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Israelitische Wochenschrift · 1890-07-17 · 29 (17.7.1890) · p. Seite 223

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
21 (1890)
Issue
29 (17.7.1890)
Date
1890-07-17
Page
Seite 223 (sequence 7)
Language
German
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— 227 — ■Mt Diftricts-Grvblogcn. Me Gäste, Me aulaSrtigen Segen mb die Damen, worauf alsdann die Bewirthmrg der Delegirten i« Mercantilc-Elnb stattfand. Mittwoch, den 4. Juni. Die Lonstitntions-Großlege verzichtete de« am Montag gestellten Anträge gemäß auf alle ihre Rechte, Titel und Ansprüche an die Mai- «ouides-Bibliothek zu Gunsten des Diftricts Nr. I. Das Spccialcomitä für die 50jährige Jubelfeier des Ordens am 28. October 1893 empfahl New-A ork als Festort. Jeder Diftrict soll bei dieser Feier durch einen Delegtrten vertreten sein und demselben die Reisekosten aus eine» hierzu bestimmten Fond» von 1500 Dollar» erstattet werden. Dieser Vorschlag wurde angenommen. Die nächste Eonveutiou findet in Liueiunati statt. Herr Meyer Thalmessinger, der eifrige und lang» jährige Vertreter des Diftricts Nr. 1, wurde auf seinen Wunsch aus seinem Amte entlassen und demselben für sein segensreiches Wirken der Dank der Versammlung ausgesprochen. (Gr hat fich um den Orden in Deutschland desonders verdient gemacht.) Zum Ordenspräfidenteu wurde Julius Bien und zum 'Präsidenten der Appelinstanz Joseph Abrahams gewählt. Das Executive-Lomile besieht außer dem Erstgenannten aus folgenden Mitgliedern: Distr. I, Sol. Sulzberger-New- Aorl; ll. Jacob Fürth-St. Louis; III, Seligmauu I. Strauß-Wiikesdarre; IV. D. A. D'Sncoua-Sau Francisco; V, Simon Wolf-Washington; VI, E. Rubonitz-Shicago; VII, Joseph Hirsch-Bicksburg; VIII, D. Wolfs« Berlin; IX, Dr. Adolf Steru-Bukarest. Vermischte tut* »e«rste W«chrichte». Beelln» 1s. Juli. De. Jmaannel Heinrich Ritter, Prediger der hiesigen jüdische» Reformaemeinde, ist am 9. d. Mt», i, Johanni«, da», «o«1» er sich zur Kur begeben, verschiede». Er war d-r Rach- Folger Holdheim» wahrend dreißig Jahre und verfocht die Resormideön nicht nur von der Kanzel, sondern auch mit der Feder. Er hat mehrere einzelne Predigten und einige Gchristen über die Mendel»- tu denen er die -Reformal» Trägerin I hinstellte. — Leine Beerdigung send ssedhof in Weißenlee patt. Der Beisetzung . , otteshause der jüdischm Resorm-Gemeinde voran», bet welcher Herr Prediger Dr. Lev in die Trauerrede hielt. Derselbe feierte in tangerer Rede die Wirk,amleit de» Entschlafenen mnb hob besonder» die Wahrhaftigkeit »ad Lauterkeit seine» Charakter» Hervor. Etae zahlreiche Trauerverfawmlung gab dem Verblichenen das letz e Geleite. «MU« 12. Juli. Heute Mittag fand in der Aula der HIes. Universität die feierliche Uebergabe de» Rektorat» vom bi»herigen Professor Hilter auf den neuge-ählten Pros.ssor Bernstein in üblicher Weise statt. Der neue Rektor hielt seine Autriu»rede über -Fortschritte ans de« physiologischen Gebiete.- Die theologische Fakultät war vollzählig erschienen Rachmittag schloß fich ua Hotel ,Stadt Hamburgda» Festessen der Prosessorea und Do» zentrn an. Die Studenten hatten Abend» i« »neuen Theatergroßen Kommers. — Die ultramouMneu Zeitungen können sich über diese Wahl noch Immer nicht bernhigea. So wird der »Deutsch, evangel. Zeit.- von hier geschrieben: »Eine rechtliche Anfechtung d.r Wahl ist nnmögltw; denn nachdem Dr. Bernstein einmal ra rechtlich festder Ausnahme von unsere« Etatat alle Rechte eine» ordentlichen ifor» durch Königliche Ernennung erlangt hatte, hatte er natürlich die Wählbarkeit zu« Rektorat- Uebrigen» ist der Gewählte für seine Person rin anspruchsloser Gelehrter, »er von seinem Jud-ntha« keine» Profeß macht und der seine Kinder ch istlich hat taufen lasse».- — »Immerhin bleibt e» ober durchaus verhängn ßooll, baß sich «ater däi Hallenser Professoren eine Majorität findet, die einen, wenn auch ehrenhaften Israeliten zu« Rettor wähl», uni, baß die Staatsregierung den Gewählttn bestätigt. Der evanaeltsche Charakter der Universität hätte beide» verbleie» sollen.- — (Nun, sie bewegt sich doch! — trotz de» Gezeter» der antisemitisch Gesinnten.) I» Hamvurg hat der iasolge Absturze» in der Schweiz um» Lebe» gekommene Bankier Marburg in seinem Testament sehr erhebliehe Segate an milde Stiftungen re. ub Verenge von ca. 180,000 Mk. vermacht. Jeder Dienstbote erhält skr jede« Dienstjahr eine Grattsikmion von 100 Mark. Auch da» Comprotrpersoual ist außer», den«- ltch reich bedacht. Für den Kunstverrtn sind 18,000 Mark zum Ankauf eine« Bilde» oder euer Skulptur außerdem noch bestimmt. Wardurg halte slou während seine» Leben» stet» viel Gute« arthan; in seine« Testamente hat er noch sür A!me aller Eonseisionen 0000 Mk. bestimmt. Brr »tan. Dem »Jahresbericht der hmräijchen Unterricht»anstalt r d e Schuljahre 1888/SS ist za entnehmen, daß die von Rabbiner E. Reustadt geleitete Anstatt ihren Zweck, »die ihr anverttauteu sohn'sche Zeit veröffentlicht, de» Mendelssohn'schen Geist, gestern aus dem jüdische» Fr ging eine Trauerfeer im . . mit denjenigen Kenntnissen auf jlldtjchrc'igiSsem (biblisch» talmudischem) Gebiete au»z«rüsten, welche sie befähigen, sich späterhin selbstständig weiter fortzubtlden und würdige Gemeint.emitglieder zu werden-, auch in den letzten beiden Schuljahre» in erwünschter Weise erreicht bat. Die Anstalt wurde durch eine Zahl von Gönner» in die Lage gesetzt, die Schülerzahl und die Lehrkräfte vermehren zu tönnen. I« Jahre 1888/89 b-suchten 146, 1889/90 168 Zöglinge die Anstalt. Um den im Osten der Stad« wohnenden Schüler» de» Weg zur Anstalt abzukürzea, werde ein besondere» Schullokal für dieselbe» in de« Hause Albrechtstraße Rr. 18 eingerichtet. Die für den Jugendaottesdieast bestimmte Synagoge (Tonnenstraße Rr. 28) ist seit dem 16. August 1889 ihres Bestimmung übergeben. I» Vre«lau selbst trage» 879 Personen zur Unterhaltung der Anstalt bet, indem sie sür dieselbe 17t» M. ausbringen. Al» ganze Freischüler konnten 109 Zöglinge ausgenommen «erden: sür befähigte Schüler wurde da» Schulgeld zum Besuche de» Gymuasium» oder der höheren Bürgerschule bezahlt. Auch eine Zahl auswärtiger Gemeinden und Sönuer fördert die Anstalt,׳ die auch au«- wärtige Zöglinge zählt, durch Beiträge. Rastatt, 18. Jull. (Or.-L»r.) Sonntag den IS. b. Mt», fand eine Versammlung sämmtlicher Rabbiner und Vorsteher Baden» in Os send uro in der WaiseuhaMtangelegenheit statt. E» waren 117 Personen anwesend. Au» de» Berichte de« Vorsitzenden ging hervor, baß das segensreiche Werk t« Wachse» und Blühen ist. Rach dem geschästlichen Lheil fand ein gemeinsame» Mittagmahl statt; Hr. vorsicher Dreysuß versteigerte da» Tischgebet sür 60 Mark. Worms. Eine lebhafte antisemitische Agitation wird jetzt auch hier entfaltet. Biele Familien erhielten die ,Deutschsozialen Blätter nebst einem Flugblatt zugefandt. Da» Flugblatt (Rr. SS) behandelt die beiden Fragen: ,Va» kosten oa» unsere Juden s- und »Warum muß die Sozialdemokratie wachse» und immer wieder wachse»?- Unterzeichnet sind beide Ausführungen mit »Throd. Fritsch, Techniker in Leipzig'. Offen zeigt sich die Absicht der Aatisemitteu in de« zweiten Aussatze. Die Aufforderung Frissch's kautet: »Weist Juda au» de» Lande-. »Rur so-, meint er, »könne die Sozialdemokratie schwinden, ander» helfe »kein Gott und kein Teufel.- (Findtt sich Riemand, der gegen diese Flugblätter die Anklage «egen ,groben Unfug» erhebt?) Stuttgart, 9. Juli. Am letzte» Samstag Ware» e» 80 Jahre, daß die Antiquariatsbuchhandlung von Raphael Levi, gegründet «urde, und 38 Jahre, daß oa» Ges »äst von be» Onkel auf den jetzigen Gelegenheit, um den Geschäftsinhaber in warmen herzlich-!, Worten zu beglückwünschen. Hinsichtlich der Geschäftsführung heißt e» in der künstlerisch ausgesührten Adresse: »Ihre Firma ha« sich durch umsichtige Leitung, durch Fleiß und Ausdauer ihrer Inhaber, sowie durch Eqren» Hastigkeit der Gesinnungen derselbe» eine» i« deutschen Antiquariat«» bachhaadel hochangesehenea Ramen erworben.- E» folgen sodann die besten Wünsche für die Zukunft. Ueberreicht wurde die Adresse durch den Vorstand de» süddeutschen Vuchhändlerverein». Herrn Ego» Werlitz, der auch gleichzeitig die Wünsche dieser Korporation überbrachte. Da» Geschäft ist au» den vesiAdensten Anfängen hervoraegangeu und nimmt gegenwärtig im deutschen Buchhandel eine allseitig geachtete Stellung ein. Wien. Der Sohn Eulzer«, Herr Joseph Sulzer, Solospieler der k. I Hosoper veröfferttlicht den musikalischen Nachlaß seine» Brter« nebst dessen Biographie und vildniß. Diese »G.-d-nkbiätterenthalten »0 Eompositione» tes Altmeister« (für Solo, Choc und Orgel) und sind sür 6 fl. durch dm gen. Herau»geber zu beziehen. Powbon, 8. Juli. Am Donnerstag nahmen am Abschieds» essen bet der Königin vittoria in Windsor außer der Kaiserin Friedrich und der» Tsch'ern auch noch Lora und Lady Salisbury, sowie Baron Ferdinand de Rothschild theil- Enschede (Holland.) Herr» Alexander Klein »tnä. med. von hier wurde sür die beste Lösung der Preisausgabe: »Ueb-r den Sinfluß der thierischm Materie aas da» Vorhandensein der Bakterien i« Wasservom Rector und Senat der Universität Amsterdam die goldene Medaille zuertannt. Moskau. (Or.-Eorr) Die Handwerker-Verwaltung verordnet! daß jüdische Handwerker, welche christlich׳ Schüler haben, verpflichte» sind, alljährlich die Zeugnisse der Geistliche» vorzuleg-n, daß jene Schüler bei der Beichte waren. Der »Graz'daninberichte«, daß die Aerzte de» kranken «riegtminlster» 8 Juden sind, Dr. Berten so», und Dr. Schereschew»ki. Warschau. (Or-Corr.) Da» bedeutendste illustrirte Blatt in Polen, welch!» Salomo» Lewenthal, ei» Mitglied de» i»e. Cult«»ge«.-Borstande» und Cnrator de» i»r Spitals in Werschau unter dem Titel ^klosy- (Halme) vir 28 Jahren gegründet und bi« nun unter Mitwirkung der größte» polnis »en Schriftsteller vorzüglich geleitet hat, — ist nunnehr eingegangen. Die bedeutendste polnische Schriftstellerin Elssa Oczeska war eine eifrige Mi ardeiterm und hat daselbst ihre dem Judenthum gewidmeten treffitchen Äerke »Meyer Ezofowiez- und ,Miztalaerscheinen lasse». Warschau. Die Auswanderungen nehmen stark überhand, aber leider läßt man in Myat» witz weder g-tiz ich: ,och rajstsche Juden über die deutsche Grenze, wen, sie nicht «k. 300 ausveisen. — Wohin-alf» sich wende»?!

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