Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 21 (1890)
- Issue
- 30 (24.7.1890)
- Date
- 1890-07-24
- Page
- Seite 227 (sequence 3)
- Language
- German
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881 Biblische» Beschichte «icht hinauSgegangen. E« hatte da« freilich feiste pittn Brü»de. Unsere Schule» find, bi« auf die Wenigen m de» größeren Geuieindeu, einklassige voll«, oder ReligionSschulen. Die Nothweudigkeit, Kinder, die de» »rischiedeufteu Altersstufen angehvren, zu gleicher Zeit zu beschäftige», gestattet et nicht, den Pensen der einzelnen Unterricht-gegenstände eine allzu große Ausdehnung zu geben. Bei« Unterricht in der jüdischen Beschichte kommt »och eine andere Schwierigkeit Hinz«. Die jüdische Beschichte steht in so enger Beziehung zu der Beschicht« der Länder und Völker, die in den einzelnen Perioden den Schauplatz der Beschichte de« Judenthnm« bilden, daß ein fortlaufender Unterricht in der jüdischen Beschichte eine Kenutniß der Weltgeschichte voran«setzt, wie sie die Volksschule ihre» Kindern durchau« nicht gewähren kann. Mit diesem Uedel» stand hat freilich selbst die mehrklosfige Religionrschule zu kämpfen. Ein Quartaner oder Tertianer hat nicht die Kenntniß der Weltgeschichte, um einen systematischen Unterricht in der jüdischen Beschichte mit vortheil und Erfolg genießen zu können. Wa« ist non hier zu thun? Wa« zunächst die Lolk-schule betrifft, so wird in ihr bet dem Unterricht in der jüdischen Beschichte in derselben Weise wie bei dem Geschichtsunterricht überhaupt zu ver» fahren sein. Wie der Geschi cht-uoterricht in der Lolk-schule nach den allgemeine» Bestimmungen sich auf die Hervor- Hebung der wesentlichsten Momente zu beschränken und diese« \ Stoff den Kindern in möglichst abgeschlossenen und an schau- , lichrn Zeit- und Lebensbilder» darzubieten hat, so wird man ׳ auch beim Unterricht in der jüdischen Geschichte fich damit begnügen müffr«, die bedeutendsten und hervorragendsten Sestalten au« unserer geschichtlichen Vergangenheit zur Darstelluug zu bringen und diese nicht nur dem Sedächtuiffe de« Kindes, sondern durch eine lebensvolle und farbenreiche Schilderung auch seiner Phantafie, seinem Herzen -und Grmüthe eiozuprägrv. Man vermeide alle Namen uud Daten, die wie ein toter Ballast nur da- Gedächtniß beschweren, ohne dem Kinde eine anschauliche Vorstellung, eine Anregung für da« Herz und Bemüth darzubieten. Dir Beschränkung auf einzelne Beschicht«, und Lebensbilder hat aber da« Bedenkliche, daß diese Bilder, de« geschichtlichen Zusammenhang« entbehrend, gleichsam in der Luft schweben! und dem Kinde nicht durch Zeit und Raum begrenzt entgrgenrreten. Auch dieser Ucbelstand läßt fich überwinden, wenn man de» Unterricht in der jüdischen Geschichte au den > Unterricht in der allgemeinen Weltgeschichte aulehnt. Dre Referent hat bei einer früheren Gelegenheit darauf hingewiesen, daß der Lehrer in der jüdischen Bolk-schule sich beim Unterricht in der Weltgeschichte nicht an die durchweg koafrsfionell gefärbte Darstellung binden dürfe, wie fie die gewöhnlichen Lehrbücher der Weltgeschichte darbieten, daß er vielmehr, ohne selber in den gehler zu verfallen, dir Weltgeschichte vom jüdischen Standpunkte darftellen zu wollen, bei eizelnr» Partien, wie z. B. bei den Lreuzzügrn, seine Lennwiß der jüdischen Beschichte dazu orrwrrthen müsse, uw da« hergebrachte Unheil über gewisse Thatsachen uud Erscheiuuagen zu berichtigen und diese iu da« rechte Licht zu rücken. Referent will diesen Gesichtspunkt jetzt nicht weiter verfolgen, sonder» heute nur an einigen Beispielen klar machrll, wie uach seiner Vorstellung der Unterricht in der jüdischen Geschichte im Anschluß an den Unterricht in der Weltgeschichte zu behandeln sei. Auch in der Volksschule wird der Lehrer seinen Kindern ein Lebensbild Alexanders de« Großen vor Augen führe». Warum sollte er, daran ankiiüpfend, nicht auf da« Berhältniß Alexander« zu den Juden, aus die Beschichte der Juden unter den Nachfolgern Alexander«, de« Ptolemäern und Selrukiden, ringeheu und diese etwa bi« zum Abschluß der Makkabäerkämpse fortführen? In der römischen Beschichte wird da« Lebensbild eine« Läsar Gelegenheit geben, die damaligen Zustände iu Judäa zu beleuchten, den Bruderzwist zwischen Hyrkau uud Aristobul, die Geschichte de- Herode« und die zeitgenössischen Gestalten de« Bchemaja und Abtaljou, de« Hillel und Gchanunai zu behandeln. Selbstverständlich »ird »um bei Titn« der Zerstörung Jerusalem« uud de« Tempel« gedenken; daran anschließend «ird mau eia Lebensbild de« Rabbi Jochanau den Sakkai entwerfen und, die Beschichte bi« zum Barkochbakriege in kurzen Zügen fortsührend, fie mit dem Lebensbild Rabbi Akiba'« zum Abschluß bringen können. Die Beschichte Karl« de« Großen bietet Berau» laffung, auf die Beschichte der Juden in Deutschland, die Beschichte der Kreazzüge auf die Judenverfolgungen in Dentschland und Frankreich und im Anschluß an die Sage von der Begegnung Gottfried von Bouillon'« mit Raschi auf die Bedeutung diese« hervorragende» Manne» einzugehen. An die Geschichte Rudolf« von HabSburg läßt sich eine Darstellung de« Leben» und der Schicksale Meier'« von Rothenburg ankuüpfen. Bei der Entdeckung Amerika« durch Kolumbus wird man einen kurzen Ueberblick über die Beschichte der Juden in Spanien geben und die Gestalten eine« Jehuda Halevi, eine« Mose den Maimon und eine« Isaak Sbravanel her vorheben können. Die Zeit Friedrich« de« Großen bietet die Beranlaffung dar, die Geschichte der Juden in Preußen und besonder« das Lebensbild eine« Moser Mendelssohn zu behandeln. So sollte die Weltgeschichte gewiffermaßen da« Rückgrat bilden, au dem die Thatsachen au« der jüdischen Geschichte einen festen Hall gewinnen und fich in scharfumrisseutr Form dem Geist ber Kinder einprägen könnten. — Eine werthoolle Ergänzung diese» Uvterricht« müßte da« Lesebuch biete«. Da« deutsche Lesebuch ist da« Grundbuch der Volksschule; alle UnterrichtSgegenstäude sollen in ihm ihre Vertretung finden. Warum in der jüdischen Schule nicht auch die jüdische Beschichte? ES wäre der Mühe der Edelsten werth, einzelne Gestalten aus der jüdischen Geschichte in einzelnen avgerunbeten Bildern für da« Lesebuch der jüdischen Volksschule zu bearbeite». — Bei dieser Gelegenheit bespricht Referent auch de« die jüdische Geschichte behandelnden Anhang in Haester'S Lesebuch, für die jüdische Schule bearbeitet, und zeigt an zahlreichen Beispielen, daß dieser Anhang wegen seiner viele» geschichtlichen Fehler und stilistischen Mängel in seiner jetzigen Form uubrauchbar sei und bei einer neuen Auflage des Lesebuchs einer gründlichen Umgestaltung bedürfte. Schwieriger ist die Frage de« jüdischen Beschicht»- unterricht« in betreff der einklasstgen Religionsschulen zu lösen, deren er aber glücklicherweise in unserer Provinz nur verhältnißmäßig wenige gebe. Die für die Volksschule vorgeschlagene Methode sei in der Religionsschule, in der keine Weltgeschichte unterrichtet wird und kein Lesebuch im Gebrauch ist, nicht anwendbar. Dazu komme noch, daß die für den Religionsunterricht zu verwendende Zeit in diesen Schulen leider außerordentlich knapp bemeffen sei. Um trotzdem einen Unterricht in der jüdischen Geschichte zu ermöglichen, würde Referent selbst einer gewissen Beschränkung des Biblischen Geschichtsunterricht« seine Zustimmung geben. Die Beschichte der Könige von Juda und Israel z. B., wie sie in den meiste» Lehrbüchern dargestellt werde, enthalte vieles, wa« von den Kindern ebenso leicht vergessen wie schwer erlernt wird und was weit weniger geeignet ist, die religiöse Bildung der Jugend zu fördern, al« die Kenntnis der wesentlichen Moment« au» der jüdischen Geschichte. Für diesen Unterricht dem Lehrer wie dem Schüler die angemessenen und geeigneten HülfSmittel au die Hand zu geben, da» sei eine pädagogische Aufgabe, die noch ihrer Erfüllung harre. Sei da« Bedürfniß über erst erkannt, vielleicht werde sich dann auch der Manu finden, der r« zu befriedigen geeignet ist. Krrichle und Gorrefpondeiyerr. Deutschland. Magdeönrg. In dem ueuesteu Heft der,Annalen daß königlichen OberlaudrSgericht« zu Dresden" ist das Urteil abgedruckt, in welchem der höchste fächfische Gerichtshof, in *