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Israelitische Wochenschrift · 1890-07-10 · 28 (10.7.1890) · p. Seite 214

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
21 (1890)
Issue
28 (10.7.1890)
Date
1890-07-10
Page
Seite 214 (sequence 6)
Language
German
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— 218 acht»» g findet, solche verderbliche Theorien nie Eingang finden, »od wenn sie fich schon irgendwo eivnistelen, mit der Wurzel anSgemerzt «erden. Denn diese Lehren collidiren mit den Elementar-Begriffen menschlichen verstaute» und Rechtlich keil »ge fühl».- E» ist wohlthuend, von einem hohen Militär solche Worte zu hören. (Großbritannien. London, Anfangs Juli. (Or.-Or.) Wie im vorigen Jahre, so hat sich auch in diesem Jahre der etwa 17 jährige Student Alfred Ehotzner, Sohn de» Hrn. Dr. Chotzner, am unweit von hier gelegenen Harrow-College, besonder» au»gezeichne». ES wurden ihm nämlich jüngst fünf Preise daselbst zuertaunt. und zwar waren vier davon für seine, als die besten erklärten Originalarbeitrn in klassischen Sprache», »ährend der fünfte Preis ihm für da» beste englische Srdicht zuerlheilt wurde. Wo» den Werth dieser Preise noch erhöht, ist der Umstand, daß die Bewerbung um dieselben alle» Studenten de» fraglichen College, die mehr al» 600 zähl,», offen stand. Unter diesen Preisen befindet sich auch eine vom einstigen englischen Premier-Minister Sir Robert Peel — einem ehemaligen Schüler »effelben College — gegründete goldene Medaille von ziemlich großem Werth für da» al» das beste erllärte lateinische Essay über ein gegebenes Thema. Bei der jüngst im sogenannten »Speech- Room" de» College stattgehabten öffentlichen Vertheilung der besaglen Preise waren mehrere Mitglieder der höchsten englischeu Aristokratie, Staatsminister, hohe Würdenträger der englischen Lirche, Professoren und Lilterateu von hohem Ruf anwesend. Der hiesigen Sitte gemäß, la» der junge Chotzner einige Auszüge au» seinen poetischen und prosaischen Arbeiten vor, die mit großem Beifall ausgenommen wurden, worauf der Rector dr» College eine Ansprache an ihn hielt, worin er auf d«n gedirgeren Inhalt seiner in klassischer und englischer Sprache abgefaßten Poesie und Prosa hinwieS. Namentlich, meinte er. fei in diesen Arbeiten ein keimendes poelischc» Talent unverkennbar, da» man wchl in einem College mit Recht erwarten könne, welche» Dichter wie Scheridan und und Byron auSgrbildet har. — Tie bedeutendsten hiesigen Tagesdlättrr, die »Timesan der Spitze, erwähnen dieser Preise. — Herr Schechter, ein bedeutenter Talmudist und ein Rumäne von Geburt, der auch sonst auf jud. litterarischem Gebiet heimisch ist, ist soeben zum .Reader- (Leser) des Talmudischen an der Universität Cambridge an Stelle des verstorbenen Dr. Schiller ernannt worden. Herr Sch', hat vor einigen Jabren die JTD ,אמת דר edirt, und ist äugenblicklich mit der Herausgabe de» מדרש הנתל beschäftig». Ter besagte Posten dürfte ihn daher in die Lage versetzen, da« vpu» magntun in kurzer Zeit der Öffentlichkeit zu übergeben, und ihn auch sonst veranlassen, ähnliche interessante litterarische Arbeiten auf dem Gebiete de« radbinischen Schriftthum» vorzunrhmen und glücklich durchzuführen. Jeder, der Herrn Schechter kennt, wird ihm sicherlich zu dieser ehrenvollen Stellung herzlich Glück wünschen. Stuplaud Petersburg, 6. Juli. (Or.-Lorr.) Da» hiesige einzig in polnischer Sprache erscheinende Blatt »Sraj-, welches jedoch durch seinen Chef-Redakteur Spasowicz, einen der bedeutendsten Anwälte Rußland« und Literarhistoriker, oft recht gut unterrichtet wird, schreibt über die Judenbeschräukungen in Polen, welche sehr viele Beunruhigung daselbst erwecken, wie folgt: »Wie wir hören, wird die Entscheidung des Projektes über die Einschränkung der Judenrechte in Polen auf ein Jahr vertagt werden, weil die von dem Ministerium de» Innern eingesetzte Commission den Entschluß faßte, vorerst die alten aufgehäuste» auf die Judrnsioge bezüglichen Materialien — welche die frühen! Com- Missionen von allwärt» zu>ammendrachteu — genauer zu rrvidire». Au» anderer Quelle erfahre» wir auch, daß die * projektieren Einschräuknngeu der Judrnrechte nicht aus die! EigenthumSrechte mittlerer Snmdstücke gelten würden, sondern daß nur bezweckt «nde, eine» Damm zu finde», damit Bauerngrundstücke nicht in die Hände der Juden gerath««.- SUfeom. (Or.-Sorr.) E» dürfte Sie tnteresfiren, wie die amtlichen Blätter schon ein wenig die Gefahr der Aus« Wanderung polnischer Juden fignalifiren. So heißt e» in einem »AmtSblatte de» Radower Gouvernement»- wörtlich: . »In der Stadt O st r o w t e c zählt die jüdische Bevölkerung j 4667 Personen. Christen aber nur 900, oder die Juden bilde» da 82'/,°/,. die Christen 17'/,°/,. Handel und I Industrie stad ausschließlich in Händen der Juden. E» sind darunter sehr viele Handwerker. Schvster, Schneider, Tischler, Slempner u. s. w. E« find da 6 Gerbereien, die Juden gehören. Christliche Handwerker giebt'S hier blut-> wenig. Auf den Märkten und Städten der Umgebung sind jüdische Erzeugnisse.- Die Au»wauderung der Juden,- schließt der Bürgermeister von Ostrowiec, »würde nn« schädigen, da. die Christen weder Capital, noch Erfahrung, noch UnternehmungSgeist besitzen, noch die sehr schwere« Arbeiten de» Haufiren» und Zasammenscharrcu« von Abfällen thun wollenu. s. w. — Solche SchmerzenSrufe werden gar bald von vielen polnischen Lolonien, wo man die Juden erst zusammendrängt und jetzt wieder verdränge» will — laut werden. Türket. Smyrna, im April. (Or.-Corr.) Der Geburtstag de» Sultan» ist diese» Jahr mit außergewöhnlichem Glanze gefeiert worden und unsere Glaubensgenossen nahmen an der Feier den regsten Antheil. Während de» Abend» hatten alle öffentlichen Gebäude drS Judenviertel» prachtvoll illuminirt. ES giebt auch wohl nur wenige Länder, wo die Juden mehr Grund haben, fich über die von ihrem obersten Herrscher ihnen erwiesene Großmuth zu erfreuen, al» die» bei uu» der Fall ist. Sultan Abdul Hamid hat sich die Lieb« aller seiner Unterthanen ohne Unterschied de» Glauben» p erwerben gewußt und die Juden benutzen mehr als die Bekenner anderer Religionen jede sich bietende Gelegenheit, demselben ihre Treue und Anhänglichkeit zu beweisen. Während in Rußland di« jüdischen Studenten von den Universitäten zurückgewirsen werden, finden sie in Smyrna an allen Lehranstalten willkommene Aufnahme. So hat ursere Luvst- und Handelsschule mehrere Söhne armer jüdischer älter» als Pensionäre ausgenommen. DaS türkische Gymnasium wird von 30 jüdischen Schülern besucht. Diese erfteuen sich der liebevollsten Behandlung sowohl Seiten» ihrer Lehrer al» auch ihrer Mitschüler. Sie zeichnen sich ebenso aus und empfangen dieselbe Aufmunterung wie die übrigen Schüler, übertreffea diese aber durch ihr; gute Führung und ihren rastlosen Fleiß. E» hat sich sogar da» Gerücht verbreitet, daß man beabsichtige, in diese» Schulen, sobald die erforderliche Schülcrzahl vorhanden sein wird, eine rituelle Lüche einzurichten. E» muß hierbei bemerkt werden, daß die Schüler unentgeltlich ausgenommen werden und die Schule daher eine erhöhte Last übernehmen würde, um dem religiösen Gefühle unserer GlaubenSgeaoffen Rechnung zu tragen. Amerika. Hlichmond. (Die Convention der Coustitutton- Groß-Loge de» Orden» Bnai Berith. — Fortsetzung.) Hierauf empfahl der Herr Präsident rin allgemeine» Gesetz, dessen Auslegung und Anwendung in gewissen, die Form und die Loealverhältutffe betreffenden Fällen, den Distrikt» -Groß- Logen übe! lassen bleiben wüßte «ad sprach dann die Ueberzeugung au», daß hierdurch die scheinbare Gefahr, we lche die Endo«ement-(Vcrficherung») - Frage heraufbeschworen hatte, gänzlich beseitigt sei. In Bezug auf die Vereinigung sämmtlicher jüdischer ׳ Orden schloß sich Herrn Bien der von Hem S. I. S t r a u ß (in der »Menorah-) mitgrtheilteu Ansicht an. Da» Aufsehen aller Orden in eine« unter Wahrung der verschiedenartigen Einzelintereffen, ist u « m ö g l i ch. Möge

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