Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 21 (1890)
- Issue
- 24 (12.6.1890)
- Date
- 1890-06-12
- Page
- Seite 180 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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stellvertretenden Vorsitzenden, Freudenthal-Breslau al« Schriftführer, Blumeufeld-Schweidnitz. Dr. Lohn- Kattowitz, Herbst-Liffa, Dr. Mattersdorf-Gleiwitz durch Akklamation wiedergewählt. Der Vorsitzende teilt mit, daß er zu dem 70 jährigen Geburtstage de- Herrn Geh. SanilälSralh Tr. Kristeller-Berlin eine Glückwunschdepesche folgenden Wortlautes entsendet habe: Der Verein iSraelitischer Lehrer in Schlesien und Posen sendet herzliche Glückwünsche für fernere- Wohlergehen und die Fortdauer der bisherigen reichgesegneten Wirksamkeit. Der Vorsitzende ersucht ferner die Mitglieder d«S Vereins durch freiwillige Uebernahme von Vorträgen sowie von Referaten über ausgestellte Thesen ihr Interesse am Bereiue und an den Verein-Versammlungen kund zu thuu. Bei der Anfrage, ob die diesjährigen Thesen wiederum auf die Tagesordnung der nächsteu Versammlung gesetzt werden sollen, erbittet sich da- Wort Dr. B a d t - Breslau. Der Redner betont die Wichtigkeit dieser Thesen, besonderder dritten. E» seien keine genügenden Unterrichts« bücher für den jüd. Geschichtsunterricht vorhanden, und er selbst sei schon Jahre hindurch mit der Abfassung eine« solchen beschäftigt, daer nur stückweise ausarbeiten könne. Er sei, wolle er überhaupt da- Buch fertig stellen, auf die Erörterung solcher Thesen in Versammlungen angewiesen. Besonderhandle esich darum, welche Schrifteu und Einzelstellen au- Schriften zur Behandlung im jüd. Seschichtsunterricht geeignet seien. Redner verweist auf deu von ihm i« Jahre 1888 gehaltenen Vortrag, in dem er nachgewiesen, daß der bisherige Geschichtsunterricht wenig sachliche» verständni« erzeuge, weil er mehr Daten und Namen als erbauliche Stellen giebt. Auf solche Jagd zu wache«, sei er allein nicht im Stande. Er bitte deshalb jeden Eollegea, ihn durch Mittheilung solcher Schriften und Stellen unterstützen zu wollen. Schon lange sei er bemüht, deu jüd. Religion-- unterricht in dieser Richtung zu fördrrn. Seine eben erschieuene .Kiuderbibel" mit ihren besonder« herauSgegebeneu ,Erläuterungen zur biblischen Geschichte« diene diesen Zwecken; in allernächster Zeit werde in ähnlicher Weise eine Lharakteristik und Geschichte der Psalmen. so weit sich das für die Schule eigne, gefolgt von einer rhythmischen Uebersetzung derselben (besonder« von Herder und Mendelssohn, alfür deutfche Juden besonder« geeignet), von ihm herauSgegebcn werden. Im weiteren Verlauf der Geschichte wolle er eine lieberfetzung ,der Sprüche der Väter» nebst den dazu gehörigen Lebensbildern bieten. Ganz besonders erbitte er sich Material au« den populären Abschnittea der Werke uuserer Religion«- Philosophen. Er selbst beschäftige sich hauptsächlich mit der Verwertung der Schriften des Manasse den Israel und Moses Mendelssohn, die bis jetzt noch nicht genug ausgebeulet worden seien. Er ersuche deshalb nochmal« die dersammluog, die vorliegrndeu Thesen wiederum auf die Tagesordnung setzen zu wollen, damit sie bei der Darstellung der Geschichte der jüd. Religion al« erbauliche« Material ver- »endet werden könnten. Den» nur so könne er sich einen gedeihlichen Erfolg des Unterricht« i>, der jüd. Religion denken. — Der Antrag wird angenommen. Da« Referat über die These» übernahm Dr. CHodowski-Oel«, das Eorreferat Dr. Rosenthal-Bresla«. Die Diskussion über den Antrag Badt wird darauf fortgesetzt. Nach Verlesung de« Protokoll« der ersten Sitzung erhält das Wort Dr. Badt- Breslau: Die Beweggründe zu seinem Anträge seien weniger die letzten Aeußerungrn im Abgrordneten- und Herreuhause, als die Thatsachea, daß überhaupt so vielfach über uu« und unsere Religion hämisch und boshast gesprochen wird, ohne daß nach außenhi» de« mit Energie entgegengetrete» werde. Er wisse, daß solche Erklärungen Gefahren in sich schließen, da die Gegner nicht immer mit ehrlichen Waffen kämpseu. Aber di« Selbstachtung fordere e«, daß man solch«» Angriffeu eutgegeutrete. E« sei von Wichtigkeit für die Kommission gewesen, nicht den Lehriuhalt der jüd. Religio», sondern di« «pit anderen Religionen gemeinschaftlichen Lehren, deren Quelle di« jüd. Religion ist. feftzustellea. Redner verliest deu von der Kommission entworfenen Wortlaut der Resolution. Er erinnert daran« was er schon am Abend vorher betont habe, daß die Versammlung reiflich erwägen solle, ob eine solche Resolution überhaupt abzufaffen sei. Er selbst sei allerdings von der Urberzrugung durchdrungen, daß sie unumgänglich nothwendig sei; aber er wolle sich gerne bessern und erfahreneren Urteilen unterwerfe». Fall« aber die Resolution beschlossen werde, kSnne da« nur einstimmig geschehen, widrigenfalls ziehe er dieselbe zurück. Eommisfionsrath Moll-Breslau zweifelt an dem Erfolge eine» solchen Schritte», weil nicht allein die Qualität, sondern auch die Quantität entscheiden müsse, und die versammlung verhältnismäßig zu gering an Zrhl sei. Dr. Brann-Pleß ist mit dem Inhalt der Resolution vollständig einverstanden und erkennt auch dir Notwendigkeit diese« Schritte« gegenüber den antisemitischen Bestrebungen an. Er glaube nur, daß die Resolution nicht in die Kreise dringen werde, für die sie bestimmt sei, oder sie würde in deu antisemitischen Blättern nur widerwärtige, höhnische Diskusfioueo Hervorrufen. Such dir vom Gemetndebunde ver» öffeatlichtea Sätze hätten in dieser Beziehung keinen Erfolg gehabt. Im Grunde handle es sich ja bei unseren Gegnern nicht um eine wissenschaftliche Ueberzeugung, sondern es sei da« böse Herz, da» den Juden etwa« anhängen wolle. Alexander - Breslau steht eutschiedeu auf Seite» de« Antragsteller«. Man müsse jede Zeit und Gelegrnheit beb nutzen, um gegen die Angriffe auf!>»« zu proteftire» uun dürfe keine Faust tu der Tasche machen. Die Resolution solle vor ollem nicht auf die Antisemiten, sondern auf dsl etwa« antisemitisch angehauchten Kreise wirken, die nicht o«, genug über die Gitleugesetze uuserer Religion belehrt werd m könne». E« sei höchst bedauerlich, daß in dieser Hiuficht den christlichen «reisen «ine krasse Uukenntui« herrsche, me Dr. Roseuthal-Bre«lau empfiehlt die Anuah^n der Resolution. Auch de r Schwache habe die verpflicht« ^r sich zu vertheidig e n. Die Versammelten seien gar ui^, gering au Zahl, da fi« die Religion«lehrer von ganz Schle fi ״ und Pose» rrpräseutireu. Der Standpunkt der Resolut io aber werde nicht nur von diesen, sondern von alle» Juden' gebilligt. Sie seien — als Fachleute — noch mehr zu einnnsolchen Schritte berechtigt, als der Gemeindebnud. Die Resolution werde aber auch auf unsere Slaubeusgruoffeu von Eiuflrß sein. Bei ihnen herrsche, da fie kaum zu deu Quellen unierer Religion geführt »erden, eine nicht minder große Unwiffeuheit, und mancher vielleicht zweifle, ob nicht doch etwa« Wahre« au de« uu« gemachten Vorwürfen sei. Beröffiutlicheu wir die Resolution, so können wir nicht« verliereu, uur gewiuueu. Dr. Brauu-Pleß zweifelt schon deshalb au «ine« Erfolge der Resolution, weil fie von den antisemitischen Blättern überhaupt ui cht zum Abdruck gebracht würde. Der eigentliche Grund der Erfolglosigkeit aller Schritte liege darin, daß wir nicht i« Staude seien, die Grundlage der antisemitischen Strömung zu beseitige». Denn in alle« christlichen Religion» bücheru »erd« da« Judeuchum als niedriger und längst überwundener Standpunkt hingestellt, und das werde deu Kindern mit großem Nachdruck ein,«- schärft. Wenn in dieser Weise bei der Erziehung der Gegensatz zu« Judenthu« betont werde, so seien wir dagegeu und gegen die Erfolg« solcher Lehre» völlig machtlo ». Dr. Lohu-Kattowitz empfiehlt heute ebeufalls dt« Annähme der Resolution und stimmt vor alle» tzeu Ausfühnmge» des Herrn Alexander-Breslau bei. In deu «mtsemittsch _ angehauchten Weisen werde die Resolution noch deu einen oder anderen belehren und überzeugen. Auch müsse «an stets an deu alten Spruch 4»i Ucet «.(. ». denken. Wenn man sich wehre, so blrrbe — in guten Sinne —. doch immer etwas hafte«.