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Israelitische Wochenschrift · 1890-07-31 · 31 (31.7.1890) · p. Seite 236

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
21 (1890)
Issue
31 (31.7.1890)
Date
1890-07-31
Page
Seite 236 (sequence 4)
Language
German
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240 geachteter Man«. Sr bekleidet« ei« grob« Zahl th« übertragener kaufmännischer und sonstiger Ehrenämter, war «. A. auch Mitglied der waldenburgischen Handelskammer und de« BolkSwirthschaftSrath«. In wohlwollender, unabläsfiger Fürkarge für seine Arbeiter ließ er e« an musterhaften Anlagen zu« Schuhe und zur Wohlfahrt derselben nicht fehlen, und durch die von ihm errichteten kranken-, Waisenuuo Bildung«- aostaltrn hat er sich ein bleibende« Verdienst an den Orten seine« Wirken« erworben. Der großen Beliebtheit, der er sich erfreute, eben so wie seiner Umsicht und Energie ist r« zu danken, daß in den weitverzweigten kauffmanu'schen Fabriken Streikbewegungen niemal« oder doch nur in kaum demerkenSwerthem Grade zum Ausbruch gelangten. -oltsrg, 23. Juli. (Or.- Eorr.) Am vcrgaugenen Sonntag fand in dem festlich geschmückten Betsaale des ,Jüdischen Lurhospital»- hier das jährlich stattfindrnde Stiftungsfest genannter Anstalt statt, viele Freunde und Gönner halten sich dazu eingefuudeu, auch da« Stadtoberhaupt war vertreten, sodaß jeder Raum besetzt war. Herr Dr. Goldschmidt hielt die treffliche Festrede, von der wir hoffen und wünschen, daß si: auf fruchtbaren Boden gefallen und dem Institut noch viele neue Freunde zuführen möge. Der Redner hielt e« für nöthig, in seiner Rede ausdrücklich zu betonen, daß da« Institut seinen Insassen alle« unentgeltlich verabreicht, also Wohnung, Soft, Bäder, ärztliche Behandlung re., um falschen Gerüchten entgegen zu treten, die in den letzten Tagen hier böswillig verbreitet wurden. Die Sache hat hier viel Aufsehen erregt und da dieselbe möglicherweise auch noch anderweitig Verbreitung finde« könnte, so halte ich Ihr vielgelrseneS Blatt gerade für recht geeignet, um dieselbe zu besprechen. Ich bemerke ausdrücklich, daß ich ganz genau informirt bin und die Richtigkeit in jeder Beziehung vertrete, kommt da im Laufe der »ergaugene» Woche ein Herr aus Posen mit seinem Kinde aagereist und verlangt für dasselbe ohne Weitere« Aufnahme im Lurhospital. Als ihm seiten» de« amtirendeu Vorsteher» erwidert wurde, daß diese« nicht möglich ist, da alle Räume besetzt find und daß doch vorher mindestens ein Aufnahme- Gesuch nöthig fei; meint der Herr au« Posen, er möchte ja dafür bezahlen. Da« geht nun erst gar nicht, denn wer im EurhoSpital Aufnahme findet, hat nicht« zu zahlen uud es wird ihm nahe gelegt, sein Sind hierselbft in jüdischer Familie unterzubringen, doch soll dasselbe soviel Soolbäder als der Arzt für nöthig erachtet, unentgeltlich im Hespiral empfangen. Wa« «Hut aber der Poseoer Herr? Er bringt sein Kind nach ,Siloah-, dem christlichen Cur- Hospital, woselbst er Alle« bezahlen muß und verbreitet nachher da« Gerücht, trotzdem er im jüdischen Lurhospital 175 Mk. Pension für sein Lind geboten, habe man dasselbe doch nicht ausgenommen, in Siloah zahle er dagegen nur 75 Mk. Unter den hiesigen Badegästen, die mit dem Gang der Verhandlungen nicht vertraut waren, hat diese Sache, bi« die Wahrheit aa den Tag kam, Erregung heroorgerufen, aber wie überall, so ging e« auch hier. Lügen hattea kurze Beine, und jetzt weiß hoffentlich hier Jeder, — obwohl selbst ein ehemaliger Rabbiner den ganz entstellten Sachverhalt z« »«breiten nicht Anstand nah«, — wie die Sache in Wahrheit liegt. Einen Dank erwartet der Vorstand für seine große Mühe und Arbeit nicht, man soll ihn aber auch nicht mit Uabaak lohne» und dem Hause directen Schaden zufügra. Bon den vielen Rabbinern, die hier zur Kur weilen, nenne ich u. A. die H«reu vvr. Kopfstein aus Beuchen, Roseuthal aa« Breslau, Hahn au« Stolp, Pleßner au« Ostrowo. tzu« Mutet» wird der ,Freis. Zeit.* geschrieben: Die hier erscheinende »Schaumburgrr Zeitung-, LreiSblatt und amtliche« PublikatioaS-Organ, bringt antisemitische Notizen au« b« Feder de« Rektor« d« Bürgerschule iu Rodenberg. Da heißt e« u. a.: ,Im Innern haben wir jetzt häufig die «götzliche Erscheinung, daß uns«« werthen israelitischen Mitbürg« gegen unsere lieb« Straßensugeud di« Aktive «* greifen, weil sie in den Jungen laut« Aalisemiten wittern, sobald dies« oder jener seine Nase zwischen die Fing« nimmt oder auch nur in Gegenwart eine« Juden lacht. E« kommt dabei selbstverständlich oft zu ergötzlichen und helleren Szenen; ja, e« ist schon so weit gekommen, daß. wenn abend«, etwa auf der Straße nur etwa« hörbar ,Lohn* oder »Aron* gesagt wird, dem Juden ein Schrecken und Zittern tu die Beine fährt. Aber warum da«? Hier bei un« braucht kein Jude Furcht zu haben, halte er sich doch nur ruhig nod wittere er nur nicht überall böse Antisemiten. Hier tu Rodenberg ist eine gut germanische Bürgerschaft daheim.- Ferner: ,Niemand sonst, als nur die Juden allein haben die Judenfrage heraufbeschworen und nähren ste täglich, daß fie recht dick und fett wird. Wo wäre die drusch-soziale Partei, wenn keine oder doch nur bescheidene Juden bei u iS da« Sastrecht genössen? Wären keine Juden da. so würde man von keinem Antisemitismus reden.- (Man kvuute ebrnsogut sagen: wären keine Christen da, gäbe es kejnen : Antisemitismus.) Ist solche« Treiben eine« Erzieher« d« Jugend würdig, und darf ein ,amtliche« PublikationSorgan- ן zugleich antisemitische» Hetzblatt sein? Müuche». Nach einem Berichte der ,VoltS-Zeitungwurde von dem Schwurgerich'e in Straubing (Niederdaieru) der katholische Pfarrer Hartmann zu 3 Jahren Zuchthau« und 10 Jahren Ehrenv«luft wegen Verbreche«« de« Meiueide« und V«gehen«-Anstifrung oeructheilt. Babett« Eben hoch schickte nämlich ihren Sohn nach dem Tode oe« Vater« iu ein holländische« Jesuitrnkloster, dem der junge Mann ein baare» Einstandsvermögen von 36000 Mk. zu« brachte. Da« genügte dm bekannten großen Magen nicht lschreibt die ,volkszritung-), denn durch da« Ableben der Großmntter de« Jesuiten Ebenhoch gelangte» Mutter nud Sohn zu einem weitern Besitz von 36000 Mt., die nun mittelst verschiedener ungesetzlicher Manipulationen seiten« des Pfarrer« Hartmann — da« Kloster wieder erhalten sollte.- — Wenn in jüdischen Kreisen ein solch« Fall vorgekommeu wäre, wie würde da nicht gleich da« ganze Judenthum herhalten müssen und in alle« antisemitischen Blätt«a da» Lied von der jüdischen Betrug»- und Meiueidslust angestimmt werden. So macht z. B. die nachfolgend« Mähr jetzt die Runde durch alle Antisemitenblätter: Jüdische Erzieh»»g. In der ®»jta einer höheren Knabe», schul« in der Provinz (in welcher?) revidirt« vor kurzem der Ordi» nariu» di« Schularbeiten seiner zehn Zöglinge uad fand dabei, daß der Sohn de« jüdischen Gradtverordneten-Borsreher» eine Arbeit nicht vor» zuweisen vermochte. Da der Knabe auf Befrage» ausdrücklich versichert«, di« betreffenden Ausgaben jwar gefertigt, da« Lest jedoch zu Haut« vergessen zu haben, lieh ihn der Lehrer dasselbe holen, jedoch »ich» ohne th« sowohl ans dem Hinal« auch auf d«m Rückwege durch «ine» andere» jüdischen Schüler begleiten zu lassen. Als beide sich wieder meldeten, erfuhr der Ordinarius au» der noch feuchten Schritt der vorgezeigten Arbeit, daß dieselbe erst kurz vorher gestrilgt sei» konnte. Er wiederholte deshalb seine erste Frage, doch blieb der Knabr dabei, die Arbeit schon am vorhergehenden Lage gemacht zu habe» uad äaderte seine Aussage erst, al« er aus deren Unhaltbarkeit aufmerksam gemacht worden war. Run aber trat dec zweite Schüler vor:׳ .Dan, hat H salsch geschworen; denn al« er vorhin au» seine« Haus« kam, sagt« ich zu ihm: ,Du Haft wohl jetzt erst die Arbeit gemacht!- Da er e» verneinte, forderte er ihn aus, seine Han» auf sei» Herz z, legen und dies« SuSsag« zu beschwören; er hat «» gethan und dadurch doch «inen falschen Eid geleistet-. Rasch hierauf entqegnet« der Ander«: ,Herr Doktor, «ein Ba'er hat mir gesagt: Bei Kindern unter zehn Jahren hat der Schwur keine Ailtigken-. Die Schlußwendung, wenn nicht gor da« Ganze, ist offenbar eine freie Erfindung dr« antisemitischen Lehrer« oder Reporters, warum giebt derselbe den Ort nicht au, damit die Sache auf ihre Wahrheit geprüft werdeu könnte? Aber wa« liegt den Leuten au Wahrheit? Mau streut dergleichen Lügen au«, um dem leichtgläubigen Volke zuzumfen: Seht, so erziehen die Juden ihre Sinder zu« Meineide. Und dieser Zweck wird leider erreicht, deuu semper aliquid. haeret Ki י.־■‘

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