Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 21 (1890)
- Issue
- 31 (31.7.1890)
- Date
- 1890-07-31
- Page
- Seite 234 (sequence 2)
- Language
- German
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aber eiac völlig Oiniateit i* religiösen Auschannnge» Nicht zu erziele», e» sei dem», daß »au sich damit begnüge» wollte, ei» mechanisches Bekäme» zu religiöse» Ueberzeu-ua-eu für Ueberzeugung zu halteu. Wer aber da« uicht will, wird den religiösen Luschauuugeu größtmöglichste Freiheit kaffen und darum ist die Ausschließlichkeit jeuer Partei, welche i« Vefitze der zweifellose», religiös«« Wahrheit zu sei» vorgidt, die schlimmste Gefahr für uuser Semeiudelebeu uud als solche muß fie auch auf da« entschiedenste bekämpft werde», deuu so gut wie von ihr selber der talmudisch« Ausspruch über die Parteiung, welche nicht zur Ehre Sötte« ist, gilt, so gilt vou dem Kampfe gegen fie der Ausspruch »on der Parteiung, die zur Ehre Gotte« erfolgt uud welcher der Sieg zu Theil werden muß.! Ja demselben Sinne hat' zu uusrer Freude der Präses der Prager israelttischeu Gemrinderepräseuz sehr beherzigen«-! »erthe Worte ausgesprochen, die um so bedeutuugsvoller fiud, als fie bei der Einführung des zur ,Non possamas : Partei" sich bekeuueuden Oberrabbiuer« ausgesproche« wurde» und aus de« Munde «iues entschiede» conseroatioea Mannes > kamen. Wenn man auf dieser Sette die Pflicht einficht, verschiedenen religiösen Anschauungen, die ja eigeutlich doch nur die Stellung zu riuzelueu Fragen des Ritualgesetzes betreffen, die Sleichberechtiguug zuzuerkeuuen, so hat auch frettich wieder die allriu seligmachenwollende Richtung ihr ganze« Recht verloren, uud das Wort vom ״Eutzweischueideu des Tischtuche«," welches Samson Hirsch ausgesprochen hat, erhält den längst verdienteu Platz iu einer mittelalterlichen Raritätenkammer, während wir treu bleibeu wollen der talmudischen Borschrist »nicht zu beharren auf uasern Worten". Wie verschieden auch die Geister — in Einigkeit de« Herzens CT* בלב) wollen wir di« gemeinsame» Ziele zu verfolgen streben zum Heile de» Judeuthums nach deu Worten des Propheten: ״Und ich werde ihnen gebe» ein Herz uud einen Weg, wich zu ehrfürchten alle Tage zum Heile für sie uud ihre Kinder nach ihnen". Z«rL«geder jüdische« SchulanrtSkandidaten. Bon A. Saldauer. I. Ueberfülluug im Lehrberuf kann in der heutigen Zeit nicht auffallen. Die Zahl ordnungsmäßig »»gestellter Lehrkräfte ist nothweudig eine begrenzte, der Schulmechauismus ei» geschlossener. Zu diesem eng umschriebenen Kreis der öffeutlichenSchuleugtebtesau» dem freienUniverfitätslebe» keinen andere» Uebergang als durch Examina, di« als Abschluß de« Studium» durch ihren wiffruschaftticheu Charakter der zurückliegeudeu Univerfität wett näher stehe», als der davor liegendeu Schule, die «ehr ein« Arena de« Lebe»» als der Wissenschaft ist. Diese Prüfungen verleihe« bekanntlich die Berechtiguug, iu die Schulpraxis einzutrete», und zwar uur i» der vou der Verwaltung de» Schulwesens festgesetzte« Form der einjährige« oder, wie »euerdings geplant wird, doppeljährige» Probezeit. Aber auch diese letztere verleiht nicht das Recht zur Anstellung. Ein solche« giebt es überhaupt nicht. vollkommen frei verfügt die Schulkommisstou jeder Provinz darüber oder bestätigt die von einem Schulleiter getroffene Wahl. Auffallend uud merkwürdig ist es dabei immer, daß von Seiten derjenigen Behörde, die allein im Staude ist, das Berhältuis von Bewerbungen und Bakouzru bi« zu einer gewtffeu Zeitgrenz« statistisch zu über« sehen, keine amtliche Eröffnung über dieses Verhältnis iu irgend darr Weise für wettere Kreise erfolgt. Möge» noch so viele Edle bei» Ritt um Kunigundens Schloßmauer de» Hals breche», die kalte Schöne steht de» ernste» Lebeusspiel mit kühlem Lächeln zu. Oder fall »au diese absolute Uugewißhett als ein Zeichen dafür ausehe«, daß die Schulde- Hörde als eine Art von Vorsehung deu arme» Sterbliche» lieber in Uukeuutuis über sei» Schicksal erhalten, als mtt einer wenig tröstlichen Wahrheit vertraut machen will? Geuug, die Ungeduld des jahrelangen Warten« wird oft genug noch vermehrt durch die Unbestimmtheit der Ausstchteu. I» der Thal ist die Lage der jungen Lehrer die denkbar uugünstigste. Ist es doch, als ob de» Staat« a» einer Ausdreitung der Bildung, wie fie tu jahrhundertelanger Ent- Wickelung sich gestaltet hat. uicht sehr gelegen ist, da er das höhere Lehrerthum vollständig sich selbst überläßt, de» unteren Zweig diese« Beruf« dagege» tu hervorragende» Maße zu Hilfe kommt. Der v o l k»schullehrer genießt de» große» Lortheil, durch seminaristische Ausbildung schon vor seiner eigentlichen Thätigkeit als öffentlicher Lehrer a:t dem praktischen Lheile de« Lehrerweseus bekannt zu werden. Ferner wird nach Absolviruug der Teminarjahre de» Mittel- oder Bolksschullehrer eine Anstellung jedeafall« iu naher Zukunft in Ausficht gestellt. Wie mögen sich da wohl die verhältuiffr zwischen der Aastelluagsfähigkeit uud Anstellung bei de» Seminaristen uud Schulamtskaudidate» zu einander verhalten? Wahrscheinlich für die letzter» überau« ungünstig, vielleicht so. »aß der Seminarist innerhalb eine« halben Jahre« schon ei« Wirkungsfeld findet, der Schulamt«kaadidat, der da« StaatSexame» gemacht hat, in vier oder fünf Jahre». Leider; muß mau gestehen, daß dieses von Setten der staatliche» verwaltuugskommisfiou nicht blos auf ei» Nicht-KSaaeu zurückzuführeu ist, sondern auch auf eia Nicht-Wolle«. Audrrafall« würden, wie gesagt, heilsame Warnungstafeln zu Nutz uud Fromme» jedes Einzelnen ausgestellt werden oder abschreckende Portalaufschrifteu, wie fie Dante vorschlägt: ״Luoiata ogni speranu ▼oi ah’entrate!“ Da« wäre «euigstens menschttch. Aber daran fehlt es. Hirrzn kommt der verhängnisvolle Gang moderner Kultureutwickluug, daß je höher sich Bildung und Wissenschaft iu einem Menschen individualisieren, um so mehr von ihm der verschlungen« Weg de« Schleichen« und Krtecheu« verschmäht wird. E» bleibt de» Schulamtstandidate» uur der Weg der Bewerbung, ehrlicher, offener, sogar bequemer, aber auch — ausfichtsloser. Mit gemischten Gefühlen wird jeder, der eine Vakanz auszuschreideu uud Bewerbungen zu empfange» hat, die Anzahl der letzteren durchmuftern. Dana fragt es fich noch immer, ob der Erwähtte der Würdigste oder auch nur eiuer unter den Würdigsten ist. Energische Sraftaature», die fich vorzudräuge» verstehen, beherrsche» das Terrain. Luderen, die vielleicht hiagebeadere Vertreter ihrer Sache, Idealisten ihres Berufs find, ergeht es so, wie ein junger Dichter singt: .Senn sie »um Lhron der ew'gen Liebe wandeln, Dringt sie da» Balk breitschnlmg »u« den Hallen." Doch find jene erfterea nicht di« alleinigen Privilegirte», noch mehr find es die, welche durch Empfehlung und andere moderne Modificationeu de« römische» ombitao dazu gelaugen. In einem Kulturftaat will «ad soll jeder bet einer gleichartigen BorbUduug zu« Beruf eine einigermaßen gleiche Erfüllung seines Streben« erwarten können. Die heutige Staatspädagogik steuert dem entgegengesetzten Ziele za» sie schafft wenige Zufriedene und zahlreiche Unzufriedene, sie wählt ihre Diener «insettig und vertheilt ihre Gaben wie die Sibylle ihre Orakeldlätter. Bor allem unbefriedigt bleiben in unserem Staatswese« die jüdischen Schulamtscandidatea. Gesetzlich ist ihnen gewiß ei« größerer Spielraum gelaffen, als in früherer Zeit, th atsächlich uicht. Klassische Philologen, moderne Sprochwiffeuschaftler, Mathematiker, Naturwiffenschaftslehrer »ad ähuliche Fachlehrer habe» gegenwärtig eine» gewisse» beschetdeue» Prozeutsatz Jude» i» ihrer Mttte. Aber ist schon die Anstellungsausstcht der genannte« Fachlehrer an fich keine glänzende, so sind di« jüdische» Lehrer unter thneu am