Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 21 (1890)
- Issue
- 28 (10.7.1890)
- Date
- 1890-07-10
- Page
- Seite 215 (sequence 7)
- Language
- German
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-»«her die Sonoention ein Gesetz adoptiren. welche« auf geeignetet Bast« die übrigen Orden znm Anschluß an den 'Orden B'nr B'rith ermuthlgen kann. Al-dann warte man da« Resultat ab. Die öffentliche Meinung und da« allge- «eine vedürfniß müssen hernach da- Uebrige thun. Zur Feier de« 50jShtigen OrdenSjubilSumwurde New-Dort, die Geburt-stätte de» Orden« vorgeschlagen. Ueder da- Mission-werk de» Orden», sprach Herr Bien noch Folgende«: ,Bedrückung und Verfolgung diabolischer Natur' haben Tausende hilfloser Opfer an unsere käste getrieben. Alle bedürfen einer leitenden und schützenden Hrnd und erfahrener, zuverlößiger Rarhgeber. Obschon fremd durch ihre Sprache, ihre Kleidung und Sitten, fremd in dem Lande, -u welchem sie ihre Zuflucht genommen und von welchem sie Schutz erwarten, find ste unsere Brüder und haben als solche ein vollkommene- Anrecht auf unsere Sympathie und unsere Fürsorge. Diesefremde Element der amerikanischen Civilisation zu assimiliren, r» zu erziehen, ihm zur Selbstftündigkeit und Unabhängigkeit zu verhelfen, ist dagroße Problem, welche» wir zu lösen haben und welchem gegenüber der Orden sich nicht indifferent verhalten kann." Dem Berichte entnehmen wir noch folgende Daten: Der Orden zählt heute 9 Districte mit über 369 Logen, welch: mit Einschluß der 4 Logen, die unter Leitung de- Execuliv-Lomilce stehen, 25000 aclive Mitglieder zählen. Diese vertheilen sich auf die vereinigten Staaten von Nord- Amerika, Eanada, Deutschland, Oe st erreich. Rumänien, Egypten und Palästina. Der große Berlust, welchen Amerika in den letzten 10 Jahren durch Sterbefälle und Su«pensioneu erlitten hat, ist durch da» Wach-thum der Mitgliederzahl in andern Ländern compenstrt worden. In den letzten 5 Jahren bi« zum 31. Dezember 1889 waren 1:96 Tode«fälle zu verzeichnen. Zu Wohlthätigkeit-zwecken wurden 2,784,000 Dollars verausgabt. In dieser Summe sind die Ausgaben für Asyle und dergleichen Institute, so wie die Unterstützungrn in Folge allgemeiner Lalamitäten nicht «ingeschloffen. Außerdem wurden durch freiwillige Beiträge «nterstützt: Die von dem Erdbeben in Eharlestown Betroffenen mit 4440, die unglücklichen Farmer in Dacota mit über 1000 und die Waisenanftalt, die Industrie- und Abendschule der Loge zu Jerusalem mit 2183 Dollar». Bei all diesen Ausgaben hat der Gesammtbetrag der Logenfoud» nicht abgeuommeu und beträgt heute noch nahe an £00,000 Dollar-, während die DistrictS-Großlogen noch über «inen Reservefonds von über 1000,000 Dollarzur Unterstützung von Wittwen und Waisen verfügen. iSihluß folgt.) Vermischte und neueste Nachrichten. Berlin, 4. Jali. Der Antisemitenbund hielt gestern Abend Hier eine Lersammluag ab, ln welcher die antisemitischen Abgeordneten Werner und Zimmermann sprachen, letzterer über da» Jadenthum in de» öffentlichen Lehranstalt««. Derselbe schlug vor, ein Gesetz zu schaffen, wonach nicht mehr als 1 pEt. Juden in den öffentlichen Schulen auf» jmnehmen wären. Kür den nicht untergebrachten Rest könnten fich di« Znde» »für ihr Geldselbst Schulen bauen. (Das ist ebenso stnalo», al» wenn eia Gesetz gegeben würde, daß di« Juden nicht mehr als I pEt. der direkten «teuer» aufzubringen brauchten.) — Herr Zimmerneann klagte darüber, daß auch ,da» Theater in Deutschland immer «ehr verjude". So erhalte am Berliner Opernhaus« ein Jude 40000, «in anderer SO 000 Mt., während christliche Künstler vergeblich auf Unterstützung durch di« Preffe rechnen. Herr gimmermann ging frei» lich nicht so weit vorzuschlagen, besondere christlich« Theater elnzurichtea und vorzügliche Sänger jüdischer Konfession von den christlichen The- «lern au»zuschliehcn. Berlin. Die ,Rordd. Allgemeine Zeitung, bringt «ine Statistik über den Prozentsatz, nach welchem di« Studenten der deutschen Hochschulen, je nach ihrer verschiedenen Konfessionen und Religionen, der Militärpflicht genügen. S» dienen 0011 jt 100 Studenten: Evangelisch« Katholiken Juden Juristen . . . 78,92 88,90 63,55 Mediziner. . . 75,79 64,14 55,53 Philosophen . . 57,89 50,16 88,27 zusammen i! . 63,68 58,48 62,45 Land-dera. W Bel der vor kurzer Z!it hier stattgehabten Reuwahl in den Stadtra'h wurde da» langjährige uud in weiten Kreisen belieb eMitglied un!«:«<Gemeindevorstand«» Herr H. Grodeck gewählt. Au« Halle wird na» bezüglich der Aihl de» H:rrn Pcosefsor Bernstein zum Rektor nochFolgendes geschrieben: Richtig ist, daß Halle stifinngsmäßig ein: evangelische Unioerütilt sein soll, >va» auch van allen Seilen anerkannt wird- Wird nun ein Professor, der nicht evan» gestellt. Die-mal lag die Wahl de» Rector» bei der medizinischen Fatiiltat und sie wählt« Bernstein. Die andern Fakultäten stimmten zu, »ur di« theologische enthielt LH der Abstimmung. Gegner!hat Bernstein nicht gesunden. w Erfurt, <- Juli. Der antisemitische Parteitag, welcher gestern hi:r abgehalten worden ist, serlief kläglich im Sand«. Anher der ganze vier Mann zählenden antisemitischen Fraktion hatten sich nnr etwa 150 Personen eingesunden. E» wurde wiidlich auf di« Gegner und auf die Juden geschimpft und ti wurden diejenigen mit Stöcken und Schirmen dnrchzeprügelt, welche nah einer Rede oe» Hr. Zimmermann in da» von diesem auSzebrachte Hoch nicht mit einstimmte». Gegnerische Redner kamen nicht zum Wirt. (6r,i tau tutti — so machen sie'» alle und überalli) Leipzig. Wegen Theilnahme an einer Pistolenmensnr batten sich gestern der Stud. für. I. E. Lehmann (Sohn Enil Lehmann'» au» Dre»den) und der Sind. jur. van Temmern ar» Wernigerode vor der 2. Strafkammer de» hiesigen Landgericht» zu verantworten. Veranlaßt wurde der Zweikampf durch den Student von Temmern vom korp» ,Thurlngta", der in einem Rachtkaffee «in« aus Lehmann (Burschenschaft Arminia) bezügliche antisem. Beleidigung fallen ließ, weshalb Lehmann dem Beleidiger eine Ohrfeige verfitzte. Die Folge davon war ein Pistoleaduell mit dreimaligem kugelwcchiel, wobei von Temmern durch «inen Schuß in den Unterleib verwundet wurde. Er gilt gegenwärtig al» gegeilt. Der Gerichtshof verhängt« über jeden der beiden Angeklagten eine k monatliche Festungsstrafe. Ungarn. Der jüd. Unterrichter Dr Jos. Kramer in Kapo»- var, ist zum ordenlichen Oberrichter erannnt worden. Endlich ist dem hervorragenden Lehrer de» Recht» selbst Gerechtigkeit zu theil geworden. Pari«. Der Devision-general, Lambert, der durch die Alter«» grenz« aus der Armee auStritk, wurde bei seinem Scheiden zum Großosfizier der Ehrenlegion ernannt. Im ,Oniver» israelite" polemisirt ein Herr Sund gegen den Aufruf de» Eentralcvnsistorium» wezen de» Herrn Isidor zu errichtenden Denkmal-, dem eine Ausgrabung vorhergehen muß. Nancy. Da» von unseren Glaubensgenossen der Stabt ge» schenkte Denkmal, der Osanns d' Are ward« unter großer Feierlichkeit eingeweiht; auch in der Synagoge fand eine Feier statt. Nonen. Der Erzb.schos von Rou;n hat den Berfaffer der bekannten Bioschüre: ,Da» Blutgeheimniß", den AbbH Henry De»porle», au» dem Seminar und au» seiner Diöcese auSgewiescn. Nom. Herr Francchett i, jüd. Parlamentsmitglied, wurde zum Direktor der Ackerbaucultur in den italienischen Kolonien Rordasrika's vom König Humdert ernannt. Mit diesem hohen Posten ist der Ministertitel verbunden. London, 80. Juni. In der gestern abzehaltenen 19. Jahre»- Versammlung der Anglo Jrwish Association beklagte sich der Vorsitzende, der Abgeordnete Sir Julian Golbsm id, bitter darüber, daß di« harten Maßregeln gegen die Juden in Rußland und Rumänien noch immer nicht im geringsten gemildert worden seien. Der philanthropisch: Plan de« Ba׳on Hirsch, durch Gründung «ine» Unterricht»soud» im Betrag« von 50 Millionen Francda» geistige Niveau der russischen Juden zu heben, sei mißglückt, weil der Zaar da» Projekt zurückgewiesen habe. Trotz der freundlichen Unterstützung de» Großfürsten Michael und der Intervention Lord Sali»burq» bleib« die russisch« Regierung bei ihrem^etziaen Berhalten und die Behändlung der Juden in Rußland und Russisch-Polen sei «in« Schmach für da» civilisirte Europa. Baron Hirsch sei entschieden gegen eine Au»- Wanderung der rnssischen und anderer Inden nach Palästina, w, die Aussichten auf Erfolg sehr zweiselhaste seien, ab:r er!sei bereit, einen vernünftigen Plan zur Beförderung der «»»Wanderung der Inden nach den Ber. Staaten oder einem anderen Lheile Amerika'» zu unterstützen. Während des abzelaufenen Jahce» hat der Verein 21 Schulen in Bulgarien. Rumänien, Palästina, Marokko uud der Türkei mit zusammen 1640 Lst. unterstützt. Fr. g. London. Am vorigen Donnerstag waren die an Manischen Erzbischöf« und Bischöfe die Gäste de» Lordmayor» Jsaac». Die hohen kirchlichen Würdenträger besprachen mit dem jüdischen Oberbürgermeister die Mittel zur Berbefferung der Lage der Arbeiter. Peter-tznra. Bll dem jüngst hier stattgehabien Longrcffe für Aefängniß-Berbesserunzeu hob:n die Arbeüen »es!üdischen beeidete» Recht»an׳oalr« Slu»berg besondere Aufmerksamkeit erweckt. Palästina. Meteorologisch« Station am Galiläischen Meere. Der ,Falsatin» Exploration Fand“, welcher bereit» di»- her in Jerusalem und t<1 Sarona meteorologische Beobachtungen hat anstellen laffea, beabsichtigt, «in« meteorologisch: Station in Liberias unter Leitung von Dr. Torranee eiuznrichten. Da dieser Ort 207 m. unter dem Spiegel de» Mittelländischen Meereliegt uud noch niemals in einer so liefen Lag« längere Zeit hindurch Beobachtungen augestellt waren» so sind interc/sante Srgedniffc zu erwarten.