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Israelitische Wochenschrift · 1890-07-24 · 30 (24.7.1890) · p. Seite 229

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
21 (1890)
Issue
30 (24.7.1890)
Date
1890-07-24
Page
Seite 229 (sequence 5)
Language
German
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28S — Schulen nnb Synagogen zum Helle und Segen gereiche«! Da« »alte Gott. I« der Urberzrugung, baß Sie, meine Herren, in dieser Beziehung gleicher Gesinnung mit mir fiub, bitte ich Sie. einzustimmen in den Ruf: ,Se Majestät der Kaiser unb König, unser allerguäbigster Herr, er lebe hoch!- Die Versammlung stimmt bieseoi Rufe dreimal de» geistert zu. Herr Landrabbiner Dr. Gronemaun heißt die Dersammluug herzlich willkommen und giebt seiner Freude Ausdruck, baß dieselbe wieder in Hannover tage. Als Delegirter des Deutsch-Israelitischen GemeindebundeS betont Herr Seminardirektor Dr. Krön er die Fürsorge des Bundes für den jüdischen Lehrrrstond, der daran» Freudigkett an seinem Berufe schöpfen möge. In bje Tagesordnung eintreteud, erstattete der Vorsitzende Bericht über da» verlaufene BereinSjahr und macht die Mitthriluog. daß von dem verehrlichen Ausschüsse des GemeindebuudeS zu den Kosten der Konferenz wiederum ein Zuschuß »on 100 Mk. gewährt worden sei, wofür die Versammlung Ihren Dank bekundet. Bei der Borstandswahl «erden die bisherigen Vorsitzenden B lum enfeld-Adelebsen und Stern-HildeSheim wieder- und zu Schriftführern Speyer- Hannover und Bach- Münden neugewählt. Hierauf erhält Herr Landrabbiner Dr. G u t t m a n n da« Wort zu seinem Referate: ״lieber den Unterricht 4n jüdischer Geschichte in der Volks- und in der Religionsschule.- (S. den Leitart. 1L in d. Nr.) Rach Beendigung diese« gehaltoollrn und überaus anregenden SorrrageS brückt die Versammlung dem Herrn Redner ihren Dank durch Erheben von de» Sitzen au«. Im Laufe der lebhaften, der Wichtigkeit de« GegenstandeS angemessenen Debatte, bekundet sich eine allgemeine Uebereinstimmnng in Bezug auf die Wichtigkeit de« Unterricht« in ber jüdischen Geschichte; über die vorgeschlagene Methode gehen die Meinungen jedoch ouSeinaader. Die Befürchtung, r« könnte beim Anschluß der jüdischen Geschichte an die Weltgeschichte die objektive Darstellung ber letztereu nicht genügend gewahrt bleiben, wird für unbegründet gehalken. Ein Vorschlag, den Unterricht in der jüdischen Geschichte an die Fest- und Fasttage anzuschließen, wirb wohl für zweckmäßig, aber nicht als hinreichend gesunden, weil letztere eine schwache Unterlage bieten würden. — Um 1 Uhr »ird die Sitzung vertagt. Nachmittags 2'/, Uhr wird die Debatte wieder aufgenommen. In Erwägung eine» gestellten Antrags: ״die Auswahl, Behandlung unb Vertheilung des Unterrichtsstoffe» einer Kommission zu überweisen", anerkennt Herr Dr. Guttmann die Noch- Wendigkeit, die von ihm angeregten Gesichtspunkte weiter zu verfolgen und in systematischer Weise für die jüdische Schule nutzbar zu machen, wünscht aber, dir Ausführung seine» Borschlage» deshalb nicht hinauSzuschiebea unb den Unterricht in der jüdischen Geschichte, in welcher Weise «S auch sein möge, sobald als möglich in den jüdischen Schulen einzuführea. Unter «llseiliger Zustimmung werden folgende Thesen angeuommeu: 1. Es ist unerläßlich, daß auch in der einklasstgen Volks- und Religionsschule Unterricht in der uachbibltschen jüdischen Geschichte ertheilt werde; 2. Es ist zulässig und auch vortheilhaft, in der Volksschule die jüdische Geschichte an den Unterricht in ber Weltgeschichte anzuschließen; S. Such in der ReligionSschule, wo ein Anschluß an den Unterricht in ber Weltgeschichte ausgeschlossen ist, empfiehlt e« sich, die jüdische Geschichte wie in ber Volksschule in abgeschlossenen Zeit- und Lebensbildern vorzuführen. Ja beu freien Besprechungen spricht sich Hprr Semiaarbirektor Dr. Krön er über Werth uub Nutzen von Lehrproben gelegentlich ber Konferenzen au«. Die Versammln»« stimmt den Ausführungen, welche ein warme« Jntereffe für die Lehrerkouferenzea unb ihre Bestrebungea bekunden, wohl zu, weist aber auf die Schwierigkeiten hin, die sich der Ausführung ber Vorschläge de« Herrn Dr. Kroner entgegenstellen dürften. Die Versammlung spricht den Wunsch au», daß bei der nächsten Konferenz auf ein andere« und geeignetere« Sitzungslokal Bedacht genommen und die Konferenz auf zwei Tage ausgedehnt werde. Die Versammlung beschließt demgemäß und bestimmt für die nächste Jahresversammlung den 1. und 2. Pflogsttag und Hannover wieder al» Versammlungsort. Borträge übernehmen die Herren Speyer-Hannover und Suttner-Lemförde. Denselben wird anheimgegeben, da» Thema ihre« Vorträge» drei Monate vor der Bersammlung dem Vorsitzenden mitzutheilen. Nachdem die Versammlung dem Vorsitzenden für seine Mühewaltung g dank», wird die Sitzung um 5 Uhr geschlossen. StrahSnrg (Elsaß), 16. Juli. (Or.-Torr.) Bezugnehmend auf die in der letzten Nummer JdreS geschätzten Blatte« mitgetheille.amtliche Bekanntmachung-, seiten« de« Regierung»- Präsidenten zu Magdeburg, hinsichtlich de« Schlachten» unb Schä.vtenS, theile ich Ihnen eineu ,Aufrufmit, der von einer großen Anzahl sogenannter Thierfreuudr hier gestern erlassen worden ist. E» heißt in demselben: .Die Besittung der Menschen und die « a h r « Religiosität erweist sich stet» auch durch «in« warmherzig« Behandlung der Thiere. TaS JnSlebentreten der Thierschutzvereine hängt innig zusammen mit allen anderen humanen Bestrebungen unserer Zeit. Diese Vereine haben schon seit Jahren die öffentliche Ausmerksamkeit auf eine Maffen- THIerquälerei gelenkt, welche sich leider bi» heute im größten Theile Deutschland» erhalten hat und di« jeden nicht gemüthSrohen Menschen mit ttesem Mitleid erfüllen muß. B« handelt sich um die gegen» wärst«» Maitereie», welche i« deutschen Reich beim Tödlen von über IOOOOO Schlachtthiere» täglich verübt «erden. Diese Marter können leicht v«rmi«d-n werden durch die Betäubung der kleinen wie der großen Schlachtthier« mittel« Beilschlag«, Schlachtma»ke oder anderer zweckmäßiger BetäubungSinstrumeate. Selbst wenn wir absehen von dem Erbarmen für die gequälten Thiere, so müssen wir schon au« Rücksicht aus die Sitten der Menschen ein humanere« Schlachtverfahren anstreben: besteht doch ein unleugbarer Zusammenhang zwischen der Grausamkeit gegen Thiere und den Rohheitsvergehen und Verbrechen gegen Menschen. All« Schritt« der deutschen Lhierschutz-Berein« um eine gesetzlich« Anordnung der von verschiedenen Schlachthäusern und vielen rattonellen Schlächtern bereit» eingesührten Betäubung auch der kleineren Schlachtthiere sind bi« jetzt vergeblich gewesen. E» muß de«halb da« BolkSgcwiffen geweckt werden, damit da« unnötig« Todtmartern unserer Scdlachtthiere allgemein ol« ein Unrecht erkannt werde, obgleich e» bi» jezt nicht durch da» Besetz verboten ist. <£« muß besonder« dahin gewirkt werdrn, daß möglichst viele Bemeinde- und Bezirttbehörden mit der ihnen zustehenden Polizeigewal׳ di« Br» täubung der Schlachtthiere anordnen. Wir sind überzeugt, daß da» Befühl aller gut gesitteten Menschen verletzt wird durch me Massen» tiersolter/ wie sie heut« noch bet unserem Schlachtbetrieb stattfindet, nun wir bitten Sie, die Bestrebungen der Lhierschutzverrine zur Beseitigung dieser ganz unnötigen Thierquälercicn in jeder ihm möglichen Weise zu unterstützen. Besonder« richten wir diese Bitte an di- Bezirk«- und Bemeindeverwaltungen, an di« Beistlichen, Lehrer, Schriftsteller und ZeitungS-Redakteure.- Dlkser. hier in Straßburg zum ersten Male in die Oeffcntlichkeil gedrungene Aufruf, der seit gestern da» allgemeine Stadtgespräst, der hiesigen Bevölkerung bildet, erfüllt un« Israeliten mit einer gewissen Bangigkeit, weil wir nicht wissen, welche Stellung die hiesige Regierung in Folge diese« Aufrufes unserem rituellen Schächten gegenüber einnehmen wird; ob, wenn gegen diese» von den Thierschutzveretnlern agitirt werden sollte — und da» scheint ja der Zweck des obigen Aufrufe» zu sein — der Bescheid de» hiesigen Herrn Bezirk-Präsidenten in demselben Sinne ausfallen wird, wie diese» von Seiten de» Herrn Regierung-- Präsidenten in Magdeburg geschehen ist. Kamt»«-, 21. Juli. (Or.-Lorr.) Nicht brr Bankier Warbnrg, sondern ber Ehef ber reuommirtea Seidenwaaren-

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