Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 21 (1890)
- Issue
- 27 (3.7.1890)
- Date
- 1890-07-03
- Page
- Seite 204 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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— 20S — Übung zu einem gemüthlicheu Beisammensein auf heute Abend. Hierauf wurde in die umfangreiche Tagesordnung eingetreten. Al« erster Punkt stand auf derselben die Erstattung de« Jahresbericht«. Der Verein ist im Jahre 1856 gleichzeitig mit der Uuterstütznng«kafse gegründet worden. Nicht weniger al« 43487,50 Mk. find bisher in 851 Antheilen al« Unterstützungen gezahlt worden. Gewiß, eine respektable Leistung! Die Mitgliederzahl betrug 105, ausgeschieden durch Tod, Auswanderung pp. 30, sodag der Verein jetzt 75 Mitglieder zählt. Ferner halt? der Verein 11 Ehrenmitglieder, au« deren Reihe im vergangenen Winker Dr. Ludwig Philippsou durch den Tod geschieden ist. Der Herr Vorsitzende widmete dem Verstorbenen einen warmen Nachruf. Durch Ei heben von den Sitzen wurde da- An׳ denken de« Heimgegangenen geehrt. Die Ergebnisse de« letzten Jahrewaren nicht erfrenlich, denn keiner ist der Laste beigetreten, «ährend im Jahre vorher 3 Mitglieder hinzugekommen waren. Auch sind die auxerordeutlichen Beiträge in diesem Jahre nicht so reichlich geflossen, wie im vergangenen Jahre, denn nur etwa 1050 Mk. gegen ca. 1840 Mk. find eingegangen. Trotzdem hat sich der VermögeuSstand de« Verein« gehoben. Nach dem EonrSwerth beträgt er heute etwa 69000 Mk. Die Zahl der Unterstützungsberechtigtea ist von 49 auf 75 gestiegen, wodurch eine Verminderung der Aatheile eiutrelen mugte, und zwar von 62 auf 44 Mk. Der Herr Vorfitzende schließt mit einer eindringlichen Ermahnung zum Beitritt zur Kaffe und zur Thätigleit für dieselbe. Einen nicht minder warmen Appell richtet College Blumenfeld- Esten an die Beisammlung. Drei Wege giebt e-, meint derselbe, zur Hebung der Lasse sowohl, wie zur Vergrößerung der Quoten: Der Erlaß eine« Rundschreiben« an die Gemeinden, ihren Beitrag im Etat zu erhöhen, wie e» z. B. Esten um 50°/, gethan» ferner die Erhöhung der Jahre«- beitrüge der Kaffeumitglieder sowie endlich, daß mehr al« die Hälfte der sämmtlichen im abgelaufenen Jahre cingegaugeneu und fälligen Gelder zur Bertheilung an die Unterstützungsberechtigten verwandt werden. Nachdem noch von verschiedenen anderen Rednern gut gemeinte Vorschläge gemacht wurden, ergriff der nunmehr ebenfalls zurücktretende Rendant der Kasse, Herr Julius Weiß in Bielefeld, das Wort, um darzuthun, daß seit seiner achtjährigen AmtSoer» waltung der Bestand der Laste sich um 25000 Mk. gehoben habe — wahrlich, ein guter Finauzminister! (Herr Weiß wurde einstimmig zum Ehreumitgliede de« Verein« ernannt.) Punkt 2 der Tagesordnung, die Wahl eine« neuen Vorstandsmitgliedes, wurde auf Antrag G r a f-Effen auf den zweiten Lonferenztag verlegt. Zum Rendanten wurde Herr Banquier Herz L. Hirschland in Essen einstimmig gewählt. ES folgt nunmehr der nächste Punkt der Tagesordnung, die Statutenänderung. Wir wollen gleich von vornherein bemerken, daß sich hierbei eine Mäßigung der Anschauungen, ein gegenseitiges Entgegenkommen der betheiligten Mitglieder kund gegeben, so daß die Verhandlungen einen glatten und ziemlich schnellen Verlauf nahmen. Er wurde beschloffen: Im § la soll das Wort ״hilssbedürstigea" durch ״dieuftunsäbigen' er,etzt werden. In § S. Abs. 2 (oll es nunmehr heißen .eine Bescheinigung über die Zeit der ersten mit einem Einkommen verbunden« Lehrlhäligkeit lS •)■" In § So soll es nach de» Sorte .Beittaz-z-hlung" heißen ״trotz zweimaliger Anmabnung deS Rendautea" und die Schlußworte diese» Absatzes in ,worüber der General- Versammlung vom Borstande Lenntniß zu geben ist" abgeändert werden, z 7 soll nach den Won«: .jährlich 12 Mk." weiter lauten: .Wer nicht gleich nach bestand«er Prüfung der «affe brigetrcten ist, oder wer von antertwo nach Aestfalm oder der Rheinproviuz verzieht, hat, wenn er die Mitgliedschaft erwerben will, die belreff«dea Beiträge vom Beginn seiner mit einem Einkommen verbunden« Lehrlhäligkeit überhaupt nachzuzahlen." Die Beiträge müffm iu ganzer Zahlung pro anno bi» 1. März eine» jeden Jahre» franeo an den Rendant« nrLnnrnsranäo eingezahlt werden. Ta» Eintrittsgeld sowie etwaige Nachzahlungen kSnnen aus Wunsch de« Beitretmd« innerhalb eine» Jahre» in vier gleich« Rat« eingezahlt werd«. Der Rendant ist verpflichtet, von dm Sänmig« den fällig« Beitrag bi» 1. Juli per Postoorschuß zu erheb«. Anstatt de» bisherig» 8 6a soll e» heißen: a. Mitglieder, welche da» öö. Lebensjahr zumckgelegt und ihre Lehtthätigkeit ausgegebea Hab«; b. Mitglieder, welche vor »urückgelegte« 65. LebmSjahr in Folge von Alter, Krankheit« oder Grbrecken dienstunfähig gewordm sind und diese« durch Attest de» »rtt»physiku» Nachweis«. Diese» Nachweise ist eine Bescheinigung - der On»b,Hörde beizufügen, daß der Betreffende stin Amt niedergelegt ha». — Der bisherige Absatz d wird demnach o und v wird 4; auch soll in diesem Absätze am Schluffe da» Wort .ArbettSnnsähigkeil" durch .Dienstunfähigkeit" ersetzt werde«. Dem ganz« tz ist am Schluffe noch dem «orte .ciutritt" an,״fügen: ״ohne daß dadurch die Mitgliedschast erlischt." Im 8 11 soll e» sortau statt .die Hälfte" heißen: .zwei Drittel" und dem entsprechend im zweit« Satz«: .da» übrige Drittel." Nach den Motten: ״verwandt werden" soll hinzugesetzt!Serben: ,jedoch soll der UnterstützungSantheil den Bettag vou <5 Mk. nicht übersteigen. — Dem § 11 ist al» Schlußsatz hinzuzusügen: .Gaben, welche-ÄOO Mk. und darüber bettagen, sollen nicht zur JahreSvettheilung gelangen, sondern dem Fond zufließen, sofern der Geber nicht ausdrücklich anders bestimmt." — Der 8 22 soll mit den Worten .Anspruch machen" schließen und der weitere Zusatz wegbleibeer. — Der erste S׳tz de» Z 27 hat folgende Fassung erhalten: .Mindesten» vier Woche» vor einer Gmeralversammlung (8 12) muß der Lorstand in geeigneter Weise die Tage»» ordnung für eine solche veröffentlichen." (Die Angabe der Zeitungen fällt also weg.) Da» Uebrige diese» 8 bleibt- — Der § 40 soll nach d-m Worte .rwidiren" weiter heißen:.muß diese» aber mindesten» einmal im Jahre thuen. Auch jede» andere Vorstandsmitglied hat da» Recht, zu jeder Zeit Einsicht in die Becher und die Kaffe zu verlangen. Mit dieser Berathung schloß die erste Versammlung. Auf Antrag einiger Mitglieder »u^e die Absenkung eine« Glückwunschtelegramms zum 70. Geburtstage de« Herrn Geheimralh Dr. S. Lristeller in Berlin beschlosten. Der freundlichen Einladung der Gemeindevertretung zu einer Bowle war der größte Theil der Lehrer Abend« gefolgt. Der vorzügliche Wein halt: di.» Zungen in ausgiebigfter Weise gelöst. Der erste Toast galt natürlich unserm theurcn Landesherrn, welchen Herr Junkermann auSbrachle, worauf da« .Heil Dir im Siegerkranz" von der ganzen Versammlung stehend gesungen wurde. E« folgten Toaste auf da« Gedeihen des Verein-, auf die Gemeinde Bielefeld, auf den Vorstand des Vereins, aus die Manen Dieslerweg« u. s. w. (Schluß folgt.) Sigmarinzen, 26. Juni (Or.-Lorr.). Minister vou Äoßler iu einer jüdischen Schule. — Daß Söuigliche Schuliuspektoren jüdische Schulen inspiziren, kommt heute jeden Tag vor, seltener geschieht dies seiten« höherer Regierung-Vertreter. Aber daß ein preußischer UnterrichtSmiuister eine jüdische Volksschule besuchte, ist wohl noch nicht vorgekommeu. Und doch war dieses in der vergangenen Woche der Fall. Bus den Zeitungen war ersichtlich, daß der Herr Unterricht-minister vou Goßler von dem Unter« richtSwesen in dem Hohenzollernlande sich persönlich Lenntniß verschaffen wollte. In Hechingen a»gekommen, besuchte er auch die öffentliche jüdische Elementarschule in Begleitung de- Regierungspräsidenten Freiherrn von Frank. Ein 9jährigeS Mädchen, die kleine Martha Weil, über» reichte dem Herrn Minister ein prächtige- Rosrnbouquet mit folgender vom Lehrer schnell verfaßten Widmung, die die Kleine vortrug: Hoher, edler Herr Ministerl Willkommen hier in diesem HauS Namen» meiner Schulgeschwister Bring' ich dies« Blumenstrauß, Gleichen Kinder dech d« Blüten, Ihr, al« Bater für un» wacht. Möge Galt Euch stets behüten, Elhaltm nnj're» Königs Macht. Gerührt nahm der Minister da» Bouquet entgegen dankte den Schülern und besonder» dem Lehrer Herrn 8 e v i durch mehr fachen Händedruck und erkundigte sich bei ihm ein gehend noch den Verhältniffeu der israelitischen Schule und Gemeinde. Hierauf eraminirte der Herr Minister die Linder und sprach seine volle Zufriedenheit mit den Leistungen der jüdischen Schule aus. Nach wiederholten auerkeuuendm Worten gegen Herrn Levi, verabschiedete fich der Herr Minister iu liebenswürdiger Weise vou demselben. Mt