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Israelitische Wochenschrift · 1890-06-12 · 24 (12.6.1890) · p. Seite 183

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
21 (1890)
Issue
24 (12.6.1890)
Date
1890-06-12
Page
Seite 183 (sequence 7)
Language
German
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geschieden, wie nach dem Zeugnis der Lebenden e» au«׳ sprechen: Wir haben damals eine gute Wahl getroffen und wir wählen ihn wieder, nicht blo» auf weitere 25 Jahre, sondern Zeit seines Leben».' Und jubelnd stimmte die Bersammlung ein in da» dreimalige Hoch auf ״unser« Bamberger.' In zum Theil humoristischen Worten dankte dieser den Vertretern der Gemeinde für die ihm bereiteten Ehren. E« folgten nun die Redm der Deputirten de» Deutsch i»r. Rabbiner-verband«», in deflm Namen Rabb. Dr. Vogel-; ft e i «-Stettin sprach und de« verbände» der Rabbiner j Pommern« und der beiden Preußen, für den Rabb. Dr.! Werner-Danzig da« Wort ergriff. Beide überbrachten Ldreffen ihrer Körperschaften. Bon den weiteren Rednernj sind noch zu nennen: Der stellv. Borfitzende de« Synagogen- ' Vorstände» Dr. A. Falken heim auf die Gattin und die Angehörigen de« Jubilar», in deren Namen der Schwiegervater de»selben, Jacob Lohn au» Hamburg, dankte; Stadtrat Michelly auf die Ehrengäste, für die Rabb. Dr. Rülf- Memel den Dank aussprach; Prof. Dr. Ja ff», der die! Stadt Königsberg hochleben ließ; Oberbürgermeister Selke,! der dankend die Verdienste der Juden um die Entwicklung der Stadt hervorhob und darauf hinwie», wie die ״Schmach! dr» IS. Jahrhundert»' gottlob den SönigSbergeru ein Fremde»! Sedlieben ist und, soweit sein und der städtischen Behörden!!influß reicht, hoffentlich auch ferner fremd bleiben wird. Kaufmann L. Geelig beglückwünschte den Jubilar namen» der chem. Schüler; Lhefredakieur Michel» toastete auf den Grmeindevorstaud, der dazu mitgeholfea hat, daß selbst da» Wort Toleranz für hiefige Verhältnisse noch zu Geringe» ausdrückt. Ju ähnlichem Sinne sprach Stadtrat Hagen. Außerdem toasteten Stadtrath Elö ßer-Insterburg, Gekr. -klein und zum Schluffe »och einmal Dr. Werner- Danzig tu höchst humoristischer Weise auf dir Frauen. Die kurzen Pausen füllten Festgrsänge und Borträge de« Synagogrn-knabmchor» an«. Da» Festmahl schloß mit dem von Kantor Birnbaum vorgetrageneu Tischgebet. Un» bleibt al» Letzte» der Wunsch, daß e« dem Jubilar noch recht lange vergönnt sein möge, in Arische de« Geiste» wie de» Körper» seine» »mte» zum Segen der Gemeinde zu walten. Keitzetterg, 6. Juni. (Or.-Sor.) Ju einer früher» Nr. d. Bl. war behauptet, die Antisemiten Hentschel au» HandschuchSheim und Liebermauu au» Berlin bearbeiteten die hiesige Gegend, besonder» Weinyeim und Heidelberg. Thatjache ist, daß die Weinheimer Versammlung gesprengt wurde und hier kein« Bersammlung zustande kam, weil die Leranstalter in ganz Heidelberg kein Lokal dazu bekamen. Der hiesige Nationalliberalismus macht Front gegen derlei Unternehmungen, und e» ist sehr erfreulich. daß unsere Regtrrung da» Gesuch de» Hentschel um Verleihung de» bodischeu StaatSbürgerrecht» unter Hinweisung auf seine agitatorische Thätigkrit abschlägig beschieden hat. — Bon Herrn Professor Schaible ist kürzlich bei Braun in Karlsruhe ein Luch: ״Die Juden in England׳, erschienen. Schaible ist rin Badenser (Nichtjude), war früher in den einflußreichsten Stellungen au der Uuiverfität in London und au der Militärakademie zu Woolwich, und verlebt sein otiam cum dignitete hier. Wir machen darauf aufmerksam, daß der gel. versaffer de» genannten Buche» in einem besondere«, »0 Seiten umsaffendeu Abschnitte eingehend und überzeugend .sich über den deutschen Antisemiti«mu« au»läßt, natürlich den Stab über ihn brechend. (Wir kommen auf diese» die weiteste Verbreitung — besonder» auch in uichtjüdischen Kreisen — verdienende Buch noch a«»führlich im ״Litteratur- Matt“ zurück.) Zn» Württemberg, 8. Juni. (Or.-Lor.) Nach dm neuesten statistischm veröffmtlichuugen über de» Besuch der höheren Lehranstalten WÜrttemdberg» besuchen dieselbe» 6083 evangelische 1986 katholisch« und 337 iSrael. Schüler . ./'4- . ./'24--- . ,/־72- und die vorbereitungSanstaltm: 2101 evangelische 223 katholische und SS iSrael. Schüler ״ ,/'4— . ״ ,877-- Der Einwohnerzahl »ach sind in Württemberg .66'/, Eoangelischt» 33,4'/, Katholiken und 0,65•/, Israeliten. — In Oehringen hat sich eine iSrael. Gemeinde koustituirt. nachdem die J-raeliten daselbst bisher der Gemeinde Eschenau zugehörig waren: bereit» hat die Vorstand»- wähl stattgefundeo. St. . Frarrkrelch. 3f«ri». In einer besonderen un» freundlichst übersandten Schrift*) wird die am 25. März cr. in der Lonsistorial»Synagoge der Ri.e de la Bictoire stattgehabte feierliche Amtseinführung de» bisherigen Großrabbiuer» von Par!» und jetzige» Groß - Rabbiner» von Frankreich, M. Zadoc Lahn, ausführlich beschrieben. Da» Loufistorium zu Pari» und die Lonflstorien der Departement« waren zahlreich vertrete», die Staatsregierung durch den Staat»- rath und Direktor de» Lultu» und Unterricht». Der Großrabbiner von Frankreich wurde in die Synagoge begleitet von den Oberrabbinern von Bordeaux, Lille, Lyon und Algier, dm Rabbinern von Necilly, Rouen und Toulouse, dm RabbinatSassefform uud sämmtlichen Lantoren der Pariser Synagogen. Hierauf wurde durch den Präsidenten de» Leutral-Lonsistortum» da» Anstellungs-Dekret des Präsidenten der Republik feierlich verlese». Dm Mittel- Punkt der durch Gebete und Gesänge illuftrirte« Feier bildete die Antrittsrede de» Großrabbiner» von Frankreich. Diese gefühlSinuige uud gedankmtiefe Rede enthält zwei Hauptmommte: den Patriotismus und die Religion de» srauzöfischm Judmthum». Wenn auch die Namen der denkwürdigstm Gemeinden Frankreich», wie Pari«, Orleans, Tour». Troye», Montpellier und Marseille schon in» Msttelalter hiuanfreichen, da» von dem geistigen Leben de» franzöfischen Judeuthum« da» gläuzeadste Zeugniß giebl, so widmet sich doch der geschichtliche Rückblick vorwiegend dem Jahrhundert, in welchem von Frankreich au» die Freiheit und Gleichberechtigung der jüdischen Glaubensgemeinschaft verkündet ward. Der Redner hebt nun die pflichtbewußte Treue uud Anhänglichkeit dr« französischen Judmthum» für da» Vaterland hervor uud die Fortschritte auf religiöse« Gebiete. Lied und Wort verliehm in Frankreich dem jüdischen Lultu» Weihe und Ausehm auch bei de» Ange« hörigen anderer Lonfesstoum, die seit 60 Jahrm bestehende Hochschule bilde jüdisch« Theologen au», gleich befähigt für Wissenschaft und Lebm, religiöse Gesinnung uud humane That^ Unverkennbar sind die Meinungsverschiedenheiten über Formm und Normm de» religiösen Lebens, doch werde« jene ausgeglichen durch de» in dm Gemeindm au» Liebe zur Religion und Religionsgemeinschaft vorwaltendrn Geist de« Frieden». Der Sin» für Wissenschaft de» Judmthum» wird geweckt und belehrt durch die Gesellschaft für die Erforschung dr« Judmthum» (Sooiit» de» Etüde» jaives), da» Gemeiudelebm geregelt durch die, auch die mittelländischen MeereSgebiete (Algier) umsaffendeu Lonfistorim, Bildung und Arbeit gefördert durch die glaubenSgmSsslschm Schulen, die sociale Stellung der GlaubmSgemeinschaft geschützt und gestützt durch die da» Gesammtjudmthum in Liebe umfaffende Bereinigung der Allianoe Iaraälite nniver«elle. Pietätvoll gedenkt der hochwürdige Redner seiner AmtSvorgänger und aller um die Institutionen der Religio«, Wiffmfchaft und Humanität verdientm Prrsönlichkeitm der Bergaogenhcit und Gegenwart. Sr fleht in einer von kämpfm gegen innere und äußere Feinde bewegtm Zeit Gott um Hilfe an für die Erfüllung der heiligen Aufgaben seine» Amte» und Berufe» »ud segnet zum Schluffe mit dm Worlea dr» Prirstersrgm» die zahlreich versammelte tief erbaute und befriedigte Gemeinde. —r. *) f»»tell»tion de H. Le gremd-Bebbin. Psrie 1890. AIcwl Levy (Consistoire oeatrel des Imtlites de i'rmooe).

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