Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 21 (1890)
- Issue
- 31 (31.7.1890)
- Date
- 1890-07-31
- Page
- Seite 238 (sequence 6)
- Language
- German
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242 — /«lila (Cr.»Cor.) Wie man statistische Notizen mit Nvtiftmitiswu« schmelzen tonn, beweist der statistische An»- weis de« Lobliner Lorresp. für den ,Wiek" welcher dieselbe» mit folgenden Worten schließt: .Jeder Richtigdenkrude begreift, daß es bester ist. wenn die Juden in den Städte» statt anf den Dörfern sich onfiedeln. Sber in der Wahrheit könnte man sich auch in den Städten ehne diese unsere Freunde begehen» welche ihre Liebe zu uu» so weit treiben, daß fie vnS vollständig zu verdräugeu suchen." Daß dieser liebenswürdige Eerrespondent seine eigenen statistischen Ausführungen Lügen straft macht ja nicht-, wenn mau in den Holloruf ,Lerdräogen!" mitschuauben kann." Amerika. Fkem-^srfl, im Inn׳. Die ,jüdische WaisenhauS-Gesellschast" hielt vor einiger Zeit in dem jüdischen Waiseohause ihre Jahresversammlung unter dem Vorsitz ihres Präsidenten Jefle Seligmann ab. Derselbe erstattete folgenden Bericht über die Thätigkeit der Verwaltung de» Instituts: Es be» fanden sich iu demselben während der letzten Jahre» 555 Linder, und zwar 327 Snaben und 228 Mädchen und für 4 Sinder wurde für Lost uud Logis außerhalb der Anstalt bezahlt. Die Major.tät der Sinder wurde in der Stadt New Jork geboren. WaS den Gesundheitszustand iu der Anstalt betrifft, so ist hervorzuheben, daß die Sinder während de» ganzen Jahres nicht nur von der Influenza, welche längere Zeit iu New-Iork wüthete, sondern auch »on allen andern Srank» heilen gänzlich bewahrt blieben. Von dm Sindem der Snstatt besuchten 137 Suaden uud 94 Mädchen die Grammarschule, während 182 Snabm und 129 Mädchen in der Priwärschule in der Anstalt unterrichtet werden. Eine Anzahl Zöglinge werde» außerdem in Stenographie und im Gebrauch der Schreibmaschine und wieder andere in der Buch» Haltung unterrichtet, während Dr. Baar Religion»- uud hebräischen Unterricht an alle Zöglinge rrtheilt. Einer Snzahl Snaben wird im ,Hebrew Technical Institute" HaudfertigkeilS-Unterricht erteilt. Die Gesammt-Eiunohmen der Anstalt betrugen, einschließlich «iuer von der Stadt gezahlten Summe von Dollar 62,711.78. nicht weniger als D. 166.293.98, die Ausgaben D. 108,806.55. darunter nur D. 3809.04 für Saläre. Die Damm der Gesellschaft haben außerdem noch au» eine« eigenen Fonds über D. 7000 für BeNeidongSgegeostäude verausgabt. Die Voranschläge für Ausgaben während de» laufenden Jahre» beziffern fich auf D. 118,000. Die Gesellschaft besteht au» 815 ,Patronen" und 2385 Mstgliedem. Am Schluffe seine» Berichterwähute Herr Srligman», daß da» Sadettm-Sorp» der Anstatt, welches an der großen Parade zu Ehren de» 100.Jahrestage« der Jnaugurirung George Washington'« alS Präfidmt veranstalt wurde, thciluahm. für gute» Marschirrn von den Gmerälea Buttei ficld «nd Sherman ei» prächtige» gestickte» Banner erhallen habe. Hierauf schritt man zur Wahl der Beamten der Anstalt. Die Herrm Jeffe Srligman, Präfidmt; Heniy Rice, Vicepräfidmt; A. Wolff, Schatzmeister, »urdm wiedergewählt. Kiucinuatt. Da» Ereiguiß dieser Woche war die Delegatenversammlung der verschiedmen ,Hebräischen Jung« männer-Sesrllschasteu" vom ganzen Laude, dir im Lokale der Eincinuatier Gesellschaft tagte und eine Bereinigung dieser Sörperschaften coustituirte. Aus allm Theilen de» Lande», auch au« Lauata, fanden fich die jungen, durch Jntelligmz auSgezeichuetm Staatsbürger der Frecheit ein, zu de» höchst löblichen idealen Zwecke, Einheit uud gemeiusame» Bestreben in diese au» jungen Israeliten bestehenden Vereine zu briugm. Zu diesem Zwecke wurde ei» Bund orgauifirt, eine Louflitutiou angeuommen, Beamte uud permaumte Lomitee'S ernannt, uud so die Uaiou festgestrllt. Für den Pillen Beobachter war die Bersammlung höchst iuterrffaut. Er fühlte fich von dem idealm Streben und dem Aufwand« von Intelligmz dafür augmeh» überrascht, augrhetmelt. Diese Leut« haben in der Mitte diese» herrschenden kalte» Realismus also doch ei» ideale» Strebe«, uud wolleu in dieser alleM uiveliireudrn Strömung immer Israeliten sein und bleibend uud vor aller Welt e» bekmnen. Da» ist eine Erscheinung, die da« amerikanische Judenthum charakterifirt. Da» Berlang«, Israelit zu sein, da» Streben nach Einheit, da» Huldigen dem Idealen, muß Jeden mit Freude erfüllen. Palästina. Au» Jerusalem theilt der ״».vasrioan laraalitafolgend« zwei Briefe mit: ,April 8. Nährend meiae» kurze« Ausenihalt» Hierselbst besuchte ich auch baS jüdisch« Waistuhau», welche» unter Leitung de» Herr»׳ Sr. Herz ber g steht. Mit großem Vergnügen spreche ich «eine 8«- friedenheit au» über Alle», «a» ich in der Anstalt gesehen und gehört habe. Wenn ich mir au» den geagraphischen und geschichtliche» Senat» niffeu der Sinder «in Urtheil bilden soll, so muß ich die Unterrichts» «ethod«, welch« solch« Erfolg« erzielt, ein« bewunderaSwerthe nennen. Dem Herrn Dr. Herzkerg stehe» die besten Lehrkräste für di« «injelne« DiSeiplinen zur Seite. Ich hoff«, daß diese so vorzüglich geleitete Anstalt immer »ehr bekaunt und gewürdigt werde, so daß ihre legen«» reich« Wirksamkeit sich auf immrr weitere Gebiet« erstrecken möge. Sie verdient in jeder Beziehung di« re chlichste Unterstützung. O. ©■ Strauß, ikousul der .Bereinigten Staaten." ,Am 25. Adar 5649 hatte ich die Ehr«, einer Prüfung in der Schule d«S Herrn Dr- Herzberg, in welcher arm« und Waisenkinder unterrichtet werden und welch« sich. Dank de» unermüdlichen Eifer d«S Her!» Dr. eiuekrä tigea Gedeihens erfreut, beizuwahnea- 3kfr muß der Wahrhrit gemäß bezeuge», hier Hab« ich gesehen, wa< ich׳ noch nie geseh-n und wa« ich je zu sehen auch nicht «rwartct hatte — «in« Schule in dee heiligen Stadt, in welcher neben unserer heiligen Sprache, Talmud und jüdischer Ge'chichte auch fremd« Sprachen gelehrt werden. Im H!brLischen gaben di« Sinder Antworten, welch« zeigien. daß sie dirse Sprach« vollkommen beherrschten und so überzeugten sie auch di« Zuhörer von ihrer außergewöhnlichen Gewandtheit im Arabischen, waS um so mehr Bewunderung erregt, als die Erlernung dieser Sprache den Sinder», welche nicht aus der Fremde kommen, besondere Schwierigkeiten verursacht. De» Lehrern, welche die Sinder so weit gefördert, gebührt der höchst« Dank. Möge der Herr ihre Mühe lohnen und mögen Shelich« Anstalten viel erstehen in Israel, damit wir rach den Worten der Heiligen Schrift «in weise» und vernünftige» Bolk genannt zu werden verdienen. Israel Jomtob S iruSli, ehemaliger Oterrabbiner von Egypten." Vermischte uud aeueste Nachrichten. Mogdeburg. J!n ,Brieflastea" der .Freis. Zeit." sinket fich solgevd« Autwoit, die ,weit blicke« läßt": ,B. in M- Wenn in einer Stad», bereu Bevölkerung zu einem erheblichen Theile au» Juden besteht, nur «in einziger Arzt »o> Hunden ist und dieser ein so fanatischer Anti» semit ist, daß er sogar verschieden« Instrumente für Juden und Nicht» juden benutzt wisse« will, so ist das ganz entschieden ein Uebelstand. Welchen Borumrs Sie indessen für die Gemeindeverwaltung daraus ableiten, vermögen wir nicht eiuzusehen. Es ist Sache de» beiheiligte» Bürgerthum», Borsorge dafür zu treffen, daß ein zweiter Arzt sich in der Stadt niederläßt." (Schade, daß der Ort nicht genannt, t» welch«« dieser aatistmitisch« Menschenfreund haust, damit ihm durch einen »semitischen Arzt" geholfen weiden kamt.) Berlin. Bei den diesjährige» Bewerbungen um die Stipendien der beiden Micharl-Beerschev Stiftungen Ist der Preis der I. Michael» Leerichen Stiftung dem MalrrLeffer Uly au» Birnbaum, gegenwärtig ln Berlin wohnhaft, zuerkannt worden. — Ein antisemitischer Songreß wird nach der »Franks. Zeitung" in Bern geplaM. Tie Aaregong gehe von Frankreich a«S. — Ein antsemitischer deutscher Turnverein hat sich hier gebildet. Di« ״StaatSb. Zig." veröffentlicht einen Ausruf an alle ״nationalgesinntrn" Xutntr. In dem Ausrui wird der Anschluß an diesen Benin empfohlen mit dem Bemerken, daß derselbe «S für unbe» dingt nöthig Halle, dir ״Angehörigen jener fremden Nasse, jene» über di» ganz« Erde zerstnutru Volke«", von der Mitgliedschaft auSzuschließen, da dieselben ״da» zersetzend« Element bilden tu dem Volke, unter welchem sie leben." — Besonder« Geschäft« scheint dieser Turnverein bisher hier nicht gemacht zu haben. SintgSbrrg. Den Antrag dc« Magistrat», den Verkauf eine«. Theile» de» früh««» Zahrmarktplatzrs au dt« jüdisch« Gemeinde zur Erbauung einer neuen Synagoge zu genehmigen, hat der v'zlrks» auSschuß nun endatltig abgelehni. Die Absicht, ein der Größe der Geuuiade entsprechend^ GotieShau» zu erbau:», muß uua sür längere Zeit vertagt werden. BaadSburg (Westpr.), 87. Juli. In der vergaugenen Nacht zerschlugen Dieb« ein« Fensterscheibe in der hiesig« Synagoge und »er- . schafft« sich dadurch Zutritt tu dieselbe, woselbst der Opserkaftea, welcher uugesähr 80 Mb enthielt, erbrochen uud sriaeS Inhalts «!leert wurde. Wiesbaden. Die Duellaffaire dt» Dr. m:d. Fr-, Aff^Arzt der Reserve, hat ein« bemerkaSwenh« Abschluß gesund«. Durch dir Gnade de» Saiser» ist der zu drei Momtten Festung »emrthellte Dr. F.,