin in Bezug auf die in Nr. 33 ruthaltene Originalcorrespondenz au« Berlin, um eine Berichtigung ersucht, die wir im Folgend» widergeb» und einige Frag» daran knüpfen. Es wird einfach bestritt» und für unwahr erklärt: