Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 21 (1890)
- Issue
- 24 (12.6.1890)
- Date
- 1890-06-12
- Page
- Seite 181 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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— 191 ' •' ' - , ׳;' ־ ־• ־ ■ ־__־:■ . ־ '• Steiner »Gr.׳Etrelitz wünscht rbensall» Annahme der Resolution. Dr. Kopfstein-Beuthen findet den Grund für den geringen Erfolg, den die Sätze de» Gemeinde»! dunde» hatten, darin, daß sie ohne Quellenangabe | veröffentlicht wurde»!. Auch die beantragte Resolution solle! »ach seiner Ansicht durch Quellenanführungen Nachweisen, daß die Juden zu allen Zeiten und in allen Ländern die Sittengesetzt zu beobachten verpflichtet waren. Der Eindruck auf unsere Glauden-genossen sei dann ebenfall» um so größer. Dr. Badt»Bre«lau hält e» für unzweifelhaft und sicher, daß durch Aufnahme der Resolution in den politi'chen Blättern sie in allen «reisen Verbreitung finden werde. Irgend jemand wüffe doch den Anfckvg machen mit einem solchen Schritte, und er zweifle nicht, daß die Gemeinden und andere Vereine den Beschlüssen beitreten werden. Die Quellen seien, so weit man sie für diesen Zweck brauche, in der Resolution angegeben. E» solle auch gar nicht angegeben «erden, wa» wir Positive» lehren, sondern daß wir nicht unter dem Niveau anderer Religionen stehen, und daß wir für da», wa» unser Stamm au der Cultur gearbeitet, auf Dank und Anerkennung zu rechnen berechtigt find. Der Schluß der Generaldebatte wird beantragt und angenommen. Die Resolution wird darauf von der Versammlung einstimmig angenommen. Der Wortlaut derselben wird in ei», gehender Speztaldebatte durchberatheu und wie folgt fest, gesetzt: Gegenüber den verletzenden Urtheilen, welche wiederholt in jün$ft« Zeit über die jüdische Religion und ihre Bekenner -«fällt worden find, erklärt die Generalversammlung des Vereins isr. Lehrer in Schlesien und Posen, deren Mit- -lieber sämmtlich Lehrer der jüdischen Religion sind, Ef einstimmigen Beschluß Folgendes: 1. Wer behauptet, daß der Moralbegriff der jüdischen Religion in irgend einer Beziehung niedriger steh«, als der Moralbegriff irgend einer anderen Religion, der kennt entweder die jüdische Religion nicht, oder will sie nicht kennen. 2. Jedes Lehrbuch der jüdischen Religion, gleichviel welcher religiösen Richtung entstammend, gleichviel in welcher Sprache geschrieben, dient zum Zeugnis, daß wir eine Religion bekennen und lehren, welcher die Menschheit die zehn Gebote verdankt, eine Religion, welche zuerst die Pflicht der Nächstenliebe gegen jedermann, der Barmherzigkeit, selbst gegen das unvernünftige Tier, gelehrt hat; eine Religion, deren Propheten in ihren hehren Idealen der Gesittung der gesammten Menschheit die Ziele vorgezeichnet haben, denen dieselbe noch heute auf dem Wege zu sittlicher Vervollkommung nachstrebt. Gs ist daher Irrtum oder Gehässigkeit, wenn nicht Undank gegen die Mutter der monotheistischen Religionen, wenn man in dem Zusammenwirken mit den Bekennern unserer Religion, sei es als Schülern, sei es als Bürgern, eine Mich« Gefahr für andere befürchtet. :3. Mit Stolz blicken wir Israeliten als treue Söhne unseres Deutschen Vaterlandes auf die Verdienste, wilche deutsches Denken und deutsch« Arbeit um die Förderung der Rultur der Menschheit sich erworben hat. Mit gleicher Hingebung und Dpfersreudigkeit «ne die Angehörigen anderer Bekenntniffc bethättgen die Bekenner unserer Religion ihre Lieb« zu Aaiser und Reich, find eifrig bestrebt, das Wohl des Deutschen Vaterlandes zu fördern, und werden trotz aller ungerechtfertigten Angriffe, trotz aller verkennung in unwandelbarer Treue an echt deutscher Gesinnung festhalten. Dr. L»hn»kattowitz beantragt: In Anbetracht besten, daß e» wünschen»w«rth ist, wenn die Resolution von möglich vielen Lehrern der jüdischen Religion unterschrieben wird, ermächtigt die Generalversammlung den Vorstand, sich mit sämmtlichen bestehende« Lehrervereinen und sonstigen ihm ge» eignet erscheinenden Bereinigungen und Behörde« in ver» bindung zu setzen und sie aufznfordero. ihre Zustimmung zu der Resolution öffentlich zu erklären. kamerase»Strehlen beantragt, die Resolution in Gestalt von Flugblättern in möglichst weiten Kreisen zu verbreiten. Beide Anträge uxrdrn angenommen. Die Versammlung spricht auf den Antrag von Blumen» feld-Schweidnitz Herrn Dr. Badt-Bre»lau den wärmsten Dank für seine Mühewaltung au». Ein Antrag de» Dr. B r a n n »Pleß, die Mitglieder von Seiten de» Vorstände» durch Eirkular kurz vor der General» Versammlung zur freiwilligen Ueberaahme von Vorträzea und Thesen aufzufordern, wird angenommen. Der Vorsitzende schließt darauf nach '/,2 Uhr die ver» sammlung. _ Da» Protokoll der Sitzungen wurde außer vom Schrift» führ« bet der ersten vnsammlung von Herrn Borchard t» Ostrowo, bet der zweiten von den Herren MalachowSki- Zabrze und Tin tu er-Bunzlau geführt. Die B«rlag»buchhandl«ng von Wilhelm köbaer hatte der B«sammluug eine Anzahl Exemplare d« eben erschienenen ,kindnbtbrl" dr» Herrn Dr. Badt. die Brrlag«buchhandluug von WUHelm Jacobsohu & (£0. riae Anzahl der neuesten Erscheiauagen auf dem Gebiete der Pädagogik in anerkennen»- werthester Weise zur Verfügung gestellt. Max Freudeothal, Schriftführer. Herichlr und Ssrrefprndenzr». Dewtschlwad. Stettin, 6. Juni. (Or^Eorr.) Ein hier erschauende« jüdische» Blatt brachte jüngst einen Arttkel üb« ,Sabbathfei« und Goo»tag«ruhe", in welchem «. A. folgende Stelle« Vorkommen: ״Dies« Frag» drängt sich un» gerade im jetzigen Augenblicke aus, «a in kaufmännischen Krtiftn Berlin» «in« Bewegung im Sange ist. welch« eine straffere Einführung der Sonntagsruhe durchsetzen will. Um den Schädigungen zu entgehen, welch« durch da» Arbeiten der Loncurrenz am Sonntag zum Nachtheil de» Feiernden sich ergeben können, sucht man rheil» durch freiwillige Verpflichtung aller Loncurrenten, theil» durch Anrufung der polizeigewa» «in« Allgemeinheit der -onntagrferer zu erwirken." Sodann wird von ,eiq« gewiffea vordringlichkeit einiger jüdischer Firmen" gesprochen» die ,durch allttlei übereifrige« Gethue den Anschein «wecken, al» wären fie zum Schutze d« christlichen Rcligou»«inricht«»ge» von der Vorsehung bestimmt.» Weit« heißt e»: ,^venn sie da, Bedürfniß nach einem strenger gehaltenen Ruhrtag empfinden, so stand ihnen schon bisher frei, den ihnen al» Inden nah« genug liegenden Sabbath zu begehen, und . . am Sonntag, während ihr« christlichen klollegen feiern, da» am Sabbath versäumt« nachzuholrn suchen." Zn« Schluß jene», die Thatsache« nicht richtig wird«, gebenden und im hämische» Tone geschriebenen Artikel» heißt e»: ״Daß jüdisch« Herren .... für di« Heiligung de» Sonntag» kämpfen, während sie gleichzeitig ihren eigenen Sabbath Sffentlich entweihen, da» muß Iuden und Lhriften gleich widerwärtig erscheinen. Mögen fie zunächst ihre» eigenen Ruhetag gewiffenhaft halten." Zur Richtigstellung de» gauzeu Sachverhalt» wurd« au» de« dethelligteu Kreisen der Redacttou jene» Blatte» eine ,Erwiderung" eingesaudt, welche dieselbe ab« di» heute «n» berücksichtigt gelaffe» hat. Da ad« jeu« Artikel, b« auch bet vielen unser« christlichen Mitbürg« Anstoß e«egt hat, de« Anschein «weckt, al» bestreb« fich et» Theil d« hiesige» jüdischrn «anfleute, unter Zurücksetzung ob« gar verhöhauu-