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Israelitische Wochenschrift · 1890-06-26 · 26 (26.6.1890) · p. Seite 198

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
21 (1890)
Issue
26 (26.6.1890)
Date
1890-06-26
Page
Seite 198 (sequence 6)
Language
German
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— 202 — sprciell auf die jüdische Wisst nschoft. S« sprachen noch die Rabbiner von Leipzig und Magdeburg, letzterer in geistvoller, hvmorgtwürz'cr Rede, welche die Heitrikeit der Anwesenden entfesselte und damit der ,Fidelitar" Thor und Riegel öffnete. Harmonisch wie der erste Theil der Frier auf dem DenkmalSplotze, klang auch der zweite aut, allen Theilnehmenden zu schönem, weihevollem Gekächtniß." Z>a»zig, 18. Juni. (Or.-Lor.) Sin seltene« Fest ist in unsrer Gemeinde feierlich begangen worden. Ta« Hirsch Philippsohn'schr Ehepaar feierte am 8. Juni er. die sogenannte eiserne Hochzeit, d. i. da» fünfundsech«zigjöhrige Ehejubiläum. Geistig und körperlich rege und frisch erfreute sich da« ehrwürdige Jubelpaar an diesem seltenen Ehrentag« vieler Auszeichnungen. Im GotteShause fand eine Feier statt, an der m׳hr al« 1000 Menschen Teilnahmen. Der Gemeinderabbiner, Tr. Werner, schilderte die eiserne Stront, die da» Haupt de« Paare« schmückt, in di« die vier Perlen de« Greisenalter«, der Ehrenhaftigkeit, der Frömmigkeit und der Jamilirnliete ringefügt sind. Nach dem Gottesdienste übrrdrachte eire au« Vorstehern und Repräsentanten der Gemeinde bestihende Deputation einen filbernen Pokal al« Ehrengeschenk. E« war eine Freude zu sehen, wie alle« sich bemühte, dem Greisenalter seine Huldigung darzubringen. — Nachdem die Bestrebungen für Beg'ündung eine« Waisenhauses der Verwirklichung näher geführt worden sind, machte sich der Wunsch geltend, nicht nur für die verlaffenen Sinder, sondern auch für die hülflvsen Greise eine Stätte der Fürsorge zu schaffen. Besonder« war e« Herr A. 8. Goldstein, welcher mit anerkennenSwerther Energie für die Idee Propaganda machte. Herr Dr. Werner vereinigte sich mit vielen thatkrästigen Gemeindemitglirder« und begründete einen Verein, welcher der Altersversorgung gewidmet ist, diesem Vereine sind bereit« 200 Mitglieder beigetreten; sein Endziel ist die Gründung einer AlterSversorgung-anstalt; bi« die« feine Ausführung fiiden kann, wird der Verein mit einem Theile seiner Einnahmen al« Alter«versorguvg«kaffe wirken. — So sehen wir. wie der Boden der vereinigten Gemeinde immer neue edle Früchte zeitigt. r. Mainz. Am v. Juni fand hier auf Einladung und unter Boisitz des Herrn I. Slingeustein, Lehrer in Ober» Ingelheim, eine Versammlung jüdischer Lehrer und Rabbiner de« Großherzoglhum« Heffen statt, der auch die Vorsteher der hiefigeu Gemeinde (Reinach, Hirsch und Mayer) beiwohnten, welche den Bestrebungen der iSr. Lehrer ihre vollsten Sympathien entgegenbrachtrn. Nachdem Hr. Slingen» stein den Zweck der einberufenen Versammlung ia ausführlicher Rede dargelegt hatte: Gründung eine« Verein«, der die Lehrer de« ganzen Heffenlande« umfassen solle, dessen Ziel die Herbrisührung gesetzlich geregelter Verhältnisse der 1«r. Religion-schulen und Lehrer in Heffen sei, und der anwesende versitzende de« Verein« i«r. Lehrer Ober-Hessen- (Wrrlheim e r- Heldenbergen) sich ebenfall« für einen solchen Gesammtverein — unbeschadet der bereit« bestehenden Provizialveltine — ausgesprochen, Herr Rabbiner Dr. Salselb noch auf die Gemeinsamkeit der Bestrebungen de« Rabbiner- und Lehrerftande« auf dem Gebiete der religiösen Erziehung hingewiesen und da« Zusammengehen der Lehrer aller Richtungen betont hatte, wurde d«e Gründung de« neuen Verein« einstimmig beschlossen. E« wurde hierauf eine Eowmisfisn, bestehend au« den Rabbinern Sal selb-Mainz und Stein- Worm«, sowie der Lehrer «lingenstein, Wertheimer, Vogel-Offenbach, Marx-Al-Heim und Ehrwann-Friedverg mit dem Rechte der Cooptation gewählt zur Entwerfung eine« VereinrstatulS und zur Abfassung einer Denkschrift an die Regierung in wtlcher die verschiedene« Mißstände m der Stellung ter jüd. Lehrer und der ReligionSschule dargelegt und im gesetzliche Regelung pelitionirt werden solle. Eiur längere Debatte entspann sich über die Frage, ob von ter Regierung die definitive Anstellung aller, od:r nur solcher Llhrer verlangt werden sollte, welche die gesetzlichen Lehre! Prüfungen bestanden. Llingenstrin und Marx sprachen sich im letzter!« Sinne au«, Stein-Worw« im erster». Gar mancher Autodidakt leiste ebensoviel wie ein geprüfter Lehrer. Such Salfeld, Sahn-Mainz und Oppenheimer- Dar'wstadt betheiligen sich an der lebhaft geführten Debatte, die mit Annahme dr« vermittelnden Beschlüsse» endete, daß für die Folge nur solche Lehrer bifioitioe Stellung finde»׳ sollten, welche eine Lehrerprüfung abgelegt haben. Nachdem noch beschlossen worden, daß die nächste Versammlung in Darmstadt obgehalten werden svllte, vereinigte man sich zu einem gemeinsame« Mittagessen, bei dem Hr. Dr. Salselb den Toast auf den Großhrrzog, Llingenstrin auf die Rabbinrr anSdrachle. Auf da« an den Großherzog abgesandle Telegramm: Seiner königlichen Hoheit dem Äroßherzog, Frirdbcrg erlaubt sich der heute Hierselbst gegründet« Verein ter Uratlttt» schen Lehrer de» Brohherz-gihum» die Versicherung seiner tiefsten Ergebenheit und «hrsurchilvollsten Treue unterthäaigft au«zudiüiken. I. >. Rabbiner Dr. Salfeld. traf gegen 7 Uhr folgende Antwort rin: Rabbiner Dr. Salfeld, Mainz. Aufrichtigen Dank für die ausgesprochene Sesinnung de» neuen Lenin». Ludwig. Oestsrreick-Nnftar». Lemverg.' Au« Anlaß der stattgehabten Sitzungen der Enquölr-EommissionzurRegulirungderjüdischenAngelegenheilea Galizien«, wovon Sie in Nr. 24 Ihre» w. Blatte« berichteten, läßt sich die polnische Zeitung ״Wiek" in ihrem Grolle, daß die Fundation Hirsch dennoch zu Stande kommt, Folgende« au« Galiziea berichien: »Der größte Theil der intelligenten Bevölkerung Galizien« theilt die Ansicht de« Landmarschall« über die Fundation Hirsch. Nicht aber deßhalb, weil die Fundation die Judenfrage auf bessere Wege bringt, sondern deßhalb, weil die Millionen de« Baron Hirsch nicht der ,Alliance JRaelite" anheimfallen, welche den gefährlichen Seperatismu« der Juden im Lande zu verbreiten sucht." — Also weil der LandeSmarschall für die Fundation war — ist auch schon die polnische Intelligenz dafür — aber dagegen wird nun (in ähnlicher Weise von den antisemitischen polnischen Blättern) auf die ,Alliance Jrraelite" lo«gehauen, während diese doch mit edelstem" Eifer an der Au«bildnng der galiz. Juden arbeitet. — B. Rußland. B. Marsch««» 18. Juni. (Or. - Cor.) Die polnische Wochenschrift ,Athenäum" bringt ia ihrer letzten Wochenschau folgende Miltheilung: ,Au« ganz entschieden authentischer Quelle kann ich versichern, daß da» Gesetz wegen de« Anfiedlungs- und Aufenthalt«rrchte« der Juden auf den Dörfern in Polen bisher dem Minister-Co mitä nicht vorgelegt wurde und ganz wahrscheinlich ia der bi«- herigen allgemein bekannten Fassung, auch gar nicht zur Vorlage kommen wird. Da« Projekt wurde nämlich von dem Ministerium de« Innern ausgearbeitet und dem Ministerium der Finanzen zur Begutachtung übergeb.n. Da« Projekt geht etwa« weiter, al« die Warschauer Commission e« wünschte. E« ist in demselben gar kein Unterschied zwischen größer« und kleinern Grundstücke« gemacht — da« Aufenthalts-Verbot auf den Dörfer« ist unbedingt — doch bezieht sich» nicht auf jene Juden, welch« eine Landidat-Stufe erlangten und welche seit 1882 bereit« ansässig sind. Nur unmündige Sinder können bei den Eltern im Dorfe wohnen. Da« Projekt hat catschieten auf Polen Bezug. Kiew. Eine interessante Polemik wird in de» Spalten de« hiesigen judenfrindlichen Blatte« »Siewlania" geführt. Nachdem e« unlängst da» Wach-thum de« jüdischen Proletariat« conslaiirte, rief e« die reichen und gebildeten Juden (in loben-werther Weise) zur Abhilfe auf. Herr Soldcnberg erwiderte darauf, da« alle« Mögliche von Seiten der Angerufenen bereit« geschehen sei, daß eine »Gesellschaft zur

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