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Israelitische Wochenschrift · 1890-07-24 · 30 (24.7.1890) · p. Seite 230

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
21 (1890)
Issue
30 (24.7.1890)
Date
1890-07-24
Page
Seite 230 (sequence 6)
Language
German
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Handln»!, Iah» N. Varbur,, »«lcher du 83. Leben«, jahre stehend, die Schweizer ver,e allein bestieg, hat sei» Lebe» auf u»b«ka»»te« Weg«, »munthlich durch eine» Sturz, eingebüßt. Dem Testamente mtsprrchmd ist der Leichnam »erbraunt wordm. Kurz vor seiner Abreise in Hamburg in Begleitung feiner Frau, hat der Lerstarbeu« ei» Stift für 12 Freiwohnungea errichtet, wovon 8 au Lhristeu und 4 au Juden überlasten wordeu find, und lag e« iu der Absicht de« Ehepaare«, die Zahl der Wohnungen zu vermehren. Unter den verschiedenen Legate» de« Herrn W. befinden fich auch 3000 Mark für da« Altenhau« der Deutsch-Israelitischen Gemeinde. Herr Marburg gehört« lange Jahre dem Ge« meiode-vorstande al« Mitglied an. Für da« Altenhau« find kürzlich auch 45 000 Mark gegen eine Leibrente von 4 % der Gemeindekaste eiugezahlt worden. Ferner beabsichtigt ein Wohlthätcr diesem Institute 30 000 Mark zur Stiftung zweier Zimmer auf seinen und seiner Frau Namen zu schenke«. Auck die Gründung eine« Verein« zur täglichen Speisung von die Schule besuchenden lkinderu armer Gemeindeauge« höriger ist im Werte, nachdem ein Privatmann 30000 Mk. zu diesem Zwecke bestimmte, unter dem Vorbehalt, daß die Zinsen eine« gleichen Betrage« alljährlich von der Gemeinde zugeschoffen würden. — Bon dem kürzlich in Altona verstorbenen I. S. Bonn» der etwa 1'/, Millionen Mark hiuterlaffen haben soll» trotzdem er in höchst dürftigen Berhältnisten lebte, find der jüdischen Gemeinde daselbst 40 000 Mark, 20 000 M. dem Kinderhospital, 20 000 M. der Speiseanstalt, 20 000 M. dem vaterländischen Frauenverein, 40600 Mark dem städtischen Krankenhaus«, 20000 Mk. dem Verein zur Fürsorge für die Blinden, 20000 Mk. dem Verein zur Rettung Schiffbrüchiger und 20000 Mk. zur Ausbildung dreier jüdischer Mädchen, welche sich einem Gewerbe widmen wollen ver«acht worden. B. Memel. Da« »M. D. B.- bringt die Nachricht von einer Entführung zweier Töchter im Alter von 10 und 17 Jahren mit Namen Sara Riwe und Hrae au« dem unweit Schkud belegenen ruff. Dorfe Schwetzam. Da« Schlaf« -immer der i»raelitischen Eltern wurde von außen zuge- Kunden und liegt der Verdacht vor, daß die Mädchen heimlich fortgebracht wurden, um die Taufe an ihnen zu voll« ziehen. Vermuthlich wurden die Mädchen, da in Rußland die Ausnahme in den katholischen Glauben 'jetzt mit einigen Schwierigkeiten verbunden ist, über die Grenze nach Preußen gebracht. Der Vater Jossel Garba ist darüber ganz trostlos. — Vielleicht weiß einer der Leser d. Bl. Nähere« über deo verbleib der Entführten anzugeden. Würzbnrg Bon welch' edlem Geiste ein Theil der Gebildeten unserer Nation, die Studenten, beseelt find, davon giebt folgendes rin Pröbchen: vor einiger Zeit hatte «in jüdisches Mitglied der Studenteoveroiudung ״Soli#- ein Revkontre mit einem andern Studenten. Al« elfterer nun letzterem seinen Larlellträger schickte, traf dieser auf der Wohnung de« Geforderten eiuen Brief für sich au, der in ein antisemitische« Flugblatt gehüllt war. Der Brief ent. hielt einen Fetzen Papier, auf dem geschrieben stand, ״der Schreiber sei Anhänger der deutsch-svzialeu Partei, iu Folge dessen Antisemit, weshalb er dem Juden, der ihn gefordert, keine Satisfaktion gebe. Mit jedem ebenbürtigen christlichen werbe er fechten." Auf diese« Schreiben hin wurde der betreffende Herr am nächsten Tage öffentlich vor allen Studenten von dem Mitglied« der Verbindung »Saliageohrfeigt. Als er hierdurch diesen mit seinem Stock wieder schlagen wollte, wurde er, damit keine Prügelei ent« stände, von zwei anderen Saliern entwaffnet. Der Antisemit, der sich in Folge der erwähnten Züchtigung unter seinen Kollegen unmöglich gemocht, ging darauf hin und zeigte da« vorkomwniß an. Der Senat der Universttät nun entschied dahin, daß die drei Mitglieder der Verbindung »Saltada« conajliain abeandi auf 2 rcsp. 1 Semester erhielten, d. i. die Wegweisnng von der hiestgen Universttät auf diese Zeit», nebst Verlust de« laufenden Semester«; der Antisemit aber rrhieU die gleich« Strafe »wegen Störung de»- Frieden« uoter den Studeuten und deShalo «eil autisemitisch« Strömungen auf der Hochschule nicht aufkowmen dürfen.- Großbrltwnote». Aamtrldße, im Juli. Eine glänzend« Versammln»» schmückte Dienstag, den 10. Juni, den großen Saal de« Senat«, gebäude« zu Lambridge, al» einige der hervorragendsten Zierden der litterarischen und Lünftlerwelt «ingeführt׳ wurden. Unter diesen bedeutenden Männern befand stich auch unser wcitbrrühmter Glauben»g«noffe, Prof. Sylvester. Die von Dr. Sandy in lateinischer Sprache gehaltene Sinführu«g»rrde zeio»e bei dieser Gelegenheit mehr al« de« berühmten Redner« Wohlredenheit und Demuth, und seine glückliche Anspielung auf die Abstammung und den Leben«- lauf de« großen Mathematiker« lief den lauten Beifall de« aufmerksam lauschenden Auditoiium« hervor, zumal derselbe seine aufrichtige und wohlwollende Gesinnung gegen diejüdischen Hörer seiner Tollegien bereit« de« öfter n kunb» gegeben hat. Folgende« ist der Inhalt seiner Rede tu deutscher Uebersetzong: »vor mehr al« 53 Jahren lustwandelte in den Baum« gingen unserer Akademie ein Jüngling, dem alteu Stamm, der heiligen Nasse entsproffen, deren Vorfahren zurrst von den Gefilden Ehaldäa'S, dann von den Hügeln Palästi» na'« zu dem zahllosen Sterncnhrer« de« Himmel«, welche« fie mit einer gewissen Ehrerbietung al« da« Vorbild ihrer zahlreichen Nachkommenschaft betrachteten, emporblüthen. An«- gezeichnet durch seine Gewandtheit im Reich« der Zahle», brachte er zurrst die Lehren unserer Akademie durch da« Licht seine» Geiste« in London zu Ehren. Nachher erhielt er mehr al« einmal einen ehrenvollen Ruf von jenseits de« atlantischen Ocean« und trug die Fackel der Mathematischen Wistenschaft zu unsern Brüdern jeuseit« de» Meere«. In jüngster Zeit zur Besetzung der erledigten Stelle eine« hervorragenden Profeflor« gewählt und Britannien in ehrenvoller Weise zurück« gegeben, facht er zu täglich hellerer Gluth dir Flammen der Wissenschaft an der Universttät zu Oxford. Wohin er seine Schritte lenkt, ruft er durch sein Beispiel neue« Wissen in'« Leben. Er mag die Theorie der Zahlen erklären, oder die Grenzen der neuen Geometrie erweitern, oder sich in bi« jetzt unrrforschlichen Regionen de« Himmel« ergehen, al« wärm fie sein eigene» Gebiet, überall ragt er hervor unter dm Häuptern seiner Wtffen«branche. Dinge, die unser Newton, FreSnel, Jacob, Sturm und andere unvollendet lteßm, hat unser Sylvester herrlich erklärt und fester begründet. Welch mächtige Argumente entwickelte er au« einer noch so einfachen Thest» l Wie oft hat er nicht schon bet de« versuche, etwa« zu bezeichnen, wa« bisher verborgm war, unsere Sprache bereichert und in kühnem Geistesfluge dm Dtngm neue Ramm gegeben l Mit welcher kunstgrwandhett illustrirt er nicht die Gesetze der Poesie, nicht nur durch Berdolmetschung der alten Porten, sondern durch die Schöpfung neuer eigener Dichtungen l Er fingt aber auch nicht tauben Ohrm, sondern alle Wälder wiederhaüen in höchster Ehrerbietung, gleich den Hirten au« alter Zeit, die Schöpfungen seiner Muse. Ich habe die Ehre, Jhnm Herrn Jame« Josephe - Sylvester, Mitglied de« St. John'« College, zu gleicher Zeit Senator dreier Universitäten und wechselweise Professor^ an vier Universitäten vorzustellen.- Vermischte und neueste Nachrichten. Berlin. Sanitäter«« Dr. Juliu» Badt beging am Montag da» fünfzigjährig« Jubiläum seiner Doctor-Lromotioa. Der Vena nn t« er» freut sich noch einer ungetrübten Stüstigkeit und ist ei» gern gesehener ' «eiellschafter wie hochangesehener Arzt. Derselbe ist am 30. August - 1316 im Märtisch-Friedland geboren, besuchte von 1831—1336 da» Joachinwthal'sch« »hmnasiu« hierfelbst zu dessen audgez-ichnetstenS chüler» - £

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