Mannheim
Compact Memory

Israelitische Wochenschrift · 1890-06-19 · 25 (19.6.1890) · p. Seite 187

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
21 (1890)
Issue
25 (19.6.1890)
Date
1890-06-19
Page
Seite 187 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/6492344-5935074-5956727--0219-5373831
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

— 191 — fcamibct »erde» können und auch in der Lhat immerfort auf beide bcjogcn werden. >»f christlichen Kanzeln wird in der Wege( gelehrt, daß wenn et» Christ seine Sünden nicht bekennt und nicht an da» versöhnend« Blut Christi glaubt, er sich de« Blute« de« Erlöser« schuldig macht und denen im Geiste gleich ist, welche ihn gekreuzigt haben. Der Brief au die Hebräer (6, 8) spricht von Christen, welche den Gotte«sohu immer auf« Neue kreuzigen und ihn öffentlich beschäme«. E« ist anch die allgemeine Lehre de« Evangelium« baß ei» Lhrist, ebenso wie eia Jude, nicht eher selig werden kan«, al« wenn er eine» demüthigen, bußfertigen Glaube» an Lhristu» bekundet. Juden und Christen stehen in Bezug auf dies« Lehre auf derselben Stufe. So lehrt der H. Paul«« im RSmerbriefe 1. 16 — 3, 9 — 10, 4 uud 29, 40. Daher glaube ich nicht, daß da« Borurtheil, von welche« Sie sprechen, auf die Kirche und Sonntag«« schule zurückgeführt werden kaau. >uch Ihre dritte Frage beantworte ich mit 92״««!*. Die Sittenlehre, welche die 10 Gebote enthalten, ist die an» erkannte moralische Richtschnur sowohl für Juden at« Christen. Ich weiß bestimmt, daß manche Christen nicht nach dieser Richtschnur leben und setze voraus, daß auch manche Juden die« nicht thun. Ihre vierte Frage setzt mehr Wissen vorau«, al« ich beside, um sie genügend zu beantworten. Mt einem Worte gesagt, halte ich eine wa hrheit«gemäße Darstellung der beiderseitigen Standpunkt« für da« beste Mittel. Daß in Bezug auf die Person und da« Wirken Jesu von Nazareth eine unzuvereinbarende Meinungsverschiedenheit zwischen den Bekenner« der beiden Religionen besteht, unterliegt keinem Zweifel; aber nur eine falsche Darstellung jeder derselben kann dazu beitragen, Borurtheile zu erwecken. Ich kann mit dem Borurtheil, von welchem Sie in Ihrer ersten Frage sprechen, nicht sympathifiren; auch kann diese« kein wahrer und aufrichtiger Christ. Diejenigen welche eine christliche Gesinnung besitzen, können weder ״Uebel» wollen noch Lieblosigkeit gegen die Kaffe zeige«, au« welcher nach ihrem Glauben ihr göttlicher Erlöser nach dem Fleische hervorgiog. Uud ganz gewiß ist e«, daß die Juden in der neueren Geschichte eine wichtige und ehrenvolle Rolle gespielt haben. Der Philosoph Spinoza war ein Jude. Während aber jeder christliche Philosoph deffeu Panthci«mu» auf« Entschiedenste bekämpfen und verwerfen muß, gesteht er demselbe» dennoch gern den Ruhm eine« bewuudern«werthen Jntellect« zu. Ne an der» der größte Geschichtschreiber der christliche» Religio«, war eiu Jude, und mancher Lehrstuhl auf t rutschen Universitäten war von berühmten Lehrern diese« Volke« besetzt. Die berühmten Mufikheroen Me herbe er und Mendel «sohu entstammten jüdischem Blute. Zwei von Napoleon« berühmtesten Marschällea, Soult und Massen«, waren von jüdischer Herkunft. Ja der Diplomalie finden wir jüdische Namen zahlreich vertreten; unter diesen den berühmten Di«raeli, welcher Beredsamkeit mit Scharfsinn verband. In der Philanthropie ragt der Name M ontefiorr hervor und im Finanzwesen behaupteten «ährend zweier Jahrhunderte die hebräischen R o t h s ch i l d « de» höchste» Rang. Ihr aufrichtiger New-Iork, 13. Februar 1890. D. G. T. Schedd. 4. Folgende kurze aber treffende Lntwort ertheilte Wm. Dean Ho well« in Boston: »a 1) Ja der Lhat nicht! »d 2) Gewiß nicht! ad 3) Net». Die Judm variireu nach ihrer Erziehuag und ihrem Trmpera»»rut ebenso wie die Christen. aa 4) Man mache die Christen zu Ehrtste»! 8. Haben Lie, s» weit Ihre pers-nllch« Erfahrung reicht, in de« aesellschastltcheu oder geschäftlich«» Verkehr »it oea Juden irgend ein Verfahre» bewerft, «elche» von de« Lee in derselbe» soziale» Stellung sich besindenden Ehistea »«schieden i st? 4. Sonnen Sie angebe», wa» gethan wrrden mähte, da» bestehende VornrtheU zu verscheuchen? Die Nrdactiou de« ״American. Hebrrw* hat sämmtlich« 60 Antworten in einer Extra-Nummer im Umfange vou 46 Seiten abgedruckt uud sie mit folgenden Worten begleitet: ,Die llollection der «ingegangrnen Antworten auf unsere Frage» in Betreff de« Borurtheil» gegen di« J»de», enthält oha« Zweifel die wichtigste Erörterung diese« Thema'«, welch« je t« Drück erschienen ist. Sie zrig» eine ruhige, offene und leldeiisrastslose Be- Handlung der Frage von der Feder der hervorragendste., Männer unsere« Lande«. Da« bedeutung«vollste Eharakleristiku« der llollection ist die übereinstimmende verurthetlung de» beregten Borurtheil» und seiner Manifestatloaen. Wa« die Erscheinung betrifft, aus «e'ch« wir oft in den Spalten unsere« Blatte« hingewiesen haben, daß nämlich diese« Borurtheil zum großea Theil die Folge der in der Nirche und Sonntag«schule verbreiteten Lehre, daß Juden ten Heiland getiidtet haben, sein soll, so sind nur wenige unter den S treibern, welche sich selbst gestehen möchten, dah diese« wahr sei. Di« Aeutzerungen de« Bischof« Littlejoh n. de« Dr. Morgan Dt oc und andere beweisen aber zur Genüge, daß wir un» tu unserer Ansicht nicht so ganz geirrt halten. Die Thatiach« sei von un» anerkannt, dah e« anstößige, roh« und ungesittete Jude» siebt. Aber auch die entgegengesepie Erscheinung wird zugegeben, dag nämlich die Juden diese Seite der menschlichen Natur nicht al« ei» Monopol in Besitz haben. Hieraus ergiebt sich dann die ganz natürliche Folgerung, daß anstößige Personen aus der befferea Gesellschaft ausgeschlossen werden sollen, nicht weil sie einer gewiffen Ncligion oder Nass« angehören, sondern ausschließlich deshalb, weil sie anstößig seien." (Eine deutsche Uebersetzung dieser Collection wäre verdienstlich. N.)_ gttidjU und Vorresponderrzerr. üDet1tfd)l4inb. $(•!«», 16. Juni. (Or.'Lorr.) Geehrter Herr Dr.k Ich möchte Sie bitten, folgende ״Erklärung*' zu bringen: Eine Notiz im Brieskaftea der vorigen Nummer ergiebt, daß ein Herr G. L. mir den Borwurf «acht, ich habe mit meiner Anzeige der Maybaum'schen ״Homiletik" in der Ztg. de« Judenthum« eine Apotheose geliefert. Um einem Mißverftäadniß so «eit al« möglich vorzubeugen, erkläre ich gegenüber diesem Vorwurf: ich habe die betr. Anzeige weder auf Wunsch Maybaum'« noch aumeiner eigenra Initiativ«, sondern e«nzig und allein auf Wunsch jener Redaction abgefaßt; ich habe meinen Namen nicht an die Spitz« de« Aufsatze« gesetzt» ihn vielmehr ««»gestrichen, al« ich die Korrektur la» und ihn dort oorfand, ja der Redactioa noch die Bitte au«grsprochra, daß mein Name «egbleibe. Eine Apolheose ist meine« Erachten« die Anzeige nicht, denn in wesentlichen, ja in oen wesentlichsten Punkten widerspreche ich den Ansichten Maybaum«. Daß der Widerspruch in der Form höflich ist, daß ein Rabbiner dem andern, zumal weuu sie Studieagenvssea find, nicht die Augen aushackt, sollte doch in den Augen de« Herrn G. 8. für kein unver« zeihliche« verbrechen gelten. Ripp«er. Au» dem Erotztzerzogtß»« Matze«. Der Synagogen- Vorstand von Kirchen (Amt Lörrach) hat beim Amtsgericht Lörrach und beim Justizministerium gegen den Justizaktuar Kiefer von Lörrach und beim evangelischen OberkirLenrath gegen den Pfarrer Specht in Zell i. Wiesenthal ,Beschwerde eiugereicht, weil die genannte« Herren ״an dem größere» Umsichgreifen de« verächtlichen, gemeingefährlichen uud von der großherzoglichea Regierung nicht gebilligten Treiben« de« Antisemiti-mu« im kreise Lörrach zum nicht geringsten Theile Schuld hätten.' Der Syaagogenrath Kirchen hat ferner beim Bezirksamt Lörrach eine Beschwerde gegen den polstischen Gemeiaberath Wollbach eingereicht, weil derselbe neulich dea Rathhau»,'aal zu eiuer Versammlung hergab, in der Pfarrer Specht von Zell über ״die Ziele der deutschsozialen Partei* sprach. — Bom antisemitischen Kriegsschauplatz bringt ein Karlsruher Aatisemiteablättchea folgende« charakteristische GesechtSbild: ״So kam e« auf dea Bahnhöfen vou Ladenburg uud später in Heide lberg noch zu Zusammenstößen. Cia betrunkener Mannheimer Spanner, der einen der unfern an dea Schultern packte, wurde durch einen Lopfhteb außer Gefecht gesetzt. In Heidelberg drängte sich der Sozialdemokrat Huhu «uit Schimpfwortea an Herrn

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.