Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 21 (1890)
- Issue
- 30 (24.7.1890)
- Date
- 1890-07-24
- Page
- Seite 228 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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—282 — UebcrriustimmMimit seiner v«ri»stauz, de» Laudgericht Leipzi«, aw 19. November 1888 de» Berfoffer der u»tisemitische« Flugblätter, welch« Lud« 1887 u»d Oster» 1888 von Leipzig aus verbreitet wurde», wege» grobe» U»- fug« bestraft hat. I» diese» Flugblätter» war vor Waareuei»kä»fr» in jüdischen Geschäften, insbesondere zur Weihnacht«- und SonfirmationSzeit, gewarnt und da« geschäftliche Gebühre» der Juden im Handel und Gewerbe einer abfällige» Kritik unterzogen. Der oberste Gerichtshof erblickte in diese» Flug» blättern vielfach grob« Beschiurpjungen der Inden, welche den Boden der Tatsachen verl affen, und war mit dem vordergericht der Lnficht, daß die Verbreitung dieser Flug» blätter, an sich ungehörig, der. öffentliche» Ordnung widerstreb« und geeignet sei/»»« natürliche RrchtSgesühl de« Publikums außergewöhnlich zu verletzen, uamenttich da« vertrauen in den Bestand der Rechtsordnung, de« Glauben an den Schutz, welche diese den unter ihr vereinte» au» gedeihen laffe und da« Gefühl der RechtSficherheit auch bei Nichtjvden auszuheben. »Die RechtSwidrigkcit der Be» schimpsungeu ergiebt sich namentlich auch iw Hiublicke auf da« Reichsgesetz, betreffend die Gleichberechtigung der Kon» fesfiooen in bürgerlicher und staatSbürgrrlicher Beziehung vom 3. Juli 1869, wonach Juden denselben Schutz wie Lagehörige anderer Konfesfiooeu genieße». Derartige Hetzartikel, wie die iu den fragliche» Flugblättern enthatten«», können leicht den öffentlichen Frieden ge» fährdea." Wir glauben, daß dieses oberlaudeSgerichtliche Urtheil eine ausreichende Handhabe giebt, um die Lerurthriluug jede« eiuzelnru, von Hetzereien gegen die Juden strotzenden, Flug» blatte« aus der bekannten Leipziger Fabrik, die jetzt wieder waffe ihaft importirt werden, herbeizuführen. So schreibt man uns au« Nordhauseu: Der königl. preuß. Krei-Physiku» bti Kreise- Ilfeld, Herr Dr. Räuber hier, hat wiederholt und in größerer Anzahl di« bekannte«, in Leipzig gedruckten antisemitischen Flug- und Hetzblätter, iu seiner Eigensthaft al» Kassenarzt der Schuhmacherkrankenkasse Hierselbst, an Li« Arbeiter der E. Lichtenstein'scheu Schuhfabrik verteilt, welch« sie einem ihrer Prinzipale au-händigteo. Herr Lichtenstein wandte sich dieserhalb beschwerdeführend an da» Eultu-ministerimn welche» ein« Uatersnchung diese» Treiben» angeordnet hat und Herrn Lichten stein bereit» polizeilicherseit» vernehmen ließ. □ ZkerN«. Die Krenzzeitung veröffentlicht unter der Aufschrift »Ein Akt moderner Tortur" folgende überaus merkwürdige Geschichte. Sin Dr. jur. Morris de Jouge erklätt darin, er sei auf Betreiben einer Reihe ,den jüdischen Börsenkreisen von Köln, Berlin und Pari« aogehörigen Persooen", an deren Spitze sein eigener Vater, der Rentier, frühere Banquier Jacob de Jonge, -der Vorsteher der jüdischen Gemeinde zu Köln a. Rh., stehe, durch die Berliner Polizei» behörde als Mmeiugefährlicher Geisteskranker in die Irrenanstatt des Dr. Levinstein in Schöneberg gebracht worden, und zwar, weil er litterarisch für die Berechtigung eine« ,maßvollen Antisemitismus״ eiugetrete» sei. Am 23. Oktober v. I. sei der KrriSphyfikuS Dr. Abraham Baer bei ihm gewesen, daraufhin habe man sich auf dem Bureau de« Polizeirevier« seiner Person durch List bemächtigt, und sodann sei er nach der Levinsteiuschen Irrenanstalt in Schöneberg gebracht worden. Hier habe man ihn in strengstem Gewahrsam frstgehalten, bis er seiner Familie gegenüber eine Sinnesänderung geheuchelt habe, worauf denn endlich am 24. Juni seine Freilassung erfolgt sei. Er ruft daher den ,Schutz der Oeffentlichkät" an. weil er behauptet, in der schwersten Gefahr für seine Freiheit, seine Ehre, seine geistige Gesundheit und sei» Leben zu schweben. _ Wen» wir einerseits verpflichtet find, über Dergleichen die Leser der J«r. W. zu informireo, so sehen w»r uo« andererseits genöthigt zu bemerken, daß un« der Inhalt der Mittheiluog selber al« höchst fraglich erscheint. Hoffentlich werden die schweren Beschuldigungen, welche Herr de Jouge gegen seinen eigenen Vater schleudert, sich bald al« falsch Herausstellen. *) Sicherlich werden di« Polizeibehärdeu und der amttreude Krei«phyfiku« keineswegs de« Schimpf auf fich fitzen laffru, daß sie ihre Amtspflicht so freveutlich verletzt hätte», so daß die Geschichte jedenfalls tu kurzer Zeit ein Nachspiel vor dem Staatsauwalt haben dürfte. Wir selbst find der Anficht, daß jemand, der i« dieser gehässige» Weise seinen Vater, seiue Familie und sei» Volk augreift. allerdings am BerfolguugSwahne leiden muß. Kuuuooer. (Protokoll der Versammlung de« Verein« jüdischer Lehrer.) Der zeitige vor» fitzende, Blumenfeld-Adelebsen. eröffnet« am 2. Juni, morgen« 9*/, Uhr die Sitzung mit herzliche» BegrüßnugS» warten.**) In denselben weist derselbe darauf hin, wie da« Wohlwollen und die Fürsorge für die Volksschulen und di« völkischullehrer seiten« der hohen Regierung in den letzten Jahren auch den jüdischen Volksschulen und ihren Lehreru voll und ganz zu theil geworden und knüpft daran die Er- Mahnung, daß die jüdischen Lehrer ihre dankbare Anerkenuung durch treue SlaubeuSfestigkeit und feste Berufstreue unwandelbar bethätigeu möchten, und schließt seine Ansprache mit folgenden Worten: Al» jüdische Lehrer wollen wir unser Jud ent hum mit aller Kraft und heiliger Begeisterung hegen und Pflege» in Schule und Gotteshaus; — al« deutsche Lehrer wollen wir da« Deut sch t hum in seiner edelsten Bedeutung und Auffassung, die Liebe zum Vaterlande, die Treue und Hingebung für Kaiser und Reich wahrrn und fördern, lehre» und bethätigen. Und wenn Deutschthum gleichbedeutend ist mit Wahrheit, Recht und Frieden, Gotte«- furcht vnd Tugendsinn, so find.wir al« gute Juden nicht minder gute Deutsche. Bride« müssen, können und wollen wir sein und bleibe». . Mögen unsere heutigen Verhandlungen uo« für diese hohen Ziele begeistern und stärken und un« und unser» *) Durch die von der ultramontanen und sicher nicht philosemitische» ^köln. Bolkr-Ztg." gegebene Ausklärung wird die ungeheuerlich« Leichtfenigkeit, welche die ^ikreuzzeitung" in dieser Angelegenheit bewiesen hat, bloSgestellt. Da» junkerliche Blatt hat auaenscheinlich in seiner Bier, den Inden «in» au-zuwischen, den von Morri» de Jonge ib« vorgehalienen Brocken unbesehen heruntergeschluckt. Da« Köln. Bl. schreibt: .Die in Köln von Mitgliedern aller Lonfesfionen gekannte und geachtete Familie de Jonge ist ohnehin ja schwer geprüft durch die geistige Erkrankung «ine» einst mit glänzenden Seiste-gabeu au-gestaNtten Ange» hörigen und muß e» doppelt hart empfinden, in dieser Weise zum Gegenstand« öffentlicher Erörterungen gemacht zu werden; der Verdacht aber, daß dies« Familie au» Gründen religiöser oder sonstiger Meinung»- Verschiedenheit einen Angehörigen seiner Freiheit habe berauben «ollen, kann eben nur von einem Geisteskranken erhoben und gewiß von Niemandem, der di« Berhlilrniff« kennt, ernstlich in Erwägung gezogen werden. Biele angeseyene christliche Mitbürger sind in der Lage, zu bestätigen, daß der Geisteszustand de» Herr» Dr. Morri» de Jonge schon seit langer Zeit da» Bestehen krankhaften BersolgungSioah««» erkennen ließ". ••) Anwesend weren A die Ehrenmitglieder: 1. Herr Landrabbiner Dr. Eronem a n n - Hannover; 2. Dr. Guttmann »Hildeshei«; S. Seminardireclor Dr. Kroner»Hana«v«r. B. Die Mitglieder: l. Herr Lehrer Bnch-Mündeu; 2. Herr Lehrer Bacharach»pattensen; S. Herr Lehrer Bachen h e i m er-Dran»s«ld: 4. B achenhei mer. Uelzen; b. Herr Lehrer Blumenfeld-Adelebsen; K. Herr Lehrer Lahn-Sarstedt; 7. Herr Lehrer Lohen-Barsinghausen; 8. Herr Lehrer Dr. David-Hannover; 9. Herr Lehrer Eckm ann-Nienbnrg; 10. Herr Lehrer Erle-Achtm; 11. Kauerbach-Hildesheim, 12. Herr Lehrer Heinemann-Reustadt a.Rbg; 13. Herr Lehrer Italien er» Peine; 14. Herr Lehrer Kuttner-Lemförde; 15. Herr Lehrer Kauf» maan-Einbeck: 16. Herr Lehrer Levy-Eldagsen; 17. Herr Lehrer Levy-Linden; 18. Herr Lehrer Levy-Norden; 19. Herr Lehrer Lev 1» soh o-verdea; 20. Herr Lehrer Löb-Coppenbrügge; 21. Herr Lehrer Löweaberg»Gleidingen; 22. Herr Lehrer Löwensteia-Bnrgdorf; 23. Herr Lehrer Man«bacher-Hoya; 24. Herr Lehrer Meqer- Bentheim; 2S. Herr Lrhrer Reuß-Neustadlgöden»; 26. Herr Lehrer Rose-Gehrden; 27. Herr Lehrer Roßkamm-Diepholz; 28. Herr Lehrer Philipp-Lüneburg; 29. Herr Seminarlehrer Sommer» Hannover; 30. Herr Lehrer Spanier-Stolzenau; 31. Herr Lehrer Speyer, Hannover; 82. Her, Lehrer Stern-Hild«»h«im: 33. Herr Lehrer Valler-Rorinaen; 34. Herr Lehrer Wetuberg-Bodenseld«; 35. Herr Lehrer Wolsermann-Sunstorf Entschuldigung»- und Begrüßungsschreiben waren «ingegaugea von den Herren: F leilchhock er-Harburgr Gotthels-Geestemande undSeltg-Emdt». . ׳>