Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 21 (1890)
- Issue
- 26 (26.6.1890)
- Date
- 1890-06-26
- Page
- Seite 197 (sequence 5)
- Language
- German
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Hulfttebenben (Seifte Befriedigung schaffen: und sein gute«, edle« gewann ihm bald einen Are!« geistig hochstehender und bedeutender nde, die den schönsten Einflug aus ihn geübt und die auch bald S sein milde« und dabei durchdringende» und gerechte» Urlheil 1. In dieser Umgebung wuchsen sichtbar die Schwingen seine«!«, seine Werke und Brie'e athmen bei der Innigkeit und Tiefe der Anschauung auch Zufriedenheit und Glück. Loch auch manche Zurücksetzung ist ihm widerfahren, um der treuen Angehörigkeit willen, die ihn mit seinem Glauben verband. Doch selten dringt ein Wort der Erbitterung über seine Lippen; er beklagt sich nicht über Gesetz und Vaterland, die ihn noch lange nicht al» gleichberechtigt anerkennen. Nein, e« ist vielmehr rührend — und da« ist einer der herrlichsten Züge in seinem Charakter — wie er die reinsten Herzentöne findet, wenn er von der deutschen Sprache, vom deutschen Laterlande spricht. E« war da» in damaliger Zeit sehr S. wo französische Sprache, Litteratur und Philosophie in säst allen ten und selbst den höchsten Kreisen de« deutschen Baterlande» kevornigt wurde, wo selbst die klassischen Ge ster de« deutschen Volke» mit Vorliebe al« Kosmopoliten, nur selten al« Patrioten deutscher Erde redeten. Mendelssohn weist auf die Völker de» Alterthum» wit der Frage zurück: Wie e« denn komme, daß die Geschichte de« Alterthum« noch immer intereffanter sei al« die neuere Geschichte, obgleich diele unseren Zeiten näher angrenzt? Er findet eine der wichtigsten Ursachen für diese Wahrnehmung darin, last bei den Griechen und Römern die Vaterland«liebe der Grund, die Seele ihrer Kämpfe, Kriege und Bestrebungen gewesen, wöhrend der neue en Zeit die Liebe zum Vaterlande — und dieser Borwurf war damal« sehr berechtigt — al» Vormtheil erscheine. Unterwürfigkeit ist an Stelle wahrer Liebe ge» treten. Nur, wenn die Liebe zum Baterlande wieder die Gemüther der Ration beleben werde, würde auch eine neue, edlere Denkung»weise in dieselbe einziehen. So hat Mendelssohn im Widerspruche zu vielen, J'a den meisten Groben seiner Zeit gesprochen, so innig hat er — den öorschristen seine» Glauben» gemäß — sein SJaterlano geliebt, trotzdem er keine«weg« al» vollberechtigter Bürger dtsselben angesehen wurde. Und nicht allein für den PatriotiSmu» ür die Liebe zu deutschem Wese» und deutscher Sprache, für die Erziehung zu nationaler Selbst» achtung hat er nach seinen Kräften aus (eine Höhere und fernere Ur, gebung gewirkt; er tat auch der materialistischen, leichtfertigen Weltanschauung der Eneyklopödisten gegenüber, die in dem deutschen Volke «eite kreise zu genuinen droht-, den ernsten, sittliche», idealen Ton angeschlagen, der in der deutschen Volksseele lauten, begeisterten Wiederhall gesunden. Er war der erste — in seiner Zeit der einzige — der die weitesten kreise durch seine faßliche und klare Sprache kür die höchsten und idealsten Begriffe zu interessiren verstanden, für Glaube. Duldsamkeit und Unsterblichkeit. Und diese drei Begriffe, welche aus unserem Denkmale die Philosophie mit ihrem etwaigen Griffel aus ihre Takeln eingegraben, sie hat er Verth idigt mit Innigkeit, Wärme, Begeisterung und auch mit Erfolg. Glaube, Duldsamkeit und Unsterblichkeit, da« sind die Hauptgiundzüge seine« Denken», sie bilden den Inhalt seiner sonnigen Leben«anschauung, für welche leine Zeitgenossen zu gewinnen, er sich hlnebnngsvoll bemühte. Der Glaube anGott ist für ihn da» erste Ersorderuiß der sittlichen Weliordnuug. Nicht Zufall oder Rothwendigkeit, sondern die allweise göttliche Vorsehung beji.mmt die Geschicke, nicht allAn der Gesamwtheit, sondern auch de» Einzelnen. Gott ist der Vater aller Menschen, welchem Glauben sie auch angehören mögen. Dem Glauben an i hn « uß sich daher die D u l d s a mk e i t anschlirßen, wenn man nicht ander» gegen seinen höchsten Willen sich auflehnen möchte, da »Mannigfaltigkeit offenbar im Plane der Vorsehung liege." Wie Gott in einer Gnade keinen Unterschied macht zwischen Menschund Mensch, wie er die Sinne seiner Liebe und Gnade auf Alle, Alle scheinen läßt, wie er dieselben «uch nicht verschiedenartig nach ihrem verschiedenen Glauben gestaltet, bewahrt und segnet — sollen auch die Menschen sich nicht getrennt fühlen durch die Bersckiedenheit der religiösen Au» schauung. Die religiöse Duldsamkeit, der religiöse Frieden sollen Platz «eisen »wischen den Menschen im Hinblick aus Ihn, den Vater Aller. Der wahrhaft Religiöse halte fest und treu an dem Glauben, dem er angehött durch Geburt und Ueberzeugung, doch er vergesse nicht, daß die verschiedenen Glauben«bekenninisse viele« Hohe und Edle gemeinsam haben, und er verurtheile und verdamme Niemanden wegen seine« Glauben». Wer wit Liebe den Wahrheiten seine» Glauben« anhängt, der verdien», d, jede Religion Gute« bezweck», nicht Zurücksetzung. ,In welcher glückseligen Welt würden wir leben, wenn alle Menschen die Wahrheiten a׳nähmcn und auäübten, welche die besten Ehiisten und die beste» Jaden gemeinsam haben." Nicht Glaub nseinheit, sondern GIauben«kreiheit, daß nach tem Worte de» großen König» jeder natt seiner Weise selig werden dürfe, daß ist eine Hauptforderung, »m die Mendelssohn flehentlichst bittet. Jeder schaffe tu seiner Weise da« Gute, — und Gott wird den ehrlichen Willen und die treue Ab- Minen. Und die Seele, die da» Gute gewollt und erstrebt, die «eben geliebt und die Wahrheit gesucht — ihr ist al» einem Lheste de» göttlichen Wesen» die Unsterblichkeit gewiß; sielst unverginglich wie d'e Wahrheit, nach der zu ringen die Ausgabe d.» gott» ähnlichen Wesen« hienieden ist. Die Seele, die aus Erden die An» Näherung an die Vollkommenheit Gotte» erstrebt, sie wird nicht vergehen, sondern ihre Bestimmung und Sehnsucht wird einst befriedigt werden. Da« find in Kürze die Anschauungen Mendeldsohn«. E« hat wohl viele gegeben, die Größere«, G wattigere« geleistet, «her e» gi bt wohl Wenige, die so edel und »rhrhast, voll Demuth und Bescheidenheit ih e Kräfte kn den Dienst de« Höchsten gesielt, e« giebt W mige, die so redlich und selbstlo» sich bemüht für die sittliche und religiöse Srz'ehung der Menschhnt, sür die Wtckunz der edelsten Empfindungen. Darum find auch alle — selbst die zeitgenössischen G'gner Mendel«» sahne — einig in der Verehrung desselben. Und da» Kamite zur Ecrich'unz eine» Mose»»Mendel«sohn-Denkmrl«, zusammengesetzt au» Männern verschiedener Konfessionen und Stand:, hat einmithlg mit vieler Mühe sich beMffen, dem wackeren Sohne dieser Stadt hier ein Denkmal zu weihen. Unter gnädigster Zustimmung d.-S hochedlen und allverehrten Lande»fürstea. der gleich Hochfeinen in Sott ruhenden Ahnen stet» Förderer olle» Hohen und Guten gewesen — und du.ch eine allgemeine Theilnahme ist nach verhältnißmäßig kurzer Zeit da» Werk beendet. Und in dieser Stunde, die ibre höhere Weihe und Be» deutung durch die huldvolle Anwesenheit unsere«-gnädigsten nnd hoch» verehrten LindeSherin, durch die Gegenwart un'erer von Alt und Jung innig verehrten Frau Herzogin und Hochihre« durchlauchtigste.. Hause« erhalten hat, übergebe ich Ihnen, geehrter Herr Oberbürgermeister, al» dem Vertreter dieser S adt im Namen de» komite» zur Errichtung eine» Mose« Mendelssohn-Denkmal», da» Denkmal und bitte Sie, daffelbe zu übernehmen. Möge e» dieser Stadt zur Zierde und auch zum Segen gereichen. Möge e« hiaeinrazeu in die ge^egnüen Fluren unsere» geliebten Anhaltlande», in die weite» kreise unsere» großen deutschen Vaterlandes all ein Symbol de» Frieden» und der wahren Duldsamkeit. Da« walte Gott, unser Aller Vater." Al» letzter Redner bestieg Herr Oierbürgermrister Dr. Funk die Tribüne, um einen kurzen Ueberblick über die C8.tt׳ stehung de« Denkmal« und die Thätigkeit de« Komitees z׳l geben und Namen« der Stadt für diese neue mouume.tlale Zierde zu danken, gleichseitig daß Gelöbniß au-sprechend, daß die Stadt diese« Denkmal hüten und in Ehren halten wolle. Mit einem Schlußchor halte die würdige Feier ihr Ende erreicht. Vorher waren noch drei schleifengezierte Lorbeerkränze mit Widmung, je einer gestiftet von dem Mendel«» sohn-verein in Frankfurt a. M., von der Mendelssohn» Stiftung zu Leipzig und von dem Akad. Verein für jüdische Geschichte und Litteratur in Berlin» an den Stufen de» Denkmal« niedergelegt worden. Hierauf hielten die höchste» Herrschaften Eercle, verschiedene hiesige und auswärtige Per» sonen durch huldvolle Ansprachen «»«zeichnend. Nach einer eingehenden Besichtigung de« Denkmal« verabschiedete sich der Hof, die Festtheilnehmer begaben sich aber nach dem BahnhofShotel, wofelbstihrerbereit« das streng rituell von einemBerliaer Restaurateur hergerichtrte Festmahl harrte. Die lange Reihe der Toaste eröffnet« der anwesende Vertreter der Staatsregierung, HerrSeh. Reg.-Rath R t n d f l r i s ch, mit einem Hoch auf Kaiser und Herzog. Ja formvollendeter, geistvoller Rede feierte Herr Oberschulrath Rümeltn die anwesenden Nachkommen Mose« Mendelssohn«, worauf in deren Namen Herr kommerzienrath Ernst MendelSsohn-Bartholdy mit einem Trinkspruch auf da« Denkmalskomitee, in»besoadere auf Hra. Oberbürger» meiste! Dr. Funk, antwortete. Letztgenannter Herr gedachte der Festredner, insbesondere de« Hra. Prof. Lasso» und weihte diesem sein Gia«. Herr Profeffor Laffon ehrte den Schürfer de« Denkmal«, den leider wegen Unwohlsein« an der Lhcilnahme am Festwahl behinderten Bildhauer Heinz Hoffmeister. Sooann erhob sich Hr. Justizrath Makower zu einer tiefergreifenden, von echt Mendel«?ohn'schem Geiste durchwehten Ansprache, in welcher er seinen Glaudea«genoffea die Tugenden M«se« Meudel«sohn'« zur Nacheiferung, vor allem die Tugend bescheidener Mäßigung und Duldung empfahl, dieselbe al« da« sicherste Mittel zur Abwehr, uuduldsamer Regungeu und Kränkungen bezeichnend. Sein H»ch galt dem gemeinsamen deutschen Baterlande, in da« die Ver» sammelten begeistert einstimmtea; gleichsam zur Bekräftigung diese» Trinkspruch« intonirte die Kapelle da« Lied ,Deutschlanb, Dmtschland über Alle»-, deffen erste Strophe von den Festgenoffen unter Hellem Gläserkltngen mit bewegtem Herzen gesungen wurde. Damit war aber die Reihe der Trinksprüche und Reden noch nicht erschöpft; Hr. LandeSradbiner Dr. Weiße erhob sein Gia« zu Ehren der St«dt Deffau. Hr. Sanität«rath Dr. F ü r st-Leipzig gedachte der Jugend, al« oer zukünftigen Trägerin deutscher Gesittung, un» weihte ihr, insbesondere der akademischen Jugend, sein Gia«, auf daß sie im Meudel«s»hu'schea Geiste fortlebe. Hierauf erwiderte Hr. »tuä. G ut m auu mit einem begeisterten Hoch auf die Wiffenschaft,