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Israelitische Wochenschrift · 1890-07-17 · 29 (17.7.1890) · p. Seite 218

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
21 (1890)
Issue
29 (17.7.1890)
Date
1890-07-17
Page
Seite 218 (sequence 2)
Language
German
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222 UfTen, bann würden die ersteren etwa« sagen können und dir letzteren etwa« zn hören bekommen. Bon de« von Lhamifso besungenen Abba Glosk erzählt man, daß er sich einmal vor einen Sanderprediger während der Predigt anfgepflanzt und ihm immer näher da« Ohr entgegengereckt Hab«. Al« der Prediger, darüber aufgebracht, fragte: »Hört Ihr denn nicht?", antwortete Abba Glo«k: ,Ich höre schon, aber Ihr sagt nicht«." Wenn e«, wie jetzt, mit den Predigten und Schrifterklärnngen, den Schrifterklärungen und Predigten so Wetter geht, dann dürften unsere Rabbiner sehr bald lanter Znh drer LI» Abba Glosk um fich versammelt sehn. Sapienti 8at! G. U«werselle WeltreNgio». 11. l«chl»b au» Sr. 21.) R. Jochanan, von de» der erster« Ausspruch") herrührt, lebt« um die Mitte de« 3. Jahrhundert«. Die Inden halten immer über die Härte und Gewoltthätigkeit der Ntmer zu klagen, in Jochanan'« Zeiten waren diese wteder stärker geworden. Zwar halten Inden- und Lhciftenthum bereit« ihren Einfluß auf die Gesittung Aom'« geübt, und dennoch ein solcher Rückfall I Da hielt Jochanan alle Müh«; um di« Gesittung der Heiden für vergeblich«, er hielt ihre i Beschäftigung mit der heiligen Lehre für eine tode«würdige EZttweihnug derselben. Jndeß war e« dieser Umstand nicht allein. Der Gegensatz de« Lhristenthnm« machte fich geltend, zettelte feindselige Verfolgungen an, welche Juden und Indenthnm in Gefahr brachten. Da« Lhristenthnm begann schon sei« gegensätzlich« Anffaffnng vom Jndenthnm zu einer feindseligen Kirche anszubilden, und da e« anfing. Propaganda unter den RSmern zu machen, verbanden diese mit ihrer Bekehrung feindselige und todr«grfShrliche Verfolgungen gegen die Inden und übten an diesen ihre gewohnten Heidntschen Rohheiten an». So erNSrt fich der Ausspruch: ,Lin Heide, der fich mit unserer Religion, mit dem Torastndinm beschäftigt, ist de« Tode« schuldig,- und nicht minder derjenige, welcher Heiden zu solche« Stndinm veranlaßt. Der Ausdruck: ,de« Lode« schuldig", ist hart, wir die bezüglichen Ausdrücke de» R. T. (Säue, Hunde); sie find geradezu unverständlich und zeigen tut«, daß schon zu Jesu Zeiten fich trübe Erfahrungen an die Propaganda unter den Heiden Äl Bekannt ist ja auch, welch unglückliche Folgen fich Bekehrung der Jdnwäer unter Lntipater und Herode« für Volk und Religion verbanden; da« Bolk brzeichnete solch« heidnische An«wüchse al« verderblichen und tödtlichen ,Aussatz" am jüdischen NationolkSrper. In der späteren Zeit mehrten und verstärkten fich die trüben Erfahrungen, al« der Gegensatz der christlichen Kirche in Rom anfing besonder« hart auf die Juden zu drücken. Ein tode«würdige« verbrechen wird di« Propaganda unter den Heiden genanm! Ja, hatte di« Bekehrung der Jdumäer nicht zunächst den Untergang de« jüdischen Reich« und Tempel«, wie die blutige Bekämpfung der Inden und ihre Zerstreuung mit den daran hängenden blutigen Leiden verursacht? Hatte dir Verbreitung jüdischer Lehren durch da« Lhristenthnm nicht unzählig« Mordthaten im Gefolge, zu denen die Priester und «erdritter vieler Lehre geradezu reizten und aufforderten? Verdient« die Mutter, da« Jndenthnm, «ine solch« Mißhandlung seiten« der Tochter, dem Lhristenthnm? Haben fich die willkürlichen und unverdienten Peitschenhiebe, verjagungen, Verfolgungen, Berandungen, Plünderungen, Ermordungen, Verbrennungen, Todtschläge rc. zu Hunderten und tausenden nicht alle Zeit« hindurch di« auf die Neuzeit chrtstltchersrtt« den Juden gegenüber au« Glaubenshaß erhalten? Galt ein ") Mau soll ,inen Heiden »ich! zum Lhoraftudtu« veranlassen." (Synhedrin SS» -,N'L 2*71 «TIVD pDTS ״U) Judeumord bei den Christen vielfach nicht al« verdienstlich? dlieb ein solcher bei christlichen Gerichten nicht »ft auch nn» bestraft? Unterscheidet fich da der gelehrte und gebildete PSdel von der rohen. bildung«nnfShigen. noch von heidnischen Regungen g ettiedeuen Maste? Begreift man da den An«- sprach: Heiden, di« Tora lernen, oder die man Tora lehrt» machen fich de« Tode« schuldig, «eil religiöser Fanati«mu« und rohe Gewohnheit sie zu Mord und Lodschlag treibt? In den Zeiten solcher blutigen Verfolgungen und tu Erinuerung daran nannten die Juden eh:mal« ihren Gegner geradezu דורג (Mörder. Todtschläger), weil fi« beim Anblick eine« solchen und bei Begegnung mit ihm von vornherein Mißhandlung und Lodschlag fürchteten und zu fürchten hotten, »eil fie für vogelfrri und schntzlo« galten und ihre verbrecherische Tvdtnng auch meisten« nugerächt blieb. Der Ausdruck: »de« Lode« schuldig, todeswürdig." erklärt fich eben nur au« den unzähligen grausamen Verfolgungen und blutigen Martyrien, welch« mit der religiösen Propaganda unter den Heiden in Zusammenhang standen. Daß nur an« besonderer Stimmung und Veranlassung heran« solch« und ähnlich« Aussprüche und Ausdrücke zu deuten und zu verstehen find, daß fi« demnach auch nur al« individuelle. An«- spräche einzelner Personen, nicht aber al« allgemetngiUig« Ansichten und recipirte Grundsätze gelten können und augesehen werden dürfen, beweist der Talmud selbst in seiner Eontrovers« darüber (Bab. K. 38, »); dort wird im Namen N. Meir's der Grundsatz entgegen gehalten: »Ein Fremder (Nichtjude, Heide), der fich mit der Tora beschäftigt, gttt sogar einem Hohenpriester gleich.*) R. Meir lebt« in Rom zur Zett, al« diese« den Juden noch günstig, und eh« r« christlich war, auch da« Lhristenthnm noch t» Anfang seiner Entwickelung und nicht auf der Höht seiner politischen Macht in Rom stand. Er motivtrt seinen Au-spruch damit, daß auch Heiden biblisch al« Menschen gelten und die Religion de« Jndenthnm für alle Menschen gegeben, also universell sei; er begründet die« durch Hinweisung auf Lev. 18. 8: ,Ihr (Israel) — t« Gegensatz zu den Heiden, wovon vorher die Rede ist — sollet meine Gesetze und Rechte beachten, welche der Mensch thuu soll, aus daß er durch sie lebe", woran« zu schließen ist (vgl. Lev. 88, 3), daß da« damalige Rom nicht mehr dem rohen Heideuthu» angehörte, sondern schon gefittigt war und al« solche« betrachtet wurde. An jener Stelle hat der Talmud eine Lrnsur-Lücke; nach der vollständigen Ausgabe und deutlicher noch Jerusch. 16. 4, 3 wird erzählt, daß damals schon die Bekehrung zum Judenihn« in Rom Fortschritte gemacht und Gamttel deshalb anstößige, gegen da« roh« Lhristenthnm gerichtet« Anordnungen aufgehoben Hab«. Sir leugnen demnach trotz der scheinbaren Widersprüche den universellen Lharakter de« Lhristenthnm« nicht, aber falsch ist, daß diese Erwetteruug de« Jndenthnm« ein Erfolg de« Lhristenth um« sei. Da« Jndenthnm hat diesen universellen Lharakter von Anfang an, und mit großer Deuttichkeit tritt er im Prophetismu« hervor, der nach bekanntem Grundsatz« Neue« und Fremde« der Lora, dem Grundbuch« de« Inden« thnm«, nicht hinzufügrn konnte, sondern nur entwickeln durfte, wo« in ihr liegt! Da« Jndenthnm bedurfte erst anfänglich einer Erstarkung in lokaler und nationaler Adschließt»«- als einer Vorbereitung für seinen «issionärtschen Beruf unter den Völkern. Im Lhristenthnm teruht der UnioersaliSmus demnach auf jüdischer Grundlage, dt« Widersprüche find hier wie dort nur scheinbare; sie geh« nicht au« de« Jndenthnm hervor, sondern erklären'fich im christlichen und jüdischen Schriftthum au« der Stellung zu« Heideuthu«. Die missionärtsche Aufgabe de« Indenthnm« ist indeß ander« geartet: fie beschränkt fich hier nickt aus Wort und Lehr«, sondern soll auch nur meisten« di« Vorzüge der Reltgiou durch Lhat und Leben bezeugen; fie will nicht mit Worten überreden, sondern mit Gründen überzeugen, nicht zum Glauben, sondern zur Erkenutniß *) נכרי שלוסה כתורה ודד. ככ״ג

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