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Israelitische Wochenschrift · 1890-06-05 · 23 (5.6.1890) · p. Seite 174

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
21 (1890)
Issue
23 (5.6.1890)
Date
1890-06-05
Page
Seite 174 (sequence 6)
Language
German
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tU sich (ben)o wie der gleichfalls um seinen Rath angegangene Gras Jgnatieff sämmtlich als Antisemiten erwiesen, entstanden dann jene 42 Paragraphen, au« welchem die Verlage zu» sammevgesetzt ist. Al« Hauptsörderer derselben wird aber in Petersburg der Präses der Heiligen Synode, Herr PobedonoSzew, bezeichnet. Ueber die Detail« der einzelnen Paragraphen verlautet nur wenig, doch auch die« Wenige genügt vollauf zur Eharakteriftk der ganzen Vorlage. Bekanntlich ist den Juden überhaupt nur in acht rus» fischen Gouvernement« der Aufenthalt gestattet. Ju denseoigen dieser Gouvernimeot«, welche zugleich Srenzgouvernement« sind, sollte den Juten diese Erlaubniß jetzt noch dahin verkürzt werden, daß ihnen der Aufenthalt in der eigentlichen Grenzzone von 50 Werft Breite fernerhin zu untersagen sei. Ein anderer Paragraph verbot den Juden fortan da« anteln mit sämwtlichrn mit ,Banderole-Steuer belegten egenftändrn. Jüdischen Handwerkern, denen bisher die inneren Gouvernement« offen standen, sollte fernerhin diese Erlanbniß ganz entzogen werden. Ju Städten, wo Juden wohnberechtigt find, dürften nach den projektirten neuen Bestimmungen höchsten« 5 Prozent der dortige» Geschäfte, Restaurant« u. s. w. jüdische Inhaber aufweiseu. Der Erwerb uv beweg« licher Güter sollte ihnen ganz und gar verboten werdeu. In Petersburg, Moskau und Kiew hatte mau für zeitgemäß befunden, den Juden bestimmte Straßen zum Wohnen anzuweisen; e« sollten also nach berühmten mittelalterlichen Mustern daselbft neue Ghetto'« eingerichtet werden! . . Ein zur griechisch-orthodoxen Religion übergetretener, getaufter Jude — so hieß e» in einem Paragraphen — sei betreff« seiner Rechte den Juden gleichzvstellen; erst' seine Sinder könnten die Rechte der Christen in Rußland erhalten. Nach dieser kleinen Blumenlrse au« der Vorlage wird e» Niemanden Wunder nehmen, daß verschiedene russische Würdeuträgrr. welche dieselbe zu Geficht bekamen, ihrer Empdrung deutlichsten Ausdruck liehen. E« wird mit Bezug hierauf Manche» erzählt, doch in Petersburg liebt man stet« etwa« park aufzutragen, und so ist e« denn schwer, da« Richtige vom Falschen zu sondern. Jedenfalls kam die fertig auSgearbeitete Vorlage nicht in den ReichSrath, sondein wurde bi» zum Herbst 18S1 zurückgestellt. Ob sie dann in veränderter Form noch zur Beralhung gelangt, bleibt abzuwarten, besonder« augeficht« der Stellung, welche, wie auch andere Blätter meldeten, Großfürst Michael Nikolajewitsch, der Präsident de« Neichrath«, der Borläge gegenüber einniwmt. Man erzählt darüber Folgende«: Al« brr Großfürst die einzeluen Paragraphen durchgelesra hatte, stieß er da« Schriftstück bei Seile und brach entrüstet in die Worte au«: ,Sind wir denn Asiaten?" Al« fich dann ein hochstehender Herr den (Linwand erlaubte, daß scharfe Einschränkuugeu der den Juden gewährten bisherigen Rechte wohl auch in den allerhöchsten Jutensioueu lägen, erklärte der Großfürst sehr bestimmt, da« sei keiue«weg der Fall, und fügte hinzu: ,Ich fahre sofort selbst zu Seiner Majestät!' Diesen Worten folgte auch unmittelbar die Thal. Der Zar aber war vollkommen der Auficht seine» Onkel«, und die Vorlage wurde ad aota gelegt. Auch versichert man, daß bereit« der Minister de» Innrru, Duruowo, dem der Inhalt der Vorlage gleichfalls unzeitgemäß vorkam, dieselbe au« eigener Initiative zurückziehen wollte. Vet«r«I»rg. Wie allgemein bekannt, sucht die judeu» feindliche Zeituug ,Grazdanin' jeden Vorfall mit dm Schäudlichkeitm der Juden zu würzen. So ließ fl« vor Kurzem ihres Groll über die Inden bei« Militär au« und fügte falsch« Ziffern an. welche der ,Nied. Sr. WoSchod' richtig stellt und dann hervorhebt, wie in dem letzte» ruffisch» türkisch«» Kriege die jüdischen Soldateu — loul de» amtlichr» Rapporte» — durch Muth und Unerschrockenheit fich überall auSzeichuet׳» und mehrere derselben (die׳ Namen werdeu angeführt) die Bewunderung ihrer Vorgesetzten׳ erlangten. So lautet B. ,der Rapport" de« General s Czermajew über einen gewiffen Soldstein: ,vom Anfang ׳ di« zu Ende, seitdem er zu wir kam, war er im Feuer der Schlachten. Am 11. August, beim U-verfall der Türke»׳ auf tie Schuwaler Rrdoute. lenkte Goldftein durch seiner» besonder n Muth und seine Soltblütigkeit meine Aufmrrksamk it auf sich. Al« ter Eommandant der Redoute, Proticz, fiel, ernannte ich sofort Soldstri» an seine Stille. Unter Goldstein'« Eommando wurde die wüthende Attaque der türkischen- Masten heldenwüthig zurückgeschlagen, wofür Goldstein die Tapferkeits-Medaille von mir empfing. Am 30. Augustbefand sich Goldstein bei RobiwSzica, bei einer Batterie die dem feindlichen Feuer zumeist auSgesetzt war und wo er am rechte» Arm schwer verwundet wurde. Ich war bei de« GipSvrrbonde zugegen, und trotz der schrecklichsten Schmerzen erzitterte Goldftein nicht rin einzige« Mal. Einige Tage später starb er i» Rafa». Ich habe während meiner ganzen militärischen Earriere keinen solchen wuthvollen und kaltblüligen Soldaten gesehen, wie er, und ich betrachte e« al« eine heilige Pflicht, sei» Audenke» damit zu ehren, indem ich dir» hervorhebe." Rumänien. In einem früher» Artikel der,RumänischenRrvue' (redigirt von Tr. Cornelius Dicconovich), weicher »Romänen und Sachsen" betitelt ist, und Ne fiebenbürgischen Verhältnisse im Auge hat, sind einige Stellen, die auch für die Leser dieser Zrilung von Interesse sein dürste». E« ist ja rin« bekannte Lhatsache, da« leider da» deursche Sprachgebiet in Siebenbürgen durch da« Vordringen de» romünischea immer mehr verliert. Gleichwohl sucht man die Sachsen in eine Coalition gegen-die Ungarn hineinzuziehen; bei diesem LiebeSwerten bringt nun dir ,R. Revue" folgende«, war un« inlr.essieit. ,Im Gegenthrile, sie (die Romänen) wachen über nicht« mit größerer Eifersucht, al» über ihre reine und durch die verwirrende Beimischung fremder Elemente unveränderte nationale Eigenart. Beweis dafür Romänien, wo Hundertlausende von Juden sehr erfreut wären, sich «it den Romänen zu identificieren, wie auch die Juden in Ungar» sich mit den AltgyLren ideotific ekt habe», — aber die Romänen nehmen sie nicht auf, sie haben sie nicht nöthig, sondern im Gegentheile sie vertheidigrn sich mit ollen Mitteln gegen diese »Vermehrung", welche nach der Meinung der Romänen eben!, gefährlich, al« den Mügyärrn erwünscht ist." Fügen wir noch eine zweite Stelle au« demselte» Artikel hinzu (Dezemberhest Seile 755.): ,Rirmal« und nirgend», weder in der Gegenwart noch m der Vergangenheit; weder hier in der hab»burgischea Monarchie, noch dort, wo dU Romänen Hern» de« Lande» find, hat da« romanische Volk auch nur durch eine einzige Thal oder durch einen einzigen politischen Akt irgeud eine Gelegenheit zu Wegen gegeben, daß vo« romanischer Seit« bezüglich der Sprache oder Nationalität »der auch nur*) bezüglich der Religio»,'welche auch**) in den civilisirte« Ländern Jahrhunderte lang die Ursache de« erbtttertste» Streite«, der Verfolgungen »nd blutige» Kämpfe war, irgend eiu Druck geübt v ord en sei. In den Augen der Romänm ist der Renegat ei» verabscheuungSwerthe« Wesen, selbst dann, wen» er an« de» fremden Lager in da« romanische übergeht."***) *) Dies«» »auch nur" soll gewiß hervrrbeden» daß «» sllr ei» ° rmntlmsche« ««wisst» «in« leichier» Bürde ist, N«Uzion»»ers«igu»i«» in» llllert zu f<|ca. **> Sa» geben wir gern zu, daß Namäalra nicht za den ribitt» perlen Läadera zu recheea ißt ***) Da« ivtlr« ja gau» sch»», wen» die Jaden etwa ihr« Bellgirn verlassta wolltra; aber sie awllea ja anr al« gleichberechttgt» Bärge: «hrG fcatnlaaM gemäß tca Ueßtmmarzea d* Berliner «ertrage« ledee.

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