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Israelitische Wochenschrift · 1890-06-05 · 23 (5.6.1890) · p. Seite 175

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
21 (1890)
Issue
23 (5.6.1890)
Date
1890-06-05
Page
Seite 175 (sequence 7)
Language
German
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— 175 Wenn nui das Blatt die Gerechtigkeit de» ronäaischen 'Volke» hrrvorhebcn und in die Welt hinaustoteu Wollte, fr durste man doch um keinen Preis die Juden ermähnen; denn wer wußte nicht, wie e» mit den Hunderttausenden von Juden sicht, die in Romänieir wohnen? Während in "Ungarn die Emincipation eine au»grmachte Tyatsache i't, -mährend dort setbst die eifrigsten Antiscm'teu diejenige» Juden, welche sich der ungarischen Bildung onzeschlosscn ha'׳en, « chl gerade fressen wollen, zeichnet sich da» Kischvolt d r Romanen gerade dadurch au» big sie die Reinheit ihrer Rasse so sehr zu erhalten bemüht sind, dag sie die ganz .und gar zu Rumänen gewordenen Juden durchau» nicht al» solche anerkennen wollen. Und da« girbt ja unsere ,Revueauch vollkommen zu. Nur dürfte sich frage», wir e» dazu paßt: Niemals und nirgend» seien durch eine ei» sige Thai von rumänischer Seite auch nur bezüglich der Religion irgend rin Druck auSzeübt worden. Da die »R. R.- auf dem Titelblatt ein recht dickes ,Nachdruck erwünschtträgt, so Helten »vir e« für unsere Pflicht, diese Worte de» romäiiischen Patrioten weiterzuverbreiten. Vermischte und neueste Nachrichten. A. Berlin, im Mal. Am 21. Mai war e» »in Jahr, dag der durch -fein hiaaedeade» uneigennützige» Wirken im Dienste der Menschlichkeit, durch die Bravheit und Reinheit seine» Charakter» tm Kreis« seiner Mitbürger und ganz besonder» auch seiner ärztliche» Beruf»g«aoss«n hochgeschädt« geh. Sanitätlrath Dr. Abarbanall hier tm 6b. Leben»- jahr« starb. Heine Freur.de beschlösse», ihm «In würdige» Denkmal zu errichten. Der Bildhauer Walter Schott übernahm die Herstellung desselben. Am ersten Iah «»tage in Gegenwart eine» groben Freunde»- und Berwandienkreisr» wurde «» auf dem Ceuiral-Fritbhos zu Kriedrich»seld« eingeweiht und der Willw« de» Verewigten übergeben. Aus Viereck gem Sockel au» schlesischem Marmor erhebt sich «ine abgestunrpste jonische Säule gleichem Material. In der Slirnsläche de« Sockel» ist eine quadratisch« Tafel au» wetßem carrarischem Marmor «ingesügt mit dem Flachreitesb-ld de» Prafilkopse« de» Verstorbenen. Unter halb dieser Bildnißtafel liest man in goldenen Lettern die Worte: .Gehe nner San tLt»rath Dr. Abarbaaell, geb. den 10. Januar 182b, «ft. d en 21. Mai 1880.» Aus der linke« Seitenfläche de» Postamente» «sindet sich die Inschrift: .Dem Menschenfreunde, dem Arzt«, der, unermüdlich, di« eigne Kraft freudig im Dienst« der Leidenden opfernd, im Wirken sür Andre immer fern höchste» Glück fand." Aus der rechten Seitenwand aber stebt ln Goldschrif«: .Zur bauernde« Erinnerung «a den tteuern Dahingeschiedene» gestiftet von seine» Freunden.- Ein Freund de» Verewigten trat neben da» Denkmal und sprach die kurz« gedankenreiche Weihered«. Einer der ältesten Philosophen Hab« oefaat: Ans drei Dingen beruhe die Welt: auf der Intelligenz!». h. der intelligenten Einsicht de» Menschen in die Natur, da» Wissen »nd da» Leben: zweiten» ans der treuen L«ruf»arb«it, und dritten» »ns wohlrhä igem und gemeinnützigem Wirken. Der Redner führt« im Einzelnen au«, wie gerade diese drei Eigenschaften den «rewigten Freund jederzeit audgezeschiiet hätten. Hannover. Hier ist an Etelle Berggrün» s. A. der Lantar Lazaru» au« Tepliy gewählt worden. Dess»»« 26 Mal Die Enthüllung de» Mo'«» M«adel»sahn- Denkmal» in de» Anlag«» am Bahnhöfe ist ans den 18. Juui fest- Pf«»*- Gose», 24. Mai. Da» Sanfmann Moritz Silbersteiu'sch« Ehepaar b«g׳na heut« in voller Rüstigkeit da» Fest der goldenen Hoch- »««. Zn diesem selene» Familienfeste wann zahlniche Verwandte «4 Juvelpaare« van nah und sern etagetroffea. Fraukfart a M. Für die Solk«schnle der Jsraelit'schen Hdeligiondgesellschaf« wird, da da» alte Hau» ta der Ki>ch«rseldstraße zu «»g geworden ist, ans dem Röderberg «in Nenbau errichte«. Auch «ine» Backosrn läßt genannte Reltgion»g«f«llschast aus ihrem ne» er» n»rbea«n Terrain erbauen zur Herstellung von Mazzo» zu Oster« für die der Aufsicht der Gemeind« unterstehend«» Bäcker. (Fr. Zett.) 2» IK«i«z findet den ü. Juni, i« i«rael. Gemeindehaus«, et״« Versammlung i»ra«l. Lehrer de«Grotzherzogthum»Hessen zurBespnchnng über die Verhältnisse dieser, tnäbcsaadere der R«ligion»lehrer, und znr Färderung de» Religion»-Unterricht« statt, wo,u nah dt« Rabbiner und Vorstände gröberer Reltgionä-Gemc'nden und Freund« der Sache «Ingeladen sind. B»d«»«ft. Laut Auäwei« d!» statistischen Bureau'» sind unter den im obgelausenen Jahre in der ungarlschen Hauptstadt geschloffenen Ehen 62S »«roelilische. Budapest. Im Tempel in der Rombachgaff« wurde am Sam»- tag der lSjährtg« Zögling de» Frimm'sche» Taubftummeuinstitt», Ignaz Schwarz, Barmizwah. Die zahlreich Versammelten hörte» Derührt zu, wir der N.'ia« Knabe eine» Abschnitt au» der Ges«tzi»rall« »nd dt« Segen»sprüche klar und verständlich wtadergab. Mara» (Schweiz), 2«. Mai. (Or.-Corr.) Der grobe Rath hat den Regierung »rath beauftragr. «egen de, bundeSräthlichen «iiischeid in der Schächtfrage den Necur» zu ergreifen. Amsterdam. Ei» neuer Pianist. Herr Eduard Zeldenrust von hier, debatirte in einem Tonzert de» .Königliche» Dilletaatea» Orchester»Verein»- >n London und rief sei» glänzende» Spiel einen hochgradigen Applau» hervor. Pari«. Die Reih« der Gonoorträg: der ans da» hiesige Ober» rabbiaat refl:ctire»den RibbinerecöffnctederOderrrbdiner Dr.Dreisu» au» Brüssel. Pari«. Einige reiche sranzösische Juden boien dem Pipne 1,0)0,003 Franc» sür die berühmte Baticanisch: Bibel. Bekanntlich waren schon dem Papst« Juliu» 1l. für dieselbe;00,003<־ Franc» g:boten worden. E» ist aber srazlich, ob der Papü über die Schätze de» Vatikan» frei verfügen kann. London. Am Sonnabend, den 10. Mai, wurde Madame Haim Guedalla in ihrem 71. L-benSjahre zu einem bessere« Leben abde» rufen. Di« verltorbene war eine Richte de» Bar. Sic Mosel Monte» sior« uyd Schwester der Midame I. Sebag-Moutesiore. Im Jahr« 1810 verheirathet, begleitete sie an der Seite ihre» Gatte» im Jahre 1855 Sir Mose» Moiuesiore auf dessen Reise nach Paiäüina, bei welcher Gelegenheit auch die Guedalla-Jeschibah zu Jerusalem «:gründet wurde. Die Verstorbene war weg»u ifrr Gute und Leutseligkeit allgemein beliebt und bezeugte die grobe Theilnahme bei ihrem Vegräbaiß, daß man ein« edle Krau zu Grabe trug. London. Soeben erschien der Jahrerbericht de» jüdischen Hospital» zu Middlesex sür 1839 nebst einer historischen Skizze über dessen Ursprung und fernere Entwickelung. Im Jahre 1745 gegründet, zeig'« sich dir Ansta't schon bald nicht mehr audre chcnd sür die Zihl der auszuaehmenden Kranken. Der Grundstein zu dem jetzigen Anstalt»- oebäude wurde im Mai 1753 gelegt und erfuhr dasselbe in den Jahre« 1834 und 1818 rin« nachmalige Erweiterung. Seit 1807 wurden kranke Wöchnerinnen in ihrer eigenen Behausung besucht. Die Abthellung für Krrb»kranke, die medizinisch« Schule, da» Museum und da» Särterinnen-Jnstitut stehen zu dieser Anstalt in enger Beziehung. Da» Ho»pital gewährt etwa 2000 internen und über 20,000 externen Kranke» Unterstützuna. Die Ausgaben während de» letzten Jahre» beliefen sich ans 28,b90 Ps. St. und die Einnahmen aus 19,776 Ps. Sk. Land«». Bei dem Festeffen zur Hebung de» Taubstummenunterricht» gedachte der L»rd-Mal>or Jsaac» der seligen Baronin Mayer Rothschild, die sich groß« Verdienste um die Berdefferuug de« alte» Un «rrichts-System» erworben batte. Darauf erwiderte Graf Roseberry, der Präs«» de» G:melnd«rathe» v:n London: »Di« Metropole van England hat noch nie «Inen besseren Lord-Mayor deseffeu, al« jetzt und wäre er «» auch deswegen, weil nach keiner sich mit salcher Wärme der Armen uad Unglücklichen angenommen hat. wie Sir Henry Jsaac». Der Verein, in dessen Interesse wir hier bessammen find, verdank« zum größten Theile seine Entstehung und Blüthe der Theilnahme jener Mitglieder, deren Wohlthäliakettssian in England und in der ganze» Welt berützmt ist. Die Wahlthätigkeii der Juden ist ei;e Thaisach«, welch« ihnen die unb:dingt« Anerkenuung und Dankbarkeit Großbritannien» sicher». (Lauter Beifall). Jlalie». Der Vater Mau in», de» Präsidenten der Republik in Venedig tm Jahre 1848, Hai. »'« da« .Vess. i»r - mittheilt, sich delwege» taufen lasse«, weil sein« Hoffnung, in da» Rabbinat gewählt z>, werden, sich nicht erfüll»». Auch der Vater Dlsraeli'ä hat seinen Sohn, den späteren Lord Beacon»fie!d, wegen einer cultuellen Zurücksetzung taufen lassen. Man!» und Dlsraelt waren spanische Juden und «rache Staaiäwänner. (Wie viel« bedeutend« jüdisch« staat»- männlich« Talente kommen nur deädalb nicht zur Entfaltung und Geltung »eU fie ihrer Religio» treu bleiben! Warschau, 23. Mai. Vrlanutlich ist bei un« zu Land« den Inden durch kaiserlichen Uta» der Erwerb von Grundbesitz auf dem Land« und in kleine» Städten nicht gestattet. Dieser Umstand Hai verschieden« Israeliten dazu veranlaßt, kleiner« und größere Landoesitzunae» in Pacht von sehr auägrdehnter Zeitdaurr zu nehmen. Hierin erblickt dl« Regierung, wie au» Kiew miigetheili wird, «in« Umgehung jene« Ukase» und wird gegen derartige Pächter, deren Zahl flch namentlich in letzterer Zelt sehr bedentend vermehrt haben fall, wegen unerlaubten Grunderwerbe» rücksichtslos vargehk» Aus den Ausgang dieser Angelegenbeit ist man hier gespannt. Man befürchtrt, dach auch in der dik»seUlg«n Statthalterschaft und tn aucherhalb derselben gelegene» Gauvnrnement» Sehnliche» geschehen wird. — Alu« «morika schreibt man: Die geheimen Orden und Logen schießen in unsere« Lande «I« di« Pilze aus. Die letzte un» bekennt gewordeae Erscheinung dieser An ist der ״Ancient Order ot the American Star- (der alte Orden de» amerckaniichen Stern), der einen halbjährlichen Bericht in der .Jüd. Gazellenin N-w-^oik nebst einer Gratis » Reclam« veröffentlicht. Bekanntlich hat dieser Orden auch di« Aufgabe, di« Welt zu erlösen, wa» ihm wahrscheinlich nicht so ganz leicht geling,. Di« Hauptide« de» ganzen Orden»w«s«n», die «merilanOchen Juden zu vereinigen und zu verschmelzen, und sie sozial-polilisch zu bilden, ist aber durch dle vielen Orden zu Wasser geworden. Statt sich zu einigen und zu verbinden, zerreißen sie sich tn einige Dutzend Orden. Diesen guten Leuten ist die Macht der Eiiiheir und der O'ganisation sremd, uad sie iverden e» wohl nie bezreisea, daß sie sich selbst i« öffentlichen Leben vernichten..

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