Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 21 (1890)
- Issue
- 25 (19.6.1890)
- Date
- 1890-06-19
- Page
- Seite 188 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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v. Sieb er mann, wurde von diesem fortgeschleudert, und al» er damit nicht genug hatte, von einigen Heidelberger« unter ״Heil"rnfen körperlich gezüchtigt. Der größte Dank gebührt der Schutzmannschaft, die durch umsichtiges und energische« Eingreifen auf dem Bahnhof ia Ladenburg einen ernsteren Zusammenstoß verhinderte." — Der Sroßherzog von Baden hat nach den ״Münchener Neuesten Nachrichten" sich gegenüber einem Mannheimer Beamten mißbilligend über den Antisemiti«» mu«, der gegenwärtig in Baden getrieben »erde, an«« gesprochen. Bei Fortdauer dieser den religiösen Frieden de» drohenden Agitation werde der Großherzog strenge Maß» regeln anwenden. — Nach dem ״Generalanzeiger" in Mannheim hat der Großherzog geäußert: die antisemitische Partei nenne sich mit Unrecht eine konservative. Der Großherzog betonte dabei, daß auf seine persönliche Anregung die Sache bei der großherzoglichen Regierung zum Gegenstände von Berathungen gemacht worden sei und versicherte, daß seine Regierung dieser Bewegung in unserem Baterlande ihre volle Aufmerksamkeit schenke und uSthigenfall« die geeigneten Maßregeln zum Schutze de« Frieden« unter den Konfessionen ergreifen werde. — Hinzugefügt wird noch, daß der Großherzog den betreffenden Herrn ermächtigt hat, seine Aeußerungen auch weiteren Kreisen bekannt zu geben. Igresla», S. Juni. (Or. - Cor.) Am 29. ». M. hat die diesjährige Geueral-Bersammlung de« Stellen-NachweiS» Verein« jüdischer Laufleute stattgefunden. Wir entnehmen au« dem, von dem Vorsitzenden erstatteten Bericht über die Thäligkeit de« Verein« während der beiden letzten Jahre, Folgende«. Der Verein hat nach jeder Richtung hin Fortschritte zu verzeichnen. Seine Mitgliederzahl ist von 406 auf 473 gestiegen; er hat während der BerichtSzeit 51 Laranzen durch seine Vermittelung besetzt und könnte, wenn die Vacanz-Meldungen nicht so spärlich eingingen, bedeutend mehr leisten. Die Mitglieder und Alle, welche e« mit der Heilighaltung der Festtage ernst meinen, werden daher er« sucht, die etwa bei ihnen eintretenden Vacanzen, rechtzeitig dem Vereine anzumelden. Der Lassen-Abschluß ergiebt, daß der Bestand sich von 912,67 M. auf 1430,21 M. gehoben, also um 617,64 M. vermehrt hat. Hierauf wurde Entlastung ertheilt, der Schriftführer ist nach wie vor Martin Fraeukel, Schwertstraße 5» prt. Vorstand und Revisoren wurden wiedergewählt und einige verbeffernde Aenderungen de« Statut« beschlossen. A. L. Dresden, 9. Zum. (Or.-Eor.)> Auf Beranlaffung de« Herrn Rabbiner« Dr. Winter ist in letzter Zeit der Religionsschulbesuch gleich mit dem Eintritt eine« Linde« in die Schule für ״obligatorisch" erklärt worden. Die energische Durchführung dieser Maßregel, die in dem Grundsätze wurzelt, daß schon dem frühesten Linde-alter die biblischen Erzählungen in einer, unfern religiösen Anschanungen entsprechenden Auffassung dargeftellt «erden sollen, erfuhr so» wohl von einer Anzahl Schuldirektoren, al« auch von Gemeiudemitgliedern Opposition, die indeß erfolglos blieb. Dieselbe kömrte allenfalls nach einer Richtung hin begründet erscheinen. In dem Umstand nämlich, den die vom ReligionSschul-Sokal weitab wohnenden Eltern geltend machen dürften, solche noch dem zartesten Lin de« alter angehörige Snaben und Mädchen in jeder Jahreszeit und Witterung derartige große Entfernungen, im Leben und Treiben einer Großstadt zuweilen nicht ohne Bedenken, zurücklegeu lassen zu müssen. Die Errichtung einer Filiale der Religionsschule erheischt freilich Opfer, al«: Vermehrung der Lehrkräfte, Lokalmiethe x. Allerdings dürften für die größtmöglichste Wirksamkeit de« Religionsunterrichte« keiner Gemeinde die Opfer zu groß sein. — Ein nenlicher GemeinderathSbeschlnß ordnet die Ab« Haltung der Seelenfeier am 8. Pessach- 2. SchownauStage, sowie am •Jom kippar, von nun ab auch dann an, wenn insbesondere die erstgenannten Lage auf einen Sa b d a t h fallen. (Am Jom kippar war die« schon immer so gehalten worden.) Am Gqmini-Azereth kommt die Seelenfeier in Wegfall, weil er dem Jom kippar zu nahe liegt. Den sich schon seit Jahren nöthig erweisenden und. bisher in den Händen von Privatunternehmern befindlich' gewesenen NebengotteSdienft an den höchsten Festtagen nimmt in diesem Jahr zum erstenmal die Gemeindeverivaltung selbst in die Hand, und wird da« SachS'sche Machsor al«?fficielle» Gebetbuch daselbst gelten. (In unserer Synagoge ist bekanntlich für diese 3 Tage da« Stet n'sche in Gebrauch.) Herr Religionslehrer Auerbach ist zur Abhaltung von An» sprachen und Predigten defignirt. Moschi» (Posen). 4. Juni. Am gestrigen Tage fand hier die Einweihung der neuerbauten Synagoge statt. Herr Rabbiner Dr. Bloch au« Posen begab sich zu diesem Be» Hufe mit dem LorvorationSvorstande und dem zur Einweihung geladenen Vertreter der Stadt, Herrn Bürgermeister Del ica» in die neuerdaute Synagoge, worauf Herr Eantor Da ntschew«ki die Feier mit einem mehrstimmigen Ehoral einleitete. Nachdem der Herr Rabbiner die ewige Lampe angebrannt hatte, wurden durch denselben nud die Vorstands« Mitglieder die Gesetzesrollen von außen in den Tempel gebracht nnd von dem LorporationSvorsteher Herrn Laufmann Silberstein in die BunteSlade gestellt, worauf vom Laator DauischewSki der rituelle Ehoral gesungen wurde. Herr Dr. Bloch hielt die zu Herzen gehende Weiherede. Hierauf wurde der Psalm 84 rezitirt und vom Herrn Rabbiner da« Gebet für Se. Majestät den Laiser und die Kaiserliche Familie gesprochen. Zum Schluß wurde der Ehoral ״Herr der Welt" gesungen. Hiermit schloß die würdige Feier, welche nicht nur auf die anwesenden israelitischen Gemeinde- Mitglieder, sondern auch auf die mit Eintrittskarten »er» sehenen zahlreichen Gäste einen tiefen Eindruck hinterließ. Nach beendeter Einweihung versammelten sich der Herr Rabbiner, der LorporationSvorstand und einige Gäste, sowie der Vertreter der Stadt, Herr Bürgermeister Delica, in dem Hause de» LorporationSvorsteher« Herrn Silberstein zu einem Festmahle. — Bezüglich der neuen Synagoge sei noch bemerkt, daß dieselbe an Stelle der alten abgebrochenen recht baufälligen und zwar auf demselben Platze errichtet worden ist. Der Bau ist al» ein durchaus wohlgelungener zu bezeichnen. Die innere Einrichtung ist prächtig und läßt nicht« zu wünschen übrig. Die Synagoge wird jetzt noch mit einem schönen Zaun und einem Garten umgeben werden, so daß der ganze Bau umsomehr auch der Stadt zur Zierde gereichen wird, da er am Eingänge derselben gelegen ist. Düsseldorf, 9. Juni. Sestern fand hier eine Sitzung de« Eomitä« für die Errichtung de« Heine-Denkmal» statt. Die bi« jetzt nnter der Hand veranstalteten Sammlangen haben einen Baarbetrag von annährend 20,000 Mk. ergeben. Die Versammlung hielt e« daher für angezeigt, nunmehr mit einem Aufrnf vor die deutsche Nation zu treten und auch in denjenigen Ländern, in welchen Heine ein gefeierter Dichter und durch ausgezeichnete Uebersetzungen den Literaturkundigen ein Lieblingsschriftsteller geworden ist, die Absicht kundzugebeu, ihm in Düsseldorf ein Denkmal zu er» richten. Der Bildhauer Ernst Herter in Berlin hat zwei Denkmalskizzen angefertigt, von welchen die eine den Dichter in ganzer Figur darstellt; die andere ist ein Brunnen, welcher auf der Vorderseite de« Sockel« da« lorbeerumrahmte Relief»' Porträt de« Dichter« trägt. Da« Gesicht ist edel modelltrt, jugendlich und sehr ähnlich, bartlo«, mit reichem Haarschmuck. Oven auf dem Postament, von eine« Fel«stück herabschanend und da« wallende Haar kämmend, steht 4ie Figur der Lorelei. Den Sockel umgiebt ein Bassin, welche« au« einem Mar» morbecken unter dem- Reliefbild de« Dichter« gespeist wird.