Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 21 (1890)
- Issue
- 27 (3.7.1890)
- Date
- 1890-07-03
- Page
- Seite 202 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/6492344-5935074-5956729--0236-5373846- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Natürlich tonn in de« Briefe eine» so edlen Könner'» und Freunde», der nur auf Wahrheit und unser Wohl de» dacht ist, da» ,Blutritual* nicht fehlen. Für Radenhausen war die Sache bi» 1889 streitig. »Aber wa» bi» dahin streitig war, darüber herrscht jetzt kein Zweifel mehr; da eine Gerichtsverhandlung in Breslau, an welcher zwei jüdische Richter theiluahmen. die Blutabzapfung erwiesen ward (soll wohl heißen: hat), begangen an einem achtjährigen Ehristenknaben.* ES ist der traurige Fall Bernstein gemeint. Wahrscheinlich handelt es sich dabei um eine sexuelle Verirrung; e» hat sich später herauSgestellt, daß auch jüdische Knaben die Opfer dieser Berirrung gewesen sind. ES ist un» nicht erinnerlich, ob die gerichtliche Verhandlung schon zu einem Abschluß gekommen ist. Es ist traurig, daß ein Mann wie Radenhaujen, der dicke philosophische Bücher geschrieben hat, nicht die Fähigkeit, oder nicht den guten Willen hat, die unglückselige Thal eines halb oder ganz Wahnsinnigen als das zu betrachten, was sie ist. Schlau, wie Radenhausen nun einmal ist, behauptet er, es werde nicht viel Blut abgezapft, denn da» sei doch immerhin, wie der Fall Bernstein beweise, ein gefährliche» Metier, auch werde e» nur »<ür die Priesterspeise (Schaubrüte) also für einen allein dazu berechtigten Theil der Cohenim“ »:rwendet. Auch die »Alliance iSraelite* kann in dem Gebräue nicht iehlen. Nadenhausen nennt sie ״Shabrusch". Wie leicht hätte Radenhausen, der in Hamburg lebt, alle diese Schmerzen loswerden können, wenn er sich ehrlich von einem der dortigen jüdischen Theologen Auskunft erbeten hätte. Aber rs gieb: Leute die nicht belehrt sein wollen. Mag R. seinem Anhang weiter alle diese Schauergeschichten erzählen. Ater sie gar jüdischen Lesern auftischen, das ist eine Dreistigkeit, wie sie uns bal) nicht vorgekommen ist. Auch im Schafspelze wird der Wolf keinen Eingang in unsere Herde finden; er ist erkannt; er ist leicht zu erkennen; mag er sich nun ruhig wieder nach Hause trollen. L.-Gl. Sitzungsbericht der am »2. u. 13. Mai 18»« im israelitischen Waisenhaus zu Königsberg i. Pr. adgehaltenen 4. Konfereoz jüdischer Sieligtonslehrer des Verbandes der Synagogru-Gemeinden Ostpreußens. (Schluß.) Pünktlich werden die Ve, Handlungen am Nachmittage wieder aufgenommen. Das Bcglückwunschtelegramm des Lehrers Haas.e wird vom Vorsitzenden verlesen und von der Versammlung mit Beifall ausgenommen. Darauf leitet der Vorsitzende das Referat über die Frage: »Ist die Anstellung eines Lehrer» für zwei Nachbargemciuden in unserer Provinz durchführbar und erstrebenSwerlh?" mit einem kurzen Hinweis auf t ie Entstehung und Bedeutung der bezüglichen Fragectn. Rabb. W e i n b er g - Insterburg führt im Anschluß daran seine eigenen oielseiugcn Erfahrungen über diesen Gegenstand aus und kommt zu dem Resultat, daß die zur Besprechung stehende Frage nach Lage der Berhältnisie zu verneinen ist. An den Vortrag knüpft sich eine Debatte, in welcher Sekr. klein Königeberg dem Vorredner entgegen nicht nur die Möglichkeit, sondern auch die Vortheilhaftigkeit der Anstellung eines Lehrers für mehrere Gemeinden au Beispielen nachweist. Im ähnlichen Sinne sprachen sich Lroll-Labiau und Biolastocki-LandSberg aus. Zum Schluffe wird eine Resolution angenommen, dahingehend, daß für jede einzelne Gemeinde ein besonderer EultuSbeamter nothwendig sei, daß aber jede größere und leistungsfähige Gemeinde verpflichtet ist, sich zur Ertheilung des Religions-Unterricht» einen pädagogisch.geblldeten Lehrer zu halten, der dann auch in den kleineren Nachbargemeinden den weiter vorgebildeten Schülern Unterricht zu ertheilen hat. Sechster Gegenstand: Ueber die Vorbereitung de» Lehrer» auf den Unterricht in der bibl. Geschichte. Da» Referat darüber wird von dem Leiter de» iSr. Waisenhauses Peritz- Königsberg erstattet. Ref. führt an Beispielen aus, daß die vollständige, ungekürzte Erzählun »weise der Bibel nicht überall zulässig ist. Er will auf der Unterstufe auch die biblische Satzbildung und Ausdrucksweise nicht beibehalten wiffen und hält Zusätze von Nebenbestimmungen im Geiste der Erzählung für das Verständniß derselben vielfach für i.othwenbig. Auf der Mittel- «ud Oberstufe ist dagegen die strenge Anlehnung an da» Bibelwort mehr und mehr zu fordern. Die Ausführungen de» Referenten und besonder» seine Ansichten über die anzuwendende Methode wurden sehr beifällig ausgenommen. Der Vorsitzende richtet auf Grund de» Referat» mahnende Worte betreffs einer regelmäßigen sorgfältigen Vorbereitung auf den Unterricht an die Versammlung und hebt ergänzend hervor, daß auf der Unterstufe der sttlliche, auf der oberen mehr der religiöse Inhalt der Erzählungen zu betonen sei. E» knüpft sich an da» Referat eine kurze Debatte. Hierauf folgten Probelektionen mit den Zöglingen de» Waisenhauses u. zwar von Eckstein-Ncidenburg über »Das goldene Kalb,- Sturmann-Osterode über »Jochanan den Sakkai" und Pred. Scherbrl-Gumbinnen über »Die Lehre vom Dasein Gotte» und von Gottes Eigenschaften.- Auch hieran schloß sich eine kurze Besprechung. Der Vo. sitzende dankte nun in seinem Schlußworte den! anwesenden Lehrern für ihr zahlreiches Erscheinen. Es de- ן richtige die» zu dem Schluffe, daß auch ein lebhafte» Inlereffe für den Religions-Unterricht bei ihnen herrsche. Hiervon wie von der Anregung und Belehrung, die jeder Einzelne der Versammelten aus diesem Zusammensein davontrage, verspreche er sich eine bedeuten» Förderung des j ReligionS-UnterrichtS in unserer Provinz. Redner dankt im weiteren dem Vorstände des Verbandes der Synagogen-! gemeinden Ostpreußens, dem D.utsch-isr. Gemeindebunde,! dem Vorstände der Gemeinde Königsberg, den Mitgliedern I der Schulinspectron und den freundlichen Wirten vom Waisen-! Hause für ihre Mitwirkung zum glücklichen Verlauf der Konferenz. Zum Schluffe fleht er noch Gottes Segen herab auf da« W:rk, das hier geschaffen. Nach dem Dank, den Pred. ScherbelGumbionen dem Vorsitzenden namens der Versammlung ausspricht, schließt die Konferenz um 6'/, Uhr. Um 7'/, Uhr fand zu Ehren de« Tage» ein FestgotteSbienst unter Leitung des Kantors der hiesigen Gemeinde, Herrn E. Birnbaum, in der Synagoge statt. Darnach waren die Konferenz-Mitglieder noch bis in die späte Nacht im Waisenhause zur beilern Abeadtafel beisammen. Ernste und laui ige Toaste würzten die Stunden und so fehlte nach de» Tage» Arbeit auch die erheiternde Muße nicht. — Zu der ReligionSlehrer-Versammlung de» Verbände» der Synagogen-Gemeiuden Ostpreußens wird uns noch ergänzend mitgetheilt, daß Herr Prof. Dr. Samuel, der als Vertreter der hiesigen Synagogcngemeinde anwesend war, im Laufe der Verhandlungen Gelegenheit nahm, auf die jüngsten Vorgänge im Herrenhause (Antrag Pfeil) hinzuweisen, und als Ergebnis der Mittheilungen der anwesenden Lehrer aus den verschiedenen Theilen unserer Provinz zu konslalicren, daß in der Provinz Ostpreußen sich nur zwei Knaben höherer Unterrichts-Anstalten von dem Unterrichte am Sonnabend diSpcnsiren taffen. Die Aufforderung de» Herrn Prof. Dr. Samuel, dahin zu wirken, daß solche Fälle in Zukunft überhaupt nicht mehr Vorkommen, wurde von den Anwesenden allseitig mit Beifall aufgenommen. — (Wir verstehen, offen gestanden, den ,Beifall* nicht. Red.)