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Israelitische Wochenschrift · 1890-08-21 · 34 (21.8.1890) · p. Seite 258

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
21 (1890)
Issue
34 (21.8.1890)
Date
1890-08-21
Page
Seite 258 (sequence 2)
Language
German
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1kfcc1>. Nehmen «atr data besanderen faC, rme tticg tat, ia »er •eftatt »er taMw|ta •»er iahtcktlichra Skbergafe data Stücke«, fite SkhtHahk »er Schüler iß »er *8|gafc gewachsen, efcdge bldtea tadbL De« Lchrar« Uriheil ist ia diese» Fall aar eia geistigta. er zensiert die Ldstnagen De dieses eiae ganz pllgeweme, za» Beraf gehörige >afer»eraa> ist. s» mir» de« jüdischen Lehrer aa sich feine schmierizere ■itfgabe gestellt, ■(* daen *aberea. Er hat aber aaransstchtlich Schüler »erschiedener Leafesstoaen •er sich. Unwillkürlfth erinwert iha da« Gefühl, daß er sich vor Boreingenommenheit za hüten hat. Lr mir» die Sache scharf ia« Ange fasse», aar aas sie seihst sehe», jeder einseitigen aa» daher falschen venttheilung answeichen antffea. I» Unterrichte selbst aber, somahl de« prodnzierenden ata dem reproduzierenden, ist »er Lehrer den Schülern eia ••a eigener Uefxrjeugua! getrafeae« Lehrobjekt za geben schaldig. Hält er sich streng aa dasselbe, sa mir» es ihm nicht aar nicht au Worten fehlen, sondern diese «erden auch eiae gate Stätte staden. Da jede« annSthige Wort fich «ehr oder weniger rächt, so kaan der jüdische Lehrer, de» aageh»rtge Worte vielleicht «ehr al« einem andern schaden!, sich aar dnrck unentwegte« Festhalten an seine« Uaterrichtsplane hüten. Diesen durch alle Hiuderniffe der Trägheit, der Bersäuwniß. »er Zerstreutheit stegreich und frachtbriagead hindurchzuführen ist die eigentliche Aufgabe de« shstematischeu Unterricht«. Und »ie für die Religion da« Wtffen so ist dann auch für diese« jene — neutraler Boden. IV. Wenn Liebe unter den Menschen das schönste Band der Gemeinschaft bildet, so sind die Schule und der Lehrer berufen, diesem Zwecke zu leben und sich hinzugeben für den Dienst der Menschheit. Nicht der kalte Beamtenstolz kann und darf ihn beherrschen, nicht die Gefühlslosigkeit des geschäftlichen Lebens, selbst nicht das Hartaefühl des Kriegers. Seine Energie ist die Energie der Liebe, er kann nicht erziehen, ohne zu lieben, nicht lieben, ohne liebend zu erziehen. Er kann nicht die Seelen lenken, ohne selbst in der innersten Seele Freude und Leid «its,ufühleu. Der Ernst des Lebens ruft ihn auf eine Bahn, rn welcher es schwer ist, dem hohen, reinen Ideal der Wahrheit und Liebe unwandelbar zu folgen. Aber es •' wird ihm wieder und wieder gelingen, den versöhnenden | Punkt im dunkeln Drange menschlicher Bestrebungen zu I treffen und die kalte Voreingenommenheit und Engherzigkeit : zu sprengen. Der Dünkel der eiosettigen Gelehrtheit, die! Einbildung des formgewandten Weltmannes, die Keckheit! des der Gegenwart, dem Augenblick lebenden Gesellschaft«- Menschen, Unnatur in Palast und Hütte, in dem ftiaen Salon und unter dem niedrigen Dach, sie all« weichen der Allgewalt der steten, natürlichen, aufopferungsfähmen Liebe. Aber auch sie kann nicht einseitig bleiben, auf sich selbst beschränkt werden, sondern muß je»» Gegenliebe erwecken, die aus der Einsicht beruht. Wenn auch der Tüchtigste in seinem Fache der Berufenste ist, so ruht der Bau der menschlichen Gesellschaft doch auf anderen Grundlagen. Der Formalismus, der uns die Hülle eines edlen Kernes bildet, darf nimmermehr zum Selbstzweck werden, darf nicht ausartea zu jener raffinirten Verstandeskultur, in welcher Gemüch, Empfindung, Begeisterung und Liebe verpönt sind. Nicht darum säugt die Mutter das Kind, nährt der Vater den Knaben, erzieht die Schule den Zögling, um ihn zum Egoisten umzuschaffen, sondern damit sie selbst von chm die Gegenliebe finden, di« die Veränderung der Lebenslage, die Pflicht der Vergeltung, das allmähliche Aufhören der schaffenden und handelnden Kraft erheische«. ES ist nicht die Pflicht des Staates, 'sich individuellen Wünschen anzubequemen, wohl aber Pflrcht der den Staat bildenden Gesellschaft, in dem Individuum den bestimmten Ausdruck seiner sdbst zu sehen, sich in chm als der fnbjektiven Erscheinuug der Allgemeinheit wieoerzufindeu. Diese »aturqemaße Sympathie lebendig zu erhalten ist die Aufgabe der geistigen Mhrer, auf sittlich'-reliailse« Gebiete die ' Geismchen, auch erzichlich uuterrichtltche» die der auf dem Gebiete der schi^fertschen Jde«. der ktustlerif Hervorbdaguagen die der Dichter. Denker und Lün Wenn die Theilnahme. die diese für die Allgemeinheit Hab«, eine Erwiederung in dem Wohlwollen der Augenreiuheit ,findet, so kann der Segen wechselseitiaer Liebe nicht ausbleiben. Denn wo Liebe ist, da ist Friede und jene Freudigfett des Schaffens, welche der Menschheit würdiger ist, al» die auf de« Zwange beruhende fieberhafte Arbeit. So wird sich vidleicht auch da« junge Lehrerthu« der Sympachie derjenigen erfreuen, auS deren Mitte es hervorgeht und unter denen es zu wirken bestimmt ist. Dann wird den Lehrern innerhalb ihrer Stammes- und Glaubensgenoffen die Lebeasarbeit eher dem salomonischen Tempelbau vergleichbar erscheinen, als dem Bau von Pithom und Ramse«. Die 32. Sschke»ve«s«WMl»Ader iSrckelittsche» Lehrerls-fere»- Hesie«». (Schluß.) Die fast zmeistüudige Rede zeigte, «ie tief der Forschnag«» «rieb für die «iffenschasten und jüdische« Schriftthum degeisterter Männer in dieselben eiuzudringen vermag; und entrollte vor uwerea Augen eia Bild von de« geistig:« aa» ethischen Werte de« Talmud. Ein Gedanken, and Ideenreichthn» trat an« da entgegen, so »iel neue Gebiete der Wissenschaft wurden na« da eröffnet, einen solch geradezn überwältigenden Eindruck wachte der Vortrag ans alle H» rer, daß wir selbst an den Versuch einer knrzr» Wiedergabe de« Inhalt« kanw heranzntreteu wagen. Au di« Eröffnungsrede anknüpfend, würdigt« auch dies«r Bortrag da« Berdtenst Mendelssohn«, dessen Bibelübersetzung um so größer«» Werth habe, als Mendelssohn die deutsch« wie die Ursprache der Bidet mU gleicher Meisterschaft beherrschte. Wenn Israel der West die Bibel gebracht und damit für die Annäherung semitischen und japhetitifchen Geiste« gewirkt Hab«, so solle es nun der Mitwelt auch noch de» Talmud zugänglich machen, 'über den die nichtjüdische Welt so falsche Vorstellungen Hab« und durch den doch noch so manche Schätze — auch für uus — zu heben seien. ZuM eigentlichen Thema: Dir ethische Maxime der Sprüche der Väter 2,1. übergehend, erläutert Herr Redner den Begriff der dahin, daß in ihr der Beweggrund zu den Handlungen der Mensch«», die Begründung der Pflichterfüllung lieg«. Er unterscheidet zwischen Heteronomi« und Autonomie. Wenn die Ethik sage: .Handle gut, und gut ist alles, was Gott befohlen hat," so tst das ein heteronomes Gesetz, das immer sage: .Du sollst", wenn aber der Mensch sich da» Gesetz selbst gebe, so >«i da» eine autonome Ethik. Die ganze heilige Schrift sei Heteronom, je mehr aber der Mensch di« göttlichen Bor» schristea studire, desto lieber würden sie ihm und sie würden ihm schließlich autonom. Gott ged« da» objektiv« Grfttz; — di« subjektiv« Vorstellung, dir wir über daffelb« haben, sei unsere Maxim«, unser Lebensgrundsatz. Ser das göttliche Gesetz etwa au« Bequemlichkmt, des irdischen Borthells oder gar der jenftitige» Belohnung halber beobachte, habe eine schlecht« Maxime. Rabbi Jehuda Ha-Raßi (der Fürst/habe nun in der dem Bortrag zu Srunde liegenden Nischna eine Maxime ausgestellt, di« sich auf da« Gefühl der Achtung — der Selbstachtung wie auch derjenigen der öffentliche« Meinung — stütze, indem er aus die Krag«: .Welche« ist die richtige Lebensrichtung, die fich der Mensch erwählen soll?" antwortet: .Die^nige, di« ihm sein« eigene Achtung, wir auch dteAchtung derMttwelt,«»trigt." — Weil Yehuda Ha-Raßt in jede» Menschen da« VUd Gotte« sah, «eil er wußte, welch« Würde im menschlichen Gesichte lieg«, so hat er di« Maxim« der Selbstachnrng aufgestellt. Der ungebildete Mensch widme nur dem ihm räumlich und zeitlich Nahestehenden Achtung. Mt zunehmender Btldnng erweitere fich jedoch der Blick in di« räumliche wie in die zetttiche Ferne, und in der Sorge für die Zukunft der Ge» schlechter suche dann jeder etwa» zu gelten. Dadurch entwickelt fich' da» Ehrgefühl; jeder habe das Bedürsmß, einen guten Namen zu er» werbe«. Der Mensch müsse Werth aus di« Achtung derer legen, die ein Uri hell über ihn zu fällen berechtigt seien; wem da« Bedürsniß nach der Achtung der Mtttvelt erloschen sei, der sei moralisch wt. Die Maxim« Rabbi »«gleicht nun der Herr Vortragende mit d« antiken Welt und find« daß diese das Achtungspriucip nicht genug 'betont Hab«. Mt der Philolopbie der ReuzAt sie zu »«gleiche», s« unsere Pflicht, indem dadurch dt« Anschauungsweift Israels atU der» jenigen der Richtisraeliten (Sem mit Japhet) in Verbindung gebracht ״erde. Da» Judenthum Hab« vor Jahrtausenden schon viele« gebracht, was bl« Moderue«!ctzt als neu bringen. Indem nun d« He« Bortragende die Maxime Rabbi's «it derjenige» der neuere« P^losophen,

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