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Israelitische Wochenschrift · 1890-07-03 · 27 (3.7.1890) · p. Seite 203

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
21 (1890)
Issue
27 (3.7.1890)
Date
1890-07-03
Page
Seite 203 (sequence 3)
Language
German
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- . 207 Kerichle tmb Eorrespa«de«M. Deutschland. M«adeV»rg. 1. Juli. Profrssor Adolf Harnack, gegen dessen Berufung nach Berlin unter den Protestanten sich heftiger Widerstand erhoben hat, weil er einer der gefeiertesten Vertreter der liberalen Partei ist, be-pricht in der .protrstontischen Lirchenzeitung" den evangelisch ׳ socialen Eongreß, welcher am 28. u d 29. Mai in Berlin stattgefunden hat. Au« seinem bemerkenSwerthen Aufsatze verdient folgende Stelle hervorgehoben zu werden, welche für jüdische Leser von besonderem Interesse ist: »Endlich gilt es, »och eine» Punkt ins Auge zu fassen und vor ter Beschäftigung mit ihm zu warnen: iai ist die Judenfrage. Es wag eine Judensrage im aationalen und im wirthschastttchen Sinne geben — ich weiß da» nicht und bin darüber nicht kompetent —, das aber weiß ich, taß den Antisemitismus aus die Fahnen de» evangelischen Lhrislenthums zu schreiben, ein trauriger scandal ist. Die, w«lch« da» gethan haben, haben freilich immer da» nationale und wirthschastliche Interesse mit hineingezogen, weil sie al» Christen hätten schamrot werden müssen, wenn sie einfach im Namen de» Christenthums die Parole des Antisemitismus ausgegebcn und da» Evangelium in einen neuen Islam ve:wandelt hätten. Aber wer kann leugnen, daß auch das geschehen ist! Das heißt aber die Macht, welche dazu in der Welt ist, die Gegenlätz« der Racen und Nationen zu mildern und Menschenliebe selbst dem Feinde gegenüber zu erw-cken, in entgegengesetzter Richtung miß» brauchen. Wir dürfen voraussetzen, daß aus dem llongreß. der der Verbrüderung dienen soll und nicht der Vergiftung, kein Versuch gemacht werde» wird, die »Judensrage" hincinzuziehen. Sollt« er gemacht werden, so wird eine künftig« Abwehr nicht fehlen." m. K!trlin, 29. Juni (Or.-Corr). Im Allgemeinen ist k» ja wohl nicht Sille. Predigten, besonders Probepredigten, oder, wie sie vom Vorstand der hiesigen Gemeinde beseichnet werden, Gastpredigten zu kritisiren. Und wir wollen von diesem Gebrauch auch nicht abgehen, da die Predigt, die am letzten Sonnabend in der neuen Synagoge von Herrn Dr. Neumai n aus Gr.-Sanisza gehalten wurde, keine Sritik auShäit; e» mar eben kein neuer Ged-nke darin, nicht» was z i kritisiren wäre, Sr sprach über den Text: ״Wir wollen auf des König« Strasse gehen". <LS ist bekannt, daß noch der zweiten Predigt, die Herr Rabbiner Dr. Stier au» Steinamanger gehalten, die Stimmung, sowohl in den Kreisln de» Vorstände» al» auch bei den Repräsentanten, eine für denselben duichau» günstige war, — er gefiel Vielen sogar bester al» Maybaum — und wenn man sich darüber hinwegsetzen wollte, daß alsdann s ä m m tliche vier Rabbiner in der Hauptstadt de» Deutschen Reiche» Nichideutsche seien, wa« ja bei-einem etwaigen Verkehr mit den obersten Staatsbeamten, Audienz bei einem Minister oder dergl. immerhin etwa- Unangenehme» hat, s» wäre ja die Robdinerwahl entschieden. E» hätte sich nur noch darum hon'eln können, noch einen oder mehrere deutsche Probeprediger kommen zu lasten, aber noch einen ungarischen und noch dazu den jugendlichen Reformator au» Gr.-Sani-zi! Konnte man nach den von maßgebenden Seiten eingegaugrncn Gr» kundigungen etwa« andere» erwarten, als wa» gestern ge» schehrn? Wir glauben, daß selbst demjenigen, dem die Gemeinde diesen Verdruß zu verdanken hat, selbst etwas unheimlich zu Mulhe wurde. Inzwischen ist eine gewischte Eommisfion bestehend aus zwe« BorftandSmitgliederu und vier Repräsentanten erwählt Worden, um die Rabbinerwahl vorzubereiteu. -»» Hberschteste«, 23. Juni. (Or.-Lorr.) Ts ist erfreulich für den Berichterstatter wie für die Leser diese» geschätzten Blatte», über Acte echt humaner und echt i»raelitischer Hochherzigkeit rin Wort gebührender Anerkennung hier au«sprecheu zu dürfen. Die israelitische Kinderheilstätte im Soolbade Loeot,«dorff-Jastrzemb hat vor 3 Wochen ihre segensreich« Thätigkett ausgenommen. Sech» Sinder, 6 Mädchen trab 1 Knabe, stehen j. Z. unter der liebevollen Aufficht, Wartung und Leitung einer jungen, jüdischen Dame, welche sich ausschließlich ihren Pfleglingen widmet. Im monatlichen Turnus wechselt die Aufnahme kranker Kinder. Die israelitische Sinderheilstätte HU bereit» eine künftige Rückwirkung geübt. Man hat sich, al» die Gründung der israelitischen Sinderpflegeställen bekannt wurde, veranlaßt gesehen, eine analoge Anstalt auch für christliche Kinder in'» Leben zu rufen. So verfügt KoenigSdorff-Jastrzemb jetzt über zwei humane Schöpfungen, welche dem Badeorte zum Nutzen und den Gründern zur Ehre gereichen. — Der oberschlestsche Gemeindebund entfaltet jetzt eine lobenSwerthe Rührigkeit und Regsamkeit, um sein wichtigste» Projekt, die Gründung eine» israelitischen Waisenhauses im Regierung«!, zirke Oppeln thatkräflig zu fördern. Ein Special-Tomite, bestehend au» hervorragen׳ en und einflußreichen Vorstandsmitgliedern verschiedener oberschlesischer Gemeinden, wird demnächst mit einem Aufrufe an warmherzige, ovferfreudize Menschen- und Sinderfreunde unter unfern Glaubensgenossen herantreten mit der Litte: ־nrrct בבני עניים■ Man darf die frohe Zuversicht hegen, daß in erster Reihe die in der Fremde in glücklichen Veihältnissen lebenden Schlester und Oberschlestcr Herz und Hand öffnen werben, um durch ihre Liebesgaben e» dem oberschlesischen Gemeindebunde zu ermöglichen, in nicht allzu ferner Zeit unglücklichen, unmündigen, früh verwaisten Kindern die Segnung einer zweiten Heimalh zu bieten. Die fünfte Großmacht, die Preffe, in erster und letzter Reihe die jüdische Presse, wird den Waiscnkinde n durch liebevolle Wahrnehmung ihrer Interessen die schätzbarsten Dienste leisten könne». Ztielefekd. Au» dem soeben erschienenen, von den Schriftführern Graf-Essen und Salo mon-Jserlohn gefertigten Protokoll über die diesjährige hier abgehallcne 35. Jahre»-- Versammlung ter israelitischen Lehrer der beiden Schwester- Provinzen Westfalen und Rheinland theilcn wir da» ' Wesentlichste mit. Der in den Ruhestand getretene langjährige Vorsitzende und Mitbegründer de- Verein», Herr Blumena u, erösfnete mit herzlicher Begrüßung zum letzten Male die von 67 Mitgliedern*) besucht- Versammlung, welcher der D.-J. G.-B. auch in diesem Jahre einen Zuschuß von 15V Mk. gewährte. Die Herren Rabbiner Dr. Frank-Cöln sowie die Herren Seminardrrektor Stein und Lehrer Gutkiud rn Lassel entbieten der Versammlung lh-c Sympathien. Nach Vorstellung des Vorstandes und der Repräsentanten der Gemeinde ergreift Herr Kayenstein al» Mitglied der Gemeindevertretung in ausführlicher Rede da» Wort zu einem herzlichrn Willkommen in Bielefeld mit dem Wunsche, daß Gottes Segen die Arbeiten de« Verein» begleiten möchte und schließt mit der angenehmen Mitteilung, daß die Gemeinde Bielefeld beschlossen habe, der Sasse einen Beitrag von 150 Mk. zu überweisen und mit der freundlichen Ein- *) Ab t-Vorken, Lachenhcime-Osnabrück, Bachrach-Äescke, Baum-Rheine, Blume n au-Cassel Blumenseld-Essen, Brann- Bargsteinsurt, Co bl eng-Bielefeld, Loblc,z-Warstein, CoHeo-Rer«, Cramer-Neaeakirchn», Dublo a»Dü!m:n, Lckmaun-Niruburg, Eich engrün-Mendc», Emanuel-Madfcld, Fe i n st «in -Münster, Frank-Lübbecke, Fröhlich.M-Gla»bach, Mailand -Oerlinghausen, Woldberg-Steel«, Moldschmidt-Biilo», Goldstein-Mreoenbroich, Moßel-Camen, Sraf-Cfstn, Mrünewald-Enge-, Guthmano- Vlotho, Hartmann-Salzkotie», Hei»e-Wüanenberg. Hofs mann- Haltern, Huhn-Padeibori-, Dr. Hulisch-Heiford, Jkenbcra-Arntderg, Wahn-Oelde, Kann-Hohenlimburg, Kapenstein-Niehei«, K atzen st «I u-Ware»dors. Kaufmann-Ahlen, Sronenberg- Bünde, Wronenberg-Ruhror», Levi-L-uß, Levq-Herne, Liepma n nsohn-Minden, Löb-Köln, L twenbe rg-Porta, Mendet» Unna, Mündheim-Hamm, Nu ßb au«-Padberg, Obcrsitzkh- Gütersloh, Oppen heim «r-Wcrther, Oppenheimer-L-nte», Oster» «ann-Bkckum, vstermana Bochum, O ftwald-Bnien, Nausen« b e r g-Neumied, N o je n s e l d -Lippstadt» Salomo »-Iserlohn, Si nger» Echioert, Seeli^Grevenbroich, Sieger-Levern, Spier-Bocholt, Spier-Wesel, Speyer-Büren, Stein»ea-Dortmun», Steinweg- Rheda, Stern-Anröchte, Stern-Horn, Dreu-Münster. (Einige Mitglieder hatten ihr« Abwesenheit entschuldigt.) Außerdem wareir aaweseud der Vorstand und die Repräsentanten der Synagogeag«meinte Bielefeld.

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