Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 21 (1890)
- Issue
- 27 (3.7.1890)
- Date
- 1890-07-03
- Page
- Seite 205 (sequence 5)
- Language
- German
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ciacm herzlichen »Adieu, liebe Kinder I Werdet gute Preußen!" «erließ der Minister die jüdische Schule. Nachmittag» besuchte derselbe die Burg Hohenzollern und Abend« versammelten sich die Geistlichen, Lehrer. Beamte de» Gericht» und der Verwaltung, Offiziere der Burg, die Bertreter der Stadtgemeinde, sowie die der i« r a e l i t i s ch e n LultuSgemeinde in dem geschmackvoll dekorirten Museum»- Gaal zu einem solennen Festmahl. P. Ans Westpreuße», 26. Juni. (Or. Torr.) Nach ttra soeben veröffentlichten Abschluß »der Hülf«kasse für Beamte t»rael. Synagogen-Gemeinden deren Wittwen und Waisen in den Provinzen Pommern, Oft- und Westpreußen" gehören der Kaffe immer erst 18 ordentliche Mitglieder an, die jährlich 367,50 Mk. Beitrag zahlen. Bon den ohne Anspruch auf Gegenleistung der Kaffe zugehörigen 14 corporaiivea und 1k außerordentlichen Mitgliedern werden jährlich 585 resp. 80 Mk. aufgebracht, so daß die Einnahmen i« Laufe de» Kalenderjahre» 1889 einschließlich der Zinsen tci bereit« angesammelten SrundcapUal« sich auf 1311 Mk. belaufen. Hiervon sind 543 »Mk. ausgegeben worden, worunter Beihilfen an 2 Wittwen mit jährlich 250 resp. 200 Mk. Der Bestand der kaffe betrug am Ende deab» gelaufenen Jahre» 7506 Mk. Wir können den Beamten in den genannten drei Provinzen nur wieder dringend rathen, durch Anschluß an diese Kaffe, deren Ansprüche an die Mitglieder bezüglich de» Eintlitt-gelde» und des Jahre»- beitrage» durchaus nicht zu hoch sind, sich und ihre Familien vor etwaigen Unglücksfällen in materieller Hinsicht zu schützen. Mitglieder, die durch Krankheit oder Alter dienstunfähig geworden sind und die Wittwen und Waisen verstorbeoer Mitglieder erhallen Beihilfe. Aus dem Klsuß, 30. Juni. (Or.-Tor.) Die Straßburger Oderrabbiner-Wahlfrage ist noch nicht erledigt. ^Die Sache verhält sich vielmehr also: In der vor 4 Wochen hier stattgeiundencn Generalversammlung der Gemeinde, bei der ca. 180 »Mitglieder anwesend waren, hatten 172 Mitglieder für Herrn Weil-Metz gestimmt und nur 8 für Herrn Uri, Rabbiner in Brumath. Da aber in der bald darauf stattgefundenen Eonsistorium-Sitzung auf Herrn Uri ebenso viele Stimmen wie auf Herrn Weil fielen, so wurden beide Beschlüsse, der der Generalversammlung und der de» Eonsistorium», dem. kaiserlichen Statthalter zur Entscheidung vorgelegt. Zu wessen Gunsten diesir entscheiden wird, ist zur Stunde »och ein Gehcimniß. sowohl für Ihren Eorrcspondeulten al» auch für jeden, der für die hiesige Oberrabbiner- Frage sich interesfirt. — Der israelitischen Gemiinde in Fegersheim (Unter-Elsaß) ist e» nach langem Ringen und Kämpfen, Dank den vom Staate und von dem hiesigen Gemeindcrath bewilligten sehr bedeutenden Zuschüssen endlich gelungen, am 17. d. Mt», den Grundstein zu einer neuen Synagoge in I Gegenwart fast sämmtlicher Einwohner de» hiesigen Orte»! legen zu können. Nach einer der Feier de» Tage» ent-! sprechenden trefflichen Ansprache an die zahlreiche Bersamwlung hat unser Rabbiner Herr Dreyfuß ein von den Mitglietern de» Berwaltungsrathe» Unterzeichnete» Dokument in den Grundstein niedergelegt. 8t. A«» Würltemöerg, 24. Juni. (Or.-Eorr.) Da» iSrael. Waisenhaus »Wilhelm-Pflege" in Eßlingen hat in dieser Woche seinen 59. Jahresbericht veröffentlicht, aus dem wir wieder einen günstigen Stand der Anstalt entnehmen. Ihre königlichen Majestäten haben der Anstalt wieder ihre Huld zugewandt und dieselbe mit einer Gabe bedacht. Aus privaten Kreisen find dem Verein neben 6627 Mk. Legaten noch 10011 Mk. Jahresbeiträge und Spenden zugeflossen. Für da» Anstaltsleben brachte da» verfloffeue Jahr viel Sorge und Mühe; der Gesundheitszustand hemmte wesentlich die Thätigkeit de» Hause». 'Da» Personal, besonder» der Hausvater Oberlehrer Stern und Frau, bewiesen dabei große Ausdauer und Pflichttreue. Der ZögliugSstaud hob sich von 34 auf 35. In der Anstalt erhalten auch die i»rael. Zöglinge de» Seminar» und der Präparaudie Bekösttgung und bei dem Oberlehrer Religion-oaterricht. Da» Vermögen der Anstalt ist um 11768 Mk. größer geworden, und beträgt jetzt ausschließlich de« Werth» der Immobilien und der Mobilien der Anstalt 280 574 Mk. Voi stand de» Verein» ist Hr. M. H. G o l d s ch m i d t in Stuttgart. Ätußlanv. ».׳Moskau (Or.-Eor.) Die vielen Beschrlnkanzen, welche in letzter Zeit gegen die Juden in Rußland erlaffen werden, veranlass!!! MaffenauSwanderungen derselben nach Amerika. So theilt der »Nied. Kr. Woschod" mit, »daß die Auswanderung der Juden nach Amerika in allen Gegenden de» russischen Reiche» täglich wachse. E» fahren ganze Familiengruppen, hauptsächlich Handwerker, die keine Be« schästigung finden» Leute der Arbeit." Man sollte sich doch in Rußland an die Worte de» Sultan Rajafid, der die Juden au» Spanien aufvahm, erinnern: »Ihr nennt Fernando einen kluge» König, während er sein Land arm machte und unser Land bereichert." b. Warschau (Oe.-Eor.) Die äußerst werthvolle umfangreiche Bibliothek, welche die Synagogengemeinde in Warschau besitzt, soll nun au» Mangel an Hilfsmitteln und geringfügiger Anzahl der Besucher geschloffen werden. — Die »Hazftra" sowohl als die »JSraelita" treten dagegen mit gerechtem Eifer auf und hebt sogar da» erstere Blatt hervor, daß die Förderung religiöser Wissenschaft beim Judenthum höher stehe al» der Gebetcultu». Wir wollen hoffen, daß sich ein Fonds (700 Rubel jährlich) zur Erhaltung und Ausdehnung dieser wichtigen Bibliothek doch finden werde. t. Marscha».(Or-Eo>- ^SeitungefährzwnMonatenerscheinen unter dem Titel: »Die Aufgabe der intelligenten Juden in Polen" au» der Feder von N. So ko low in der Warschauer ״JSraelita" allwöchentliche Leitartikel» welche an Scharffiuu und Eleganz der Sprache Alle» übcrtreffen. wa» diese» Blatt in dieser Richtung bisher leistete. An der Hand historischer Facta und einschlägiger Eitate au» der Bibel und Talmud weist der Autor mit unerbittlicher logischer Schärfe die Gefährlichkeit de» EhassidiSmu » in gleicher Weise, wie die gewaltige Gefahr, welche dem Judenthum von dem gegenwärtigen JndiffrrentiSmu» der intelligenten Juden in Polen droht. Die hochintereffanle Entgegenstellung gegenüber dem erfolgreichen Wirken der intelligenten Juden in England, Frankreich uod Deutschland, unter Vorlegung der Noth- Wendigkeit, in die gleiche Bahn einzulenken, verdient jedenfalls die »ollste Anerkennung. Wir werden, wenn die Leitartikel ihren Abschluß erreichen (der die«wüchentliche führt die Ziffer VIII) eingehender auf dieselben zurückkommen und möchten nur nebenbei für die AbwenduogSmittel de» beregten JndifferentiSmuS, auf welche der Autor voll edlen Feuer» und Energie hinweist, hier erwähnen, daß vor einigen Jahren bei der General-Versammlung der Tcmpel-Mitglieder in Warschau Herr Heinrich Bett rin Projekt vorbrachte, durch Herausgabe billiger Volksbücher (Zehngroschen-Bibliothek) jüdischen ethischen Inhalt« in polnischer Sprache, die intelligente Jugend für da» Judenthum zu gewinnen und dem Antisemitismus entgegenzuwirken. Leider wurde der Antrag nicht angenommen — um so dringender würden wir die Annahme und Durchführung jetzt empfehlen. Ästen. ZSombap. Am Montag, den 5. Mai d. I. versammelten sich die Mitglieder de» ״Ballotjak Sabba“ (Verein zur Erziehung und Bildung der Jugend) der ״Beni Israel“, um Herrn Joseph Ezekiel, Direktor des David Sassonschon WohlthätigkeitS-Jnstitut» und Mitglied der Universität, bei Gelegenheit seiner Ernennung zum Friedensrichter eine Glückwunschadreffe zu überreichen. E» hatte sich eine ansehnliche Zahl hervorragender Mitglieder der Bern Israel- Gemeinde nebst einigen eingeborenen und europäischen Honoratioren ringefunden. Herr I. H. Lord, welcher ein besondre» Jntrreffe für die Angelegenheiten des Verein» bekundete, führte den Vorsitz.