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Israelitische Wochenschrift · 1890-07-31 · 31 (31.7.1890) · p. Seite 237

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
21 (1890)
Issue
31 (31.7.1890)
Date
1890-07-31
Page
Seite 237 (sequence 5)
Language
German
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Hra«kretch. v«rt». Da« in New-Aork erscheinende »Belletristische Journal" vom 18. Juni bringt einen längere» beachten«, »erthen Leitartikel über den »Antisemiti«mu« in Frankreich,- au« welchem hrrvorgeht, daß da« französische Volk für diese »häßliche Zsilkrankheit" nicht verantwortlich, vielmehr an derselben ganz unschuldig ist. Die Franzosen würden von dieser exotischen Pflanze nicht« erfahren baden, wenn nicht rin einziger Skribent r« zu seinem L:brnSberus gemacht hätte, sie einzuführen und mit einem wahren Fanatismus zu Otltioiren. Da» Blatt sagt ferner, daß der Antisemitismus von Drumout al» reine Geschäftssache grvflegt wird, welche ihm Geld einbkingt. Sein jüngste« Machwerk ״La deriäre bataille“ ist ein höchst abscheuliche« PaSquill auf die Regierung und die französische Nation. Bon 10 Lesern sagen 9 über Drumont: ״Der Mensch ist ein Narr, aber er amüsirt un«.- Hierin liegt da« ganze Seheimniß von dem finanziellen ׳Erfolg seiner ehrenrührigen schriftstellerischen Sudelei. Nach diesem Pamphlet hätten die Juden da« größte Recht, stolz zu sein; e« girbt ihnen nämlich da« Zeugniß, daß sie die Herren und Sigenlhümer Frankreich« find, obschon man von Drumont sagen könnte, daß sie nur in seinem Gehirn spuken. Zfari». (Or.-Errr.) Emil Zola schreibt jetzt die 3 Schluß-Eapitel zu seinem Werke: ״Da« Geld". Damit schließt sein große« Epo«: ״Rougon-Makart,- welche« über hundert Auflagen erreichte. Für un« hat diese« epochemachende Werk insofern Bedeutung, daß Zola in demselben dem AntisemttiSmu« entschieden entgezentrttl. ״Ohne Spekulation ist keine große Unternehmung," wiederholte er oft. ״Ohne Spekulation würde der Suezkanal nicht geschaffen sein. Nur diese verschaffte Lessep« die Mittel." Zola fieht in den Juden den Hauptmotor für große HandrlS-Uuternehmungen und läßt ihnen die vollste Gerechlig» keil wiederfahre«. Er schildert eine SpeculalionS-Geschichte au« dem zweiten Kaiserreiche. ES betrifft die ״Union ,generale“, diese« seiner Zeit so gewaltig emporgeschossene Bankinstitut, welche« sich die Aufgabe stellte, da« jüdische Eapital vom katholischen auszuscheiden und erstere« zu ver» Nichten. Wir wiffen, wie elend die ״Union generale" baukiottirenb zusammenbrach. Diese» bietet dem Autor ein außerordentlich ergiebige« Feld und er schildert weniger den Sieg de« jüdischen Eapital« al« alle Abstufungen de« Geize«, der Berschwrnduog, der Geld-Jntriguen u. a. m. und kommt zu der Behauptung, daß die Juden alle erforderlichen Bedingungen zum Geldumsätze besitzen. Da» in diesem Werke «in Weib die Hauptrolle spielt, in deren Salon alle Unternehmungen sich kreuzen und die Börsenspekulationen ihre» Ausgangspunkt haben, ist bei Zola selbstverständlich. Rußland. (Or.-Eorr.) Ich gebe Ihnen die wortgetreue Notiz au« dem hiesigen Blatte: ״PererSb. Wiedom.- ״Die Emigration der russischen J-raellten nach Afrika, hanptsächlich nach Sapland und Transvaal, ist in den letzten drei Jahren so stark gestiegen, daß einer der Emigranten dort bereit« eine jüdische Zeitung unter dem Titel ״Der afrikanische IsraelitherauSgiebt. Bloß die eine Stadt Johannisberg zählt ungefähr 10000 J«raeliten au- Rußland — die hauptsächUch ouS Lithauen und Südrußlond rmigrirten. Die Israeliten beschäftigen sich daselbst mit Handwerk, mit Handel von Strausfedern, Goldsand und Elfenbein und haben Einige bereit» »großeaReichthum-erworben. — Ein Eorrespondeot de« ״Mo-kiewSkie Wtedomosti" erfährt, daß ander Fabrtkstadt TomaSzow in Polen S6 Familien: »Inden und Deutscheheimlich nach Brasilien überstedelteu. Arrsißu». (Or.-Eorr.) Au« dem letzten JahreSau«- »eise de« Warschauer Berein« zur Unterstützung wiffenfchaftlicher Arbeiten erweist sich, daß auch 2 Juden darunter Darlehen zur Bollendung ihrer Werke erhielen «. z. Samuel Adalderg behufs Lbschluffe« seine« Werke«: »Polnisch« SprüLwvrter und sprüchwörtliche Ausdrücke- — «nb Jacob >ltschitl«r behuf« Vollendung seiner Studien in den orientalischen Sprachen. Dieser Verein erhielt vor zwei Jahren rin testamentarische« Legat von 80 000 Rubel von unserm Glauben«genoff:a Prof. Dr. Jakob Natanson behuf« Auszeichnung hervorragender Werke. Die Au«-! Zeichnungen fielen Christen zu. und ist unter den 11 So mitej Mitgliedern nur 1 Jude u. z. der Augenarzt Dr. Sigmund j Kramdztyk. E« ist da nicht zu verwundern, daß seit dem Bestehen des Bereinnoch kein Werk jüdischen Inhalt« zur! Auszeichnung kam. > — Der hiesige hervorragende Maler L. Horowitz, I unser Glaubensgenosse, hat anläßlich der Mtckiewiez- ' Feier io Ärafau da« Bild diese« größten polnischen! Dichters dem Krakauer Museum geschenkt. Mickiewiez : zeichnete sich bekanntlich in seinen Dichtungen al« großer | Judenfreund. (Einer seiner treuesten Freunde war bi» zu seinem Tode der französische Jude Armand Leoy, der auch dessen Leiche au» der Türkei nach Pari« brachte. Doch daran will sich wohl jetzt ein Pole kaum erinnern. — Die Warschauer israelitische Gemeinde unterhandelt wegen Ankauf« der außer Thätigkeit gesetzten Papierfabrik in PruSzkow. um dieselbe für ein israelitische« Irrenhau« einzurichten. Da die Fond» hierzu au« dem testamentarischen Nachlasse de» Banquier« Besser Levy vorhanden sind, so wäre die Htrrichtung dieser nothwendigen Anstalt sehr zu empfehlen. — Sw 8. d. M. zahlten die Testamentvollstrecker nach dem in vorigen Jahre verstorbenen jüdischen Kaufmaone Isidor Bart mann de» Betrag von 10,SSO Rubel an wohltdätige Anstalten ohne Unterschied der Lonsession. Marschau (Or.- Lorr.). Da die Aufhebung der ״Sheder'S" sich nicht durchführen läßt, so sucht der »Ober- Polizeimeister״ von Warschau durch folgende neueste Anordnung dem Uebel halbwegs zu steuern: »In Eheder«, wo die Sinder den ganzen Tag fast zubringen — lautet der Befehl an die Polizeiorgane — hat bci geregelter BeotilationS» Einrichtung, die normale Luftdichtigkeit ISO Quadratsuß für jeden Schüler zu betragen. Die Polizei-Lommissare haben de« Arzte« und Baumeister« jeweilig festzustellen dir Maximalziffer der Schüler, welche ein Eheder fassen darf und haben vom 1/u Seplbr. vor allen Eheder« Tafeln auSgehängt zu werden mit der Specification: 1. die Quadratfußziffer der Luftdichtigkeit, 2. die Maximalziffer der Schüler, 3. die Anzahl der besuchenden Schüler." S« würde wohl gar nicht schaden» wenn die Polizei auch etwa« Lesen, Schreiben und Rechnen zwang-ordnungsmäßig feststeüen würde. Murschau. Au» Anlaß der von Herrn S. D u b n o w im »Wo«chodericheineudrn aussührlichcn Arbeit über den Ehassi» diSwuS tritt auch der Warschauer ״J-raelita" unerschrocken gegen diesen auf und schreibt: Da« Judenthum in Polen birgt ein Unkraut, welches seit ungefähr hundert Jahren in mächtigen Auswüchsen wuchert und jeder gesunden Entwicklung hartnäckig trotzt. Diese« giftige Kraut heißt Lhassidt«mu«. Diese» Schisma eine« in Formeln gezwängten RabbiniSmu«, in welchem der ursprüugliche »arme Hauch de« Geistes zu Ei« erstarrte, artete in einen sinnlosen Eult der Wunderthätigkeit au« und ist der wegsperreude Stein für die weitere Entwicklung der Juden in Polen. E« unterliegt keine« Zweifel mehr, daß »er chasfidische Fanatismus — besonders in Partikularleben — mit ArguSaugeu darüber wacht, jeden Dorn oer Lultur au« seiner Umgebung zu rutferneu. Deßhalb nimmt der Unwille gegen die Juden hier eine so eigenartige Richtung, und findet seine Genest« in der widrigen Erscheinung, welche die Bekenner jene« Schisma'« bilden. Ihr Spott gegen Alle«, was EivUtsation und Bildung heißt, trägt den Stempel einer gefährlichen Wildheit. E« ist hohe Zeit, der weitem Ausdehnung dieses Uebel« eutgegenzutrrten.

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