Mannheim
Compact Memory

Israelitische Wochenschrift · 1890-07-17 · 29 (17.7.1890) · p. Seite 222

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
21 (1890)
Issue
29 (17.7.1890)
Date
1890-07-17
Page
Seite 222 (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/6492344-5935074-5956731--0258-5373866
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

wurde rin staatlicher Lehrstuhl für da« Hebräische errichtet, welcher, wie der für Theologie, bürgerliche» Recht, Physik und griechisch« Sprache mit einem Gehalt« von 4V Pf. St. dotirt war. Rach einem Statut Eduard H. von 1549 mußte der Lector de« Hebräischen seinen Unterricht auf die hrilige Schrift und die hebräische Grammatik beschränken. Sir wellen nun hier kein Verzeichnis von allen Lehrern de« Hebräischen an unserer Universität geben, sondern nur diejenigen nennen, welche ihr eigene« hebräische« Wissen direct oder indirekt jüdischen Lehrern verdankten. Unter der Regierung Eduard« lehrte Immanuel Tremelliu« in Cambridge. Er unterrichtete gratis, übernahm aber später rin Canonicat an der Kirche zu TarliSle. Er war al« I n d e geboren, unterließ e» aber noch der Weise der meisten Eon» vertiten nicht, die Inden anznschwärzrn, wo er nur Gelegenheit fand. Er schrieb zur Bert heidi gong seiner neuen Religion eine Broschüre in hebräischer Sprache, damit fie in dieser Gestalt von den Inden gelesen werden möge. In derselben vermied er alle rabbinischen Worte und Redensarten, um. wie er sich auSdrücktr. keine Worte und Phrasen an« dem Kehricht der Rabbinen zu entnehmen. Bei der Thronbestrjgung Maria'« verließ er England. 1549 wurde Paul Fagiu«, Schüler und Freund de« berühmten Eliah Levita zum Lector de« Hebräischen ernannt; dieser starb aber noch in demselben Jahre. Gegen Ende de« Jahrhundert» verschaffte sich Philipp Ferdinand, ein Jude, durch hebräischen Privatunterricht, welchen er den Hörern der Univerfltät erthrilte, ein spärliche« Auskommen. Ein anderer Jude, Barne», welcher jekoch später ebenfall« zum Ehriftcnlhnm überging, erhielt von Richard Kilbye, Profeffor de« Hebräischen, die Erlaubniß, den Studenten Elementaruntcriicht im Hebräischen enheileu zu dürfen. Sein berühmtester Schüler war William Gonge. Biele andere Studenten benutzten die Gelegenheit, von diesem zu lernen, die meisten aber wurden seiner überdrüssig und verließen ihn. Später bereueten fie diesen Schritt und baten Gonge, sie wieder zu unterrichten, wa« er denn auch that und sein eigene« hebräische« Wissen hierdurch wesentlich förderte. William Ehre schrieb, daß bei Ferdinand nur wenig Hoffnung vorhanden sei, durch ihn die Kenntniß der hebräischen Sprache an der Universität aufrecht zu erhalten. Auch ein gewiffer ,Rabbi Jacob" soll längere Zett die Universität desucht haben. Erst in der jüngsten Zeit wurde der Talmud unter die Lehrgegcnstände an der Universität ausgenommen. Wir brauchen nicht zu erwähu׳n. welche Bortheile den Stndirendeu durch die Borlesungen de« Dr. Schiller-Siuessy erwachsen. Unter Herrn Sch echter wird e« denselben wöglich werden, sich in den talmudischeu Fächern in der Weise vervollkommnen zu können, daß auch ben höchsten Anforderungrn entsprochen werden kann. vtupiaud. Zketeroöurg. (Or.-Eorr.) Eine der unangenehmsten Beschränkungen, welche dir intelligenten Juden in Rußland erl'iden, ist dir Verweigerung in Reisepässen und Dommente« ihre allgemein gebrauchten christlichen Nomen auzuführeu. E« ist den Sludirenden, Industriellen u. dgl. überaus Peinlich al« ,Moschek", .Lhaimek" o. s. w. auf ihren Diplomen und verschiedenen Unternehmungen fungireu zu müssen, unter denen sie allgemein unbekannt waren. Nunmehr hat da« Finanzministerium — in Anbetracht der vielen Recriwinationen — die Verordnung erlassen, den Juden auf Reise- Pässen und HandelSdocumenteu die jüdischen Namen anzusetzen, jedoch in Paranthes« auch die gebrauchten christlichen Namen beizufügeu. — Tee .Nowoje Wrewja" berichtet, daß man gegen- »artig im Ministerium an eine» Projekt arbeite, die Theilnähme der Juden an einigen Handels-Unternehmungen zu verbieten. Dasselbe Blatt versichert, daß mau tu Regierung«- sphärru au die Einschränkung de« Gesetze« vom 3/15. Matz 1882 arbeite, wonach den Inden der Ankauf unbeweglicher- Güter, Schließung von Pachtverträgen und Güterverwaltungr» streng verboten wrrdeu soll. Gleichzeitig soll eine Revision ans den Dörfern »orgenommen »erden um strenge Strafen für unrechtmäßige Güter- und Grundstücks-Ankäufe in Au«- führung zu bringen. A»-rik«. Aichmond. (Die Convention der Constitution«- Großloge. — Schluß.) Montag, den 2. Juni be» gauneu die Sitzungen in dem SenatSsaal« de« Capitol« welcher zu diesem Zwecke comforiabel eingerichtet war. Nachdem der Mayor Sllison von Richmond die Versammlung im Namen der Stadt bewillkommt hatte, erwlederte 'Herr William S. T a n « an« New-Aork, Präsident de« I. Distrikt« die Anrede de« Mayor« in herzlicher Weise. Hierauf schritt man zur Wahl de« Somit«'«. Der Sitzungssaal war von Gästen, sowohl Damen al« Herren angefüllt. Die Drlegirteu de« Distrikt« I überreichten dem Präsidenten ein- Füllhorn mit prachtvollen Rosen. Nachdem alsdann mehrere inzwtschm ringegangene Glückwunschtelegramme verlesen worden waren, stellte Bruder S. M. Roeder den Antrag um Einführung eine« neuen Ritual«, welcher dem Ritual- Comit« überwiesen wurde. Die Delegirteu wurden vom Jeffrrson-Club zu einer Theater-Vorstellung, sowie zum Besuche de» Merkantile-Club eingrladen. Hierauf wurde der spanische Exminister I. L. M.» Curry «ingeführt, welcherdie Bersammlung in einer herzlichen Ansprache begrüßte, worauf eine Commission ernannt wurde, welche über den Fond de« Baron von Hirsch verhandeln sollte. An dem Gastmahl, welche« der litterarische Verein, au« den ersten Damen und Herren der Richmonder jüdischest. Gemeinde bestehend, hrrgrrichtet hatte, nahmen die Delegirteu in corpore Theil. Nachmittag« fand eine photographische Aufnahme. der Versammlung statt. Zum Schluffe wurde noch brr Antrag gestellt, daß die Lonstitution«-Großloge allen Rechten und Titeln» welche fie au der Matmonide«» Bibliothek habe, entsagen sollte. Dienstag, den 3. Juni. Nach dem vom Rev.Henri. ׳ S. Jacob« gesprochenen Gebete wurden mrhrere Depeschen verlesen und die Bersammlung vom Mayor auf 1 Uhr zum Besuche seiner Residenz eingrladen. Die Delegirteu fanden dort die freundlichste Aufnahme und Bewirthung. In der Nachmittagssitzung brachte Herr Isidor Busch den Antrag ein, die ganze Endowewent-Frage an die DistrictS-Großlogeu zu verweisen und in der Constitution nur die einfache Er- Närung aufzuuehmen ,daß dir Errichtung von Waisen- und Wittweu-Endowementsond« den Zwecken und Zielen de« Orden« entspreche." Dieser Antrag wurde nach langer Debatte angenommen, ebenso der Zusatzantrag, daß jeder Distrikt diese Angrlegrnheit getrennt von allen andern behandeln solle. Hierauf erstattete da« Tomitä zur Berathung über die Consolidatiou de» Orden» B'ne B'rith mit andern jüdischen Orden seinen Bericht. S« empfahl, eine Commission von 7 Mitgliedern au» den verschiedenen Distrikten zu ernennen, welche einen diesbezüglichen Plan entwerfen und den Distrikt«- Logm vorlegen sollte. Da« Ritual-Comit« äußerte in seinem Berichte, daß rin gekünstelte« Ritual sich selbst sehr leicht außer Gebrauch setze und ebensowohl hem Geiste dr« Judenthum« ׳al« dem Bedürfnisse de« Orden« widerspreche. E« schlug vor,, eine Fünfercommission zur Entwerfuug eine« neuen, eutsprechenden Ritual» zu ernennen, welche» in ganz einfacher Weise solche Gefühle zu erwecken im Stande sei, di« unser Interesse für den Orden in uu« nicht nur al« Mensche»,, sondern auch al» Juden wachzurufeu vermögen. Dieser Vorschlag wurde ohne Diskussion angenommen. Abend« veranstalteten die Ort«logen ein Banquet für die Delrgirteu in der Börsenhalle. E» wurden Toaste au«- gebracht auf den Orden, di« Convention, da« Vaterland, die Regierung, dir WohlthätigkritSaustalteu, die Stadt Richmond»

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.