Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 21 (1890)
- Issue
- 24 (12.6.1890)
- Date
- 1890-06-12
- Page
- Seite 182 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/6492344-5935074-5956726--0213-5373826- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Id Sabbath» für eine Sonntagsfeier SffeMlich zu wirten, während einfach hierbei nur ZweckmäßigkeitSgründe, sowie lokale und sociale Verhältnisse maßgebend waren, so darf derselbe nicht nnwidersprochen bleiben, — denn auch der orthodoxeste Israelit kann fich mcht verhehlen, daß wir, je mehr wir da» Bedürfniß einer Sabbathrnhe empfinden, nn« am allerwenigsten weigern dürfen, unserem christlichen Personal eine Sonntagsruhe zu gewähren. Darum werden Sie, geehrter Herr Redactenr. ergebenst ersucht, jene Srwidernng in Ihrem gesch. Blatte im Jntereffe der Wahrheit wörtlich zn veröff«ntlichen. Dieselbe lautet: ״Berlin, den 29. Mai (890. / ... Die Maßnahme der Polizei, welche anordnete, di« Geschäftslokale von!<>—(2 Uhr an Sonn■ und Feiertagen fest verschloffen zu halten, ließ uns in Erwähnung riehen, oh es nicht «mxfehlenswrrthrr wäre, anstatt fich einer polizeilichen Lontrolle zu unterwerft», die Geschäfte an Sonn- und Feiertagen überhaupt geschloffen zu halten. Diese Erwägungen wurden jedoch ausschließlich im «reis« der Grossisten der Lertil - Branche gepflogen und da dies« Anregung allgemein sehr fteundlich« Aufnahme fand, wurde auch nur in diesen Kreisen ein« gemeinsame, fteft Vereinbarung gesucht und, wie bekannt, erzielt. Vas unerwartet schnelle Einvernehmen in dieser Frage hat fein« Ursache einfach darin, daß in den Lnaros-Geschäften an Sonn- und Feiertagen überhaupt nur von 9— \2 Uhr gearbeitet wurde und dadurch polizeilich« Bestimmung, dies« Zeit auf «ine Stund«, von 9—:0 Uhr vermindert wurde, gehorchten wir mehr der Noth, wie dem eignen Triebe und verbanden damit gleichzeitig den allseitig anerkannten humanen Zweck, unserm Personal einen Ruhetag geben zu können, an welchem es fich körperlich. wie geistig kräftigen kann. Bei dieser ^Frag« ist weder di« Sabbath. noch der Sonntags-Feier, noch überhaupt der Religion gedacht worden, vftlmehr ist diese Agitation einzig und allein durch die polizeilich« kjandhabung eine» Landesgesetzt» veranlaßt, welchem Juden wie Lhrifien unterworfen find. In welcher weise das religiöse Bedürfniß de» Einzelnen Befriedigung sucht, mag jedem selber überlassen bleiben, jedenfalls ist niemand in ftiner Sabbathfeier dadurch beeinträchtigt, daß jüdisch« und chriülich« Kaufleut« gemeinsam an -onn- und Feiertagen ihre Geschäftsräume geschloffen halten und dadurch den Gesetzen de» Landes Achtung zollen, in welchem erster« als gleichberechtigt« Bürg» den gesetzlichen Schutz genießen. Aber auch von ,,Vordringlichkeit jüdischer Kaufleute" kann ehrlichem weise nicht di« Red« sein und niemand hat durch ״übereiftiges Gethue" fich den Anschein de» Schützers der christlichen Religion zu geben gesucht, noch Anstoß erregt. Ebensowenig kann der Umstand, daß «in Israelit die Frag« der Deffentlichkeit obergab und im Jntereffe der kaofmäimisch Angestellten, zum Zweck« einer einheitlichen Sonntagsruhe, thätig war, Viesen Vorwurf rechtfertigen, vielmehr lftgt di« Ursache in der Thatsach«, daß da» kaufmänmsch« Geschäft zum größten Theil, in fänden von Israeliten liegt. wenn dft religiöse Frage hierbei gänzlich außer Acht blieb, so muß ich mich wegen dieser Unterlaffungrsönd« mit vielen meiner Glaubensgenossen, welch« mich mit dieser Agitation betrauten, trösten, und ich darf die» um so eher ohne religiöft Srrupeln thun als einige unter ihnen strenggläubige Jsraeliten find, welch« fich in hervorragenden Vertrauensstellungen der hiesigen jüdischen Gemeind« definden. Noch weniger aber kam mir ein ״widerwärtiger Eindruck", weder bei meinen jüdischen, noch bei meinen christlichen Mitbürgern, dies« Agitation wegen, zum Bewußtsein. Dagegen sind mir aus kaufmännischen Kreisen, Danksagungen und Dankschreiben zuqrgangen, von denen fich besonders diejenigen mein« christlichen Mitbürg« dadurch auszeichneten, daß di« doppelt «fteut waren, dtese Frage von ihren indischen Mitbürgern angeregt zu sehen, .welche dadurch wftd« den Beweis lieferten, daß wo es humanen Bestrebungen gilt, fie gemeinsam mit ihnen Opfer zu bringen, bereit sind.- Albert Fabian.- 8. Aerlin, 6. Juni. (Or.-Cor.) Nachdem 3 deutsche Rabbiner — Bogelstein-Stettin, Wedels-Düsseldorf und Blnmenstein-Luxemburg — der Einladung de» Borstandes zu Probepredigten gefolgt waren, soll jetzt wieder zu den Magyaren zurückgegriffen werden. May bäum, der selbst au» Ungarn stammt, hat zwar in seiner Homiletik eine Lanze für die einheimischen, in Deutschland herangebildeten Rabbiner, gebrochen; aber in praxi soll doch wieder da» Heil jenseit» der Leitha gesucht wirden. Die HH. Rabbiner Dr. Stier au« Steinamanger und Dr. Neumann au» Sanizsa werten, wie man sagt, nächsten» hier Probepredigten halten. Selbstverständlich fällt eS uns nicht ein, gegen die geistige Kraft dieser Herren irgend etwas vorzubringen; ste haben vielmehr schon da» für sich, daß fie mit dem gegenwärtigen RabbinatSkollegium grade durch die Gemeinsamkeit der Abstammung viele Berührungspunkte haben und sonach gut znsammenstimmen werden. Der elftere der obengenannten Eandidaten scheint an seine» deutschen Namen wenig Wahlgefallen zn empfinden. Wenigsten« ist e» bekannt, daß die- Töchter de« Herrn Stier jünast ihren deutschen Namen abgelegt und fich den Namen Süvalö angelegt haben (wahrscheinlich bedeutet d:S i,n Ungarischen so viel als — Stier). Herr Neu mann hat weder ein deutsche» Gymnafinm noch eine deutsche Univerfität besucht, hat eine ungarische Differtation und ungarische Predigten veröffentlicht. Da« ist natürlich keine Schande, aber es ist jedenfalls beachtenSwerth. Der Vorstand hat offenbar keine leichte Aufgabe; er möchte gern Mißgriffe vermeiden, aber e« ist anzunehmen, daß nur wenn besonder« zwingende Gründe vorliegen, zu den in den Letzten Jahren stattgefnndenen hiefigen vier Rabbinerwahlen von Oesterreichern fich jetzt eine fünfte und sechste gleicher Art hinzugesellen wird. Wir dürfen die Schwierigkeit der Situation nicht verkennen.—(Soweit unser gesch. Lorrespondent. Wie nn» von anderer Seite mitgelheilt wird, soll die Reihe der Probeprediger mit diesen beiden Rabbinern an» Ungarn׳ durchaus noch nicht abgeschloffen sein. Befinden fich doch unter den deutschen Rabbinern gar viele noch, die auSgezeichnete Prediger und — worauf viel ankommt — mit lauter Stimme begabt find. Wir nennen nur einige: Dr. Guttmann in HildeSheim, Rippner-Slogan, Land«, berger-kaiserelautern. kroner-Hannover, Frank-Eöln, Werner-Danzig, Lewin-Freiburg. Salfeld-Mainz u.A.m.) P. Königsberg i. 9r. (Vamberger-Jnbilänm. — Schluß.) Am darauffolgenden Mittwoch fand zu Ehren de« Jubilar« ein solenne» Festeffen statt. ISO Personen, darunter die Spitzen der städtischen Behörden: Oberbürgermeister Selke» Bürgermeister Hoffmann, Stadtverordneten- Vorsteher Weller hatten fich im kneiphof'schen Jnnkerhvf, dem Sitzungssaal der Stadtverordneten, zum Festmale zusammen gefunden. Bon den beiden Vorstehern der Synagogengemeiilde Prof. Dr. Samuel und Dr. A. Faltenheim geleitet und unter den klängen der Mnfik betrat der Jubilar den Saal. Bald nach dem z weiten Gange ergriff Prof. Dr. Samnet da» Wort zu nachstehendem Hoch auf Sr. Majestät den Kaiser: »Meine Herren l Wo übcrall Deutsch« *u festlichem Beginnen zusammmkommen, da gilt Ihr «st« Zuruf Sets« Majestät dem Kais« und König. Um wie viel mehr drängt e« nn« heut und HI« zu diese« Nus, da wir noch uumiltelban unter de» Eindruck d« Anwesenheit der kaiserlichen Majestät« stehe» und Zeug« d« Huld war«, welch« sie Stadt und Laad zu Lhetl »erd« ließ«. Mit dies« Stadt, mit diesem Lande, mit unserem ganz« deut'chm Baterlend« fühle« wir ua« Alle mir Herz und Sinn aus das Innigste verbundev. Deutsch« durch da» Recht der Geburt, Deotsch« durch Gemeinsamkeit d« Erziehung und Bild unp, haben wir seit den FrelheitSkcicgea alle Pflichte» d« Deutsch n cenilbt, sin» wir durch Bersaffung und Gesetz zu all« Rechten berufen. Behüt« Gott, daß da» Palladium all« Freiheiten, dft Glaub«», und G«otsftaSfreiheit, «ad ihre unmittelbar« Folge, dft Gfttchheit aller Konfessionen, je ln uns««« vaftrland« «rnstuch bedroht sein könnfta. R. H., S. Majestät ist »ns« allergüädtaster Herr! Er steht hoch üb« allen Parteien, Üb« alle» polltischeu, über all« religiös««, « blickt «tt Wohlwollen auf jeden Einzeln« ftiner Uuterthaaen, welch« Abstammung, «elche» Bekenntnisse» « auch sei. Er ist d« Sohn jene» edlen Fürsten, der da» «habene Wort sprach: ,Ein jeglicher meiner Unterthanen steht meinem Herzen gleich nahe, haben sie doch Alle in den Tagen d« Gefahr ihr« Schuldigkeit gethan.- Gr. Majestät ist der Enkel de» glorreiche» Wftderherstell«» de» deutsch« Reiches, der am 15. Oktober 1880 bei Einweihung de» Kölner Dam» sagte: .D« BotteSsried« allüberall im Reich« ist d« Gegenstand meines steten Flehen» und mein« täglichen Geb«!«.- Loll loyaler Ehrfurcht und treu« Ergebenheit rufen wir auS: Sr. Majestät uns« allergnädigster Kaiser uud König leb« hoch hoch hoch!- Die Versammlung stimmt begeistert ein und sang stehend den 1. Der» der Nationalhymne. Nach kurzer Pause erhob sich derselbe Redner noch einmal zum Toaste auf den Jubilar. Ausgehend von dem Schriftworte: Die Lehrer aber werden leuchten wie des Himmel» Licht und die viele zur Gerechtigkeit geführt wie die Sterne immer und ewig, schilderte Redner da» segensreiche Wirken ,unsere» Ba mbergerS," diese» unermüdlichen Wecker» und Prediger» der Gerechtigkeit, de» Wohlwollengegen alle, der allgemeinen Menschenliebe.- Sr schloß: ,Heute nach 2S Jahren dürfe« wir nach der Anerkennung der Guten, die vor nn» dahin-