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Israelitische Wochenschrift · 1890-07-10 · 28 (10.7.1890) · p. Seite 211

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
21 (1890)
Issue
28 (10.7.1890)
Date
1890-07-10
Page
Seite 211 (sequence 3)
Language
German
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v«««rftn de« Lhiere», sowie j«d« schmerzhaft« Beschädigung de« Körper» verhindett wird- Namentlich soll während de« Niederlegen» der Kops de» Thiere» unter Anwendung geeigneter Vorrichtungen gehörig unterstützt und gesöhrt werden, so daß ei» Ausschlagen desselben auf dem Fußboden und «I« Abbreche» der Hörner vermieden wird. 2. Bei de« Niederlegen de» THIere» soll der Schächter bereit» .,usein und urmittelbar daraus die Schichtung vornehmen, dieselbe oll schnell und sicher au»gesührt werden. 8. Nicht nur während de» Schichtung»«!»«», sondern auch für die ganze Dauer der nach dem Halsschnitte eintretendea MuSkelkrämpf« bi» zum Eintteten de» Tode» soll der Kops dr» Lhierr» sestgclegt werden. 4. Die Schichtung soll m r dmch erprobte Schächter auSgesührt »erde». L ««nach hat jeder Schächter sei» von dem zuständigen RaAbi »er au«zustrU«»d»ä Fähias«it«zeuq»iß der Orispoiizeibehörde u nd dem Krei»1hiera׳zt aus Ersrrdern jeder Zeit vor- ,»legr». g. 6. Für die Besolguvg der Borschristen tieser Prlizeiverordnung ist sowohl der tkiginttiimer d<S zu schlachtenden Liehe», wenn er zu» gegen ist, wie auch Derjenige rerantworilich. welcher die Schiachthandlung vornimmt oder lebet. g. 7. Zuwiderhandlungen werden mit einer Geldstrafe bi» 60 M. geahndet, an deren Stille im Unvermögcn»salle eine enrspiechcnde Haftprase tritt. g. 8. Dies« Polizeiverordnung tritt mit dem Tage ihrer Berkündigung in Kraft. Magdeburg, den 2. Juli 1890." — Wir bemerken noch, daß wie wir erfahren, über alle da« jüdische-rituelle Schächten betreffenden Bestimmungen der Rabbiner der hiefigen Gemeinde gehört worden ist. Die» selben intsprechrn auch ganz «nd gar den religionSgesetzlichen Barschriften. Zlanzig. (Or.-Corr.) Der letzte Jahresbericht der KönigSberger Handelskammer enthält einige sehr wichtige Miltheilungen über die Ausweisungen der dort lebenden russisch-jüdischen Kaufleute. Da nun ganz dieselben Berhältnifle auch auf Danzig Bezug haben» so erlaube ich mir Einige« aus diesem Berichte zu citiren. So heißt es darin, daß die rusfisch-jüdischen Saufleute überhaupt gar keine Politik treiben und PolonisirungSbestrcbungen ihnen ganz fern liegen. Gerade auf ihnen und ihrer Thätigkeit beruhe ein großer Theil de« Geschäftes mit Rußland. Infolge ihrer Genügsamkeit und Gewandtheit, ihrer emsigen Rührigkeit und ihrer Kenntniß von Land und Leuten in Rußland, hauptsächlich aber infolge ihrer verwandtschaftlichen und sonstigen persönlichen Beziehung n zu ihren Auftraggebern in Rußland, sind sie in der Loge, das Getreide so billig heranzuschaffen, wie kaum ei» Andrer. Sehnlich liegen die Verhältnisse im Holz» Handel rc. ,Die AuSweisungSmaßregeln," so schließt der betr. Bericht, ,find bis auf den heutigen Tag fortgesetzt worden. Der erzwungene Fortgang mancher Händler und das freiwillige Fernbleiben anderer ans Furcht vor der Ausweisung hatsich für unsernHandel sehr fühlbar gemacht und die schädlichen Folgen gehabt, die wir 1885 vorausgesagt haben. Königsberg ist auf den Handel mit Rußland angewiesen und wir halten eS für eia billiges Brrlangev, daß unsere Staatsregierung uns nicht durch Maßnahmen, welche unseres Erachten« durch fein wesentliche» Slaatsiutrresse geboten find, in diesem Handel beschränkt. Wir möchten daher den dringenden Wunsch an die königliche Staatsregierung richten, ihre Ausweisung«- Politik in Bezug aus dir hier lebenden rusfisch-südischrn Händler rc. zu ändern." — So die KönigSberger Handelskammer. Da« Borsteheramt der Dan zig er Kaufmannschaft hat schon oft ähnliche Vorstellungen gegen die Aufenthalt«- Behelligung der galtzisch» und russisch-jüdischen Kaufleute in Danzig gemacht. Da LaS ganze Holz» und Getreide-Geschäft fast durch diese nur mit Rußland vermittelt wird. E« zeigt sich die« jetzt um so dringender, da Königsberg, Danzig, Stettin, Thorn u. a. O einige Jahre durch den schwachen Seschäft«verkehr mit Rußland sehr gelitten haben. Nunmehr zeigen sich die ErutrauSfichtea in Rußland besonder« glänzend und erwarten die erwähnten Handel«- pütte infolge dessen rin Ausblührn ihrer GeschSft«verhältuiffe. E« wäre also wohl am Platze, daß da« Ansuchen der Svuig«berger Handelskammer »arme Unterstützung findet. Nebenbei sei auch bemerkt, daß der Herausgeber de« russischen,Danziger Börsenberichte" und beeideter Dolmetscher, unser Glaubensgenosse Herr S. B. Kahanel, ein sehr wichtige« Werk zur Belebung de« Geschäftsverkehr« mit Rußland in deutscher und russischer Sprache soeben heran«- gegeben hat, da« den Titel ,Telegraphen-Torrespondeut" führt. E« bezweckt hauptsächlich einen klaren geschäftlichen Gedankenaustausch auf raschestem Wege herbeizuführea und hat da« Werk bei zahlreichen Kaufleuten sowie in der Danziger Presse bereit« dir vollste Anerkennung gefunden. Akzey im Juni. (Or.-Corr.) Die Enthüllung de« Mendelssohn-Denkmals hat auch hier eine bezügliche Feier veranlaßt, wie hier eine solche auch bei der Wiederkehr de« 150. Geburt-tage« uud 100. Todestages stattfand. Der Rabbiner hob in seiner Predigt hervor, welche Bedeutung ein solche« Denkmal, unter Vorantritt und Mitbethciligung bei der Feier seiten« der hochstehenden nicht-jüdischen Welt, in unserer antisemitischen Zeit habe. Aber auch eine religiöse Betrachtung knüpfte er daran. Er erinnerte daran, daß auffälliger Weise da« jüdische Volk sofort der neuen Richtung und Führung Mendelssohn« Folge leistete, die damaligen Rabbiner aber davon abriethen; sie fürchteten Gefahr von der gegebenen Anleitung zum selbstständigen Denken, sie fürchteten religiösen Abfall — und der Erfolg gab ihnen scheinbar recht. Mendelssohn'« Kinder waren die ersten, welche diesen Abfall bethätigtcn. Es war immer so: eignes Wissen und Erkennen über das, was gut und böse sei, hat die Menschen stet« zu Abfall und Sünde gebracht. So erklärt'S die Bibel schon bei den ersten Menschen. Im Heidnischca Alterthum war es Prometheus (d. h. ,Vordenker,* der die Menschen zum eignen Denken und Forschen brachte-, von dem die Götterfabel erzählt, daß er da» Feuer, da» Feuer de« Geiste«, da« geistige Denken, für die Menschen vom Himmel holte. Die Götter erzürnten und wehrten e« ihm. Luther war ein Reformator der Kirche, auch er regte zum eignen Nachdenken über die fromme, hingebende Gläubigkeit an und — leerte die Räume der Kirche, wie seit Mendelssohn'« reformirender Thätigkeit und Anregung zum eignen Denken und Forschen die Räume der Synagoge nicht mehr so gefüllt sind, wie ehedem. Ist Denken und Forschen wirklich schädlich und verboten? so fragen wir mit Verwunderung. Mendelssohn war doch auch Forscher und Denker und blicb dem GotteSglauben und dem religiösen Leben treu, so treu, daß er auch vor den Großen sich seiner > Religion nicht geschämt und Anträge zum Abfall mit Ernst und Entrüstung zurückgewielen hat. Das Judenthum fordert doch auch nicht ,blinden Glauben", sondern Wiffen, Denken, Forschen, nicht andachtklose Gebete und bewußtlose Formen, sondern Kenntniß ihre» Inhalt» und ihrer Bedeutung; die Träger de« religiösen WiffeuS, die Denker und Forscher über die religiöse Lehre, wie die frommen Beobachter ihre« Inhalts sind immer in Israel besonders geehrt gewesen. Aber erst lernen und wissen und dann — denken; aber ohne Lernen wiffen wollen, und ohne Lernen nach eignem Wiffen und Denken, nach Gutdünken über recht und unrecht, falsch und wahr, gut und böse entscheiden, da» ist die Frucht von dem verbotenen Baum der Erkenntniß, da« führt zum Ab- und Süadenfall. Die sogenannten Aufklärer unserer Zeit indeß haben von der Religion nicht«, oder nicht genügend gelernt, ihr Denken überdie Religio« ruht nicht auf genügendem Wiffen von der Religion; darum find sie oberflächliche Leugner, leichtsinnige Zweifler, im besten Falle gleichgültige Anhänger der Religion, ohne Kenntniß «nd Befolgung ihre» Inhalt«, ohne Wiffen davon und ohne Interesse dafür. Wissen und Denken befestigen im Glauben; man steht dabei aus festem Boden und wankt nicht. Denken ohn',e Wissen führen znm Un- und Aberglauben; man wandelt dabei auf abschüssiger Bahn, die auf Irrwege führt, zum Falle bringt «nd in den Abgrund leitet.

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