Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 21 (1890)
- Issue
- 25 (19.6.1890)
- Date
- 1890-06-19
- Page
- Seite 189 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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198 Drei Heftalten, welche Lyrik. Sage und Satyre in ge׳ titngnKr Ausführung symbolisiren, schließen da« Ganze nach unten ab. An» MeLkenßnrg. Im Juniheft von .Nord u. Süd" veröffentlicht ft. Th. G aedertz ungedruckte Briefe und Dichtungen Fritz Reuter«. Tiner dieser Briefe, den der Dichter au einen alten Schulkameraden, den praktischen Arzt Dr. Michel Liebmann zu Stavenhagen, richtet, lautet: .Mein lieber treuer Bruder! weiß Gott! mit wahrem Schauder setz« ich mich ««glich an den Echreibtilch, um eine fast erdrückend« Lorrespondenz abzuwickeln, aber heut« Morgen ist H ander«, heule Margen ist e» «in« Freud« für mich. Mi« ich au« mecklenburgischen Zeitungen ersehen Hab«, habt Ihr Gtem» hügrr einen langersehnten Wunsch mei,.e» verstorbenen Vater«, die Cr• rlcytuug eine« Krankenhause«, der Eriüllung nah« gebracht, und da wollte ich docb auch gerne mein Scherslein beisteuern. — Der gütige «ott ha» meiae Schriststellerei reichlich gesegnet, so daß ich nach inensch. licht» Ermessen wohl ohne Sorge in die Zutuns« schauen kann, und uu» laust mir da gestern ein hübsche« Goldfischleia in mein Rep, und da«, denke ich, soll Euch für da« Krankenhau« zu Gut« kommen. Mir tk »Lmlich di« grobe Ehre geworden, daß mir die deutsch« Nation durch da« Komitee der Tiebge-Stistung in Dre«deu ein Ehrenprei» von >00 Ducaten übermittelt ha». Und für dies« Summe habe ich für «eine liebe Vaterstadt di« einliegenden :!SO Rthlr. preuß. Lour. zu de« oben angeführten Zweck bestimm», der Rest wird in ähnlicher Weis« verwendet werden; ich halte e« nämlich sür Unrecht, eine solch« «hrenvolle Gab« sür Fleisch und Brot und Hosen uud Röcke zu »er- »rtv<1(, wenn man'« nicht gerad« hochnötig hat. Nicht weil Dein und Deine» Schwiegersöhne« Name in dem betreffenden Zrltung«»Lrttkel gena..»t wu.b«, sondern weil ich seit langen, langen Jahren Dein treue«, ehrenvolle» Wirken in Deinem Berufe und Deine Lieb« und F.eundschast für mich kenne, send« ich diese Gabe an Dich. — Dir, dem Juden, der in trübster Zeit, in Roth und Tod treu zu mir gestanden bat, verdank« ich viel mehr, al« manchem durch seinen Glauben aufgeputzten Khnftenmenschen. Nun kommen sie, Biele, ach sehr Viele! «• sind die bravsten Leut« und aufrichtigsten Freund« darunter; aber damal«, al» «» Noth »hat, da hatte ich wirklich keinen, de» mir so treu »ur Seit« stand, wie Du. — Nun grüße mir Dein« lieb« Anna von ihre» alten Onkel und von deffen Frau, streich' ihr in deren Namen da« schön« Haar von der wejßen, hohen Stirn und dann geh' zu de n Meiuigen, grüß' sie ebenso warm und dann zu dem ehrenhaften, lieben Pastor Niederhösrr und dank thm sür seine Treu« in mcinrm Namen. So, nun, Ihr lieben Slemheger Kinder, genießt e« in Gesund» heit — HLt.e ich beinah« gesagt, wenn'« nicht für schwere kranke Tag« gesandt wäre. Eisenach, den 24, März 1867. Dein aller Freund Fritz Reuter." Oesterreick-Uagarn. Mit». Die österreichische Regierung hat in diesen Lagen Herrn Baron Hirsch eröffnet, daß sie bereit sei, die ihr vorgelegten Statuten seiner 12 Millionen Francs-Stiftung für Galizien, Krakau und die Bukowina zu genehmigen, unter der Bedingung, daß ihr da« Recht ringeräumt «erde, die Hälfte der Suratoren zu ernennen, während die andere Hälfte durch Tooption sich stet« ergänzen soll. Da die Regierung über die Hälfte der Stimmen de« Turatorium« verfügt, so wird e« ihr leicht sein, auch auf die «wptirteu Luratoren ihre« Einfluß.geltend zu machen, so daß sie eigentlich für ewige Zeit da« Euratorium ernennen wird. Die Antwort de- Herrn Bacon Hirsch ist noch nicht «folgt. Mien, 11. Juni. Unter dem Vorsitze de« Präsidenten David Ritt« v. G uttmann hielt vorgestern die israelitische ׳ Allianz ihre 17. Geoeral-Versammlung ad. Der vom Ge» »»einderathe Dr. Stern erstattete RecheuschaftSbericht constalirt die erfreulichen Fortschritte, welche unter der Aegide de« I Beretn« da« Schulwesen in Galizien zu verzeichnen hat und Letout mit lebhafter Befriedigung die bevorstehende Eröffnung rin« neuen Schule in BorySlaw. Auch in den übrigen Rrooläudern wurden namhafte Subventionen für Einführung «nd Erhaltung eine« regelrechtru ReligionSunt«richte« de- -willigt. Ferner wurde der Förderung de« Handwerke« »nt« d« israelitischen Jugend besondere Aufmerksamkeit zngrweudet uud diesem Zwecke namhafte Opf« gebracht. D« Beretn zählt jetzt c. 4000 Mitglied«, welche an Jahre«» üetträge» 15.681 fl. leisteten. Im Jahre 1889 haben sich di« Gesammtetnuahmen auf 34.474 fl., die Au«gaben auf '-57.860 fl. beziffert. Da« Gebarun»«drficit p« 23.386 fl. 48 kr. wird au« de« Fond« bedeckt w«de«, welcher sichrer» zeit auf 141.644 fl. beläuft. Die «»«scheidenden Functioujlre wurden mit Akklamation wiedergewählt. Ein Delegirt« au« Ungarn, Dr. Schnitzer (Somorn), sprach den Wunsch au», e« mögen, nachdem durch die Aktioiiung der Baron Hirsch' schen Stiftung für Galizien reichlich vorgesorgt ist, die Mittel dr» Vereine« in größ«rm Maße für die Förderung von L'ilduogSzweckm in Ungarn herangezogen w«den, wo in vielen Theilen de» Lande» dieselben kulturellen Jutrreflen zu vertreten seien, al« in Galizien. D« Vorsitzende Ritt« von Gutwann erklärte, daß diesem Wunsche, soweit e« die finanziellen Kräfte d« Allianz gestatten, Rechnung getragen werden wird. Man trägt sich im Unterricht«ministerinm mit der Absicht, eine SaquSte einzuberufen, welche ein Gatachten bezüglich eine« einheitlichen Lehrvlane« für den i«raeliti» schen Religionsunterricht an den Volk«- und Mittelschulen der österreichischen Kronländer abzeben soll. Den Bestimmungen de« Schulgesetze« gemäß wird der itraelitische Religionsunterricht durch die Vorstände der iSraelittschrn CultuSgrmeinden besorgt und zunächst von ihnen überwacht, dergleichen wird auch die vertheilung de« Lehrstoffe« auf di« einzelnen Jahre-curse von ihnen, beziehungsweise deren Funktionären. d. i. den israelitischen Reltgion«lehr«n fest» gestellt. Der hiesige ,Seotralvrrein zur Pflege jüdischer An׳ gelegenheitcu" hatte einen diesbezüglichen Entwurf an den Untrrricht«miuister eingeschickt, welch« vom UaterrichtSmiuist« dem böhmischen LavdeSschulrathe und von diesem der Prager israelitischen Eultu-gemeinde-Reprästdenz zur Prüfung und Begutachtung zugemittrlt wurde. Da nunmehr die betreffenden Gutachten an da« Unterrichtsministerium erstattet worden sind und auch die israelitischen Tultu-grmeinden Mähren« in derselben Angelegenheit Eingaben an da« Uuterrtcht«» Ministerium gerichtet haben, so wird in nächster Zeit eine EnquSte nach Wien einberufen werden, welche einen «inheitlichrn Lehrplan für den israelitischen Religiou«unt«richt an sämmtlichen Bolks» und Mittelschulen der österreichische» Monarchie der Unt«richt« Verwaltung vorlegen soll. Zkrag, 15. Juni. (Or.׳Lorr.) Gestern hielt Hr. Rabbin« Dr. Gelb bau« anläßlich de« 100jährigen Geburtstage« im neuen i«rael. Tempel eine Sedächtnißrede auf Rabbi Salamou Jehuda Rapoport. Ausgehend von d« Be» kündigung: »Schicke Männer, um da» Land Kanaan zu erkundend feierte der Redner ihn al« den Mann, der von der Vorsehung geschickt wurde, da« geistige Kanaan, die jüdische Wiffenschaft, zu erkunden und zu erforschen; « wandte sehr paffend auf den Pionir der jüdischen Wissenschüft da« Talmudwort an: בתחירה היתה תורה רומה לכפיפה שאץ לה מאזנים עד שבא שלמה ועשה לה מאונים. ihn al» Gelehrten, Priester und Menschenfreund würdigend. Da« zahlreiche Publikum erhob sich von der eindrucksvollen Predigt sichtlich angeregt, spontan beim Gebet für den Verewigt«. —r. An» Angara, 15. Juni. (Or.»Eorr.) Sehr angenehm b«ührt wette Kreise die von der gesch. Wochenschrift (Nr. 24) mitgetheiite Resolution der Generalversammlung de« Beretn« i«r. Lehr« in Schlesien uud Posen. Die Ehre und die Wahrheit sind sittliche Mächte, welche die öffentliche Meinung erobern müssen. Vielleicht wäre e« aber nicht überflüssig gewesen, »och besoud«« hervorzuheben, daß die von den Propheten gelehrten Sittenwahrheiteu von deu Weise« und Lehrer« de« talmudisch-rabbinischm Gchrittthum« theil« au-gelegt, theil« auch zu selbstständigen Lehrsätzen um׳ geprägt worden find zum Zwecke moralischer Heilswirkung sür die ganze Menschheit. Nebenbei sei bemerkt, da« Somlyi im Ungarischen nicht ,Stier," sondern deu Namen d« Ortschaft bedeutet, wo d« berühmte Tomlau« Wein wächst und gedeiht. Wenn doch nur die Thora (die ja mit ״Wein" verglichen wird), die mau au« Ungarn zn höre» bekommt, imm« dem gut« Ungar-Wein gleich« würde. E« stände daun sehr gut «tt dem ungartscheuJndesthnm uud der geiftigenProduktion desselben.