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Israelitische Wochenschrift · 1890-07-31 · 31 (31.7.1890) · p. Seite 235

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
21 (1890)
Issue
31 (31.7.1890)
Date
1890-07-31
Page
Seite 235 (sequence 3)
Language
German
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— 888 — lttlpen dra». Wie anbet« gestaltet sich die Stellung ch ristltcher Schulamtseandidateu sowohl nach ihre« Berhältniß innerhalb ber Schule, al« auch nach ihren Thancen. Jude» fie die gleiche Bast« de« ReligionSbekennlniffr« in bte Schule, ber fie anveriraut werden, «itbringen, find fie halb' fester nnb dauernder, weil inniger, mit dem Schulganzen verknüpft und verwachsen mit ihm leichter. Dem gegenüber ist der jüdische SchulamtSeandidat, gerade «eil er ein neuer Zuwach« de« Lehrrrthum«, auch hinfichtlich de« Lrkrnntniste«, ist, rin Fremdling, wenn auch bei längerem Unterrichten diese trennenden Schranken wehr und mehr fallen. In gewistem Sinne bleiben fie dennoch für immer. Denn c« find immer andere Gchülergenerationen, die stet« neu mit ihren werdenden religiösen Begriffen auftreten, und denen gegenüber der jüdische Lehrer stet« in derselben Lage ist, einfach fick in den Grenzen seine« Fache« zu halten. Bei einem gesunden Etaat«körprr dnrchdringen sich die einzelnen Theile, die da» Ganze bilden. Auch bei einem gesunden Schulkörper sollen fich die Erkcnntnißgrbiete durchbringen, weil fie in einander fließen und eine gewiste ideale Einheit darstellen. Diese« ist in schlimmster Weise erschwert durch den Umstand, daß der Lehrer, der nicht denselben Glauben hat wie die große Mehrheit der Schüler, die Gebiete religiöser und auf der Religion beruhender fittlicher Erkenntnisse nicht leicht heranzieben kann. Wohin führt also da« Danaergeschenk der freien Bewerbung, besten Bcfitz den jüdischen Lehrern zum inhaltslosen Scheine wird.*) Berichte und Correspendenden.. Deutschland. Magdeburg. In der in politischen Blättern viel besprach enen Broschüre Vide»at consales leistet sich der Herr Anonymu« folgenden Sag, besten unwahre Behauptung schon genugsam nachgewiesen ist: ,Eihalten und gesteigert wird diese Selbstvekblendung (daß wir nämlich anderen Nationen militärisch überlegen find) durch den größten Theil der Preste, bte von gewiffenlosen Parteiführern und nation«losen Juden geleitet — nur ihren Sonderinteresten nachgeht — nnd dem von allen Seiten getäuschten und verhetzten Volk bte großen Gefahren und Aufgaben der Nation au« den Augen rückt." In der Broschüre begegnet man immer wieder der Forderung an da« deutsche Volk, nicht bloß sittlich zu sein» sondern filtlich -zu handeln, aber die Anonymität selbst schon läßt un« den Herrn Berfaffer nicht gerade al« einen Helden der Sittlichkeit erscheinen. 8. P. Au« Merlin. (Or.-Tor.) Die in Berlin ankäsfigeu Mitglieder de» ,Verein« ehemaliger Zöglinge ber jüdischen Lehrer-Bildung«.Anstalt" waren am 30. Juni er. t» Hotel ,König von Portugal" versammelt und hatten sich zu dieser Versammlung außer den Herren Ehrenmitgliedern auch zahlreich geladene Gäste etngesunden. Herr Seminar- Director Dr. Holz mann hielt einen längeren Bortrag über da« Thema: ״Zur Geschichte de« jüdischen Schulwesen« in Berlin." von der Geschichte der jüdischen Frrischule »««gehend, ldie unter den Auspicien von Mendel«sohn und David Frtedländer begründet wurde, wir« der Herr Bortragend« unter stetiger Bezugnahme auf den damaligen Zustand de« Schulwesen« im Allgemeinen auf ihre Entwickelang in eine jüdische Gemeinde-Schule unter Leitung von Zunz hin. Laß deiser nach Form und Inhalt gleich gedirgrue Bortrag fich dr« ungethriltesten Beifall« aller Er» schtenenen zu erfreuen hatte, braucht wohl nicht besonder« hervorgehoben zu werden. Den geschästlichrn Theil dieser *)Hier»» kommt noch «ta Uebelstand, den der aesch. Schreiber de« obige« Anim» der die Kclgen diese» mißlichen Zustande« an sich selbst verspürt, gar nicht derbhn Hai, weit er ihn vielleicht noch nicht erfahre», ndmlich der: daß von den weatgen indischen «dheren L.hr» anpatten, einig« trundsäpiich sür die »dengeamnen stSiver chrtnltche n Ähramiecandidaien vor jüdischen de» Vorjeag geben, ein gewiß nicht zn billigende« verfahre«. (Red) Versammlung bildete die Berathung über die im Herbst hier abzuhaltende Geueral-Bersammluug.Z E« wurden die Mittelfriertagr de« Hüttenfeste« hierfür am geeignetsten gehakte« und daher der 2. und 3. Oktober cr. bestimmt. Al« vorläufiges Programm wurde festgesetzt: Gedächtnisfeier für die verewigten Lehrer der Anstalt, Rector Hör Witz und Seminarlehrer Pirk. Ein Hanptvortrag über ein noch auzugebende« Thema; ferner zwei Borträge von auswärtigen Mitgliedern; außerdem Berathung über geschäftliche Augelegenheilen de» Verein«. Für diese Generalversammlung wurde rin vorberiitende« Comitee gewählt, da« außer au« dem Borfitzenden noch die Herren: Seminarlehrer Dr. Simon, Dr. Sonnenschein und Rosenthal und die Lehrer Tichaurr und Remak umfaßt. Von dieser in Aussicht genommenen Gemral-Berfammlung wird für dir Lebenskraft de« jungen Verein« hohe Stärkung erwartet, wozu in erster Reihe die außerhalb Berlin'« in aller Herren Länder amtirendrn Lehrer, die auf obengenannter Anstalt ihre Au«- bildung erlangt haben, mitzuwirken verpflichtet sind. Au« Schkefieu erhielten wir dieser Tage folgende Zuschrift eine« gesch. Tollegen: Sehr geehrter Herr Redakteur l Soeben la» ich in Nr. 29 Ihre« geschätzten Blatte» unter ,Wien" die Expectoration über die getauften Nachkommen unsere« Mendel«- sahn, die meinem Herzen sehr wohlgechan, weil ich da» Echo der Worte zu vernehmen glaubte, die ich einem philosemitischen chiistlichen Geistlichen, mit dem ich freundschaftlich verkehre, auf seine Frage an mich äußerte. Ich bitte Sie ergebenst, auch meinen schlichten Worten geneigte Aufnahme gewähren zu wollen, die also lauteten: »Man braucht wahrlich nicht Fanatiker zu sein, über da» Thristenthum durchaus nicht geringschätzig zu denken. Die gebildete Judenheit hegt Hochachtung gegen jeden humanen überzeugten Christen, wir hegen aber die gegründetsten Zweifel, daß rin Jude au« innerem Drange, au« Ueberzeugung -um Thristenthum übertrete, von Mendelssohn«, de« dritten Mose«, wie man ihn nennt, Nachkommen gehört keiner mehr dem Judenthum an. Mögen die Epigonen de« al« Mensch und Jude so hochgestellten Philosophen sonst auch noch so ehrenoenh dastehen, di« Lhristeuheit hat nicht Ursache über diesen Zuwachs zu jubeln, zu triumphiren. Wenn Eltern ihre Linder an das Taufbecken führen, ste selber aber da» christliche Dogma nicht acceptiren, so legen sie damtt vor aller Welt da« unanfechtbare Zeugniß ab, daß ihnen bei der Taufe ihrer Linder wohl jede« andere, aber nur kein religiös-sittliche« Motiv innewohnte. In der That lesen wir bei Schrodtmann eine Aeußerung AbrahamMendkl«sohn»,BatrrSde»L1pellmeistr«.M.-Bartholby, über die jeder ernst denkende Mann, ob Jude oder Thrtft, sich entrüsten muß; nach ihm wechselt «an sein theuerste« angestammte« Erbe, da» höchste Lletnod de» charaetervollen Menschen, die Lonfessson, wie man mit einem Lleiduugöstück beliebig wechselt. Da« Denkmal von Stein und Erz, zu dem die Nachkommen ihre« großen Ahnen gewiß reichlich beigrsteuert, wird mit der Zeit fich abbrvckeln, vergehen; mögen aber auch von dem Judenthum, zu dem der Ahne fich bekannte und da« er vor aller Welt al« rin unveräußerliche« Erbthum gepredigt, lose Splitter und abfällige« Geröll« fich abbröckeln, der Markstein de« Judenthum«, sein Riesenstamm und Felsenbau werden nicht vergehen. (Jesoj 6.13.)" Dr. W. Mreska», 23. Juli. Heute ftüh verstarb hier einer der hervorragendsten Industriellen Schlesien, der Eommerziearath Julius Lauffmann in Breslau, Mitbesitzer der unter der Firma M. Lauffmann in BreSlan, Tönnhausen, WüstegterSdorf, EtserSdorf und Markltffa bestehenden großartigen Fabrikanlagen, in denen thett« Garne versponnen, theil« fertige baumwollene, leinene, wollene und halbseidene Waaren hergestrllt werden. Der Brrstorbeue war ein hochbegabter, wegen seiner GefchäftSkenutui« und Erfahrung, aber nicht minder wegen seine« edlen, «euschenfreuudltcheu Charakter» allgemein

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