Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 21 (1890)
- Issue
- 27 (3.7.1890)
- Date
- 1890-07-03
- Page
- Seite 207 (sequence 7)
- Language
- German
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211 ( Trotz etwaiger Mängel, welche unser« Ritual anhaftrn wunleu, hat eS seinem Zwecke vollkommen entsprochen. Seine Lehre» haben sich des Beifalls der Gebildeten aller Länder zu erfreuen und den Eifer und die Begeisterung von Tausenden unserer Brüder in allen Ländern, auf welche unsere Jurisdiction sich erstreckt, wachgerufen. ES bildet die Basis unserer Erfolge und eS würde nicht Klugheit verrathen, wenn wir das wahre Fundament, auf welchem der Bau unseres Ordens in Europa, Asten und Afrika ruht, untergraben wollten. Es ist daher ein Jrrthum. von einer Aenaerung des Rituals ein WachsHdm der Mitgliederzahl und eine regere Betheiligung cn den Versammlungen erwarten zu wollen. Sobald der Reiz der Neuheit geschwunden scin wird, würde die alte Lethargie wiederkehren. Unser Ritual muß in reiner und faßlicher Sprache die Prinzipien unseres Ordens, seine Ziele und die zu diesen führenden Mittel klarlegen und wo ein Mangel sich zeigt, muß die beflernde Hand stets willkommen geheißen werden. Jedoch darf hierbei nicht vergcffen werden daß das Ritual nur ein Wegweiser für die Beamten der Logenist, welche befähigt sein müssen, im Sinne deffelben seine Satzungen durch die Macht ihrer Individualität Wirkung-- und eindrucksvoller zu gestalten. Alles, was den Schein eines Geheimnisses an sich trägt, muß auS unserm Orden verbannt werden. Sie wissen, daß in Deutschland und Rumänien der Orden unter der Gestalt einer geheimen Gesellschaft nie Eingang gefunden haben würbe. Es scheint daher ungereimt, in einem Thrile der Welt unserer Sache den Schein eines GeheimnisseS wahren zu wollen, wo sic in einem andern Thrile klar und offen vorlicgt. Wir hab en keine Geheimnisse und je mehr unser Werk in all feinen Einzelheiten bekannt ist. desto besser ist es. Warum sollten wir auch einen Schein aufrecht zu erhalten suchen, wo keine vernünftigen Gründe dieses fordern? Solche Gcheimnißthuerei könnte nur den Fortschritt und tie Entwicklung unserer Sache hemmen."*)_<La,laß folgt.) Vermischte und neueste Alach richten. Magdeburg, 27. Juni. Die durch grobe Plakate und Inserate vom Anlisemileil-Bund i» Berlin (gez. Witteeinberusene Antisemiten- Versammlung hat gestern Abend hier statlgefunixn. Eingroße Anzahl meist Neugieriger hatte ten Last gefüllt; das anständ ge Bürgerthum halte sich fern gehalie». Wer die aus einige Hundert geschätzten An. wesenden sämmilich zu een Antisemiten zählen wollte, würde sich sehr irren. Ein Theil derselbe» gehörte notorisch zu hren Gegnern und ging mit der erklärten Absicht hin, die vo aussichtlichen Angriffe aus die Juden encrgisch eventuell lhotkräflig und schlagsertig zu widerlege». Doch die Einbcrufcr waren schlau; der Vorsitzende erösfnete die Sitzung erst gegen v'/, Uhr. Der Reicht-gSabgeordnet-Z i mm ermann hielt die erste, etwas lang geralhene Red« über die Vestribnngen des Antisemilen-Bundes in den legten 10 Jahren. Ei kehrte sich baupisächlich gegen die Börsianer. Der später eiugetrvffene Böckel sekundirle in wenig logischer aber deslo schärferer Weise. Hieraus wurde zum Beitritt zu einem hier zu gründenden antijemit. Zweig.Verei» ausgesordert. ES wollten sodann Einige das Wort für die Juden nehmen, aber die von der Polizeibehörde als Schluß der Versammlung festgesetzte Mister» uachtSstuude war indeffen nahegerückl und die Versammlung mußte ausgehoben werden; sie war rcsultatlos verlaufen. Die Herren au- Lerlin versprachen ein ander Mal wiederzutommen. Die maßgebrnden hiesigen Zeitungen ignorlriei» die Versammlung, sie war die Begräbnißkoflen nicht werth. Berlin» l. Juli. In de: Heuligen ReichStagssitzung beanstaudite die Wahltommission die Wahl Pickelbachs. Es enlspann sich darob eine läng«!- erregte Debatte zwischen Böckel, der die Gültigkeitserklärung beanlragle, aber nicht die hinreuhende Unterstützung fand, und Lieber» mann v. Sonnenberg einerseits, und den freisinnigen Abgeordneten Elutfleisch und Rickert andererscit». Es wurde besonders von Letzterem die ganze verwerfliche antiiemitisch« Agitation in Heffen aus« schärfste beleuchtet und an Beispielen illustrirt. Die Beanstandung der Plckenbach'schen Wahl wurde hierauf augeuommen. Baxlin. (Or.-Eor.) Große- und berechtigt:- Aussehen bei den Mitgliedern der jüd. Gemeind«, die noch Sinn und Interesse für jüdische- Leben *) Diese goldenen Worte Lc» «bersten Beamten des «eitverzweiglen Ordensollen aber nicht leere Wort« sein, sondern alle Sroßlogen sollen sie beherzigen und au» ihren ,Gesetzen" und .Nebengesetzen Alle- «»-»erzru na» »ach Gehrinmißthuerei riecht. haben, erregt e«, daß der Vorstand der Gemeinde, die Synagoge zu einer Trauung, di« am Fasttage de- 17. Tammus von einem der Gemeinderabbiner vollzogen werden soll, Henstedt. Damit bekundet man ' doch wadrlich sein Deutlchthum nicht, daß man die durch Religion und UsuS sanetionirten Gedenktage auder Leidensgeschichte unsere» Volkeignorirt. Berlin, 27. Juni. (Oc.-Corr.) Im Norden der S:adt hat sich auf Beranlaffung des Rabbiner- Dr. Grünfeld ein Verein ,Beth Jacob" gegründet, w-lch:r sich die Ausgabe stell', für diesem Sladltheil eine Synagoge und eine Religionsschule »u unterhalten. EtraKburg. (Elsaß.) Bei der Wahl des zu erneuerten Oberra'-biner-, bei welcher jegliche Loncurrenz ausgeschlossen und Altdeutsche nicht zugeiaffen wurden, stimmten drei Mitglieder des Eonsistoriums für Uri in Brnmath, und drei Mitglieder sür Isidor Weil in Metz. Die Eiitscheidunr liegt bei der Regierung, (siehe oben) Kattowttz. O. Echtes. (Oc.-Lorr) Am 22 Jini begina das Leopold und Eha-lolic A l tma nn'schc Ehepaar in Ka'iowitz das Fest der silbernen Holzest. Dies׳« wrckere, fromm-, wohl,h!itige Tiepaar hnt sich mit Recht der liebevollsten Sympathien bei GlandenSgenoffcn und AnderSglaubendcn zu erfreuen. Hand in Hrnd mit einer soliden, streng reellen veschästszedahrung geht die streng relistöse Eonscqueag dieses Geschäst-Herrn. Sabbathe und Festtage meiden — eine rühmliche Ausnahme im oberschiesischea Hüilcnre'Icrc — mit Gewiffenhastigteit gefeiert. An Sabbalhen und Festtagen läßt Hr. Altmann in sei»em Hause «izeaS Gotle-dienft abhalten, an welchem sich auch die b:i ihm angestellten jungen Lente dcthciligen Daß der Armen — der israelitischen wie der räch׳ iira lüishen — in wohlwollender, weckihätig-r, autqiebiqer Weise zu jeder Z« st und bei all!» paffend-n Gelegenheiten gedacht wird, braucht kaum n ch besonders dervorqehober zu werden. Wie». Das antiseinitische Lciborgan Pa tai's .Das deutsche Mon'agSblatl" hört aus Mangel an Unterstützung mit dem l. Juli zu erscheinen a if. Nizza. Man plant hier ein Kurhaus sür israelitische Kranke durch freiwillige Beiträge zu errichten. Nom. Der Vorstand wählte den Professor an der Talmud. Thora-Schule Ehrenreich, Schwiegersohn Reggio's, zun Rabbiner der hiesizr» Gemeinde, der Gewählte ist 71 Jahr alt. Paris. Die Acadeniie der Wiffenschast wählte vergangenen Montag den durch leine Wohlihätigkeit und Förderung der Wiffenschast bekannten Abgeordneten Raphael Bifchosssheim zum Mitglied«. — Der Sohn der verstorbenen Rabbiners Lazar, Edmund Lazar, wurde zum Ztenrg'aphen des Senats ernannt. Dublin. Die hiesige jüdische Bcvölterungsziffer hat sich in den letzten Jahren durch den Zuzug von Fremden bedeut-nd vergrößert, und zwar in einem solchen Mage, daß, während die ursprüngliche im Jahre Ist» gegründete Gemeinde der Hauptstadt nur 12 oder 13 Famitien zählte, die Zahl i-er fremden Juden heute ca. 700 beträgt. Hauptsächlich wegen der Entfernung der Mary s Abbey-Shnagogc von de» Wohnsitze dieser Fremde» habe» sich dieselben von d.-r!üdischen | Gemeinde getrennt, und 2 »ahe nebeneinandcrltegende Betsäle in dem oberen Stock ungesunder und auch sonst ungeeigneter Häuser «!ngerichtel. Sowohl um dieser Unzuträglichke st, welche zu Aergerniffe» Anlaß geben kann, ein End« zu machen, als auch um d-.e jüdische Gemeinde zu consolidireu, ist dieselbe nach großen Ichwiecigkeilen in den Besitz eine- Grundstückes zum Bau einer Synagoge gelangt, welche sür die sämmtlicheu Juden der Hauptstadt Raum habe» wird. Man hat sich in der Voraussetzung, daß von ten Fremden kein« Beiträge zu erhalten sein iverd« 1, um Unterstützung an die Glaubensgenossen in England gcw ndci. ES fehlt »och die Summe von 60,0'JO Mt. OdessaiOc.-Corr.) Die hiesig: Universität hat dein Privat- I Docenten der Mechanik Ehaim Hachmann sür sein orrzügliches W:rk: ן .Die Cyneinetic der Maschinen" das Doctor-Diplo n verlieh:». Die rech,tischen Gel hrlen spenden dem W:rkc di« grösste Anerkennung. Batum (Or.-llorr.) Wie allgem.in verlautet, inerd.n die . Rothschlld'S eilte A k lien-Ges elljchasr sür Getreide-Export ' hier gründe». I Lodz (Or.-Eorr.) Am 27. v. MtS. wurde hier das Jubiläum ] des 25jährigen Besieh.ns der jüdischen Schule unierstüblich:» Festlich-! teilen abgehalten. Eonstantinr. An 10 Stellen ward: daS Feuer in der Woh- : »uiig de« Oberrabiners angelegt, man bringt diese Freoeltyut mit den 1 Verhetzungeil gegen die Jsraeliien in Zusammenhang. i Wir machen die gejM. Leser aus d:n be.l egenden Prospeci der Bens-! heimer'schen Verlagsbuchhandlung in Mailuheim, der. das! Prachttverk ,Jüdisches Leben in Wort und Bild" von Sacher»! Masoch, das in litterarischer und künstlerischer Beziehung ei» hervor» ragende L-istung ist, und der gebildete» jüd. Familie zur Anschaffung empfohlen werden kann, ganz besondere aufm rkjain Brtefkaste» der Nedaction. k. in A. Der Art. ״Volk' odei ,Nation' i l nächster Nr. 8«I». in L. Wir bitten um Zusendung d«S avisir:en Aussatzes. Augenzeuge tn Dessau. Ihre Nachbemerkungen zur ״MeaLel-sohn- Denkmal-Feier" sind leider sehr wahr, besonder» die über ten״e he 1»al I gen Glaubensgenossen" Pros. Lasson, u. über die 'reclamehaslen Berichte — aber wozu uni selb r be-pö tel». Briefkasten der Expedition. Die erste ״homiletische Beilage" dieses Quaitai» wird nächste Woche an die Abonnenten dcrselb.-n versandt.