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Israelitische Wochenschrift · 1890-07-03 · 27 (3.7.1890) · p. Seite 206

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
21 (1890)
Issue
27 (3.7.1890)
Date
1890-07-03
Page
Seite 206 (sequence 6)
Language
German
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י— 210 — Der religiöse Ei««, welcher die Beni Israel erfüllt, bekundete sich dadurch, daß fir die Feier mit Recitirung de« Pf. 34 durch Herrn Serson Mose« rröffucteu. Die Adresse welche hierauf von Herr« Jsaac Schalem verlesen wurde, enthielt u. A. folginde Stellen: »Sie sind da« einzige Mitglied rnserer Beni Israel-Gemeinde, welche« sich durch Gelehrsamkeit urd Verdienst ausgezeichnet hat. Seit 1871 find Sie regelmäßig und ununterbrochen durch da« Syndicat der Universität Bombay eingeladen worden, die Aufnahme- und Entlaffuugsprüfuugen im Hebräischen vorzunehmen. Im Jahre 1870 sind Sie von der Regierung zum Mitgliede dieser gelehrten Körperschaft und diese« Jahr zum Frieden«- lichter ernannt worden. Durch diese Wahl und Ernennung hat die Regierung ein anerkanntes Verdienst belohnen wallen. Diese Ihnen gewordenen Auszeichnungen gereichen nicht nur Ihrer eigenen Person, sondern auch den Beni Israel zur höchsten Ehre. Sie haben sich um die Gemeinde der Beni Israel durch Herausgabe verschiedener religiöser, moralischer, historischer und pädagogischer Werke, durch öffentliche Vor« lesungen zum Wohl unserer Gemeinde, durch Ihre Bemühungen, das Studium der heiligen «prache zu fordern, durch die Bescheidenheit Ihrer Gesinnung, so wie durch Ihr Wohlwollen gegen Reiche und Arme ohne Unterschied ein unverweltliche« Verdienst erworben." Ter Vorsitzende sprach seinen Dank dafür au«, daß man ihm bei riner so glücklichen Veranlaffuug mit dem Vorsitz berhrt hatte, und sagte, dag der erste Beni Israel, voll welchem er gehört. Herr Ezekicl sei. welchen seine Gelebrsamkeit zur Zierde seine« Volke« erhoben habe. Herr Ezekiel, drn man alsdann hochleben licß, dankte den Mitg iedrrn de« Verein« und drn sämmtlichrn Anwesenden sür die Adreffe und die herzliche Art und Weise, mit welcher sie ihn beglückwünscht hatten. Er sagte dann ferner, daß seine Publicationen, sein: Vorlesungen und seine Sorge um die Förderung de« Studium« der heiligen Sprache nicht« mehr als seine Pflicht seien, so wie daß er für die Geldopfer, die ihm die Veröffentlichung seiner Schriften auserlege, durch die Würdigung, welche diese bei den Lesern fänden, reichlich entschädigt würde. Er srcue sich» zu sehen, daß der Verein in kurzer Zeit um SO Mitglieder gewachsen sei, woraus man entnehmen könne, welche Wichtigkeit er für die Gemeinde besitze und welä.en Nutzen er gewähre. Nachdem Herr Ezra Reuden, Licentiat der freien Künste, Herrn Ezekiel gratulirt halte, sagte er, daß die Beni Israel der englischen Regierung für ihre wohlwollende Behandlung sehr verpflichtet seien, daß e« ihnen aber bei Erstrebung der Unterrichtsziele noch an der nöthigru Begeisterung fehle. Er hoffe jedoch, daß die junge« Beni Israel durch Fleiß und Fähigkeit sich eben solcher und noch höherer AuSzeichoungeu therlhastig machen würden. Herr Bha«kerGovind,ein Hrndu-Gentelman, sagte, daß seine eigene fünfjährige Erfahrung ihn überzeugt habe, daß Geduld, Bescheidenheit und Wohlwollen gegen Ändere zu den hervorragendsten Eigenschaften de» Herrn Ezekiel gehörten. Seine Schriften gäben Zeuguiß von seiner großen «enntniß in der hebräischen, rnglrichen und Morathisprache. Er empfahl alsdann den jüngeren Mitglieder« Einigkeit, AuSdaurr, Selbstvertrauen und gegenseitige Unterstützung. Herr Abraham Reuben, Schatzmeister de« Verein«, theilte mit, daß der Verein beabfichtige, für die Beul Israel eine Bibliothek zu eröffnen, wenn sie nicht Gelegenheit hätten, sich au« andern Bibliotheken mit nützlichen «ud interessanten Büchern versorgen zu können. Nachdem hierauf noch Herr David Abraham und Herr Elijah Schalom, Director de« E. D. Sassvon'schcn WohlthätigkritS-Jostitut« gesprochen hatten, endete die schöne und erhebende Feier. Amerika. Aichmoud. (Die Lonveutiou der Eonftitutious« Groß»Loge de« Orden« Buai Berith.) Die 4jäh> rige Convention der EonstitutionS-Großloge, welcher mau ihrer Wichtigkeit wegen mit gespannter Erwartung entgegensah, begann ihre Sitzungen am Sonntag den 1. Juni. Diemeisten Delegirten hatten sich schon Freitag eiugefnnden und fanden die Stadt gelegentlich der am Donner«tag ftattgehabten EnthüllongSfeier drs Lee-Denkmal« buchstäblich von׳ Fremden überfüllt. Die Convention wurde am Sonntag Morgen in der großen Halle de« Börsenhotel« durch den Präsidenten Herrn Julius Bien eröffnet; die später» Sitzungen wurden in dem SrnatSjaale de« Staat-capitol« von Virginien abgehalten. Die Wahl der Beamten der Tonvertion ergab folgende« Resultat: Senator Wm. Loewenstein-Richmond, Präsident; William A. Gans-New-Aork erster Vicepräfident. Z׳r Sccretären wurden gewählt: S. Hamburger-New-Aork; A. S. My ers-Memphi« und M. K. Co den-Philadelphia. Nach der Wahl wurde ein inzwischen eingelauiene« Glückwunsch-Telegramm der Großlog« in Bukarest verlesen. Hierauf erstattete drr zeitige Präsident Hr. Julius Bien seinen Bericht, welchem wir Folgende« entnehmen: »Großlogen wurden errichtet in Deutschland und Rumänien, Logen in Bielitz (Oesterreich) und in Jaffa (Palästina). In Australien steht die Errichtung von Logen in Aussicht, ebenso in Süd-Afrika. Mangel an Mitteln haben bereit« angeknüpfte Verhandlungen mit Frankreich einstweilen unterbrochen; dagegen bietet England Aussicht, daß wir unser Banner dort recht bald werden entfalten können. Diese Ausbreitung de« Orden« über die ganze Erde und die hieran sich knüpfenden Hoffnungen und Erwartungen dürften das Bewußtsein unserer Pfl-cht un« lebhaft vor die Seele führen. Mehr al« die Sorge um Befriedigung momentaner und lokaler Bedürsniffe dürfte die klare und un» vcrkennbare Darlegung der Zwecke und Ziele unsere« Orden«, sowie die Feststellung von Grundsätzen, welche am schnellsten zur Eriichtung dieser Zirle führen, Ihrer Beachtung empfohlen werden. Zweiundzwanzig Jahre lang hat der Orden sich unter der gegenwärtigen Constitution segensreich entwick lt und dabei allen Wünschen Rechnung getragen, welche die Verschiedenheit in den Sitten. Gewohnheiten und dem Culturstande anderer Länder laut werden ließen. Um die Thrilnahme an den Logensitzungen zu steigern» muffen diese zum Theil der Erledigung geschäftlicher Angelegenheiten und zum Theil der Unterhaltung und Ditcusston dienen und an letzteren auch die Familien und Frenn de der Mitglieder theilnahmen. Bon der DiScusston dürfen nicht Fragen ausgeschlossen werden, welche die Moral und Erziehung in ihrem ganzen Umfange zum Gegenstände haben, oder auf die Geschichte unserer Zeit Bezug haben und an deren DiScussion sowohl Damen al- Herren sich betheiligeu könnten. Hierdurch würde unser Volk mit den Fortschritten in Kunst, Wiffenschaft und geistiger Entwickelung auf dem Lanfeuden erhalten bleiben. Besonder« aber muß da« Jatrresse und d e Mitwirkung der D a m e n an unseren OrdenSde» strebungen rege gemacht werden. Ihr Einfluß in Familie und Gemeinde würde, wenn sie einmal für die Förderung unserer Sache gewonnen sind, von unberechenbarem Nutzen für dieselbe sein. Wa« da» R i t u a l betrifft, so fürchte ich nicht, daß irgend rin Vorschlag zur Wiedereinführung todter Formeln und Symbole au« der Vergangenheit Ihre Zustimmung finden werde. Nach langem Kampfe um eine höhere Auffaffuug unsere« Werke« und nachdem e« un« gelungen ist, demselben eine unabhängige und rationelle Bast« zu geben, können wir keine Rückschritte machen und wieder niederreißrn, wa« wir während eine« Biertrljahrhuadert« aufgebaut haben. E« wäre eine T h o r h e i t, andere Institutionen, welche von der uusrigr« grundverschieden find, zum Müster zu nehmen, nachdem wir schon Jahrelang daran gearbeitet haben, alle» Fremdartige und unsern Zwecken Widerstrebende au« unserm.Orde« aus» zuscheiden.

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