Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 21 (1890)
- Issue
- 30 (24.7.1890)
- Date
- 1890-07-24
- Page
- Seite 231 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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— 285 — •<t Mit*, unb RMnbtt sich bnun btn awbiziaischen Ctubtaiin. Kai 9L Juli 1M0 (MMUDirte er »am Dr. mad. «4 chir., lbch sich bana 0U Krjt 1a btr Provinz Mestprenßen niebcr, übersiedelte aber 1868 ״ach Berlin, «»selbst er seitdem weilt nab sich «In»4 grasten Rufe( erfreut. ©artwuu». Der antisemitisch« Parteitag für R-ttnland-Westfalen hat am IS Juli hier unter Vorsitz b«4 Dr. •8 a la •Bitten stattgrfuiigeti. Die Verhandlungen fanden unter Ausschluß der Oeffeatlichkelt statt, doch wird bekannt, dast auf de« Parteitag der durch die aniisemtristb« Partei Hindurchgehende klaffende Rist noch erweitert worden ist. Vergeblich versucht man eine Einigung der verschiedenen anrise- .miltschen Richtungen herbelzuführen. Run soll ein allgemeiner Kongrest der Kntitemiten «inberuien werden. Da» erst im vorigen Jahr in Lrchum festgestellt« Pattei-Programm soll schon wieder geLndett werden. ׳Ebenso soll der damals angenommene Name »Deuschsoziale Patte!" fallen ch»>nssen urd dafür einfach die (undeutsche) Bezeichnung .Antisemiten" gestellt werden. Gießen» Rach dem Böckel'schen »ReichsHerold" wird Herr Stöcker im Linse dieses Monats ans den btsonderen Wunsch der Geist- Eichen des Kreises Gießen hierberkommen, um vornehmlich in Beuern und Holtheim gegen Dr. Böckel und dessen Antisemitismus zu sprechen. «n< Arievbers ivberheffen). Am letzten Sonntag halten die Antisemiten eine Boiksversammlunä einbernsea, weite bei unserem Otte im Freien stattfinden sollte. Der angekündlgte Hauptredner, der unvermeidliche Dr. Böckel. hatte es jedoch vorgezagen, angesichts der zahlreich erschienenen Sozialdemokraten. die bereits das Centrum des freien Platzes besetzt hatten, mit seinem Anhang eine dabeistehende Bretterhütte zu besetzen, in welcher er nun, mit Hu» und Schirm be- «afsnei, auf einem lisch stehend, seine allbekannte Philippika gegen da» Judenthum losließ. Dem sozialistischen Gegenredner, Herrn Emmel au» Frankfurt, gelang es, zum Worte zu kommen und den Antisemiten die ihn durch tumultuarisch« Unterbrechungen fortwährend störten, durch ttihige, sachliche Ausführungen einig« Aufmerksamkeit abzuiwingen, umsomehr, als die Sozialdemokraten, die die Eingänge dicht belenten, da« hattnilckige »'raus mit ihm' der Antisemiten als eine bedenkliche Forderung erscheinen ließen. ißassel» 16. Ju». (Or.-Corr.) Am 7. Juli fand hier von 9 Uhr vorbi» S Uhr Rachmittaz» die zahlreich besutte 22. gahresverfammluna der iir. Lehrer Hessens unter Vorsitz de» Herrn Seminarbtieetor Dr. Stein statt, der außer den Landrabbiaern DDr. Prager- Cassel und Munk-Marburg auch der Herr Dr. Kristell er aus Berlin und Drieetor värwald -Arankfutt a. M. beiwohnten. Herr Lehrer Amram liefette ein sehr inhaltreiches Reserat »über den «hlschen Inhalt dee Gebete," dessen Drucklegung beschlossen wurde. Herr Dr. Krlfteller sprach über die Mischna II. 1. ja den Spr. b. Väter: »Welches ist die Richtschnur, die der Mensch bei seinen?)andlungen wählen soll?" Lehrer So melius beantragte die Einührung der vietbesprotenen vom D. I, G B. publicitten 16 Sätze ker jüoischen Ethik in den Religionkunterricht. was jedoch abarlehnt wurde; sie wurden nur als Repätitorium für adgehende Schüler «eignet erklärt. (Aussührlicheres über diese sehr interessante Lehrerveisommluna bringen wir nach Eingang des Protokoll». Red.) Aus Ostpreußen. Nr. 27 der .Israel. Wochenschrift" enthält in dem Berich» au» Königsberg über die Eonserenz der Retigionslehcer Ostpreußens (z. Schluß)einen bedauerlichen Jrtthum de» Referenten. Nicht die Aufforderung des Prof. Dr. Samuel an dieLehrer, dahin zu wirken, daß solche Fälle (Dispensation vom Besuchen der Gymnasien an Sabbathen und Festtagenin Zukunft überhanpt nicht mehr Vorkommen, wnide von den Anwesenden »mit Beifall" ausgenommen, sondern die schonungslose zermalmend« Kritik, die dtrselb« an den falschen Beschuldigungen de« Herrn Pfeil und Genoffen im preuß. Herrenhaus« geübt. Mehrere Theilnehmer an der Eonserenz. Lüneburg. Am 6 Juli beging Herr Lehrer Philipp da» 26 jährige Jubiläum seiner Lehnhäiigkett in hiesiger Gemeinde Bon allen Seiten wurde demselben anläßlich dieser Feier Aufmerksamkeit zu Theil. Herr Landrabbiner Dr. Gronemann verlieh ihm den חבר* Xitel, die Gemeinde ließ durch ihren Vorsteher, Herrn Banauier Ja- « obs ohn, einen »ünstlerisch gearbeiteten silbervergoldeten Poeal mit Widmung üderreichen. Möge Herrn Lehrer Philipp weiter segensreich wirken und in derselben Rütiigteit sein goldenes Amtsjubiläum begehen. Rsuigsberg, 14. Juli. Die einzig überlebendes chwe st er de» bekannten Volksmannes Johann Jacoby ist dieser Tage im Alter von 91 Jahren gestorben. Vieicheuvali. Ein Beispiel religiöser Duldsamkeit hat die hiesig« katholische Gemeinde bei dem plötzlichen Tode eines jüdischen Mitbdrgers au» Schneidemühl, Herrn Solmsen, bewiesen. Die Leich« des verstorbenen wurde in eine dortige Kapelle geschafft und dort ausbiwahtt, unter Entfernung aller konfessionellen Symbole. In Reichenhall besteht keine jüdisch« Gemeind«, und der katholischen lag eine verpflichtung hierzu nicht ob. Stuttgart, IS. Juli. (Or.-Lor.) Herr Kirchenrath Rabbiner Dr. O. Wassermann hier feiette in den letzten Lagen seinen 80. Gebutts- »an in seltener körperlicher Rüstigkeit und geistiger Frisch«. Wie der »Staotsanzeiger" mittheilt, bat Sr. Majestät der König denselben hier» in in huldvoller Weise beglückwünschen lassen. Möge es dem Herrn Jub!!a» :««gönnt sein, noch recht lange seinem hohen Berufe vorstehen zu können. Darmstadt. Zum Direktor der hiesigen technffchen Hochschule >süt da» Studienjahr 1890/91 ist vom Grosthmzoge Herr Professor Th- Laubsberg — gemäß der Wahl de» Proseffoeen-Kolegiam» — tf ■anal 6)1(1, 21. Juli. Der emert. Krakau er Rabbiner Dr iR D a sch a k, der die jüsisch: Litteratur durch viele gelehrt« Schriften berrichett hat, ist heute hier im Alter von 74 Jahren gestorbtn. Saris. Herr Dr. Adolf Retter, welcher von der Regierung zur Berichterstattung über den Stand der Cholera nach der spanischen Grenze »'sendet wurde, ist von dnu Mi nister de» Innern als ver» treter Frankreichs auf de« internationalen medizinischen Congreß in Bntlin ernannt worden H!rr Dr. E. Delaville erhielt von demselben Minister den Auftrag, die öffentliche Gesundheitspflege und Medlzinalverhältniff« Spaniens zu studiren. Saris. Der be'annt« egyplisch« Journalist, Herr Sauna Abo u Rada r r a, welcher seinen Aufenthalt Hierselbst genommen ha', ist vom Sultan In Anerkennung seiner Verdienste um das Zustandekommen eines französisch-türkisch:» U-bereinkommens in der egyptischen Frag« zum Offizier de» Medjidieorden» ernannt worden. stltheu. Unlängst versucht« ein Anonymus, einen Auszug aas einer antisemitischen Schandschrist, welche die allbekannten Berken«- düngen gegen die Juden reproduelrt«, Hierselbst zu verbreiten. Di« Press«, die Geistlichkeit und die theologische yaeultät traten begeistert für die Ehrenrettung der Juden auf und der klägliche versuch mußte, wie zu erwarten war, eben so kläglich scheilern. Italien. Der Senator, Signor Manfrin (Christ) hat den zweiten Band seine« intereffauten Serke» über »di« Juden unter der römischen Herrschaft" veröffentlicht. Skaroeeo Der französische Minister in Tanger, Herr Pateuntre zeichnete bei einer Subseription zu Gunsten der ourch die Ueberschwemmung in Sefrou Geschädigten den Betrag von 60י׳ »re», unter der Bedingung, daß der Ertrag ohne Rücksicht auf das Glaube.!:» bekenntniß der Op'er von einer Commission, gleichmäßig aus Juden und Mauren bestehend, vetthellt werde. Gllaier. Jüngst starb in Didi-bel-Abbss (Depar'ement Orant ein gewiffer Motse Benamon in dem hohen Alter von 1 >4 Jahren und im Bolldesttz seiner Körper- und G.-i-teskräste. Seine ihn überlebend« Frau ist eben so alt. Senamou hatte eine etwas bewegte Carrier«. Al« Waffenträger de« berühmten Emirs Abd-el- Kader« mußte er denselben auf allen seinen Kriegeszügen in Afrika deglelten. Au» Lsubo« wird berichtet: Sine in den Annalen de» Judenthum» wahrscheinlich ohne Beispiel stehend« Bewegung ist unter den Londoner Juden im Gang«, welch« beredie« Zeugnist ablegt von de« ernsten Wunsch der rechtlich denkenden englischen Juden, die Bande der Freundschaft zwischen ihnen und ihren christlichen Landsleuten bei jeder sich darbietenden Gelegenheit sester zu knüpfen. Eine Anzahl tonangebender Juden, darunter der tntettmistische Oberrabbtner, Dr. Adler, Sir Julian Goldsmid, Sir John Simon sowie die tzerren Mocatta und Mon'efiore, haben sich zu einem Ausschuffe verbunden in dem Behuf«, Cardinal Manning lm Namen der Juden Großbritannien» eine prächtig ausgeschmückte Glückwunschadresse an» läßlich seines silbernen Blschofsj ubiläums zu überreichen. Diese Adreff« ist zugleich ein Ausdruck »er Dankbarkeit sür die beredsame Fürsprache »es Cardinal» zu Gunsten der ver folgten Juden in Rußland. Salästiua. Di« türkische Regierung hat di« Bewilligung zum van eines von der Brronesse von Rothschild zu errichtenden jüblichen Hosspital» ln Safe» «ttheilt. Daffelb« wird Krank« au« allen Konfessionen aufnehmen. Hltkerman 1 (Leffarabien) Die Auswanderung aus Südrußland nach Palästina nimmt ihren stetigen Fortgang. Bo» hier wurd-.i 3 Delegitte, welche compeiente lärbauer sind, nach Palästina et.» sendet. Falls sie günstigen Bericht erstatten, wollen mehrere hundert Familien ie 600 Rubel zusammenlegen, um im heiligen Land« Grund» und Wirthschastsgeräth« anzukausen. Vkew-Bork. Die erst« Jahresversammlung der Centraleonfereiiz amettkaoischer Rabbiner wird am IS. Juli in LIeveland stattfiuden. verschiedenen Mitgliedern sind bereits wichtige Antiäge zur Vorlage lugegangen; andere werden bi» zum Eröffnungstage dom Seeretär der Eonserenz entgegengenommen und gebührend« Berücksichtigung finden. Fragen, welche sich aus das praktische Judenthum in Synagoge und Gemeinde beziehen, werden zur Diseussion und Entscheidung gelangen. Die Eonserenz zählt 86 Mitglieder und steht zu hoffen, daß in Anbetracht des wichtigen Zwecke» die Betheiligung bei den Berathungen eine allg-meine sein werde. Mew-Bork, 11. Juli. 46 polnische Juden sind hier «egen angeblicher verletzurta des Sontraftsarbeitsgesetze» zurückgehalten worden. El heißt daß sie unter Lontrac» Hierherkamea, um di« Damen» mäutelschneider, g-g en welche «in« Arbeitssperrr eingeleitet worden ist, zu ersetzen. Gt. Louis. Herr Jule» Simon, ein tatholischerGeistlicher, welcher üb:r die Einführung des Sonntag» als eine» allgemeinen Rnhetag» schreib«, richtet an seine Landsleute di« Frag«: »vergesset ihr denn, daß die Juden auch ihren Ruhetag haben, nämlich den Sabba th? Wollet ihr sie dennoch zwingen, auch am Sonntag zu feiern? Es wurde dieses ebenso so widersinnig sein, als wenn ihr sie zwing-1 wolltet, zu de« großen Hausen überzutreten (sich lausen zu taffen)." Wahrlich der Christ Jules Simon hat mehr Achtung für die religiösen Gefühle der Inden als «ancher unserer Rabbiner.